(Fast) alles, was ihr über Foldable-Smartphones wissen müsst

Die ganze Geschichte von gestern bis morgen
 / Jonathan Kemper

Foldables: Nur ein Strohfeuer oder doch das nächste große Ding in der Smartphone-Industrie? Wir können zwar keine Vorhersagen treffen, aber wollen zumindest einen groben Überblick über deren Entwicklung in den letzten und nächsten Jahren geben.

Was ist überhaupt ein Foldable?

Die Geräteklasse der Foldables ist noch vergleichsweise jung, doch handelt es sich letztendlich um eine logische Weiterentwicklung in der Welt der Smartphones. Während zuvor etwa durch die Notch, die Punchhole, abgerundete Displayränder oder überhaupt die Entfernung eines physischen Homebuttons versucht wurde, das Verhältnis zwischen Gehäuse und Bildschirmfläche zu maximieren, hat die faltbare Bauweise ein ähnliches Ziel. Dieses können Foldables jedoch auf verschiedenen Wegen erreichen.

Viele von euch kennen vielleicht noch die Klapptelefone aus der Vor-Smartphone-Ära, wie zum Beispiel das moto razr. Diverse Smartphone Hersteller haben dieses Format wieder aufgegriffen, so unter anderem auch Samsung mit dem Galaxy Z-Flip. Aufgeklappt erinnern die entsprechenden Flip-Foldables (auch „Clamshell“ genannt) an ganz normale Smartphones, lassen sich jedoch auf die Hälfte ihrer langen Seite zusammenfalten. Einerseits durch ihr Format, andererseits auch durch ihren vergleichsweise niedrigen Preis (der dennoch in der Regel vierstellig ist), sind sie wohl der beliebteste Einstieg in die Sparte der faltbaren Smartphones. Die Auswahl ist allerdings noch nicht sonderlich groß, neben Samsung haben sich lediglich Motorola und Huawei sich bislang daran versucht und entsprechende Geräte auf den Markt gebracht.

Entweder kompakter oder größer!

Die andere Möglichkeit: Das Smartphone nicht über eine horizontale Kante, sondern eine vertikale Kante („Bookcover“) zu falten. So verdoppelt sich die Displayfläche, sobald das Gerät aufgeklappt wird, und aus dem Smartphone wird eher ein Tablet mit einer Diagonalen von bis zu 8 Zoll. Auf der Außenseite steht in der Regel noch ein weiterer Bildschirm bereit, sodass man zum Checken von Benachrichtigungen, ein paar Chatnachrichten oder das Scrollen durch Twitter und Co. das Foldable nicht unbedingt jedes Mal komplett öffnen muss.

Bei letztgenannter Option handelt es sich im Inneren tatsächlich um einen großen Bildschirm, der mittig durch eine (oftmals sichtbare) Falte getrennt wird. Je nach Optimierung der Software lassen sich dabei dann zwei Apps nebeneinander darstellen. Allerdings gibt es auch Foldables wie das Microsoft Surface Duo, die innen aus zwei separierten Bildschirmen bestehen.

microsoft-surface-duo

Die Vergangenheit

Als Begründer des Foldable-Segments gilt der eher unbekannte chinesische Hersteller Royole, der auf der CES 2018 das Royole FlexPai ankündigte. Doch nicht nur das machte es außergewöhnlich, denn der faltbare 7,8-Zoll-AMOLED-Bildschirm im 4:3-Format lag außen und nicht innen, wie es sich inzwischen zum Standard entwickelt hat. Einer der Gründe, warum sich Experten in Testberichten nicht unbedingt begeistert vom Konzept zeigten, war die Angst, dem Bildschirm in unaufmerksamen Momenten Schaden zuzufügen. Mit dem Royole FlexPai 2 konnte der Hersteller dem China-exklusiven Gerät zwar immer noch keine Google-Dienste verpassen, aber immerhin die Hardware im Inneren deutlich leistungsfähiger gestalten.

Bild: Motorola

Royole legte los, Samsung zog aber davon

Bald nachdem Royole mit dem FlexPai vorgelegt hatte, setzte Samsung mit dem ersten Galaxy Fold den Grundstein für einen Bereich des Unternehmens, der sich in den folgenden Jahren als sehr erfolgreich herausstellen sollte. Am Modell der ersten Generation gab es noch einige Kritikpunkte, doch prinzipiell ging das schon in die richtige Richtung. Statt nach außen wurde der große Bildschirm hier nach innen gefaltet, was sich im Alltag als deutlich praktischer herausstellte. Gerade der zusätzliche äußere Bildschirm hatte jedoch noch ein eher unbrauchbares Format und wurde von riesigen Rändern umrahmt. Einige Aspekte konnte der südkoreanische Hersteller bereits mit der zweiten Generation, dem Samsung Galaxy Z Fold 2, verbessern. Der Konkurrenz voraus hatte Samsung außerdem, seine Geräte direkt einem internationalen Publikum anbieten zu können.

