Mit dem OnePlus 7 und OnePlus 7 Pro bringt das Smartphone-Startup aus China erstmals zwei Modelle derselben Reihe an den Start. Während das „normale“ OnePlus 7 als direkter Nachfolger zum OnePlus 6T anzusehen ist, geht OnePlus mit dem Pro-Modell noch einen Schritt weiter. Die Grundausstattung ist nahezu identisch, allerdings bekommt das OnePlus 7 Pro neben einem größeren Display auch einen größeren Akku und eine dritte Linse. Besonders die Kamera steht beim 7 Pro im Fokus, aber ist die Triple-Kamera wirklich so gut? In einer kleinen Foto-Tour durch Taiwan wollten wir die drei Sensoren etwas näher kennenlernen und ausprobieren!

Die Smartphones von OnePlus konnten schon immer in Sachen Leistung, Software und der dahinterstehenden Community punkten. In punkto Kamera war die Qualität zwar auf einem hohen Niveau, allerdings konnten die Konkurrenzmodelle oftmals mit ein paar Features mehr aufwarten. Beim OnePlus 7 Pro soll sich das nun ändern, denn erstmals setzt OnePlus auf eine Triple-Kamera.

Das Kamera-Setup – drei unterschiedliche Sensoren und Linsen

Als Hauptsensor setzt das Trio auf einen Sony IMX586 Sensor, der 48 Megapixel und eine f/1.6 Blende bietet. Die Pixelgröße beträgt 0.8 µm und vergrößert sich durch die „Pixel Binning“-Technik („4-in-1 Pixel“) mit 12 MP auf 1,6 µm. Mit dabei sind sowohl eine optische als auch elektrische Bildstabilisierung (OIS + EIS).

Der zweite Sensor bietet 8 Megapixel mit einer Pixelgröße von 1.0 µm, besitzt eine f/2.4 Blende und ermöglicht einen 3x „lossless“ Zoom. Damit das vergrößerte Bild gelingt, ist auch hier eine optische Bildstabilisierung integriert. Mit einer dreifachen Vergrößerung positioniert sich das OnePlus 7 Pro über Modellen wie dem Samsung Galaxy S10+, kommt allerdings nicht ganz so nah heran wie ein Huawei P30 Pro. Mit dem 3x Zoom ist das OnePlus 7 Pro auf einem guten Mittelweg, denn oftmals sind 5x Zoom zu viel und 2x Zoom einfach zu wenig.

Das OnePlus 7 Pro kommt in Nebula Blue mit einer schicken Rückseite daher, Fokus ist natürlich die neue Triple-Kamera!

Dazu gesellt sich noch ein Sensor mit 16 Megapixeln, der über eine f/2.2 Blende sowie eine Ultraweitwinkel-Linse verfügt. Das Sichtfeld erweitert sich auf 117 Grad und erfasst somit mehr Inhalt. Standardmäßig ist eine Korrektur für Verzerrungen im Randbereich aktiviert, die das Bild leicht zuschneidet, der Nutzer kann die Korrektur jedoch jederzeit ausschalten.

Zum Fokussieren greift das OnePlus 7 Pro auf ein Hybrid-System zurück, das aus einem PDAF (Phase Detection Autofocus), CAF (Contrast Autofocus) sowie einem Laser-Fokus besteht. Durch drei Autofokus-Systeme kann die Kamera schneller und präziser scharfstellen.

Zoom-Linse: wie realisiert OnePlus die 3x Vergrößerung?

Allerdings ist der Telezoom eher als „3x Lossless“ und nicht „3x optisch“ zu bezeichnen! OnePlus nutzt eigentlich einen 13 Megapixel Sensor, der nach einem dreifachen Zoom nur noch 8 MP nutzt. Der Sensor besitzt also eigentlich eine 2,2-fache Brennweite, die „gecropped“ auf 8 MP zu einer 3-fachen Brennweite wird.

