Oppo versucht sich mit der Find-Serie seit Jahren in der Oberliga zu behaupten und holt dafür auch mal etwas ungewöhnliche Designs aus der Schublade hervor. Das neue Find X9 Pro sieht dagegen auf den ersten Blick wieder mehr nach „Einheitsbrei“ aus. Doch trügt der Schein und das neue Flaggschiff-Smartphone kann trotzdem mit erstklassigem Display, fabelhafter Kamera und einer starken Software überzeugen? So viel sei gesagt: Das Oppo Find X9 Pro macht richtig viel Spaß im Alltag!
Der Lieferumfang hängt beim Find X9 Pro stark davon ab, welche Version ihr kauft. Bei Importgeräten liegt in der Box in der Regel noch ein Netzteil mit bis zu 80 Watt und eine Schutzhülle bei, außerdem ist ab Werk eine Schutzfolie auf dem Display aufgebracht. Das ist angenehm, weil man nicht direkt nach dem Auspacken noch Zubehör nachkaufen muss. Bei der EU-Version ist das je nach Markt oft strenger geregelt. Hier müsst ihr damit rechnen, dass maximal Kabel und SIM-Tool dabei sind – das wars.
Die Qual der Wahl: Günstiger Import-Deal oder teurere EU-Ware?
Obwohl das Smartphone zunächst nur in Asien an den Start ging, hat Oppo sein Topmodell mittlerweile auch nach Europa gebracht. Sogar in Deutschland ist der Hersteller nun wieder offiziell zurück, weswegen das Find X9 Pro im eigenen Online-Shop zur UVP von 1.299 Euro angeboten wird. Alternativ bekommt ihr das Smartphone auch bei Galaxus und weiteren Händlern.
Beim Import bekommt ihr das Handy zwar deutlich günstiger (verfügbar ab 740 Euro), müsst jedoch auf gewisse Optionen, darunter eSIM, vorinstallierte Google-Applikationen sowie Android Auto, verzichten. Der Aufpreis für die EU-Version ist daher vor allem eine Frage von Komfort, Gewährleistung und „Ich will einfach Ruhe”.
Fazit zum Oppo Find X9 Pro
Pro
- helles OLED-Display
- performanter & effizienter Chip
- exzellente Akkulaufzeit & flottes Laden
- starke Triple-Kamera
- Dual-SIM (SIM + eSIM)
- nach IP68 + IP69 gegen Wasser geschützt
- schneller Fingerabdrucksensor unter dem Display
Contra
- Wärmeentwicklung bei langen Gaming-Sessions
- Design-Charakter verloren
- (hohe UVP)
Unterm Strich ist das Oppo Find X9 Pro genau das, was der Titel verspricht: ein Kamera- und Akku-Monster in einem Paket. Die Kamera hat Charakter, gerade bei Farben, Hauttönen und schwierigem Licht wirkt der Hasselblad Look erstaunlich kontrolliert. Dazu kommt ein Display, das in der Praxis richtig abliefert, und eine Laufzeit, die aktuell kaum jemand in der Klasse so zuverlässig toppend kann. Siebentausendfünfhundert Milliamperestunden sprechen eine sehr klare Sprache. Zwei Tage Nutzung sind realistisch, und wenn es doch mal eng wird, hilft das schnelle Laden samt Wireless Charging.
Und ja, das Gerät ist kein Leichtgewicht, aber das ist eher etwas, woran man sich arrangiert, als ein echter Alltagshaken. Gleiches gilt für die Wärme: Normalerweise bleibt alles unauffällig, nur bei wirklich heftigem Gaming über längere Zeit wird es spürbar warm. Dazu ist die Verfügbarkeit in Deutschland wieder unnötig kompliziert. EU-Ware kostet mehr, gibt einem aber Ruhe. Import kann sich lohnen, bringt aber je nach Variante Einschränkungen und Extra-Schritte mit.
