Das Asus ROG Phone 3 möchte als schnellstes Android-Smartphone vor allem Gamer beeindrucken. Die extravagante Ausstattung übertrifft auf den ersten Blick viele Flaggschiff-Konkurrenten und zudem gibt es noch umfangreiches Zubehör. Wir erläutern im Testbericht, ob es hält, was es verspricht.

Übersicht

Das Asus ROG Phone 3 startete im Juli 2020 in drei Varianten. Für 799 Euro erschien das ROG Phone 3 Strix* mit einem Snapdragon 865, acht Gigabyte Arbeitsspeicher und 256 Gigabyte Speicher. Die teureren Varianten besitzen einen etwas schnelleren Prozessor sowie mehr Speicher. Mit zwölf beziehungsweise 512 Gigabyte kostet es 999 Euro und bei der Vollausstattung mit 16 Gigabyte Arbeitsspeicher beträgt der Preis 1.099 Euro*.  Im Preisvergleich ist die mittlere Variante, die uns hier auch zum Test zur Verfügung stand, schon ab 833 Euro erhältlich.

Asus bietet für das Gaming-Smartphone diverses Zubehör an, etwa das TwinView Dock 3 und das Kunai-3-Gamepad, welche uns der Hersteller ebenfalls für den Test bereitstellte. Außerdem zählen noch das Mobile Desktop Dock, ein Controller-Clip, Bildschirmschutzgläser und ein sogenanntes Lighting Armor Case zum Zubehörsortiment dazu.

Lieferumfang

  • Smartphone
  • Neon Aero Case (Schutzhülle)
  • Aero Active Cooler (Lüfter-Adapter inkl. Standfuß)
  • USB-C zu Klinke-Adapter mit DAC
  • Ladegerät (30 Watt)
  • USB-C zu USB-C-Kabel (geflochten)
  • Gummi-Schutzkappen für die Anschlüsse (je 2x)
  • Bedienungsanleitung

Zubehör

Das TwinView Dock 3 ist ein Zweitbildschirm mit eigenem Akku, Lüfter und RGB-Beleuchtung. Es handelt sich um ein sechs Zoll großes AMOLED-Display, das in Full-HD+ auflöst und mit 144 Hertz aktualisiert. Das Dock ist wie ein Nintendo DS auf- und zuklappbar, hat eine Power-Taste und Lautstärkewippe, einen USB-C-Port hinten und eine Klinkenbuchse vorne. Zum Testzeitpunkt ist es für rund 215 Euro erhältlich.

Mit dem Kunai-3-Gamepad bietet Asus zudem einen vielseitigen Controller an, der in seiner Funktionsweise an die Joy-Con der Nintendo Switch erinnert. Das Gamepad besteht aus einer Hülle für das Smartphone, einem Mittelstück inklusive Akku und zwei Controller-Hälften. Ein Haltegriff, der mehr Grip bietet, ist ebenfalls enthalten. Liegt das Smartphone in der Hülle, lassen sich die Controller-Hälften an der linken und rechten Seite einstecken und verbinden sich direkt über entsprechende Pins in der Hülle mit dem Smartphone.

Sie können wie beim Nintendo-Vorbild aber auch jederzeit wieder herausgeschoben und kabellos über Bluetooth genutzt werden. Beim Verbinden mit dem Mittelstück, und wahlweise noch dem Haltegriff, verwandeln sich die Controller-Hälften zu einem vollwertigen Gamepad. Die kabellose Nutzung eignet sich besonders in Kombination mit dem Lüfteraufsatz, wenn das Smartphone auf einer flachen Oberfläche steht. Das spezielle Gamepad kostet etwa 120 Euro.

Design und Verarbeitung

Asus bleibt dem serientypischen Design treu, hält es in der dritten Generation des ROG Phones aber schlichter als zuvor. Die Ästhetik gleicht nun vielmehr einem normalen Smartphone, doch hinten gibt es weiterhin ein paar Auffälligkeiten. Zwischen ein paar dezent silberfarbenen Streifen stechen ein durchsichtiger Ausschnitt im Glas und das weiße ROG-Logo hervor. Hinter dem transparenten Bereich ist ein Teil des Kühlsystems zu erkennen und sogar ein kleiner Schlitz befindet sich daneben, durch den Abwärme schneller aus dem Gehäuse entweichen soll. Das Logo erstrahlt auf Wunsch bunt, da dort eine RGB-Beleuchtung integriert ist.