Die Kamera verliert dadurch keine Details, schneidet aber eben leicht das Bild zu und ermöglicht so den größeren Zoom. Während normale Fotos mit 3x Zoom in 8 Megapixeln geknipst werden, nutzt die Software beispielsweise die vollen 13 MP des Telezoom-Sensors im Portrait-Modus. Es muss allerdings erwähnt werden, dass „optischer Zoom“ in einem Smartphone nicht mit der Technik in einem hochwertigen Kamera-Objektiv gleichzusetzen ist.

Die Selfie-Kamera versteckt sich auf der Oberseite und fährt heraus!

Für gelungene Selfie-Aufnahmen sorgt ein Sony IMX471 Sensor mit 16 Megapixel und f/2.0 Blende. Der Fokus ist zwar fix, allerdings ist eine elektrische Bildstabilisierung (EIS) dabei. Das Besondere ist jedoch das ausfahrbare Modul, in dem die Frontkamera sitzt. Erst dadurch kann das OnePlus 7 Pro ohne eine Display-Notch am oberen Rand auskommen. Mehr zum Design und den weiteren Features des OnePlus 7 Pro erfahrt ihr in unserem ausführlichen Testbericht.

Ein besonderes Highlight des OnePlus 7 Pro: die Frontkamera fährt aus der Gehäuseoberseite heraus!

Das OnePlus 7 Pro macht also sowohl bei der Anzahl der Linsen als auch der Sensorqualität gegenüber dem Vorgänger einen guten Sprung nach vorne. Das OnePlus 6T basierte noch auf einem IMX519 mit 16 Megapixeln und setzte zudem auf einen zweiten Sensor mit 20 MP zum Sammeln von Tiefeninformationen. Mit den drei Linsen bekommt der Nutzer deutlich mehr Möglichkeiten geboten, um Fotos aus unterschiedlichen Blickwinkeln und mit verschiedensten Ausschnitten knipsen zu können.

Software-Updates und neuer Kamera-Algorithmus

Eine bessere Foto-Performance scheint OnePlus wirklich wichtig zu sein, denn in den ersten zwei Wochen mit dem Smartphone gab es bei uns gleich zwei Software-Updates. Darüber hinaus hat OnePlus den Kamera-Algorithmus verbessert, der nun „Ultra Shot“ heißt. Er greift auf HDR+ und „SuperResolution“ zurück, die für scharfe und helle Aufnahmen sorgen sollen. Im DxO-Mark, einem beliebten Kamera-Test, erreicht die Triple-Kamera des OnePlus 7 Pro einen Wert von 111 Punkten. Damit landet das Smartphone auf dem aktuell dritten Platz hinter dem Samsung Galaxy S10 5G und Huawei P30 Pro.

OnePlus 7 Pro – Kann die Kamera überzeugen?

Insgesamt kann das OnePlus 7 Pro mit durchwegs guten Fotos punkten, besonders der Hauptkamera gelingen scharfe und farblich abgestimmte Aufnahmen. Durch die verbesserte HDR-Technik werden in zu hellen und zu dunklen Bereichen viele Details besser sichtbar, die vorher kaum zu erkennen waren. Der Weißabgleich ist gut abgestimmt, zudem kann die schnelle sowie präzise Fokussierung punkten. Gelungen ist auch der natürliche Bokeh-Effekt, der ohne Nutzung des Porträtmodus für eine sanfte Tiefenunschärfe sorgt.

OnePlus 7 Pro - Automatik
OnePlus 7 Pro - Automatik
OnePlus 7 Pro - Automatik
OnePlus 7 Pro - Automatik

Der Ultraweitwinkel-Sensor kann mit seinem größeren Sichtfeld von 117° beeindrucken, der Nutzer kann damit deutlich mehr Elemente in das Bild aufnehmen. Während Farbgebung und Helligkeit gut abgestimmt sind, hat der Sensor vor allem mit seiner Kontrast-Abstimmung zu kämpfen. Einige Flächen verlieren sehr schnell an Detail, wodurch am Ende nur noch schwarze oder weiße Bereich zu sehen sind.