Design & Verarbeitung: Flach, hochwertig, aber kein Handschmeichler mehr
Oppo hat beim Find X9 Pro optisch einen deutlichen Schnitt gewagt. Wo ältere Find-Modelle wie das Find X8 Pro (Test) oft stark gerundet waren und dadurch wirklich schön in der Hand liegen, ist das Find X9 Pro klar auf flache Kanten und eine modernere, eher iPhone-nahe Designsprache getrimmt. Dadurch sieht es meiner Meinung nach nicht schlecht aus, hat aber etwas an Charakter verloren.
Der matte Rahmen besteht aus Metall, Vorder- und Rückseite sind Gorilla Glass Victus 2 – und das merkt man auch. Das Handy wirkt sehr solide, nichts knarzt, nichts wirkt billig, die Übergänge sitzen sauber. Insgesamt ist das Find X9 Pro wieder sehr hochwertig verarbeitet.
Angenehm schlank, aber ein Wackelkandidat!
Trotz der schlanken „Dicke“ von 8,25 Millimetern bringt es das Find X9 Pro auf 224 Gramm. Damit ist es zwar Klopper in der Hosentasche, aber sicherlich auch kein Leichtgewicht – und das spürt man vor allem, wenn man von leichteren Geräten kommt. Zudem ragt das quadratische Kameraelement noch zusätzlich hervor, wodurch das Smartphone auf dem Tisch deutlich stärker als Geräte mit mittigem Kameramodul wackelt.

Ein Pluspunkt: Das Find X9 Pro bietet nicht nur IP68, sondern zusätzlich auch IP69. Dadurch haben nicht nur Wasser und Staub keine Chance, sondern auch Hochdruck-Wasserstrahlen sollten dem Gerät nichts anhaben können.
Oppo bietet darüber hinaus ein paar Hardware-Features, die man so nicht überall bekommt. Links sitzt eine Funktionstaste, die zum Umschalten des Sound-Modus, zum Einschalten des LED-Blitzes oder für eine Reihe anderer personalisierbarer Sachen genutzt werden kann. Rechts gibt es im Rahmen zusätzlich einen druckempfindlichen Button, der als Kamera-Öffner, Auslöser und Zoom dient (der Camera-Button im iPhone lässt grüßen). Oben sitzt zudem ein Infrarot-Blaster, mit dem man etwa einen Fernseher oder andere Geräte steuern kann.
Display: Sehr starkes OLED-Panel
Auf der Vorderseite sitzt ein flaches, 6,78 Zoll großes LTPO-AMOLED, das dynamisch von 1 bis 120 Hz arbeiten kann. Die Auflösung liegt bei 2.772 × 1.272 Pixeln und ist daher mit um die 450 ppi knackig genug aus. Mein Highlight sind jedoch die symmetrischen und extrem schmalen Displayränder, damit sieht die Front einfach hervorragend aus.

Im Alltag macht das Display genau das, was ich von einem Flaggschiff-Display erwarte: Satte Farben, ein tiefes Schwarz, starke Blickwinkelstabilität und ein sehr sauberes HDR-Erlebnis. HDR10+ und Dolby Vision werden unterstützt, wodurch vor allem Filme, Serien und passende YouTube-Clips fantastisch aussehen.
Extrem gute Helligkeit für HDR-Inhalte!
Das Display des Find X9 Pro gehört klar zu den Stärken des Geräts, vor allem beim Thema Helligkeit. In unserem Test konnten wir unter Verwendung eines X-Rite i1 Display-Profilers gute 1.182 Nits bei 100 Prozent und unfassbare 2.942 Nits bei 10 Prozent APL messen (Oppo selbst verspricht bis zu 3.600 Nits).
Damit bleibt das Panel selbst bei schwierigen Lichtverhältnissen sehr gut ablesbar, während HDR-Inhalte sichtbar von den hohen Peak-Werten profitieren. Dass die Herstellerangabe im Alltag und auch im Labortest nicht immer exakt erreicht wird, ist nichts Ungewöhnliches. Entscheidend ist am Ende die Praxis, und da liefert das Find X9 Pro in Sachen Helligkeit richtig ab.