Die glänzende Glasrückseite ist anthrazitfarben und aus ihr ragt leicht das Kameramodul hervor, das im Vergleich zum letzten ROG Phone gewachsen ist. Mit Maßen von 171 x 78 x 9,85 Millimetern hätte die hintere Kamera aus unserer Sicht aber auch flach im Gehäuse sitzen können. Einen Schutz vor Staub und Wasser bietet das Smartphone nicht, aber immerhin gibt es Gummikappen für die Anschlüsse. Zum Verbinden des Zubehörs gibt es einen speziellen Anschluss links im Rahmen, der aussieht wie zwei USB-C-Schnittstellen. Tatsächlich lässt sich ein USB-C-Kabel zum Aufladen dort anschließen, Asus empfiehlt allerdings, den normalen USB-C-Port an der Unterseite des Rahmens dafür zu nutzen.

Vorne fallen klassische Bildschirmränder oben und unten auf. Dort befinden sich etwa die Frontkamera, eine Benachrichtigungs-LED und zwei Front-Stereolautsprecher. Die Frontkamera verdeckt somit im Gegensatz zu Punch-Hole-Implementierungen keinen Bildschirmbereich und der Ton ist direkt zum Nutzer gerichtet.

Einen Kopfhöreranschluss weist das neueste ROG Phone nicht mehr auf, aber nicht nur liegt im Lieferumfang ein entsprechender Adapter bei, sondern der Lüfteraufsatz hat noch einen USB-C-Anschluss und eine Klinkenbuchse. Der Klang der Lautsprecher ist außerdem so gut, dass wir uns beim Spielen in der Regel keine Kopfhörer ersehnt haben. Qualitativ übertrumpfen die Lautsprecher nämlich alle anderen Smartphones, die wir bisher getestet haben. Sie bieten eine gute Stereoseparation, werden laut genug, ohne zu übersteuern, und sogar die Tiefen kommen für Smartphone-Speaker nicht zu kurz.

In den Metallrahmen hat Asus Ultraschallsensoren namens AirTrigger integriert. Sie dienen bei Spielen als Schultertasten und können bis zu acht verschiedene Funktionen ausführen. Wir haben sie im Test etwa in Multiplayer-Shootern wie Call of Duty Mobile oder PUBG Mobile zum Zielen und Schießen verwendet. Dazu gibt es beim Auslösen der AirTrigger haptisches Feedback. Die Verarbeitungsqualität ist insgesamt auf einem hohen Niveau, das Smartphone ist in der Hand aber auffällig groß und mit einem Gewicht von circa 240 Gramm relativ schwer.

Technik und Features

Zwischen den beiden Frontlautsprechern erstreckt sich auf diagonal 6,59 Zoll das AMOLED-Display des ROG Phone 3. Das Display-zu-Gehäuse-Verhältnis von knapp 80 Prozent fällt gegenüber anderen Smartphones recht moderat aus. Auch die Auflösung von 2.340 x 1.080 Pixeln bricht heutzutage keine Rekorde mehr. Allerdings ist die maximale Bildwiederholfrequenz von 144 Hertz überdurchschnittlich, was ebenso für die Touch-Abtastrate von 270 Hertz gilt.

Die maximale Bildschirmhelligkeit beträgt bei 100 Prozent APL 603 Nits und bei 20 Prozent APL 772 Nits. Dies ist auch im Außeneinsatz bei Sonnenlicht hell genug, allerdings bieten viele Konkurrenten in dieser Preisklasse noch etwas höhere Werte. Der Fokus lag aber offensichtlich auf schnellen Reaktionszeiten. Uns gefiel das Farbprofil „Natürlich“ am besten. In das Display ist übrigens ein optischer Fingerabdrucksensor integriert, der den registrierten Finger schnell, aber nicht immer zuverlässig erkennt.

Der schnellste Android-SoC und viel Speicher

Asus setzt beim ROG Phone 3 auf einen Snapdragon 865+, eine übertaktete Variante des diesjährigen Top-Prozessors von Qualcomm. Er taktet mit bis zu 3,1 Gigahertz und bietet acht Rechenkerne. Für eine ausreichende Kühlung hat der Hersteller das Kupfer-Kühlelement gegenüber der letzten Generation um das Sechsfache vergrößert. Im Leistungsmodus namens X-Modus steht die höchste Stufe nur mit angebrachtem Lüfter zur Verfügung. Dies soll eine Überhitzung des Qualcomm-Chips verhindern, denn unter Last erwärmen sich die Rückseite und der Rahmen deutlich. Die Temperaturen erreichen zwar keinen kritischen Wert, aber mit dem Lüfter sind längere Gaming-Sessions angenehmer und der Prozessor kann seinen Takt auf Dauer länger halten. Störend laut ist der Lüfter nebenbei bemerkt sowieso zu keiner Zeit. Auf dem Android-Markt ist das Gaming-Smartphone derzeit das schnellste Gerät, jedoch fällt der Unterschied zum verbreiteten Snapdragon 865 nicht spürbar aus.

