Das Huawei P40 Pro+ ist das wahre Flaggschiff-Smartphone des chinesischen Herstellers. Mit einer 10x-Zoom-Kamera setzt Huawei neue Maßstäbe im mobilen Kamerabereich, aber es gibt noch weitere Unterschiede zum P40 Pro. Das bekannte Software-Manko besteht jedoch weiterhin. Alle Details gibt es in diesem Testbericht.

Übersicht

Die Smartphones der Huawei P-Serie zählen seit Jahren zu den besten auf dem Markt. Schwerpunkte der P-Modelle sind das Design und die Kameras. Beim Huawei P40 Pro+ bringt der Hersteller beides auf ein neues Level.

Wie der Name verrät, ist das Huawei P40 Pro+ eine leicht verbesserte Variante des bereits hervorragenden Huawei P40 Pro. Preislich setzt der chinesische Hersteller das Plus-Modell ebenfalls höher an. Für 1.399 Euro erschien es im Juni 2020 in Deutschland. Aufgrund der Mehrwertsteuersenkung liegt der offizielle Preis nun bei 1.363,73 Euro.*

Das Huawei P40 Pro startete im Mai 2020 für 999 Euro, mittlerweile ist es allerdings schon für rund 775 Euro verfügbar. Effektiv beträgt die Preisdifferenz demnach über 580 Euro – ein brandneues Huawei P40 kostet zum Testzeitpunkt weniger. Generell ist der Preis sehr hoch angesiedelt. Einzig das Samsung Galaxy S20 Ultra oder iPhone 11 Pro Max mit je 512 Gigabyte Speicherplatz kosten mehr. Das Foldable Galaxy Z Flip ist sogar günstiger.

Lieferumfang

  • Smartphone
  • USB-A auf USB-C-Kabel
  • Ladegerät mit 40 Watt
  • USB-C-Kopfhörer
  • Steckplatz-Werkzeug
  • Bedienungsanleitung

Design und Verarbeitung

Huawei verwendet auf der Rückseite beim Pro+ nicht Glas, sondern Keramik. In erster Linie ist dieses Material robuster als Glas und weniger anfällig für Kratzer. Die vom Hersteller als Nano-Tech-Keramik bezeichnete Oberfläche ist ausschließlich glänzend und wahlweise in Schwarz oder in Weiß gehalten. Im Vergleich zum Huawei P40 Pro ist es außerdem 17 Gramm schwerer.

Das Huawei P40 Pro+ (links) neben dem Huawei P40 Pro.

Im Direktvergleich sind die beiden Geräte jedoch nur aufgrund ihrer Rückseitenoberflächen zu unterscheiden. Trotz seines hohen Gewichts fühlt sich das Pro+ nicht so klobig und unausgewogen, wie beispielsweise das Galaxy S20 Ultra (Test) an. Das Kameramodul ist beim Pro+ zudem minimal länger und breiter, der Übergang zum Gehäuse ist etwas weniger kantig. Die matte Silver Frost-Rückseite des regulären P40 Pro liegt etwas angenehmer in der Hand als das Keramikgehäuse des P40 Pro+, ist allerdings rutschiger. Abgesehen davon gibt es keine optischen Unterschiede zwischen beiden Modellen.

Technik und Features

Abseits der Keramikrückseite und der Kameraausstattung ist nahezu alles unverändert geblieben. Das Smartphone bietet weiterhin ein 6,58 Zoll großes OLED-Display, das in Full-HD+ auflöst und über eine Bildwiederholrate von 90 Hertz verfügt. Für ein solch teures Gerät wären vielleicht QHD+ und 120 Hertz angebrachter gewesen, aber die gewählte Auflösung und Bildwiederholrate sind ausreichend gut und zugunsten der Akkulaufzeit.

Positiv anzumerken ist, dass es eine Infrarot-Gesichtsentsperrung gibt. Huawei ist derzeit der einzige Hersteller auf dem Android-Markt, der solch ein Feature bietet. Bezüglich Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit ist es mit Apples Face ID gleichauf. Die Verwendung der Android-Gestensteuerung ist zudem, dank der an allen Seiten gewölbten Glasfront, sehr angenehm.