Auch Huawei, damals noch deutlich relevanter im Smartphonegeschäft als (leider) heute, legte schon früh mit einem Foldable vor. Das Huawei Mate X fühlte sich weniger wie ein Prototyp an, sondern schon verhältnismäßig durchdacht – hatte jedoch auch einen happigen Preis von umgerechnet über 2.000 Euro. Etwas später folgte mit dem Mate Xs eine verbesserte Variante, ebenfalls mit außenliegendem Display, für knapp 2.500 Euro.

Oder doch ein Clamshell?

Neben den Foldables, die quasi Tablets ins Hosentaschenformat transformieren wollten, gab es wie erwähnt eben auch andere Ansätze. Lenovo-Tochter Motorola brachte Ende 2018 optisch nicht nur das Flip-Phone, sondern mit “Razr” eine beliebte und traditionsreiche Marke zurück. Unterm Strich war das Motorola Razr 2019 aber kein wirklicher Erfolg, die Mischung aus hohem Preis und eher schwacher Hardware lockte nicht viele Käufer an. Bald nach Marktstart sah sich Motorola sogar gezwungen, Käufer mit einem kostenlosen zweiten Exemplar zu locken.

Bild: Motorola

Auch das Motorola Razr 5G konnte dem ersten Samsung Galaxy Z Flip (Video) kaum Käufer abluchsen. Nach dem Galaxy Fold pflegt Samsung seitdem auch eine Serie im Clamshell-Format. Gegenüber dem Motorola Razr punktete das erste Galaxy Z Flip trotz sichtbarem Knick unter anderem mit einem größeren, schärferen Bildschirm, mehr Leistung unter der Haube, einem größeren Akku, einer Dual-Cam und und und.

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Viel zu wenig Anerkennung für technologische Fortschritte bekommt das Unternehmen ZTE, die mit dem ZTE Axon 20 nicht nur die erste Under-Display-Camera in einem Smartphone präsentierten, sondern mit dem ZTE Axon M auch schon 2018 ins Foldable-Geschäft eingestiegen waren. ZTE versuchte es mit zwei Bildschirmen statt einem großen. Auch wenn die Leistung der Hardware den Preis nicht rechtfertigte, wurde der Vorstoß durchaus positiv bewertet.

ZTE Axon M, Bild: ZTE

Die Gegenwart

Rund vier Jahre sind seit dem ersten Foldable ins Land gezogen und die gesamte Branche hat sich in dieser Zeit stark gewandelt. Samsung konnte seitdem wichtige Erfahrungen sammeln und hat diese in die aktuellen Modelle Samsung Galaxy Z Fold 3 und Z Flip 3 fließen lassen – das Galaxy Z Flip 2 wurde übersprungen, um die Ordnungszahlen der Einfachheit halber anzugleichen. Nicht nur wegen der Einstellung der Galaxy-Note-Serie hat sich die Kompatibilität mit dem S-Pen als sehr sinnvoll erwiesen. Generell gelten die Samsung-Falter als Referenzmodelle, an denen sich alle Geräte anderer Hersteller messen lassen müssen.

Hersteller wie Oppo haben der Konkurrenz liebend gern den zeitlichen Vorsprung gelassen, denn so konnten sie ohne eigene Investition aus deren Fehler lernen. Das führte dazu, dass das Oppo Find N (Video) schon allein durch sein Format und die unsichtbare Falte als ernstzunehmender Rivale zum Samsung Galaxy Z Fold 3 gehandelt wurde. Obwohl Oppo stark nach Europa expandiert, ist es jedoch weiterhin nur in China erhältlich. Im Heimatmarkt begeisterte es aber auch durch einen verhältnismäßig niedrigen Preis.

Mehr Hersteller, mehr Formate, mehr Konkurrenz

Zumindest von außen betrachtet zeigte sich auch das Honor Magic V als vielversprechend. Das Foldable, das Anfang 2022 präsentiert wurde, tritt in die Fußstapfen des Oppo Find N und gefällt vor allem durch sein Format. Im Inneren haben die beiden Displayhälften jeweils ein Seitenverhältnis von 21:9 wie auch der äußere Bildschirm. Als einer der ersten Hersteller adaptierte Honor außerdem den neusten Top-Chip von Qualcomm, den Snapdragon 8 Gen 1. Dahin sollen außerdem alle Sorgen sein, dem Magic V im Alltag aus Versehen zu schaden, selbst Stürze aus über einem Meter Höhe sollen dem Gerät nichts anhaben können.