Wie anfangs bereits erwähnt, bietet das ROG Phone 3 entweder acht, zwölf oder 16 Gigabyte Arbeitsspeicher. Asus bedient sich dabei des Speichertyps LPDDR5 und beim 256 oder 512 Gigabyte großen Massenspeicher handelt es sich um Module nach dem UFS 3.1-Standard. Schnelleren Speicher gibt es auf dem Smartphone-Markt bislang nicht. Eine Erweiterungsmöglichkeit via MicroSD-Karte besteht nicht, ist bei solch hohen Speicherkapazitäten aber auch kein Manko.

In Anbetracht der Preise ist die Menge an gebotenem Speicher mehr als fair, zumal es auch bei der restlichen Ausstattung kaum Kompromisse gibt. Das ROG Phone 3 unterstützt 5G-Mobilfunk, Wi-Fi 6 (2×2), NFC, GPS und Bluetooth 5.1. Asus hat mehrere Software-Funktionen für eine stabile und schnelle Internetverbindung beim Spielen integriert. HyperFusion aktiviert bei einer schwankenden WLAN-Verbindung zusätzlich die mobile Datenverbindung und auf Wunsch steht auch Dualband-WLAN zur Verfügung. Bei letzterer Funktion verbindet sich das Smartphone gleichzeitig mit dem 2,4- als auch mit dem 5-Gigahertz-Band eines entsprechenden Routers, was die Stabilität und Bandbreite erhöht.

Gaming-Funktionen ohne Ende

Asus installiert auf dem Smartphone die eigene ROG-Benutzeroberfläche, die auf Android 10 basiert. Bei der Einrichtung können Nutzer aus vier verschiedenen Designs wählen. Eines davon sieht wie klassisches Android aus, während die anderen einen Gaming-Look aufweisen. Für Gamer bietet die App Armoury Crate zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten. In Spielen lässt sich von der linken Seite auch jederzeit ein Schnellmenü namens Game Genie einblenden. Pro Spiel sind eigene Profile konfigurierbar, für AirTrigger-Layouts, Bildschirmwiederholraten und sogar Taktfrequenzen der CPU- und GPU.

 

Die App Armoury Crate listet zudem Spiele auf, die das jeweilige Zubehör oder gewisse Funktionen, etwa 144 Hertz, unterstützen. Während sich mit genügend Zeitaufwand Controller-Belegungen noch eigenständig bei Spielen festlegen lassen, gibt es kaum Titel, die vom TwinView Dock Gebrauch machen. Etwa Asphalt 9 unterstützt das Zweitdisplay, zeigt darauf aber lediglich die Streckenkarte an. Als Sekundärbildschirm für normales Multitasking ist es ganz brauchbar, aber für die Hosentasche zu sperrig. Der Controller ist mit dem als Standfuß einsetzbaren Lüfter wesentlich praktischer und wird von vielen Emulatoren automatisch erkannt.

Lange Akkulaufzeiten auch beim Spielen

Der Akku weist eine Kapazität von 6.000 Milliamperestunden auf, ein überdurchschnittlich hoher Wert. Aktuelle Flaggschiff-Smartphones bieten überwiegend Akkus mit 4.000 bis 5.000 Milliamperestunden und erreichen damit zusammen mit 6,67 Zoll großen 120-Hertz-Displays oft bereits gute Laufzeiten. Knapp über 11,5 Stunden hielt das Smartphone im PCMark-Akkutest durch, bis die Restladung nur noch 20 Prozent betrug. Dabei waren die Displayhelligkeit auf 50 Prozent und die Aktualisierungsrate auf konstant 144 Hertz eingestellt. Bei automatischer Aktualisierungsrate dauerte der Test 17 Stunden und 16 Minuten. Je nach Nutzungsverhalten hält das Smartphone mindestens ein bis maximal zwei Tage durch, sofern die Bildwiederholfrequenz nicht auf 60 Hertz begrenzt wird. Selbst bei längeren Spiele-Partien hält der Akku mit automatischer Display-Aktualisierungsrate gut einen Tag durch.

Links mit dauerhaft 144 Hertz, rechts mit automatischer Displaywiederholfrequenz.

Weniger extrem ist hingegen die Akkuladezeit. Der Hersteller legt ein Ladegerät mit einer Leistung von 30 Watt bei – ein durchschnittlicher Wert, den Oppo, Huawei und andere Konkurrenten aber zunehmend überbieten. Innerhalb einer halben Stunde am Kabel ist der Akku zu 45 Prozent gefüllt, was 2.700 Milliamperestunden entspricht. Nach einer vollen Stunde sind es 82 Prozent und danach dauert es zunehmend länger, bis die letzten Prozentpunkte erreicht sind. Insgesamt benötigt das Ladegerät eine Stunde und 50 Minuten, um den Akku vollständig aufzuladen.

