OnePlus 10 Pro im Test: Mehr Schein als Sein?

Das neue Flaggschiff im Check!
OnePlus  / Max Jambor

Im Jahr 2022 gibt es kaum mehr ein Flaggschiff-Smartphone, welches unter der magischen Preisgrenze von 1.000 Euro in den Handel startet. OnePlus hat das mit dem neuesten Modell, dem OnePlus 10 Pro, aber wieder geschafft. Wo der Hersteller gespart hat und ob das Smartphone im Alltag überzeugen konnte, haben wir in den letzten Wochen ausführlich für euch getestet.

Während viele Hersteller mittlerweile zwei oder drei unterschiedliche Versionen eines Flaggschiffes anbieten, ist OnePlus in diesem Jahr wieder einen Schritt zurückgerudert und verzichtet (vorerst) auf den Launch eines normalen OnePlus 10. Seit dem 5. April gibt es das neue OnePlus-Flaggschiff für 899 Euro (8+128 GB) und 999 Euro (12+256 GB) in den Farben Volcanic Black sowie Emerald Forest in Deutschland zu kaufen. Für unseren Test haben wir die größte Speicherausstattung in der Farbe Volcanic Black erhalten.

Der Lieferumfang des OnePlus 10 Pro umfasst ein 80-Watt-SuperVOOC-Ladegerät, ein USB-A-zu-USB-C-Kabel sowie eine Silikon-Schutzhülle in Geräte-Farbe. Ein Displayschutz ist bereits ab Werk auf dem Gerät vorhanden. Ebenfalls enthalten sind natürlich die Bedienungsanleitung sowie ein SIM-Tool für das Entfernen des Dual-SIM-Kartenschachts.

Design & Verarbeitung

Bevor es an die technischen Daten geht, folgt ein Blick auf das Design und die Verarbeitung. Anders als noch beim OnePlus 9 (Pro), wo die Kameras und der Kamerabuckel noch aus der Rückseite hervorstehen, versucht es die Chinesen dieses Jahr ein wenig schlichter. Die Kameras verschmelzen dabei mit der Rückseite und dem Rahmen, ähnlich wie Samsung es beim Galaxy S21 gemacht hat. Das sieht unserer Meinung nach sehr elegant aus und soll, da OnePlus für die Kameraeinfassung auf Keramik setzt, auch resistenter gegenüber Stürzen und Kratzern sein.

Vorder- und Rückseite bestehen übrigens auf Gorilla Glass Victus, der Rahmen ist aus Aluminium gefertigt. Wie ein Video des amerikanischen YouTubers JerryRigEverything gezeigt hat, kann es bei viel Kraftaufwand dazu kommen, dass das Smartphone unterhalb der Kamera einknickt. Das ist den eher ungünstig platzierten Antennenbändern zu verdanken, die sich im seltenen Fall wie eine Art „Sollbruchstelle“ entpuppen könnten. Dass das Smartphone allerdings einfach in der Hosentasche durchbricht, ist eher unwahrscheinlich.

Auf der Unterseite sitzt neben einem USB-Typ-C-Anschluss auch ein Lautsprecher, welcher zusammen mit der Hörmuschel über dem Display als Stereo-Lautsprecher zusammenarbeiten. Auf der rechten Seite gesellt sich noch der OnePlus-typische Alert-Slider dazu.

Während das OnePlus 9 Pro noch über ein offizielles IP-Rating verfügt, fällt dieses beim OnePlus 10 Pro leider dem Rotstift zum Opfer. Als Grund dafür werden die hohen Kosten der Tests zur Zertifizierung genannt, die sich direkt auf den Verkaufspreis auswirken würden. Das Smartphone ist trotz allem an sämtlichen Öffnungen mit Gummiabdichtungen ausgestattet, die ein Eindringen von Wasser verhindern sollen. Es ist also davon auszugehen, dass das Gerät einen Regenschauer unbeschadet überstehen sollte, unter Wasser tauchen würden wir es jedoch nicht.

Display

Ein Highlight des OnePlus 10 Pro ist das hervorragende Display. Das AMOLED-Panel misst 6,7 Zoll bei einer Auflösung von WQHD+ (3.216 x 1440 Pixel) und einer adaptiven Bildwiederholrate zwischen 1 und 120 Hertz. Das Besondere: Die neue LTPO 2.0-Technologie, welche laut eigenen Angaben bis zu 1,5 Stunden mehr Nutzungsdauer ermöglichen soll, im Vergleich zum OnePlus 9 Pro. Statt 10 Hz als unterste Grenze kann das Panel nun auf min. 1 Hz herunterregeln.

