Samsung Galaxy Z Flip 4 Test: Klapphandy mit kleinen Upgrades

Mehr Akkulaufzeit für das faltbare Smartphone

Das Samsung Galaxy Z Flip 4 sieht dem Vorgängermodell zum Verwechseln ähnlich und auch technisch gibt es kaum Unterschiede. Welche Kritikpunkte des Z Flip 3 ausgebügelt wurden und was weiterhin nicht so gut klappt, erfahrt ihr hier im Testbericht des Foldables.

Übersicht und Einordnung

Ein Jahr nach dem Galaxy Z Flip 3 hat Samsung das vierte Modell seines modernen Klapphandys veröffentlicht. Der leicht gestiegene Einstiegspreis beträgt 1.099 Euro und ist damit alles andere als günstig. Neben der 128-Gigabyte-Variante bietet der Hersteller das Foldable alternativ mit 256 Gigabyte für 1.159 Euro und mit 512 Gigabyte für 1.279 Euro an. Rund einen Monat nach Marktstart wird das Galaxy Z Flip 4 online aber bereits ab 800 Euro angeboten. Das Vorgängermodell gab es gelegentlich inzwischen für rund 550 Euro und zum Testzeitpunkt kostet es 650 Euro. 

Bis auf das Huawei P50 Pocket (~950 Euro), welches ohne 5G und Google-Dienste daherkommt, hat das Z Flip 4 hierzulande keine vergleichbare Konkurrenz. Wann das ähnlich ausgestattete Motorola Razr (2022) außerhalb Chinas erhältlich sein wird, ist derzeit ungewiss. Demnach überrascht es nicht, dass Samsung nur Detailverbesserungen vorgenommen hat:

  • Bildschirmränder leicht reduziert
  • Snapdragon 8+ Gen 1
  • 512-Gigabyte-Option
  • etwas größerer Akku
  • höhere Ladeleistung
  • neuer Hauptkamerasensor

Farblich stehen Bora Purple, Graphite, Pink Gold sowie Blau zur Auswahl. Über den Samsung-Onlineshop kann man sich zudem eine individuelle Bespoke-Edition mit 256 Gigabyte für 1.199 Euro bestellen. Dabei stehen dutzende Farbkombinationen zur Auswahl.

Design und Verarbeitung

Unverändert handelt es sich effektiv um ein typisch großes Smartphone, das sich in der Mitte falten lässt, um beispielsweise in eine Hemdtasche oder kleine Hosentasche zu passen. Außen gibt es zusätzlich einen kleinen Zweitbildschirm für Benachrichtigungen und Widgets. Anders als das Z Fold 4 (hier im Test) möchte das Z Flip 4 nicht ein 2-in-1-Gerät sein, sondern vielmehr ein modisches, ausgefallenes Smartphone. 

Die Abmessungen sind aufgeklappt mit 165,2 × 71,9 × 6,9 Millimetern nahezu gleich gegenüber dem Z Flip 3 (Test), aber das neue Modell fällt minimal kürzer und schmaler aus, obgleich nur um jeweils weniger als einen Millimeter. Zusammengeklappt merkt man die Vor- und Nachteile dieser Bauweise: anders als Smartphones mit ähnlicher Bildschirmdiagonale, ragt es nicht aus Hosentaschen hervor, jedoch ist es dann mit 17,1 Millimetern Tiefe ebenfalls mindestens doppelt so dick wie herkömmliche Alternativen

Insgesamt wirkt das Smartphone hochwertig verarbeitet und sehr stabil. Allerdings sollte man spitze Gegenstände vom faltbaren Display fernhalten, schließlich ist die UTG-Oberfläche nicht so widerstandsfähig wie das Gorilla Glass Victus+ über dem Cover-Display.

Anders als beim Huaweis P50 Pocket liegen die beiden Hälften übrigens nicht flach aufeinander, sondern es gibt einen sichtbaren Spalt am “Knickpunkt” des Hauptbildschirms. Die Seitenränder rund um das große Display sind etwas schmaler und der Rahmen wirkt abgeflachter als zuvor. Außerdem hat Samsung die oberste Schutzfolie auf dem Faltbildschirm verändert, wodurch die Ablesbarkeit durch eine polarisierte Sonnenbrille merklich verbessert wurde. Ansonsten sind die äußeren Eigenschaften identisch im Vergleich zum Vorgänger:

