Das Xiaomi Poco X3 NFC ist ein neues Mittelklasse-Smartphone mit einem Startpreis von knapp 200 Euro. Die Ausstattung kann sich dafür sehen lassen. Im Testbericht klären wir, warum es sich um das beste Handy seiner Preisklasse handelt.

Übersicht

Hierzulande dürfte Xiaomi-Fans nur das Pocophone F1 und das Poco F2 Pro ein Begriff sein, doch im Februar 2020 stellte der Hersteller auch ein Poco X2 vor. Dabei handelt es sich um ein Mittelklassemodell für den indischen Markt, auf das nun bereits mit dem Poco X3 NFC ein Nachfolger global erschien. Seit dem 10. September ist der Poco-Neuling in zwei Speichervarianten erhältlich. In den ersten 24 Stunden kostete es je nach Modell 199,90 oder 249,90 Euro. Regulär belaufen sich die Preise auf 229,90 beziehungsweise 269,90 Euro.

Um in Relation zu setzen, warum das günstige Smartphone so besonders ist, nennen wir vor dem Einstieg in die Materie ein paar Kernmerkmale: 120-Hertz-Display, erstes Snapdragon 732G-Gerät, Quad-Kamera mit 64-Megapixel-Hauptsensor und ein 5.160 Milliamperestunden großer Akku! Normalerweise würden wir solch eine Ausstattung eher in der Preisklasse ab 350 Euro erwarten. Vergleichbare Alternativen im Preisbereich zwischen 200 und 280 Euro sind etwa das Samsung Galaxy A51 am oberen Ende und das Realme 6 am unteren Ende. Dazwischen gibt es abseits der Xiaomi-eigenen Redmi-Modelle auch beispielsweise noch das Oppo A72.

Lieferumfang

  • Smartphone
  • USB-C auf USB-A-Kabel
  • Ladegerät mit 33 Watt
  • Silikon-Schutzhülle
  • Steckplatz-Werkzeug
  • Bedienungsanleitung

Design und Verarbeitung

Äußerlich hebt sich das Smartphone mit einer extravaganten Rückseite von der breiten Masse ab. Mittig zieht sich ein vertikaler Streifen über die glänzende Kunststoffrückseite. Ein großer Poco-Schriftzug, der je nach Blickwinkel abwechselnd dunkel oder schillernd wirkt, ist dort ebenfalls vorhanden. Zudem hat sich Xiaomi für ein unkonventionelles Kameramodul entschieden, das wie ein abgerundetes Rechteck mit einem inneren “X” aussieht. Unser Testmodell kam in der Farbe Shadow Gray daher, die abhängig vom Lichteinfall einen Anflug von Dunkelblau aufweist. Alternativ bietet der Hersteller das Poco X3 NFC auch in einer auffälligeren Farbe namens Cobalt Blue an.

Nicht nur die Rückseite, sondern auch der Rahmen besteht aus Kunststoff, jedoch fühlt sich beides solide an. An die angenehme Haptik eines Google Pixel 3a, welches ebenfalls aus Kunststoff besteht, kommt es nicht ganz heran. Mit Abmessungen von 165,3 x 76,8 x 9,4 Millimeter und einem Gewicht von 215 Gramm ist das Smartphone ziemlich wuchtig, gegenüber anderen Smartphones aus 2020 ist dies jedoch normal. Beim Biegen und Drücken knarzt nichts und das Gehäuse erweist sich als überraschend verwindungssteif – einzig die Rückseite gibt erwartungsgemäß leicht nach.

Xiaomi verzichtet auf Glas, aber nicht auf Extras

Das Mittelklasse-Poco ist lediglich spritzwassergeschützt nach IP53, hat dafür aber einen 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss unten neben dem USB-C-Port. Des Weiteren befindet sich dort ein Lautsprecher, der gemeinsam mit einem kleineren Lautsprecher am oberen Rand für einen ausreichend guten Stereoklang sorgt. In dieser Preisklasse bieten Hersteller oftmals nur Mono-Sound. Zudem besitzt das Poco X3 NFC noch einen Infrarotsender, um beispielsweise Fernseher zu steuern, und eine weiße Benachrichtigungs-LED.