Weiterhin gerne gesehen: Huaweis Infrarot-Gesichtsentsperrung.

Als Prozessor kommt erneut Huaweis Kirin 990 5G zum Einsatz. Der Oberklasse-SoC besitzt acht Rechenkerne und einen Maximaltakt von 2,86 Gigahertz. Er sorgt für mehr als genügend Leistung im Alltag und auch bei anspruchsvollen Spielen. Einzig in Benchmarks hat er gegenüber dem Snapdragon 865 das Nachsehen. 5G-Mobilfunk, Wi-Fi 6, Bluetooth 5.1 und NFC sind mit an Bord. An Arbeitsspeicher sind acht Gigabyte integriert. Beim Massenspeicher bietet das Huawei P40 Pro+ satte 512 Gigabyte UFS 3.0. Beim Huawei P40 Pro sind „nur“ 256 Gigabyte verbaut. Der Speicherplatz lässt sich zusätzlich per NM-Karte erweitern.

Die Akkukapazität ist mit 4.200 Milliamperestunden identisch zum P40 Pro, und ein 40-Watt-Ladegerät befindet sich ebenfalls wieder im Lieferumfang. In Hinblick auf kabelloses Laden gibt es allerdings eine Neuerung: Das P40 Pro+ kann induktiv nun mit 40 Watt aufgeladen werden – beim P40 Pro liegt die Grenze bei 27 Watt. Dies setzt jedoch das entsprechende Wireless Charging-Gerät von Huawei voraus, welches bislang nicht in Deutschland verfügbar ist.

Aufgrund des weiterhin geltenden US-Embargos muss Huawei auch das P40 Pro+ ohne Google-Dienste ausliefern. Wir sind auf diese Thematik bereits ausführlich im Testbericht des Huawei P40 Pro eingegangen. Seitdem ist mit Petal Search eine neue Suchfunktion für Apps (und deren Installation) erschienen. Zusammen mit der Phone Clone-Datenübertragung konnten wir einen Großteil der Apps vom Alltagsgerät auf dem P40 Pro+ benutzen.

Nutzer müssen sich dennoch Alternativen zu Google-Apps suchen, denn einige Anwendungen setzen Google-Dienste voraus und funktionieren entsprechend nicht. Huawei arbeitet weiter fleißig am Ausbau der App-Auswahl und der Möglichkeit auch Banking-Apps zu nutzen. Für die breite Masse und vor allem unerfahrene Smartphone-Nutzer ist die Software-Thematik bei Huawei aktuell aber leider weiterhin ein nennenswerter Nachteil.

Kameras und Beispielbilder

Die Hauptkamera, Weitwinkelkamera, Frontkamera und den ToF-Sensor hat Huawei 1:1 vom Pro-Modell übernommen. Neuerungen gibt es bei den Zoom-Eigenschaften. Im P40 Pro ist eine 12-Megapixel-Telekamera mit f/3.4-Blende, optischer Stabilisierung und einem fünffach optischen Zoom verbaut. Das verwendete Periskopmodul ist bereits aus dem P30 Pro bekannt, lediglich ein schärferer Sensor kommt beim Nachfolger zum Einsatz. Der Hersteller nahm vielmehr an den anderen Kamerasensoren Verbesserungen vor.

Beim P40 Pro+ sind hingegen gleich zwei Telekameras verbaut. Eine davon stammt aus dem regulären P40 und ist eine 8-Megapixel-Telekamera mit f/2.4-Blende, optischer Stabilisierung und dreifach optischem Zoom. Gänzlich neu ist die zweite Telekamera, denn sie bietet ein Periskopmodul, durch das das Licht intern fünfmal umgelenkt wird. Dadurch steigt die Brennweite deutlich an, laut Huawei auf 240 Millimeter (Vollformat-Äquivalenz). Erstmals gibt es somit in einem Smartphone einen echten, zehnfach optischen Zoom. Die sogenannte SuperZoom-Kamera ist natürlich auch optisch stabilisiert und die Blende beträgt f/4.4.

