Xiaomi 12T Pro im Test: Wie nötig sind 200 Megapixel wirklich?

Leistungsstarkes Smartphone mit Schwächen
Xiaomi

Knapp 800 Euro hat Xiaomi für sein neuestes Top-Smartphone bei der Vorstellung aufgerufen. Doch was für Eigenschaften sind dafür mit an Bord? Wir haben das Xiaomi 12T Pro im Alltag für euch getestet und einen genaueren Blick auf die 200 Megapixel Hauptkamera geworfen.

Ähnlich wie auch OnePlus fährt Xiaomi in diesem Jahr wieder zweigleisig und stellt neben seinem eigentlichen Flaggschiff, dem Xiaomi 12 Pro, ein rund 200 Euro günstigeres T-Modell vor. Das Xiaomi 12T Pro ist in Deutschland ausschließlich mit 8 Gigabyte Arbeitsspeicher und 256 Gigabyte internen Flash-Speicher zu einem Preis ab ca. 630 Euro erhältlich. Die verfügbaren Farben sind Clear Blue, Cosmic Black und Lunar Silver.

Der Lieferumfang umfasst, neben dem Smartphone selbst, ein 120 Watt Ladegerät, ein USB-A zu USB-C Kabel, ein SIM-Karten-Werkzeug sowie die Bedienungsanleitung. Ebenfalls enthalten sind eine durchsichtige Silikon-Schutzhülle und ein vorinstallierter Displayschutz aus Kunststoff.

Design & Verarbeitung

Das Xiaomi 12T Pro ist mit einer Größe von 163,1 x 75,9 x 8,6 mm sicherlich kein kleines Smartphone, zudem bringt es knapp 205 Gramm auf die Waage. Während auf der Vorderseite ein flaches Display zu finden ist, wird das Aussehen der Rückseite von einem monströsen Kameramodul geprägt – okay, im Vergleich zum neuen Xiaomi 13 ist monströs wohl etwas übertrieben.

Etwas negativ fällt dabei auf, dass der Rahmen nicht etwa aus Metall, sondern aus Kunststoff gefertigt ist. Bei einem Smartphone dieser Preisklasse dürfte Xiaomi ruhig zu etwas besseren Materialien greifen. Ein Pluspunkt gegenüber dem Vorgänger ist jedoch die matte Oberfläche der Glasrückseite. Fingerabdrücke werden damit zwar nicht unsichtbar, zeigen sich aber nicht ganz so schnell wie es bei einer glänzenden Rückseite.

Im Rahmen aus mattem Aluminium sind Powerbutton, eine Lautstärkewippe sowie Mikrofone und auch Stereo-Lautsprecher eingelassen. Wie auch der Vorgänger besitzt das Xiaomi 12T Pro keine IP-Zertifizierung und ist somit offiziell nicht gegen Wasser oder Staub geschützt.

Display

Das 6,67 Zoll große AMOLED-Display auf der Front wird von Gorilla Glass 5 geschützt und löst mit 2.712 x 1.220 Pixeln (Full HD+) auf. Eine erhöhte Bildwiederholrate von bis zu 120 Hertz sorgt für eine schön geschmeidige Darstellung bei bewegten Inhalten oder Animationen. Dazu soll es laut Xiaomi eine Spitzenhelligkeit von bis zu 900 Nits erreichen, die wir unseren Tests zufolge bestätigen können.

Mit einem Display-Profiler (X-rite i1) ließen sich maximal 860 Nits messen, sowohl bei 100 Prozent als auch 20 Prozent Weißanteil (APL). Diese Werte reichen aus, um auch bei etwas stärkerer Sonneneinstrahlung noch Inhalte ablesen zu können. Doch an besonders sonnigen Tagen und bei direktem Sonnenlicht kann es passieren, dass die Sicht auf das Display ein wenig eingeschränkt ist.

Zum Entsperren dient im Übrigen ein optischer Fingerabdrucksensor unter dem Display, der nicht nur schnell, sondern auch größtenteils präzise arbeitet. Darüber hinaus könnt ihr auch eine Gesichtserkennung über die Frontkamera aktivieren.

Performance, Speicher & Software

Unter der Haube des Xiaomi 12T Pro sitzt ein Qualcomm Snapdragon 8+ Gen 1 SoC, das Non-Pro-Modell setzt hingegen auf einen Mediatek Dimensity 8100 Ultra. Hierzulande sind zudem 8 Gigabyte Arbeitsspeicher und 256 Gigabyte internen Speicher mit an Bord. Warum weitere Ausstattungsvarianten in Deutschland nicht verfügbar sind, ist unklar. Eine Speichererweiterung per microSD-Karte ist jedenfalls nicht möglich. Ansonsten unterstützt das 12T Pro neben Wi-Fi 6, NFC und Bluetooth 5.2 auch den neuesten 5G-Mobilfunkstandard.