OnePlus 7 Pro - Ultrawide
OnePlus 7 Pro - Ultrawide
OnePlus 7 Pro - Ultrawide
OnePlus 7 Pro - Ultrawide

Mit dem dritten Sensor bekommt das OnePlus 7 Pro eine gelungene Zoom-Kamera spendiert. Die dreifache Vergrößerung wird zwar durch ein „Crop“ erreicht, allerdings kann der Sensor dennoch genügend Details aufnehmen. Wie bereits erwähnt, ist der 3x-Zoom in einem sehr angenehmen Bereich positioniert. Zwar kommt das OnePlus 7 Pro nicht so nah heran wie ein Huawei P30 Pro, ein Samsung Galaxy S10 bietet allerdings weniger.

OnePlus 7 Pro - Zoom
OnePlus 7 Pro - Zoom
OnePlus 7 Pro - Zoom
OnePlus 7 Pro - Zoom

Nachtmodus „Nightscape“: deutlich verbessert!

Deutlich verbessert hat sich der Nachtmodus, der nun viel schneller arbeitet und eine bessere Qualität bietet. Er sollte dann eingesetzt werden, wenn wirklich kaum mehr Licht auf ein Objekt fällt oder die Szenerie einfach zu wenig Details bietet. Wird der Nachtmodus aktiviert, belichtet er das Bild für ein paar Sekunden und sorgt so für eine deutliche Aufhellung gegenüber dem Standard-Modus. Das Bild bekommt mehr Schärfe spendiert, die sich besonders bei den Details bemerkbar macht. Das OnePlus 7 Pro kommt somit sehr nah an die Qualität von Google und Huawei heran.

Volle Leistung mit 48 MP und RAW-Format!

Im Automatikmodus setzt der Hauptpixel mit seiner Pixel-Binning-Technik auf 12 Megapixel, die volle Leistung mit 48 Megapixel kann der Nutzer jedoch manuell aktivieren. Dafür eignet sich dann auch der Pro-Modus, mit dem der Nutzer diverse Anpassungen im Bereich ISO, Weißabgleich, Fokus sowie Belichtungszeit und Belichtungskorrektur vornehmen kann. Wie es sich für einen Pro-Modus gehört, kann die Kamera auch in RAW knipsen. Das Foto-Format sammelt mehr Bild-Daten und lässt somit eine bessere Nachbearbeitung zu, allerdings braucht es dafür ein entsprechendes Bearbeitungsprogramm.

Weitere Eindrücke aus Taiwan:

Software – die Kamera-App

Die Kamera-App kann mit einem sehr übersichtlichen Design punkten, das schnell zu verstehen und intuitiv bedienbar ist. Der Nutzer kann selbst aussuchen, welche Modis angezeigt werden sollen und welche nicht. Auch die Zoom-Steuerung ist leicht verständlich, sodass jeder direkt weiß wofür sie da ist. Für eine genauere Einstellung der Vergrößerung gibt es noch das „Zoom-Rad“, das beim „Gedrückt halten“ der Zoom-Stufen erscheint.

In den Kamera-Einstellungen gibt es einige Anpassungsmöglichkeiten für den Nutzer. Das Gesamtpaket der Software ist einfach stimmig und zeichnet sich besonders durch die einfache Bedienung aus.

Video-Aufnahmen mit dem OnePlus 7 Pro

Obwohl es in diesem Artikel primär um die fotografische Qualität des OnePlus 7 Pro geht, darf natürlich die Videoqualität nicht vergessen werden. Hierbei beherrscht das OnePlus 7 Pro Auflösungen von bis zu 4K UHD (2.160p) bei maximal 60 Bildern pro Sekunde. Unter FullHD (1.080p) kann der Sensor ebenfalls mit bis zu 60 FPS im Automatikmodus filmen, im Slow Motion Modus schafft die Kamera allerdings bis zu 240 fps in 1.080p sowie 480 fps in 720p. Die Frontkamera kann maximal in 1.080p aufnehmen und schafft dabei bis zu 30 FPS.