Die Power-Taste dient gleichzeitig als zuverlässiger Fingerabdrucksensor und der Dual-SIM-Slot auf der gegenüberliegenden Seite kann bei Verzicht auf eine zweite Nano-SIM auch eine MicroSD-Karte beherbergen. Laut der Produktbeschreibung sind die Displayschutzfolie und die beiliegende Schutzhülle übrigens antibakteriell. Anzumerken ist, dass der verbaute Vibrationsmotor für ein solch günstiges Gerät haptisch überzeugt. Mit Ausnahme des Rückseiten-Designs und des Kameramoduls ähnelt das Poco-Modell sehr stark dem Xiaomi Redmi Note 9 Pro (circa 220 Euro), und zwar nicht nur optisch, sondern auch technisch.

Technik und Features

Die Front ziert zu rund 91 Prozent ein flaches LC-Display mit einer Bildschirmdiagonale von 6,67 Zoll. Unter dem oberen Lautsprecher befindet sich ein kleines Loch für die 20-Megapixel-Frontkamera. Um das sogenannte Punch-Hole herum sowie entlang des unteren Bildschirmrandes, der nebenbei etwas breiter als die anderen Ränder ist, fiel uns eine unregelmäßige Hintergrundbeleuchtung auf. Viele dürften dies im Alltag nicht bemerken und es störte uns während des Tests auch nicht, nur fällt es schlichtweg schneller auf, wenn man AMOLED-Displays gewohnt ist.

Das durch Gorilla Glass 5 geschützte Panel löst in Full-HD+ auf und hat ein Seitenverhältnis von 20:9. Die gemessene Maximalhelligkeit von 520 Nits ist kein Rekordwert, für ein Mittelklassemodell aber verhältnismäßig gut. Die Auflösung von 2.400 x 1.080 Pixeln ist angemessen und scharf, die Farbwiedergabe für ein LC-Display recht gut, aber auch Konkurrenzgeräte bieten solch eine Bildschirmqualität.

Besonders ist hierbei, dass das IPS-Panel eine 120-Hertz-Bildwiederholrate und eine 240-Hertz-Abtastrate aufweist. Selbst Displays mit 90 Hertz sind im Smartphone-Segment unter 250 Euro noch eine Seltenheit. Die Bedienung wirkt somit deutlich flüssiger im Vergleich zu einer regulären Bildwiederholfrequenz von 60 Hertz. Die Wiederholrate passt sich dynamisch dem Bildschirminhalt an, um etwa bei statischen Inhalten Strom zu sparen. Von der höheren Abtastrate profitieren vor allem Spiele, da Berührungseingaben schneller erkannt werden. Xiaomi spricht in diesem Zusammenhang von einer lediglich 4,16 Millisekunden kurzen Latenz.

Schneller Mittelklasse-Chip ohne 5G

Für genügend Leistung sorgt der Snapdragon 732G-SoC. Der Qualcomm-Chip feiert sein Debüt im Poco X3 NFC und siedelt sich in der oberen Mittelklasse zwischen dem abgelösten 730G und dem schnelleren 765(G) an. Die Prozessoreinheit ist nach einem 1 + 1 + 6-Cluster aufgeteilt. Der schnellste Kern taktet mit maximal 2,3 Gigahertz, der nächstbessere mit bis zu 2,2 Gigahertz und die sechs restlichen mit höchstens 1,8 Gigahertz. Unter Last erwärmte sich das Smartphone spürbar, aber wurde nicht bedenklich oder unangenehm warm. Aktuelle Spiele bewältigt der Prozessor problemlos.

Unterstützung für 5G-Mobilfunk bietet der SoC leider nicht, allerdings bietet zum Testzeitpunkt nur Xiaomi überhaupt ein 5G-Smartphone unter 300 Euro an. Der LPDDR4X-Arbeitsspeicher fällt mit sechs Gigabyte üppig aus und beim Massenspeicher setzt der chinesische Hersteller auf UFS 2.1 mit einer Kapazität von 64 oder 128 Gigabyte. Wie bereits erwähnt, lässt sich der Speicherplatz erweitern, maximal um zusätzlich 256 Gigabyte. Bei unserem Testgerät waren ab Werk bereits rund 20 Gigabyte belegt.