  • es ist gemäß IPX8 geschützt vor Wasser, aber nicht vor Staub
  • der seitliche Fingerabdrucksensor funktioniert gut, ist aber mitsamt der Lautstärkewippe recht schlecht erreichbar
  • einhändiges Öffnen ist umständlich
  • die Stereolautsprecher klingen gut, aber nicht spitzenmäßig
  • der Vibrationsmotor wirkt vergleichsweise billig
  • die Falte in der Bildschirmmitte ist weiterhin deutlich vorhanden, aber man gewöhnt sich schnell daran
  • für mindestens 200.000 Faltvorgänge ist das Scharnier ausgelegt
  • ständiges Aufklappen kann im Alltag stören

Displays

Ebenso gleich geblieben sind die Eigenschaften beider AMOLED-Displays. Der äußere Bildschirm misst diagonal 1,9 Zoll und löst mit 512 × 260 Pixeln auf. Neuerdings steht dafür eine Always-On-Funktion zur Verfügung und bei eingehenden Nachrichten kann man aus vorgefertigten Schnellantworten wählen, um das Klapphandy nicht öffnen zu müssen. Des Weiteren zeigt das Cover-Display vollständige Benachrichtigungen und Widgets an, es lassen sich verspielte Animations-Hintergründe einstellen und man hat Zugriff auf einige Schnelleinstellungen sowie auf Samsung Pay für kontaktloses Bezahlen im zugeklappten Zustand. Ein vollwertiges Zweitdisplay wie beim Motorola-Pendant ist es weiterhin nicht.

Der 6,7 Zoll große Hauptbildschirm weist ein ungewöhnliches 22:9-Format auf und bietet eine Auflösung von 2.460 × 1.080 Pixeln. Die Bildwiederholrate wechselt dynamisch von einem Hertz bis zu 120 Hertz. Offiziell gibt Samsung eine Helligkeit von maximal 1.200 Nits an. Wir haben bei 100 Prozent APL 838 Nits und bei 20 Prozent APL 1.006 Nits gemessen, was in etwa mit dem Wert des Z Flip 3 übereinstimmt. Bei starkem Sonnenschein lässt sich der Hauptbildschirm gut und der dunklere Zweitbildschirm weniger gut ablesen. 

Anzumerken gilt in diesem Abschnitt noch, dass das Smartphone zwar in der Hosentasche kompakt ist, es aber aufgeklappt eindeutig nicht der Kompaktklasse angehört. Die 6,7-Zoll-Diagonale macht es in Kombination mit dem Seitenverhältnis kaum einhändig bedienbar.

Leistung, Speicher und Software

Durch den späten Start im August 2022 konnte Samsung auf den überarbeiteten Flaggschiff-Chip von Qualcomm warten: den Snapdragon 8+ Gen 1. Er wird im Gegensatz zum Non-Plus-Modell nicht bei Samsung, sondern bei TSMC im Vier-Nanometer-Verfahren gefertigt. Deshalb ist der Chip wesentlich effizienter und weniger hitzköpfig als der in vielen Flaggschiffen verbaute Snapdragon 8 Gen 1. Das Galaxy Z Flip 4 und Z Fold 4 zählen neben dem ROG Phone 6 (Test) zu den ersten Geräten mit dem neueren Snapdragon-Prozessor. Entsprechend liegt die Leistung auf dem aktuellen Top-Niveau. Unter Dauerlast machen sich die bauartbedingten Einschränkungen bei der Kühlung bemerkbar. Die Performance sinkt in dem Fall massiv. Entsprechend verwundert es nicht, dass im Einstellungsmenü kein Hochleistungsmodus, sondern nur Standard und Leicht zur Auswahl stehen.

Stets sind acht Gigabyte an LPDDR5-Arbeitsspeicher integriert und je nach Variante beträgt die Kapazität des UFS-3.1-Speichers 128, 256 oder 512 Gigabyte. Der SIM-Slot kann übrigens nur eine Nano-SIM aufnehmen – für den Dual-SIM-Betrieb muss also eine eSIM eingerichtet werden. Hinsichtlich der Funkstandards beherrscht es 5G, Wi-Fi 6 (nicht 6E), Bluetooth 5.2, NFC sowie Ortungsdienste wie A-GPS, GLONASS, Galileo und Beidou. Der USB-C-Port arbeitet leider nur mit USB 2.0.