Die Videostabilisierung wird, wie beim Fotos knipsen, durch eine Kombination aus elektrischer und optischer Stabilisierung realisiert (OIS + EIS). Sie lässt sich in allen Modi nutzen und sorgt für ein größtenteils ruhigeres Bild. Die Stabilisierung bleibt allerdings nicht immer stabil, beispielsweise beim Laufen oder einem schnelleren Schwenk. Dafür kann jedoch die Bildqualität punkten, die sich sehr an der Fotoqualität orientiert.

Etwas schade ist allerdings, dass OnePlus auf den neuen HEVC-Codec verzichtet, der leistungstechnisch mit dem Qualcomm Snapdragon 855 SoC durchaus realisierbar gewesen wäre. Auch HDR10+ fehlt leider bei der Videoaufnahme, obwohl sogar das Display diese Technologie unterstützt. Videos zeichnet das OnePlus 7 Pro ganz standardmäßig in „SDR“ (Standard Dynamic Range) auf.

Fazit

Abschließend lässt sich feststellen: OnePlus hat bei der Kamera auf alle Fälle einen guten Schritt nach vorne gemacht! Mit drei Sensoren, drei unterschiedlichen Linse und einer gelungenen Software kann das OnePlus 7 Pro besonders mit seiner guten Vielfalt punkten. Der Nutzer kann sich entweder für eine hohe Auflösung, den 3-fachen Telezoom oder ein größeres Sichtfeld entscheiden. Neben dem Automatikmodus steht auch ein Pro-Mode für Foto-Enthusiasten zur Verfügung, auch das Fotografieren im RAW-Format wird dabei unterstützt.

Die Bilder können sowohl bei Tag als auch bei Nacht mit einer guten Schärfe, hohen Dynamik und ausgewogenen Farbgebung punkten. Der „Ultra Shot“-Algorithmus sorgt für ein stärkeres HDR und bringt so mehr Details bei Gegenlicht zum Vorschein. Die AI-Erkennung ist eher zurückhaltender und muss nicht unbedingt genutzt werden, der normale Automatikmodus reicht da vollkommen aus.

Als besonders herausragendes Foto-Smartphone würden wir das OnePlus 7 Pro jetzt nicht bezeichnen wollen, aber es knipst außerordentlich gute Fotos auf einem hohen Niveau. Es muss sich gegenüber der Konkurrenz à la Samsung, Huawei und Google keinesfalls mehr verstecken. Allerdings besitzt OnePlus noch ein großes Potenzial, dass vielleicht schon beim nächsten Smartphone genutzt werden könnte. Ein ToF-Sensor („Time of Flight“) wäre da ein gutes Beispiel, denn damit könnte das Bokeh noch feiner und Portrait-Aufnahmen noch hochwertiger werden.

Wir sind gespannt, wie OnePlus die Kamera in den nächsten Wochen und Monaten noch mit Updates verbessern wird. Unsere grundlegende Meinung zum OnePlus 7 Pro erfahrt ihr übrigens in unserem Testbericht, dort könnt ihr mehr zu den Themen Leistung, Akku, Display und Mehr erfahren. Preislich liegt das OnePlus 7 Pro in Nebula Blue mit 12+256 GB bei rund 829 Euro*.

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3 Kommentare

  • FENG

    Bildqualität sieht geil aus!

  • FENG

    aber die Gewicht ist mehr als 200g, bisschen schwer, oder?

    • Leonardo Ziaja

      Ein wenig schwerer als vergleichbare Smartphones, dafür ist das OnePlus 7 Pro natürlich auch ein Stück größer als andere Modelle – der Unterschied ist allerdings wirklich marginal und fällt nach längerer Benutzung kaum mehr auf! :-)

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