Die Spitzenhelligkeit beträgt laut Hersteller bis zu 1.300 Nits. Mit einem X-rite i1 Display-Profiler konnten wir max. 850 nits bei 20 % APL (Weißanteil) und 740 Nits bei 100 % APL messen. Wie auch beim Oppo Find X5 Pro, welches wohl das identische Panel erhalten haben sollte, ist die Herstellerangabe etwas zu weit von unserer Messung entfernt. Dennoch, im Alltag konnte uns das Display stets mit einer hellen sowie farblich knackigen Darstellung überzeugen.

Während im oberen Bereich eine kleine Punch-Hole-Frontkamera vorzufinden ist, sitzt im unteren Teil ein neuer optischer Fingerabdrucksensor, der das Smartphone zügig und vor allem zuverlässig entsperrt. Die Seiten sind übrigens weiterhin leicht abgerundet, was das Benutzen unserer Einschätzung nach deutlich angenehmer macht. Doch das scheiden sich wohl die Geister, wenn es um Curved vs. Flat geht.

Prozessor & Speicher 

Unter der Haube werkelt der neueste Qualcomm Snapdragon 8 Gen 1 Prozessor, der je nach Ausstattungsvariante mit 8 oder 12 GB LPDDR5 Arbeitsspeicher sowie 128 oder 256 GB UFS-3.1-Flashspeicher kombiniert wird. Das sorgt nicht nur im Alltag für eine flüssige Performance, sondern auch beim Spielen macht das OnePlus 10 Pro stets eine gute Figur.

SoC (Smartphone)Geekbench - SingleGeekbench - Multi
Snapdragon 8 Gen 1 (OnePlus 10 Pro)1.252 Punkte3.360 Punkte
Exynos 2200 (Galaxy S22)1.173 Punkte3.601 Punkte
Google Tensor (Pixel 6 Pro)1.036 Punkte2.957 Punkte
Snapdragon 888 ()1.115 Punkte3.392 Punkte
Snapdragon 870 (Vivo X60 Pro, 12/265 GB)1.026 Punkte3.472 Punkte

Das Smartphone ist auch in diesem Jahr nicht mit einem MicroSD-Kartenslot ausgestattet, der Speicher kann also nicht erweitert werden. Darüber hinaus unterstützt das OnePlus 10 Pro Wi-Fi 6, Bluetooth 5.2 sowie NFC. Auch der neue 5G-Mobilfunkstandard ist natürlich mit an Bord.

Als Software dient Android 12 mit der hauseigenen Benutzeroberfläche OxygenOS 12.1. Erfreulicherweise verspricht OnePlus dem 10 Pro drei Jahre Android-Updates und sogar vier Jahre Sicherheitsupdates. Dies garantiert auch eine langfristige Nutzung des Smartphones.

Akku – OnePlus schälgt das S22 Ultra

Während das Unternehmen bereits im Vorjahr mit einer Ladegeschwindigkeit von 65 Watt glänzen konnte, wurde diese nun erneut angehoben. Das OnePlus 10 Pro lässt sich dank des im Lieferumfang enthaltenen SuperVOOC-Ladegerät mit bis zu 80 Watt aufladen. In unserem Test konnte der 5.000 Milliamperestunden starke Akku in angenehmen 32 Minuten von 0 auf 100 Prozent gebracht werden. Alternativ kann das Smartphone auch über den separat erhältlichen Warp Charge 50 Wireless Charger (69,95 Euro UVP) in etwa 48 Minuten vollständig mit frischer Energie versorgt werden.

Der Akku hat bei rund sechs Stunden aktiver Nutzung (eingeschaltetem Display) einen vollen Tag ausgehalten. Im PCMark-Akkutest (300 nits, adaptive 120 Hz, WLAN + GPS aktiv) erreicht das OnePlus 10 Pro einen Wert von 8 Stunden und 47 Minuten, bis die Restladung noch 20 % beträgt. Ein Oppo Find X5 Pro hielt im PCMark-Akkutest mit sehr ähnlicher Hardware für 9 Stunden und 16 Minuten durch. Das Samsung Galaxy S22 Ultra hat da nur 8 Stunden und 8 Minuten erreicht.

Kamera & Beispielfotos 

Die Kamera steht beim diesjährigen OnePlus-Flaggschiff definitiv wieder im Mittelpunkt. Nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr eine Partnerschaft mit dem Kamera-Hersteller Hasselblad angekündigt hatte, wird die Kooperation in diesem Jahr auf eine neue Stufe gehoben. Die sogenannte OnePlus Billion Color Solution ermöglicht 10-bit Aufnahmen mit allen drei Kameras. Dies bedeutet einfach gesagt, dass die Farben bzw. Farbabstufen eines Bildes noch sanfter ausfallen.