Abseits vom namensgebenden NFC beherrscht das “Poco für Sparfüchse” auch LTE, Wi-Fi 5 (802.11ac), Bluetooth 5.1, gängige Ortungsstandards und UKW-Funk. Android 10 mit Xiaomis aktuellster Benutzeroberfläche MIUI 12 ist vorinstalliert. Ein Update auf Android 11 dürfte zeitnah folgen. Abseits standardmäßiger Google- und Xiaomi-Apps sind ein Dutzend zusätzliche Apps installiert, darunter Facebook, AliExpress, Netflix und einige Spiele. Die Zusatz-Apps lassen sich auf Wunsch deinstallieren. MIUI 12 ist eine umfangreiche Benutzeroberfläche mit zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten, lässt sich aus unserer Sicht aber dennoch einfach bedienen. In einigen Menüs ist wie beim teureren Poco F2 Pro Werbung vorhanden, die sich aber deaktivieren lässt.

Zwei Tage ohne Aufladen? Kein Problem für das Poco X3 NFC

Ein weiteres Highlight des Poco X3 NFC ist der 5.160-Milliamperestunden-Akku. Dieser ermöglicht eine sehr lange Akkulaufzeit. Im PCMark-Akkutest hielt das Smartphone knapp über 18 Stunden durch, bis die Restladung nur noch 20 Prozent betrug. Währenddessen war die 120-Hertz-Funktion aktiviert und die Bildschirmhelligkeit auf 50 Prozent eingestellt. Das ist ein deutlich besseres Ergebnis als bei allen anderen Smartphones, die wir 2020 bereits getestet haben. Mit einer Akkuladung kommt das Poco X3 NFC problemlos zwei Tage aus. Noch sparsamer ist es natürlich, das Display auf 60 Hertz zu begrenzen, aber damit würde Nutzern eine der besten Eigenschaften des Smartphones entgehen.

Im Lieferumfang liegt ein Ladegerät mit einer Leistung von 33 Watt bei, womit sich das Smartphone innerhalb knapp über einer Stunde vollständig aufladen lässt. Nach nur einer halben Stunde ist der Akku bereits zu 60 Prozent wieder geladen, was für einen vollen Tag ausreicht.

Kameras

Die Kamera-Ausstattung ist alleinstehend nicht aufregend, wohl aber großzügig in dieser Preisklasse. Als Hauptkamera dient ein Sony IMX682-Sensor mit 64 Megapixeln, einer Quad-Bayer-Matrix und einer f/1.89-Blende. Fotos knipst das Smartphone demnach standardmäßig mit 16 Megapixeln. Der verwendete Sensor kommt auch in einigen anderen Mittelklasse-Geräten zum Einsatz. Außerdem verbaut Xiaomi eine 13-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera mit einer Blende von f/2.2 und einem Sichtfeld von 119 Grad.

Zwei weitere Sensoren mit je zwei Megapixeln ergänzen das Kamera-Quartett – einer davon dient für Makroaufnahmen und der andere für das Sammeln von Tiefeninformationen. Videos nimmt das Smartphone hinten maximal in 4K mit 30 Bildern pro Sekunde und vorne in Full-HD mit selbiger Bildrate auf. Das 4K-Limit gilt auch für die Ultraweitwinkelkamera, während sich die Makrokamera nur in HD-Auflösung für Videos nutzen lässt.

Die Tiefenkamera sorgt bei Protraitaufnahmen meist für eine gute Abgrenzung von Vorder- und Hintergrund durch eine künstliche Tiefenunschärfe. In der Foto-Galerie lässt sich der Unschärfegrad und -effekt nachträglich anpassen und einige der Farbfilter machen ebenfalls von den Tiefeninformationen Gebrauch. Erwähnenswert sind erneut die Himmelfilter, die Xiaomi erstmals in der Redmi Note 8-Serie eingeführt hat. Sie können den Himmel in Aufnahmen verändern und so wahlweise durch eine Abendsonne, einen Sternenhimmel oder einen Wolkenhimmel ersetzen. Dies funktioniert lokal auf dem Gerät und sogar erstaunlich gut – auch dynamische Himmelfilter gibt es mittlerweile.

Beispielfotos

Bei guten Lichtbedingungen knipst die Hauptkamera sehr gute Fotos, die qualitativ mit der oberen Smartphone-Mittelklasse mithalten können. Die Aufnahmen sind detailreich und haben einen guten Dynamikumfang. Mit aktiviertem AI-Modus sind die Farben für unseren Geschmack zu gesättigt, weshalb wir eher empfehlen, diesen zu deaktivieren und HDR auf “automatisch” einzustellen. Außerdem überzeugt auch die Ultraweitwinkelkamera mit scharfen Bildern und Selfies gelingen dem Poco X3 NFC ebenfalls.