Samsung liefert das Klapphandy mit One UI 4.1.1 auf Basis von Android 12L aus. Löblich ist das Versprechen für vier Jahre OS-Updates und für fünf Jahre Sicherheitsupdates. Zu den besonderen Software-Funktionen gehört etwa eine Multitasking-Option, um pro Bildschirmhälfte je eine App darzustellen. In einigen Apps wie YouTube und der Kamera teilt sich die Anzeige in ein Video- beziehungsweise Vorschaufenster und ein Bedienungsfenster auf, wenn der Hauptbildschirm circa im 45-Grad-Winkel aufgeklappt ist.

Akku

Der wohl größte Kritikpunkt des Vorgängermodells war die schwache Akkulaufzeit. Diesmal hat Samsung es nicht nur bei einem effizienteren Chip belassen, sondern zugleich den Akku vergrößert. Neuerdings beträgt die Akkukapazität 3.700 anstatt 3.300 Milliamperestunden. In Kombination mit dem wesentlich effizienteren Prozessor ergibt sich eine spürbar längere Akkulaufzeit. Zwar eignet sich das Smartphone abermals nicht für Power-User, allerdings genügt eine Akkuladung problemlos für einen Tag. Wer das Z Flip 4 moderat nutzt, dürfte regelmäßig 1,5 Tage ohne Aufladen schaffen. Die Akkulaufzeit liegt nun zwischen einem Galaxy S22 und Galaxy S22+ – weder schlecht noch spitzenmäßig. Im PCMark-Akkutest (300 Nits, adaptive Bildrate, WLAN + GPS) hielt es 8:13 Stunden durch, bis die Restkapazität noch 20 Prozent betrug.

Ein wenig verbessert hat der Hersteller zudem die unterstützte Ladeleistung. Kabelgebunden lässt sich der Akku nun mit maximal 25 statt 15 Watt laden, kabellos sind 15 Watt statt zehn Watt möglich. Da kein Netzteil mitgeliefert wird, haben wir für den Test ein 30 Watt starkes Anker Nano II Ladegerät verwendet. Ein vollständiger Ladevorgang nimmt erneut knapp 1,5 Stunden in Anspruch, doch immerhin lädt es anfangs etwas schneller als zuvor auf. Für ein Flaggschiff-Smartphone ist die Ladezeit insgesamt zu lang und dies trifft auf alle Samsung-Modelle zu. Übrigens ist wieder Reverse Wireless Charging möglich, um unter anderem Qi-kompatible Kopfhörer über die Smartphone-Rückseite aufzutanken.

  • Laden per USB-C:
  • 20 min. = 32 %
  • 40 min. = 60 %
  • 60 min. = 83 %
  • 80 min. = 95 %
  • 90 min. = 100 %

Kameras und Beispielfotos

Neben dem Cover-Display setzt Samsung ein weiteres Mal auf ein 12-Megapixel-Duo aus Ultraweitwinkel- und optisch stabilisierter Hauptkamera. Die Fläche des Primärsensors ist von 1/2,55 Zoll auf 1/1,76 Zoll gewachsen und die Pixel fallen mit 1,8 statt 1,4 Mikrometer ebenfalls leicht größer aus. Dem Datenblatt zufolge gibt es auch eine etwas weitwinkligere Brennweite von 24 statt 27 Millimetern, wohingegen die Blende bei f/1.8 geblieben ist. 

Identisch zum Z Flip 3 sind die Eigenschaften der Ultraweitwinkelkamera: f/2.2-Blende, 1,12 Mikrometer große Pixel und ein Sichtfeld von 123 Grad. Eine Telekamera sowie eine Makrofunktion, die man in dieser Preisklasse erwarten dürfte, bietet das Foldable nicht. Mit zehn Megapixeln löst wiederum die Selfie-Kamera im Hauptbildschirm auf. Im Gegensatz zu vielen anderen Samsung-Smartphones hat sie keinen Autofokus.

Beim Direktvergleich der Fotos mit einem iPhone 13 Pro fallen die Samsung-typische Farbsättigung und Nachschärfung auf – zuweilen kommt es zu einer Überschärfung. Die Detailschärfe der Flip-Hauptkamera hängt nur leicht hinterher, jedoch werden die Unterschiede deutlicher, wenn man zoomt. Generell tendiert die Kamera zu einer warmen Farbgebung.  Wie bei den meisten Smartphones, treten bei Aufnahmen der Ultraweitwinkelkamera in den Randbereichen starke Verzerrungen auf. 