Als Benutzeroberfläche dient MIUI 13, basierend auf Android 12. In Sachen Design und Benutzerfreundlichkeit lässt sich über MIUI 13 sicherlich streiten, am Ende sit es auch eine Frage des eigenen Geschmacks. Doch wer zuvor ein Smartphone von Samsung, Oppo oder OnePlus in der Hosentasche hatte, wird sich vermutlich etwas an die Benutzeroberfläche gewöhnen müssen.

Während die meisten Hersteller ihre Smartphones bereits mit Android 13 versorgt haben, scheint es bei Xiaomi wohl noch ein wenig zu dauern. Ein genauer Update-Zeitplan liegt uns derzeit nicht vor. Sobald das Update eintreffen sollte, werden wir diesen Absatz entsprechend ergänzen.

Akku & Laden

Beim Akku macht Xiaomi keine Abstriche: Im Inneren des 12T Pro steckt ein 5.000 Milliamperestunden großer Lithium-Akku, der mit bis zu 120 Watt aufgeladen werden kann. Sollte der Akku also einmal leer sein, kann er in unter 20 Minuten wieder vollständig aufgeladen werden. Eine kabellose Aufladung ist dagegen nicht möglich.

In Kombination mit dem effizienten Snapdragon 8+ Gen 1 ergeben Alltagstests eine Display-Laufzeit von sechs bis sieben Stunden. Der Akku ist gut genug, um mindestens einen Tag ohne Probleme durchzuhalten. Wer sein Smartphone nur moderat nutzt, sollte auch zwei Tage ohne Aufladen hinbekommen. Beim PCMark-Akkutest (300 Nits, adaptive 120 Hz, WLAN + GPS aktiv) erreicht das Xiaomi 12T Pro einen Wert von 9 Stunden und 54 Minuten, bis die Restladung noch 20 Prozent beträgt.

Kamera(s)

Auf der Rückseite des Xiaomi 12T Pro sitzt das eigentliche Highlight: Ein Triple-Kamera-Setup mit einer 200-Megapixel-Hauptkamera. Xiaomi setzt hierfür auf den Samsung ISOCELL HP1, der Fotos effektiv per 16-zu-1 Pixel-Binning mit 12,5 Megapixeln knipst. Zwar sorgen große Zahlen, besonders bei Kameras, immer wieder für Furore, doch schlussendlich kommt es hinsichtlich der Bildqualität nicht nur auf die Sensorauflösung an.

Um die vollen 200 Megapixel ausnutzen zu können, muss übrigens der entsprechende Modus eingeschaltet sein. Ist dieser aktiviert, können mit der Hauptkamera besonders detaillierte und hochwertige Aufnahmen erstellt werden – beispielsweise für Fotodrucke oder Poster. Beachtet jedoch, dass Bilder in voller Auflösung gerne mal eine Größe von 50 MB überschreiten.

Darüber hinaus ermöglicht Xiaomi mit dem Hauptsensor einen 2-fachen Digital-Zoom per Sensor-Crop ohne großen Qualitätsverlust. Ob das wirklich ausreicht, um auf eine dedizierte Telefotokamera verzichten zu können? Denn wie auch bei den meisten anderen Smartphones dieser Preisklasse fällt die Auswahl der Zweit- und Drittkamera eher mager aus. Die 200 MP Hauptkamera wird von einer 8 Megapixel Ultraweitwinkelkamera und einer 2 Megapixel Makrokamera begleitet. Auf der Front sitzt ein 32 MP Sensor für Selfies.

Kameraeindruck & Beispielfotos

Tagsüber können mit der Haupt- und Ultraweitwinkelkamera größtenteils vernünftige Aufnahmen erstellt werden. Die Bildverarbeitung des Snapdragon-SoC trägt in einigen Szenarien sicherlich dazu bei. Je nach Situation können Farben jedoch etwas übersättigt wirken, besonders in Kombination mit der KI-Erkennung. Dank HDR werden auch bei schwierigen Lichtverhältnissen Details wie der Himmel besser erkennbar.

Dank Pixel-Binning, bei welchem insgesamt 16 Pixel zu einem zusammengefügt werden, können sich auch Nachtaufnahmen mit der Hauptkamera sehen lassen. Die Ultraweitwinkelkamera kommt bei schlechten Lichtverhältnissen jedoch schnell ins Schwitzen, hier kann der Sensor selbst mit softwareseitiger Hilfestellung wenig überzeugen.

