CAT S62 Pro im Test: Ultrarobustes Handy mit Wärmebildkamera

Der Ziegelklotz unter den Smartphones

Das CAT S62 Pro wird durch Caterpillar als extra widerstandsfähiges Android-Smartphone beworben, welches vornehmlich für den Einsatz im Handwerk als auch auf Baustellen ausgelegt ist. Eine Besonderheit ist die integrierte Wärmebildkamera von FLIR Systems, die wir uns im Folgenden genauer anschauen werden.

Die meisten werden den Namen CAT wohl mit schweren Baugerätschaften in Verbindung bringen. Weniger bekannt ist, dass der Hersteller bereits seit einigen Jahren Smartphones anbietet, die für den Einsatz auf Baustellen konzipiert sind. 2020 hat CAT mit dem S62 Pro ihr bisher aktuellstes Gerät auf den Markt gebracht. Derzeit werden dafür mindestens 565 Euro aufgerufen.

Design

Wenn man das CAT S62 Pro das erste Mal in den Händen hält, kann offensichtlich kaum noch von einem filigranen und eleganten Smartphone die Rede sein. Das CAT S62 Pro fällt mit 11,9 mm relativ dick aus und kommt auf ein Gewicht von stolzen 248 Gramm. Grund dafür ist unter anderem der massive Metallrahmen, der für eine hohe Stabilität sorgen soll. Laut CAT übersteht das Smartphone damit selbst Stürze aus 1,8 m Höhe. Die Rückseite besteht aus hochwertigen TPU-Kunststoff.

Die Tastenpositionierung fällt gewöhnungsbedürftig aus, wobei vor allem der Power Button schlecht erreichbar ist. Linksseitig verbaut der Hersteller eine zusätzliche Taste, die sich frei belegen lässt. Dadurch kann zum Beispiel die integrierte Wärmekamera schnell gestartet werden. Für einen ausreichenden Schutz sorgen die IP68/69 und MIL-SPEC-8120H-Zertifizierung. Dadurch ist das CAT-Handy staubdicht, wasserfest, vibrations- und druckbeständig. Außerdem ist es kurzzeitig vor säurehaltigen Flüssigkeiten, Solarstrahlung und vor hohen Temperaturen geschützt.

Technische Ausstattung

Von der technischen Seite aus betrachtet, ist das CAT S62 Pro weniger beeindruckend. Im Inneren werkelt der 2017 vorgestellte Qualcomm Snapdragon 660, bei dem es sich um einen Octa-Core-Prozessor handelt. Kombiniert wird der SoC mit sechs Gigabyte Arbeitsspeicher.

SoC (Smartphone)Geekbench - SingleGeekbench - Multi
Snapdragon 660 (CAT S62 Pro)290 Punkte1.349 Punkte
Snapdragon 8+ Gen 1 (Asus ROG Phone 6)1.313 Punkte4.416 Punkte
Snapdragon 8 Gen 1 (Oppo Find X5 Pro)1.239 Punkte3.245 Punkte
Exynos 2200 (Samsung Galaxy S22 Ultra)1.173 Punkte3.601 Punkte
Google Tensor (Google Pixel 6 Pro)1.036 Punkte2.957 Punkte
Snapdragon 870 (Vivo X60 Pro)1.026 Punkte3.472 Punkte

Dem hohen Alter der Plattform geschuldet, fällt die Alltags-Performance des Smartphones eher mittelmäßig aus. Zwar setzt der Hersteller keinen Fokus auf die Leistungsfähigkeit, trotzdem wäre ein modernerer SoC wünschenswert gewesen. Leider reicht die Leitung in einigen Fällen nicht aus, um eine flüssige Bedienung der Wärmebildkamera zu gewährleisten. Hierbei fallen schnell die „Denkpausen“ des Smartphones auf.