Tagsüber kann das Kamera-Duo trotz der verhältnismäßig unbeeindruckenden Eigenschaften größtenteils überzeugen. Der moderne Bildverarbeitungsprozessor des Snapdragon 8+ Gen 1 hilft in einigen Szenarien sicherlich ebenfalls. Bei schlechteren Lichtverhältnissen wird die Ultraweitwinkelkamera ziemlich unbrauchbar, allerdings schlägt sich die Hauptkamera selbst dann noch relativ wacker gegen das iPhone. 

iPhone 13 Pro Ultraweitwinkel
Z Flip 4 Ultraweitwinkel

Die Qualität der Nachtaufnahmen lässt sich als gut zusammenfassen, aktuelle Flaggschiff-Smartphones wie das Vivo X80 Pro (Test) sind insgesamt aber schon einen Schritt voraus. Weiterhin liegt das Klapphandy in puncto Kameras also nicht auf absolutem Spitzenniveau, eine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger ist jedoch erkennbar. 

iPhone 13 Pro Low-Light-Foto
Z Flip 4 Low-Light-Foto

Selfies mit der Frontkamera sehen dagegen nur „okay“ aus. Es ist ratsam, stattdessen das Cover-Display für Selfies mit den hinteren Kameras zu nutzen. Neuerdings behalten Aufnahmen dann ihr normales Seitenverhältnis bei und sind nicht ausschließlich quadratisch. Per Doppeltipp auf die Vorschau beim Cover-Display wird übrigens das komplette Sichtfeld und nicht nur ein zugeschnittenes angezeigt. Videos lassen sich mit allen Kameras in 4K-Auflösung filmen, bei der Hauptkamera sogar mit 60 Bildern pro Sekunde und mit HDR10+. Halb aufgeklappt dient das Smartphone als eigenes Stativ und Samsung bietet Funktionen zur Fernauslösung und für automatisches Framing von Personen vor der Kamera.

Fazit

Das Galaxy Z Flip 4 unterscheidet sich in der Praxis hauptsächlich bei der Akkulaufzeit spürbar vom Z Flip 3. Des Weiteren hat es einen schnelleren Prozessor, eine dezent höhere Ladeleistung sowie eine leicht bessere Hauptkamera erhalten. Die Neuerungen sind überschaubar und abseits der längeren Laufzeit ziemlich nebensächlich. Einerseits ist es enttäuschend, dass Samsung bei einer solch innovativen Produktkategorie nicht mehr liefert. Andererseits dürfte dies für die Zielgruppe nicht sonderlich wichtig sein, da das Klapphandy mehr auf den Lifestyle-Faktor als auf Premium-Eigenschaften ausgerichtet ist. 

Mangels ernstzunehmender Konkurrenz in Deutschland (bislang) kann sich der Hersteller das „Sparprogramm“ erlauben. Letztlich hängt die Kaufentscheidung nur davon ab, ob einem die Bauweise gefällt und ob man dafür Abstriche gegenüber einem ähnlich teuren Standard-Smartphone hinnehmen möchte. Es ist allerdings fraglich, ob dieser Formfaktor langfristig bleibt. 

Persönlich erscheint mir das Oppo Find N als die bessere Wahl, wenn man nach einem halbwegs kompakten Foldable sucht. Hoffentlich bringt Oppo den Nachfolger auch offiziell auf den hiesigen Markt. Das Z Flip 4 hat mich während des Tests nicht überzeugen können. Aufgeklappt ist das Display zu langgestreckt und der Klapphandy-Charme nutzte sich schnell ab. Wer sein Handy selten nutzt oder wer in das Foldable-Segment reinschnuppern mag, kann es jedoch mal ausprobieren. Die Antwort auf die Frage „Foldable oder klassisches Top-Smartphone?“ ist weiterhin höchst subjektiv.

Pro

  • Klapphandy-Charme
  • schnellerer und effizienterer Prozessor
  • längere Akkulaufzeit
  • helles Hauptdisplay mit 120 Hertz
  • verbesserte Hauptkamera
  • lange Update-Garantie

Contra

  • Akkuladezeit immer noch zu lang
  • kaum Unterschiede zum Vorgängermodell
  • vergleichsweise teuer
  • Bauweise bietet wenig Mehrwert
  • Kameras nicht ganz auf aktuellem Top-Niveau

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Tim Metzger

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