Eine dedizierte Telefotokamera mit optischem Zoom ist zwar nicht mit an Bord, doch der 2-fache Digital-Zoom über den Sensor-Zuschnitt ist von einer ausreichenden Qualität. Doch schon ab der 5-fachen Vergrößerung beginnt das Foto zu Rauschen, der 10-fache Zoom ähnelt dann stark einem Ölgemälde.

Überraschend gut gelingen jedoch Portraitfotos, die softwareseitig mit einer künstlichen Tiefenunschärfe ausgestattet werden. Die Abgrenzung zwischen Person/Motiv und Hintergrund ist dabei ausgesprochen präzise, wenn auch nicht zu 100 % perfekt. Ob der doch sehr unscharfe Hintergrund gefällt, ist wohl Geschmackssache.

Die Makrokamera scheint wie bei vielen anderen Smartphones nur ein Zusatz zu sein, um sich mit einer „Triple-Kamera“ brüsten zu können. Zwar haben die Aufnahmen recht kontrastreiche Farben, den Fotos fehlt es aber an jeglicher Qualität und Schärfe. Besonders Nahaufnahmen leben von dem Spiel aus hoher Bildschärfe mit viel Bokeh im Hintergrund – das gelingt Xiaomi mit diesem Sensor leider nicht.

Links: Makrokamera / Rechts: Hauptkamera

Selfies gelingen übrigens recht gut. Die Fotos der Frontkamera besitzen eine gute Schärfe, eine natürliche Farbgebung und eine ordentliche Dynamik. Es sind zwar auch nicht die perfekten Selfies, doch hier haben wir schon deutlich weniger Qualität bei teureren Smartphones gesehen.

Videoaufnahmen sind mit der Hauptkamera in einer Auflösung von bis zu 8K (7.680 x 4.320 Pixel) mit 24 Bildern pro Sekunde möglich. Die volle Bildrate von 60 Bildern pro Sekunde lässt sich jedoch nur bei 4K-Aufnahmen nutzen. Um Ruckler auszugleichen, besitzt die Hauptkamera eine optische Bildstabilisierung (OIS), die im Alltag gut funktionierte. Dazu gesellen sich witzige Filmeffekte, ein VLOG-Modus oder die Dual-Video-Funktion in Kombination mit der Frontkamera.

Fazit 

Zumindest auf dem Papier kann das Xiaomi 12T Pro mit einem guten Gesamtpaket punkten, zeigt im Praxistest jedoch die ein oder andere Schwäche. Positiv fallen besonders die hohe Performance, das OLED-Display und die lange Akkulaufzeit auf. Das große Highlight ist ganz klar die Ladetechnik mit bis zu 120 Watt, mit der das Smartphone in weniger als 20 Minuten vollständig aufgeladen wird.

Die 200-Megapixel-Hauptkamera bietet zwar eine sehr hohe Auflösung und kann sowohl bei Tag als auch Nacht überzeugen, doch im Test zeigt sich schnell, dass viel nicht auch immer viel bringt. Smartphones mit einer geringeren Megapixel-Anzahl können mit den Aufnahmen des Xiaomi 12T Pro gut mithalten, da auch die Software eine wichtige Rolle spielt.

Ist der entsprechende 200-Megapixel-Modus eingeschaltet, lassen sich mit dem Smartphone jedoch besonders detailreiche und hochwertige Aufnahmen erstellen. Dazu gesellt sich zudem ein nahezu verlustfreier 2-fach Zoom durch einen Sensor-Crop, wodurch die Notwendigkeit einer separaten Telefotokamera entfällt.

Das Fehlern einer IP-Zertifizierung, die Rückseite aus Kunststoff und die doch eher unterdurchschnittliche Makrokamera trüben das Gesamtbild allerdings enorm. Vor allem zur UVP von 800 Euro ist das Xiaomi 12T Pro nicht ganz so rund gestaltet, wie es sich für ein Smartphone dieser Preisklasse gehört. Doch so langsam kommt das Smartphone (aktuell ab ca. 630 Euro) in eine Preisregion, in der es schon interessanter wird.

Pro

  • gutes AMOLED-Display
  • vernünftiger Akku & schnelles Laden
  • leistungsstarker Prozessor
  • starke Stereo-Lautsprecher
  • gute Hauptkamera bei Tag & Nacht

Contra

  • keine IP-Zertifizierung
  • Kunststoff-Rückseite
  • kein kabelloses Laden
  • Makro- und Ultraweitwinkelkamera enttäuschen

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