SoC (Smartphone)3D Mark Wild Life Extreme Stress Test3D Mark Wild Life ExtremePCMark Work 3.0
Snapdragon 660 (CAT S62 Pro)min. 126 Punkte
max. 129 Punkte
126 Punkte6.407 Punkte
Snapdragon 8+ Gen 1
(Asus Zenfone 9)
min. 1.475 Punkte
max. 2.592 Punkte
2.593 Punkte16.437 Punkte
Snapdragon 8 Gen 1
(Oppo Find X5 Pro)
min. 1.167 Punkte
max. 2.504 Punkte
2.577 Punkte16.982 Punkte
Exynos 2200
(Samsung Galaxy S22 Ultra)
min. 1.139 Punkte
max. 2.028 Punkte
1.942 Punkte14.873 Punkte

Weiterhin verfügt das S62 Pro über einen 128 Gigabyte umfassenden internen eMMC-Speicher, der erfreulicherweise per microSD-Karte erweitert werden kann. Jedoch sind hierbei lediglich SD-Karten mit einer Größe von maximal 256 Gigabyte kompatibel. Alternativ kann der Slot für eine zweite SIM-Karte genutzt werden. Softwareseitig kommt reines Android 11 zum Einsatz, das mit wenigen vorinstallierten Apps daher kommt. Ein Upgrade auf Android 12 oder gar Android 13 wird es wohl leider nicht mehr geben.

Display & Fingerabdrucksensor

Beim Bildschirm setzt der Hersteller auf ein 5,7 Zoll großes LCD-Panel mit einer FullHD+-Auflösung. Das Display kommt in einem 18:9-Format daher und wird oben sowie unten durch relativ dicke Ränder umschlossen. Auch die seitlichen Ränder könnten dünner ausfallen. Dadurch wirkt die Display-Front im Vergleich zu aktuellen Geräten eher altbacken. Jedoch hat der etwas dickere Rahmen auch seinen Sinn, denn Caterpillar bezweckt damit eine erhöhte Sturzfestigkeit. So soll der Rahmen die Energie bei einem Sturz vollständig aufnehmen und so das Display schützen.

Allgemein kann das verwendete Panel nicht mit heutigen Smartphones der Mittel- und Einsteigerklasse mithalten, ein direkter Vergleich ist aber auch etwas unfair. Besonders die Display-Helligkeit fällt dabei negativ ins Auge, denn das S62 Pro erreicht eine Spitzenhelligkeit von gerade einmal 500 Nits. Damit ist der Bildschirm bei direkter Sonneneinstrahlung schlecht ablesbar.

Der Fingerabdrucksensor sitzt auf der Rückseite des Gerätes und ist durchaus gut erreichbar. Natürlich wird hiermit kein Geschwindigkeitsrekord aufgestellt, allerdings ist der Sensor hinreichend schnell. Über eine Gesichtserkennung oder dergleichen verfügt das S62 nicht.

Akku

Versorgt wird das Gerät durch einen 4.000 mAh starken Akku, der mit bis zu 18 Watt geladen werden kann. Die Ladezeit fällt mit etwa 140 Minuten sehr lang aus. Mit einer Ladung kommt man relativ gut durch einen Tag, wobei bei genügsamer Nutzung bis zu zwei Tage möglich sind. Zumindest für den Einsatz als Outdoor-Handy dürfte das S62 etwas ausdauernder sein. Zugleich kann der Akku nicht ausgetauscht werden. Hier ist zum Beispiel das erst vor kurzem vorgestellte Samsung Galaxy XCover 6 Pro klar im Vorteil. Im PC-Mark Battery-Benchmark konnte der Akku bei fixierten 300 Nits Helligkeit und aktiviertem WLAN + GPS eine Laufzeit von 9 Stunden und 14 Minuten erreichen.

(Wärmebild-)Kamera

Das eigentliche Highlight des S62 Pro ist jedoch die integrierte Wärmebildkamera, welche in Zusammenarbeit mit FLIR entwickelt wurde. Herzstück des Ganzen ist der FLIR Lepton 3.5 Sensor, der einen Messbereich von -20 °C bis +400 °C erfassen kann. Im Vergleich zum Vorgängermodell wurde die Anzahl der Thermal-Punkte auf 20.000 vervierfacht, wobei zugleich der Detailgrad verbessert wurde.

Besonders interessant ist die Möglichkeit, per MSX (Multi-Spectral Dynamic Imaging) thermische Bildaufnahmen mit Bildern der Hauptkamera zu kombinieren. Die Intensität des Verlaufs der beiden Bilder kann per Schieberegler angepasst werden. Optional kann MSX vollständig deaktiviert werden, um ein reines Wärmebild zu erhalten. Bei Nacht lässt sich die FLIR-Kamera des Smartphones ebenfalls problemlos nutzen. Dabei können Objekte mit einer Entfernung von bis zu 30 Metern erfasst werden.