Die 50-Megapixel-Haupt- und Ultraweitwinkelkamera schießen im Allgemeinen gute Bilder, die 8-MP-Telekamera ist hingegen wieder kritisch zu betrachten. Da es sich bei der Hauptkamera um denselben Sensor wie beim OnePlus 9 Pro handelt, sind bis auf einige Farbunterschiede kaum Differenzen zwischen den beiden Geräten auszumachen. Die Bilder sind sowohl bei Tag als auch bei Nacht von guter Qualität und im Allgemeinen recht realitätsnah.

Der Tausch: Mehr Sichtbereich, dafür kleinerer Sensor

Sehr interessant ist die Ultraweitwinkelkamera, mit der Bilder im 150°-Format aufgenommen werden können. Hier ist jedoch eine spürbare Verschlechterung im Vergleich zur 123°-Ultraweitwinkelkamera des OnePlus 9 Pro erkennbar. Die Bilder wirken beim 10 Pro weniger scharf und detailreich, was auf den geschrumpften Sensor zurückzuführen ist. Zudem lassen sich die vollen 150 Grad nur knipsen, wenn der spezielle Modus dafür im Kameramenü ausgewählt wird.

Die Telekamera mit 3,3-fachem Zoom ist, wie zu erwarten, kein besonderes Highlight des Smartphones. Bei guten Lichtverhältnissen können sich jedoch auch mit dieser Kamera zufriedenstellende Bilder erstellen. Die Resultate sind aber keineswegs überragend oder außergewöhnlich, wie beispielsweise bei einem Samsung Galaxy S22 Ultra – welches dann jedoch auch gut 300 Euro mehr kostet.

Bei der Frontkamera im OnePlus 10 Pro handelt es sich um denselben 32-Megapixel-Sensor, der bereits im OnePlus Nord 2 zum Einsatz kommt. Die Bilder wirken teilweise leicht überschärft, die Qualität ist aber erkennbar besser als beim Vorgänger.

In Sachen Videoqualität bietet das OnePlus 10 Pro eine ganze Reihe von unterschiedlichen Aufnahmemöglichkeiten. Neben 1080p bei 30 oder 60 fps werden natürlich auch 4K 30/60/120 fps und 8K 24 fps unterstützt. Die Videoaufnahmen sind von guter Qualität und auch die Stabilisierung dank OIS (Optical Image Stabilization) ist überaus zufriedenstellend.

Fazit

​​Das OnePlus 10 Pro spielt ohne Zweifel in der oberen Smartphone-Liga mit. Die Verarbeitung ist hochwertig und auch das Display zählt zu den Spitzenreitern auf dem Markt. Der Qualcomm Snapdragon 8 Gen 1 sorgt für eine reibungslose Nutzung und flüssiges Gaming. Leider verzichtet OnePlus dieses Mal jedoch auf eine offizielle IP-Zertifizierung. 

Kabelgebundenes Laden mit 80 Watt und Wireless Charging mit 50 Watt bringen den Akku schnell wieder auf 100 Prozent. Bereits 15 Minuten Laden genügen, um das Smartphone zu 60 Prozent aufzuladen. Bei moderater Nutzung reicht diese Akkuladung mindestens für einen Tag aus.

Zwar hat OnePlus in diesem Jahr versucht die Kameras durch die Hasselblad-Partnerschaft erneut etwas aufzuwerten, das ist jedoch nur teilweise spürbar. Zwar ermöglicht die neue 150°-Ultraweitwinkelkamera ein besonders großes Sichtfeld, doch dabei setzt OnePlus auf einen qualitativ kleineren und somit schlechteren Sensor. Die Hauptkamera sorgt hingegen für sehr ansehnliche Ergebnisse, auch die Telefotokamera ist durchaus praktisch.

Mit einem Preis ab 899 Euro unterbietet das OnePlus 10 Pro einige Konkurrenten. Zwar gibt es kleinere Abstriche bei der Kamera, dafür kann das Smartphone mit einem sonst guten Gesamtpaket auf sich aufmerksam machen. Ob es sich lohnt lieber etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, um etwa eine IP-Zertifizierung, etwas mehr Speicher oder eine bessere Kamera zu haben, sollte jeder für sich entscheiden.

Pro

  • hochwertige Verarbeitung und elegantes Design
  • sehr gutes AMOLED-Display
  • schnelles Laden (sowohl mit als auch ohne Kabel)
  • leistungsstarker Prozessor unter der Haube
  • übersichtliche und flüssige Software
  • vernünftiger Preis

Contra

  • keine IP-Zertifizierung
  • Ultraweitwinkelkamera enttäuscht
  • Displayhelligkeit noch optimierbar
  • kein Wi-Fi 6E

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