Die Frontkamera-Aufnahmen weisen natürliche Hauttöne und eine solide Dynamik auf, jedoch macht sich dort bei Portraiteffekten der fehlende Tiefensensor sichtlich bemerkbar. Videos in 4K sind mehr als brauchbar und leichtes Zoomen ist ohne große Qualitätseinbußen möglich. Im Modus “Stabiles Video” wechselt das Smartphone zur Ultraweitwinkelkamera und verkleinert den Bildausschnitt etwas für eine elektronische Stabilisierung. Die Auflösung ist dabei auf Full-HD begrenzt, aber reguläre 4K-Videos sind haben bereits eine für die Preisklasse angemessene Stabilisierung.

Schwach fällt hingegen die Makrokamera aus, weil deren Auflösung schlichtweg zu gering ist. Selbst bei Tageslicht und einer ruhigen Hand erzielt sie keine ansehnlichen Nahaufnahmen. Stattdessen ist es ratsamer, mit der Hauptkamera recht nah an das Motiv zu gehen, eine 64-Megapixel-Aufnahme zu machen und das Foto in der Galerie zu vergrößern.

In schlecht ausgeleuchteten Räumen sinkt die Bildqualität der Hauptkamera, da sie nicht optisch stabilisiert ist. Sofern noch etwas Restlicht zur Verfügung steht, hellt der Nachtmodus dunkle Bereiche aber sehr gut wieder auf und bewahrt relativ viele Details. Bei völliger Dunkelheit muss sich das Poco X3 NFC dennoch geschlagen geben. Die Fotoqualität bei Nacht ist natürlich nicht ganz auf Augenhöhe mit teureren Alternativen wie dem Pixel 3a XL (Test), aber für ein solch günstiges Smartphone durchaus gut.

Fazit

Xiaomi sprengt mit dem Poco X3 NFC erneut die Standards in der Smartphone-Mittelklasse. Für zwischen 200 und 300 Euro gibt es derzeit keine Alternative mit einem besseren Gesamtpaket.  Besonders lobenswert sind das tolle 120-Hertz-Display, die überragende Akkulaufzeit und die flotte Performance. Das Design ist bekanntlich eine Geschmacksfrage, lobenswert ist jedoch, dass sich das Smartphone optisch von der Konkurrenz abgrenzt. Die Kameraqualität überzeugt insgesamt und Extras wie Stereo-Lautsprecher, ein Kopfhöreranschluss und MicroSD-Unterstützung runden das Gesamtpaket ab. Wer eher ein AMOLED-Display mit 60 Hertz bevorzugt, bekommt mit dem Galaxy A51 oder Mi Note 10 Lite eine ähnlich gute Ausstattung für etwa 50 Euro mehr. Mit Ausnahme der schlechten Makrokamera und den (deaktivierbaren) Werbeanzeigen konnten wir keine Kritikpunkte finden.

Zum Veröffentlichungszeitpunkt dieses Testberichts wird das Poco X3 NFC mit 64 GB zum einem Preis von 199 Euro* statt 229 Euro angeboten (15. September 2020 ab 13 Uhr). Auch das Modell mit mehr Speicher kostet aktuell 20 Euro weniger*. Weitere “Flash-Sales” dürften in Kürze folgen, ebenso wie der generelle Preisverfall, wenn es bei anderen Händlern abseits von Amazon erscheint.

Smartphones
Allround-PC.com
09/2020
Xiaomi Poco X3 NFC
Preis-Leistung

Pro

  • gutes LC-Display mit 120 Hertz
  • hohe Leistung für die Preisklasse
  • sehr lange Akkulaufzeit
  • solide Kameraqualität
  • Stereo-Lautsprecher, Klinkenanschluss und erweiterbarer Speicher

Contra

  • Werbung in System-Apps
  • unbrauchbare Makrokamera

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1 Kommentar

  • Bolli

    Danke für diesen informativen und übersichtlichen Artikel. Ich hatte es schon bereut es in Shadow Grey bestellt zu haben. Aber wie ich hier lese, schimmert es mit einem leicht bläulichen Ton was mir sehr gut gefällt. Auch das man die Werbung abschalten kann ist erfreulich. Die Fotos machen allesamt einen guten Eindruck. So bin ich mal gespannt. Meins soll morgen geliefert werden.

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