Honor Magic V, Quelle: Screenshot

Mit dem Oppo Find N und dem Honor Magic V gemein hat das Xiaomi Mi Mix Fold neben der Buch-artigen Bauweise die exklusive Verfügbarkeit in China. Bislang ist es das einzige Foldable des chinesischen Technikgiganten, auch wenn es immer wieder Berichte über große Investitionen in diesen Geschäftszweig gegeben hatte. In manchen Punkten, wie etwa den Kameras, hatte es verglichen mit dem Platzhirsch Samsung einen kleinen Hardwarevorsprung, konnte der Galaxy-Z-Fold-Reihe aber nicht wirklich Konkurrenz machen.

Xiaomi Mi Mix Fold Vorstellung beide Displays nebeneinander
Xiaomi Mi Mix Fold, Quelle: Screenshot

Die Zukunft

Seine Vorherrschaft wird Samsung hierzulande wohl kaum aufgeben wollen. Mit den vergangenen drei Generationen beim Galaxy Z Fold haben die Südkoreaner eine ganze Menge gelernt. Diese Expertise werden sie ins Galaxy Z Fold 4 und Galaxy Z Flip 4 einfließen lassen. Am meisten muss Samsung beim Fold vermutlich noch am äußeren Bildschirm arbeiten. Hilfreich wäre es außerdem, den S-Pen irgendwie im Gerät unterbringen und aufladen zu können.

Samsung Galaxy Z Fold 4 (Render), Bild: Waqar Khan

Auf der CES 2022 zeigte Samsung, was man sich neben den bisher bekannten Foldable-Smartphone-Formaten noch so vorstellen könnte, zum Beispiel ein in S-Form faltbares Gerät mit nicht nur zwei, sondern drei Displaybereichen. Auch unterstrich Samsung, dass das Foldable-Konzept nicht auf Smartphones beschränkt sein muss, sondern auch Tablets bzw. Laptops irgendwann mit faltbaren Bildschirmen daherkommen könnten. An diesem Punkt sei Asus erwähnt, die zum gleichen Zeitpunkt in Form des Asus Zenbook 17 Fold OLED ein eindrucksvolles Gerät enthüllt hatten.

Samsung Flex S, Quelle: Screenshot

Je nachdem, als wie erfolgreich sich ihre jeweiligen Modelle in China herausstellen, könnten Honor, Oppo, Xiaomi und Co. mit ihren nächsten Foldables in andere Märkte expandieren. Sogar Pionier Royole hat Gerüchten zufolge ein FlexPai 3 in der Mache. Dabei erwarten wir nicht nur mehr vom Altbekannten, sondern hoffen auch auf mehr Alternativen dieser Unternehmen im Clamshell-Format.

Es wird kreativer und spannender!

Schließlich ist auch Google am Zug, den diversen Android-Herstellern zu zeigen, wie ein Foldable auszusehen hat. Hierzu gab es in der Vergangenheit immer wieder Gerüchte, aber noch nichts Konkretes. Bester Anhaltspunkt ist wohl die Entwicklung von Android 12L. Die Oberfläche wurde nicht nur für Tablets, sondern generell alle Geräte mit größerem Touchscreen optimiert, also auch für Foldables. Für welche Bauweise sich Google entscheidet, ob Bookcover, Clamshell oder sogar beide, bleibt abzuwarten.

Apropos Android: Apple lässt sich ordentlich Zeit, ein eigenes Foldable auf den Markt zu bringen. Das US-Unternehmen ist ja bekannt dafür, nicht sofort auf jeden Trend aufzuspringen. Vermutlich werden sie die Szene noch ein paar Jahre beobachten und, sollten Foldables dann tatsächlich etabliert sein, eher später als früher ein faltbares iPhone oder iPad vorstellen. Momentan deutet einiges auf ein Falt-iPad in drei Jahren hin.

Oppo X 2021

Neben der faltbaren Bauweise gibt es mindestens noch eine Möglichkeit, bei ähnlichen Gehäusemaßen die Displaydiagonale zu vergrößern: das Rollable. Hierbei wird der Bildschirm wortwörtlich über einen Motor meist auf Knopfdruck ausgefahren. Entsprechende Konzepte haben wir etwa von LG kurz vor dessen Rückzug aus der Smartphonebranche oder auch Oppo mit dem Prototypen X 2021 gesehen. Marktreife hat jedoch noch keines dieser Geräte erreicht und ob sich diese Lösung gegenüber dem Foldable als praktikabler erweisen wird, bleibt abzuwarten.

Jetzt wollen wir von euch wissen: Habt ihr ein Foldable im Einsatz oder zumindest mal mit dem Gedanken gespielt? 😊


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