Ein 16-Zoll-Notebook, das kaum mehr als ein Kilo wiegt und selbst Apples M5 die Rücklichter zeigt? Klingt fast zu schön, um wahr zu sein, doch das neue Asus Zenbook A16 mit Qualcomm Snapdragon X2 Elite Extreme Chip unter der Haube könnte den Laptop-Markt etwas umkrempeln. Aber, wo stößt das ARM-basierte Premium-Notebook an seine Grenzen?
Apple hat den Notebook-Markt mit ihren Prozessoren in den letzten Jahren ordentlich auf den Kopf gestellt, dem konnte die Windows-Seite bisher nicht wirklich etwas entgegensetzen – vor allem was die Effizienz angeht. Der Grund dafür: Die sogenannte ARM-Architektur, so wie sie auch beispielsweise in eurem Smartphone zum Einsatz kommt.
Intel hat mit Panther Lake zwar schon einen deutlich bessere Plattform auf die Beine gestellt, doch mit einem ARM-Prozessor könnte die Konkurrenz zu Apple noch etwas ernstzunehmender werden. Asus spricht beim Zenbook A16 sogar von bis zu 21 Stunden Akkulaufzeit, das wären mehr als zwei Arbeitstage. Also, wie schlägt sich der verbaute Snapdragon X2 Elite Extreme?
Stärken & Schwächen des Zenbook A16 #pro&contra
Design, Eingabegeräte & Anschlüsse: Leichtgewicht ohne Port-Mangel
Mit rund 1,21 Kilogramm und einer Bauhöhe von nur 16,5 Millimetern ist das Zenbook A16 eines der leichtesten 16-Zoll-Notebooks überhaupt – selbst das kleinere 15-Zoll-MacBook Air ist etwa 300 Gramm schwerer (MacBook Pro 16” circa 2,15 kg; MacBook Neo 1,23 kg). Asus verwendet erneut sein Ceraluminum-Material, das sich hochwertig anfühlt, keine Knarzgeräusche produziert und hierzulande nur in der Farbe Zabriskie Beige erhältlich ist.
Die Tastatur bietet 1,3 Millimeter Hub und ein im Vergleich zum kleineren Zenbook A14 spürbar strafferes, angenehmeres Tippgefühl samt weißer Hintergrundbeleuchtung mit automatischer Lichtsteuerung. Das große Clickpad (etwa 15 × 10 cm) gleitet hervorragend.
Anschlussseitig bietet das Zenbook A16 zwei USB4-Ports mit 40 Gbit/s, einen USB-A-3.1-Port, HDMI 2.1 sowie einen SD-Kartenleser in Vollgröße, der jedoch keinen SD-Express-Standard unterstützt. Für drahtlose Verbindungen sorgt das Qualcomm FastConnect 7700 mit Wi-Fi 7 und Bluetooth 6.
Die 1080p-Webcam mit IR-Sensor unterstützt Windows-Hello-Gesichtserkennung, bietet aber nur eine durchschnittliche Bildqualität. Überzeugender sind dagegen die Lautsprecher, denn obwohl sie nach unten ausgerichtet sind, liefern sie einen überraschend voluminösen Klang.
Display & Speicher: Helles OLED, viel RAM
Ein Highlight des Zenbook A16 ist aber ohne Frage auch das 16 Zoll große OLED-Panel mit 2.880 × 1.800 Pixeln im 16:10-Format, dünnen Seitenrändern und 120 Hertz Bildwiederholrate. Zudem fällt die Farbraumabdeckung mit 99,8 Prozent DCI-P3 und 100 Prozent sRGB exzellent aus, wodurch sich das A16 auch wunderbar für Bildbearbeitung und Videoschnitt eignet.
Die gemessene SDR-Helligkeit liegt bei 596 Nits, im HDR-Modus sind bei 10 % Weißanteil über 1.000 Nits möglich – das ist schon recht ordentlich. Kritisch anzumerken sind jedoch die fehlende antireflektive Beschichtung sowie der Verzicht auf Touch-Unterstützung.

Das Testmodell kombiniert 48 GB LPDDR5x-Arbeitsspeicher (onboard, nicht austauschbar) mit einer 1-TB-PCIe-SSD von Samsung (bis zu 7 GB/s). Wartungsseitig lässt sich die Bodenplatte einfach mit Torx-T5-Schrauben entfernen, wobei sich nur SSD und Akku austauschen lassen – RAM und Funkmodul sind fest verlötet.