Asus zufolge hat sich der Hersteller bewusst gegen eine schnellere Lademethode entschieden, um die Lebensdauer des Akkus langfristig zu verlängern. Dies untermalen auch die Optionen in den Akku-Einstellungen. Dort lassen sich etwa langsameres Aufladen oder geplantes Laden einrichten, was beim Laden über Nacht von Vorteil ist. Zudem können Nutzer Ladelimits festlegen und die maximale Ladung auf 80 bis 99 Prozent der Gesamtkapazität begrenzen, was den Verschleiß verlangsamt. Auf Wunsch kann der Strom bei angeschlossenen Ladekabel auch direkt zu den Komponenten geleitet werden, um den Akku zu entlasten. Trotz der Glasrückseite ist kabelloses Laden aber leider nicht möglich. Der Hersteller hätte dafür vermutlich die RGB-Beleuchtung hinten streichen müssen.

Kameras und Beispielfotos

Spürbar weniger im Fokus stand die Kameraausstattung des Gaming-Smartphones. Asus integriert hinten eine Hauptkamera mit 64 Megapixeln, eine 13-Megapixel-Weitwinkelkamera und eine Makrokamera, die mit fünf Megapixeln auflöst. Die Frontkamera nimmt Fotos mit 24 Megapixeln auf. Eine optische Bildstabilisierung oder gar eine Telekamera gibt es nicht und die vorhandenen Sensoren befinden sich ebenfalls in einigen Mittelklasse-Smartphones.

Die Fotos der Hauptkamera haben im Automatikmodus eine Auflösung von 16 Megapixeln und sind bei Tageslicht mehr als brauchbar. Auch die Aufnahmen der Weitwinkel- und Makrokamera sind unter guten Lichtbedingungen solide, wenngleich erwartungsgemäß eine Qualitätsstufe unter die der Hauptkamera. Da es keine optische Stabilisierung gibt, können Nachtaufnahmen schnell verwackeln, aber ansonsten verrichtet der Nachtmodus verhältnismäßig gute Dienste. Andere Top-Smartphones, auch günstigere, bieten in puncto Kamera-Performance aber schlichtweg mehr.

Fazit

Kein anderes Smartphone auf dem Markt bietet ein besseres Gesamtpaket für Gaming als das Asus ROG Phone 3*. Die guten Entertainment-Eigenschaften, etwa das große 144-Hertz-Display und die hervorragenden Lautsprecher, ergänzt der Hersteller mit sinnvollen sowie umfangreichen Gaming-Funktionen, allen voran den AirTriggern. Zudem macht die Kombination aus dem Lüfteraufsatz mit Tischständer und dem separat erhältlichen Gamepad das ROG Phone 3 zu einer portablen Mini-Konsole. Das ROG Phone 3 spielt in seiner eigenen Klasse, denn es hat schlichtweg andere Vor- und Nachteile als aktuelle Premium-Smartphones à la Note 20 Ultra und Oppo Find X2 Pro.

Negativ anzumerken ist, dass das Smartphone sich nicht kabellos Laden lässt, es keine IP-Zertizierung aufweist und die Kameraqualität nicht das Niveau von Oberklasse-Alternativen erreicht. Wem die drei genannten Kritikpunkte nicht so wichtig sind, erhält jedoch ein ausgewogenes Multimedia-Gerät, mit dem auch Nicht-Gamer Freude haben können. In Anbetracht der Ausstattung sind die Preise aus unserer Sicht nicht zu hoch angesetzt. Das TwinView Dock 3 würden wir für den Preis von über 200 Euro nicht unbedingt empfehlen, da es zu wenig Mehrwert bietet. Eine wesentlich bessere Investition ist wohl das Kunai-3-Gamepad.

Smartphones
Allround-PC.com
10/2020
Asus ROG Phone 3
Empfehlung

Pro

  • umfangreiche Gaming-Funktionen und -Einstellungen
  • gutes 144-Hertz-Display
  • erstklassige Stereolautsprecher
  • üppiger Lieferumfang und viel Gaming-Zubehör (separat)
  • lange Akkulaufzeiten, auch beim Spielen
  • Top-Leistung

Contra

  • keine IP-Zertifizierung
  • Wireless Charging wird nicht unterstützt
  • relativ lange Akkuladezeit
  • Kameras nur Mittelmaß

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