Ab Werk ist die MyFLIR Pro-App vorinstalliert. In der App stehen neun verschiedenen Darstellungsmodi zur Verfügung. Eine Auswertung der Bilder ist im ebenso machbar. Dazu können nachträglich Auswertungspunkte gesetzt werden, um die Temperatur an verschiedenen Stellen zu messen. Hierbei können nicht nur einzelnen Punkte eingestellt, sondern auch Teilausschnitte gewählt werden. Die App wertet für diesen Bereich die Höchsttemperatur sowie die Durchschnittstemperatur aus. Die Auflösung der Wärmebilder beträgt unterdessen 1.440 × 1.080 Pixel. 

Die Verwendung der Wärmebildkamera gestaltet sich sehr einsteigerfreundlich. Bereits beim Start definiert die App einen festen Temperaturbereich, der dynamisch an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann. Zudem ist eine nachträgliche Anpassung im Editor möglich. Im Regelfall werden kalte Stelle schwarz dargestellt, während hellere Töne höhere Temperaturen abbilden. CAT greift hier vornehmlich auf die Farben Blau, Lila, Rot, Orange, Gelb und Weiß zurück.

Brandherd-Suche oder Isolationsprüfung: Viele Einsatzmöglichkeiten

Ob als helfendes Auge bei Nacht oder als Detektor für hitzköpfige Komponenten: Es ist wohl klar, dass eine Wärmebildkamera relativ viele Einsatzmöglichkeiten hat. Am offensichtlichsten ist etwa der Einsatz bei der Feuerwehr, um Brandherde schneller ausfindig und unschädlich zu machen. Im Hinblick auf die derzeitigen Heizkosten bietet sich die Kamera ferner als Kältebrücken-Detektor an. Schlecht isolierte Bereiche können so ohne viel Arbeit gefunden werden.

Auch wir nutzen seit einiger Zeit das S62 für die Erstellung von Wärmebildaufnahmen von Komponenten, wie z.B. SSDs, Mainboards und Grafikkarten.

Bei völliger Dunkelheit kann die Kamera als Nachtsicht dienen. Dadurch lassen sich Personen oder Tiere dank der Körperwärme aufspüren. Für Hobbybastler ist ebenfalls einiges dabei, denn überhitzte Autokomponenten lassen sich hiermit genauso aufspüren wie defekte Leitungen. Selbst profanere Dinge wie das Feststellen der richtigen Grilltemperatur sind hiermit möglich.

Bei der Hauptkamera handelt es sich um einen unspektakulären 12-MP-Sensor mit f/1.8-Blende und Autofokus. Über eine optische Bildstabilisierung verfügt der Sensor nicht. Tagsüber kann die Kamera durchaus ansehnliche Bilder aufnehmen. Im Vergleich zu anderen Handys fehlt es jedoch an Details, Schärfe und Dynamikumfang. Nachts sind die Bilder praktisch unbrauchbar, denn Details verschwinden schnell im Rauschen.

Fazit

Zugegeben, ein direkter Vergleich zu einem „normalen“ Smartphone ist etwas unfair, denn das CAT S62 Pro setzt seinen Fokus ganz klar auf die Wärmebildkamera. Zwar ist das Smartphone weder mit dem besten Display noch dem aktuellsten SoC ausgestattet, am Ende verrichtet es seinen Dienst aber weitestgehend zuverlässig. Einzig die Performance hätte besser ausfallen können, um eine angenehmere Nutzererfahrung zu ermöglichen.

Dafür kann das Gerät besonders beim professionellen Einsatz seine Stärken ausspielen. Die hohe Robustheit gepaart mit der Wärmebildkamera machen das Smartphone zum idealen Kommunikationsgerät auf Baustellen und im Handwerk. Insbesondere der Wärmebildsensor kann dabei helfen, Wärme-Lecks oder Leitungen ausfindig zu machen. Allgemein macht die Nutzung der Wärmebildkamera ungemeinen Spaß, wobei ganz neue Facetten der eigenen vier Wände entdeckt werden können.

Pro

  • Wärmebildkamera
  • hohe Robustheit
  • Verarbeitung
  • hohe Schutzstandards

Contra

  • Display-Helligkeit
  • Performance

Arian Krasniqi

…ist seit 2021 Teil des Teams und befasst sich vor allem mit Hardware-Komponenten sowie mit weiteren technischen Neuheiten. Auch aktuelle Spiele auf PC und Konsole gehören zu seiner Leidenschaft. Neben der Arbeit studiert Arian an der RWTH Aachen Architektur.

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