Prozessor: Snapdragon X2 Elite Extreme im Zenbook A16
Im Testgerät steckt der Snapdragon X2E-94-100, die zweitschnellste Variante der neuen X2-Elite-Extreme-Serie mit 18 CPU-Kernen (2 × 6 Prime-Kerne, 6 Performance-Kerne) und bis zu 4,7 Gigahertz Takt. Doch selbst dieser Chip bringt eine enorme Leistungssteigerung mit, vor allem in Multi-Core-Szenarien kann der Snapdragon alle x86-Konkurrenten von AMD und Intel – inklusive der aktuellen Panther-Lake-Generation – sowie den Apple M5 hinter sich lassen. Nur bei der Single-Core-Leistung hat Apple weiterhin klar die Nase vorn.
Die Lüftercharakteristik fällt insgesamt angenehm aus. Im Standardmodus bleibt das Zenbook A16 meist leise, während unter Dauerlast im Leistungsprofil ein hörbares, aber selten störendes Niveau erreicht wird. Wer lediglich leichte Tätigkeiten ausübt, kann bedenkenlos den Flüstermodus nutzen, ohne nennenswerte Leistungseinbußen in Kauf zu nehmen.
Leistung: Beeindruckend bis auf Gaming
In Produktivitätsbenchmarks wie Cinebench 2024 oder Geekbench 6 liefert das Zenbook A16 Bestwerte in seiner Klasse und übertrifft selbst deutlich teurere x86-Notebooks im Multi-Core-Bereich. Einen direkten Vergleich zum Apple M5 können wir zwar leider nicht ziehen (kein Gerät hier), den Werten diverser Kollegen zufolge hat der Snapdragon aber vor allem im Multi-Core-Bereich die Nase vorn.
Beim Gaming zeigt sich dagegen ein anderes Bild: Leichte Titel (Fortnite, Rocket League, etc) laufen flüssig, während anspruchsvolle oder schlecht für ARM optimierte Spiele kaum spielbar sind oder gar nicht erst starten. Forza Horizon 6 erreichte im Benchmark selbst auf niedrigen Settings mit durchschnittlich 42 FPS eher durchwachsene Werte.
Beim Spielen schaffte die verbaute Adreno-GPU zwar bis zu 70 FPS, sorgte aber auch für teils sehr starke Framedrops. Battlefield 6 und Anno 117: Pax Romana verweigerten hingegen komplett den Start. Kurz gefasst, ist es ein Glücksspiel, ob und wie ein Spiel auf dem Snapdragon-Notebook läuft.
Verwendete Benchmarks & Einstellungen
- Geekbench 6
- 3DMark Time Spy / Time Spy Extreme
- 3DMark Speed Way
- 3DMark Steel Nomad / Steel Nomad Light
- 3DMark Wild Life Extreme
- Cinebench R23 / Cinebench 2024
- Shadow of the Tomb Raider: Höchstes Preset / Niedrigstes Preset, DX12, FHD / WQHD nativ
- Cyberpunk 2077: Hoch Preset FHD nativ, Niedrig Preset FHD Upsampling Balanced, Ultra RT Preset FHD Upsampling Performance
Windows on Arm: Wie fällt die Kompatibilität aus?
Da wir es hier mit einer Arm-Architektur zu tun haben, die anders aufgebaut ist als die „klassische“ x86-Architektur von Intel und AMD, werden auch Programme anders angesprochen. Sogar Windows ist dafür als „Arm“-Variante installiert und hat sich mit der Zeit klar verbessert, doch die Kompatibilitätsliste bleibt lückenhaft.
Office-Arbeit, Web-Browsing, Content-Konsum und leichtere Kreativ-Workloads sind kein Problem, hier ist die Leistung in vielen Fällen sogar überlegen gegenüber x86-Alternativen, doch sehr spezifische Anwendungen oder gar topaktuelle Spiele sind weiterhin ein Problem – hier ist die Unterstützung einfach noch nicht gut genug. Vor allem ältere EA- und Anti-Cheat-geschützte Titel bereiten weiterhin Probleme.
Beim Download von Software sollte grundsätzlich auf die native ARM64-Version geachtet werden; dank des integrierten Prism-Emulators lassen sich aber auch viele x86-Programme zumindest lauffähig ausführen, wenn auch mit gewissen Leistungseinbußen. Wer unsicher ist, ob eine Anwendung unter Windows on Arm läuft, kann dies vorab über entsprechende Kompatibilitätslisten im Netz prüfen.