Hauptkamera50 Megapixel mit f/1.9, 1/1,28 Zoll-Sensorgröße, Octa-PDAF, OIS
Ultraweitwinkelkamera40 Megapixel mit f/1.8, 1/1,54 Zoll-Sensorgröße
SuperZoom-Kamera8 Megapixel mit f/4.4, OIS, Zoom: 10x optisch
Telekamera8 Megapixel mit f/2.4, OIS, Zoom: 3x optisch
TiefenkameraToF-3D-Sensor (Time of Flight)
Frontkamera32 Megapixel mit f/2.2, AF + Infrarot-Tiefenkamera

Durch die zwei Telekameras mit dreifachem und zehnfachen Zoom vergrößert Huawei einerseits die maximale Brennweite und verkleinert die Brennweitensprünge beim Zoomen. Damit bietet das P40 Pro+ nochmal mehr Aufnahmemöglichkeiten als zuvor in Smartphones. Ebenso sind die Fotos selbst mit Hybrid-Zoom besser – bis zu einer 20-fachen Vergrößerung sind die Aufnahmen noch sehr hochwertig.

Im Direktvergleich mit dem Samsung Galaxy S20 Ultra, dem wohl größten Konkurrenten des Huawei-Handys, geht das P40 Pro+ in puncto Kamera-Zoom klar als Sieger hervor. Das Samsung-Flaggschiff bietet lediglich einen vierfach optischen Zoom. Beim S20 Ultra sind die Fotos überwiegend heller, aber dafür detailärmer.

Samsung Galaxy S20 Ultra: 10x-Zoom
Huawei P40 Pro+: 10x-Zoom

In Hinblick auf Selfies sowie Fotos mit der Haupt- und Weitwinkelkamera gibt es keine Unterschiede zum P40 Pro. Die Resultate sind überaus gut, allerdings fallen weiterhin deutliche Farbunterschiede zwischen den verschiedenen Kameras auf. Die 10x-Telekamera schwächelt aufgrund ihrer f/4.4-Blende bereits bei Dämmerung. Der 100-fache Maximalzoom ist weiterhin eine Spielerei, und das weiß wohl auch Huawei, denn auf der Produktseite wird höchstens mit 50x-Fotos geworben. Anfängliche Probleme mit der Stabilisierung und Vorschaufehlern bei 100-facher Zoomstufe hat Huawei mittlerweile durch Updates behoben.

Die SuperZoom-Kamera ist überaus praktisch und ermöglicht Aufnahmen, die selbst so manche Digitalkameras nicht bieten können. Erwähnenswert ist dafür noch der Split-Screen-Videomodus, der in der Kamera-App „Doppelbild“ heißt. Damit lassen sich Videos erstellen, auf denen gleichzeitig das Bild der Hauptkamera als auch das der gewünschten Telekamera zu sehen ist.

Fazit

Das Huawei P40 Pro+ ist ein beeindruckendes Stück Technik, aber kaum besser als das wesentlich günstigere Pro-Modell. Die verbesserte Periskop-Telekamera ist ein erneuter Meilenstein in Sachen Smartphone-Fotografie, den hohen Aufpreis ist sie allerdings nicht wert. Der Einsatz von Keramik hebt die Verarbeitung nochmal auf eine höhere Stufe, ein Kaufargument ist die kratzfestere Rückseite aber nicht unbedingt.

Es ist zudem fraglich, ob 512 Gigabyte an Speicherplatz wirklich nötig sind, wenn das P40 Pro bereits 256 Gigabyte mitsamt Erweiterungsmöglichkeit bietet. Das größte Manko bleibt weiterhin die eingeschränkte Software des Smartphones. Wer darüber hinwegsehen kann, sollte eher zum ebenfalls sehr guten Huawei P40 Pro greifen.

Zu einem Preis von 1.363,73 Euro gibt es das Gerät in White Ceramic bei Mediamarkt zu kaufen*.

Pro

  • edles Keramikgehäuse
  • Wireless Charging mit 40 Watt möglich
  • extrem vielseitige Kameras
  • noch nie dagewesene Zoom-Qualität
  • allgemein gutes Gesamtpaket
  • Performance

Contra

  • sehr hoher Preis
  • nur geringfügig besser als das P40 Pro
  • weiterhin keine Google-Dienste

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