Akkulaufzeit & Laden: Gut, aber keine Rekordwerte
Asus verbaut im Zenbook A16 einen 70-Wh-Akku, der im Alltag von der hohen Effizienz des Snapdragon-Chips profitiert und laut Hersteller über 21 Stunden Laufzeit ermöglichen soll. In unserem eigenen Test – mit voller Helligkeit sowie aktivem WLAN und Bluetooth – hielt das Gerät bei reiner Videowiedergabe über 15 Stunden durch. Bei etwas reduzierter Helligkeit dürfte die Laufzeit noch etwas höher ausfallen, dennoch wirkt die Herstellerangabe von 21 Stunden ambitioniert bis optimistisch.
Generell würde ich sagen: Wer hauptsächlich Textarbeit und Browsing betreibt und die Helligkeit moderat hält, dürfte im Alltag locker zwei Arbeitstage ohne Aufladen auskommen. Ein „Akkumonster“ ist das A16 damit zwar nicht, hält aber ohne Frage länger durch als so mancher Konkurrent mit gleich großem Akku.
Das mitgelieferte 130-Watt-Netzteil lädt das Gerät zügig wieder auf und wiegt selbst nur 469 Gramm, was zur insgesamt sehr reisefreundlichen Ausstattung passt. In einer halben Stunde ist der Akku wieder bei rund 50 Prozent, nach einer Stunde bei 80 Prozent.
Fazit: Teures Premium-Ultrabook mit ARM-Mankos
Das Asus Zenbook A16 (UX3607) ist ein gelungenes Gesamtpaket: leicht, leistungsstark und dabei angenehm leise, ohne dass der Lüfter unter Last unangenehm auffällt. Die Akkulaufzeit bewegt sich auf einem guten, aber keineswegs überragenden Niveau und bleibt hinter den optimistischen Herstellerangaben zurück. Wer produktiv arbeitet, viel reist und nicht auf x86-spezifische Software angewiesen ist, bekommt mit dem Zenbook A16 ein rundum stimmiges Premium-Ultrabook.
Zwei Baustellen bleiben jedoch bestehen: Windows on Arm schränkt die Kompatibilität mit bestimmter Software weiterhin ein, und wer regelmäßig aktuelle oder anspruchsvolle Spiele zocken möchte, wird von der enttäuschenden Gaming-Leistung ausgebremst und sollte eher zu einem x86-Notebook greifen. Manch einer könnte sich zudem an den starken Display-Spiegelungen und der fehlenden Touch-Unterstützung stören.
MeinungDas Zenbook A16 hat mich als leichtes, kraftvolles Notebook überzeugt, das seine Leistung erfreulich leise abliefert. Die Akkulaufzeit ist gut, aber angesichts der Effizienzversprechen von Snapdragon eben nicht überragend – hier hätte ich mir nach der Marketing-Ansage etwas mehr erwartet. Insgesamt bleibt das A16 aber ein rundes Gesamtpaket, das hauptsächlich durch den recht hohen Preis, die weiterhin lückenhafte Windows-on-Arm-Kompatibilität und die enttäuschende Spieleleistung getrübt wird.
Tim Metzger
Preis & Konkurrenz
Das Zenbook A16 UX3607 ist in den USA in einer Ausstattung mit Snapdragon X2 Elite Extreme (X2E-94-100), 48 GB RAM und 1 TB SSD ab rund 1.599 US-Dollar erhältlich, in Deutschland liegt die Konfiguration zum Veröffentlichungszeitpunkt des Tests bei stolzen 1.999 Euro (MediaMarkt).
Preislich tritt das Zenbook A16 gegen ARM- und x86-Konkurrenten wie das Microsoft Surface Laptop 15 mit Snapdragon X Elite, das Dell XPS 16, das Samsung Galaxy Book 6 Pro 16 und Apples MacBook Air 15 mit M5-Chip an. Gegenüber dem AMD-basierten Zenbook S16 ist das A16 über 300 Gramm leichter, was gerade für Vielreisende ein spürbares Argument ist.
Was wären Alternativen?
Bei den 16-Zoll-Alternativen zum Zenbook A16 ist die Auswahl im Snapdragon-Lager derzeit dünn. Abseits des A16 findet sich nur das Vivobook S16 mit einem auf FHD-Auflösung und 60 Hz limitierten OLED-Panel, das gegenüber dem 3K-120-Hz-Display des Zenbook deutlich abfällt.
Wer stattdessen zu Intels aktueller Panther-Lake-Generation greifen möchte, landet schnell beim Samsung Galaxy Book6 Pro 16″ – das bleibt mit 1,59 kg zwar leicht, aber ist mit rund 2.399 Euro auch teurer als das Zenbook A16. Daneben gibt es zahlreiche 16-Zoll-Convertibles mit Panther-Lake- oder Ryzen-AI-400-Chips, die zum Testzeitpunkt rund 500 bis 900 Euro günstiger als das Zenbook A16 sind.
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