Entsperrt wird das Smartphone übrigens per Ultraschall-Fingerabdrucksensor im Display. Der sitzt angenehm hoch, ist schnell und zuverlässig. Alternativ funktioniert auch Face Unlock, wobei das natürlich eher Komfort als Sicherheit ist (2D- statt 3D-Erkennung).
Performance & Speicher: Mehr Effizienz statt Leistung?
Im Find X9 Pro arbeitet der Dimensity 9500, das aktuelle Flaggschiff aus dem Hause MediaTek. Und ja, der spielt ganz klar in der absoluten Topliga, setzt seinen Fokus aber auch auf eine bessere Effizienz. Im Alltag sorgt der SoC für eine extrem gute Performance: Apps starten sofort, Multitasking ohne Ruckler und selbst wenn viele Apps offen sind, bleibt alles flüssig – auch dank 12 bzw. 16 GB LPDDR5X-RAM (je nach Variante mit 256 GB, 512 GB oder 1 TB UFS-4.1-Speicher).
Interessant ist aber, dass das Find X9 Pro in GPU-lastigen Benchmarks nicht immer da liegt, wo man es vielleicht erwarten würde. Im Alltag spürt man davon allerdings wenig, auch Gaming-Titel wie Genshin Impact und Asphalt Legends laufen geschmeidig. Nur die Wärmeentwicklung ist dabei ein Thema!
Denn unter hoher Dauerlast wird das Gerät im oberen Bereich spürbar warm, zeitweise auch unangenehm. Beim normalen Nutzungsprofil passiert das zwar nicht, doch wer stundenlang am Stück auf maximaler Helligkeit zocken möchte, wird irgendwann an Grenzen stoßen.
Akku & Laden: Mehr Laufzeit geht kaum!
Beim Akku knüpft das Find X9 Pro an die hervorragende Laufzeit des Vorgängers an und übertrifft das Ergebnis sogar nochmal deutlich. Denn der 7.500 Milliamperestunden Akku erreicht im PCMark Akkutest (adaptive 120 Hz, fixierte 300 Nits Helligkeit, WLAN und GPS aktiv) satte 21 Stunden und 12 Minuten, ehe noch 20 % Restkapazität vorhanden sind. Das ist ein exzellentes Ergebnis und bringt das Oppo-Flaggschiff aktuell auf den Thron.
Diese Laufzeit zeigt sich auch im Alltag: Bei normaler Nutzung sind zwei Tage Nutzung mit einer Akkuladung ohne Probleme möglich, sogar drei Tage sind durchaus realistisch. Sollte der Akku dennoch einmal leer sein, kann er kabelgebunden mit bis zu 80 Watt in knapp 70 Minuten wieder vollständig geladen werden (ein entsprechendes Netzteil vorausgesetzt). Klar, damit ist es langsamer als vielleicht gedacht – doch bedenkt: Es wollen 7.500 mAh nachgeladen werden.
Wireless Charging ist darüber hinaus auch möglich. Mit bis zu 50 Watt dauert das Laden entsprechend ein wenig länger, im Vergleich zur Konkurrenz wie Apple oder Samsung ist Oppo anderen Flaggschiffen aber um Längen voraus.
Kamera: Der Hasselblad-Look
Die Kamera ist der Bereich, in dem das Find X9 Pro am meisten Charakter zeigt. Oppo arbeitet wieder mit Hasselblad zusammen und setzt zusätzlich auf einen Spektralsensor, der Farben und Weißabgleich verbessern soll. Und ja, das merkt man tatsächlich: Vor allem bei schwierigen Lichtquellen, Kunstlicht, gemischtem Licht, Sonnenuntergang, bleibt der Look sehr konsistent. Hauttöne wirken natürlicher, Weiß bleibt weiß, und auch in anderen Situationen wirkt die Kamera deutlich kontrollierter und weniger unvorhersehbar.
Hauptkamera
Die Hauptkamera nutzt einen 50-Megapixel-Sensor im 1/1,28-Zoll-Format mit lichtstarker f/1.5 Blende und OIS. Bei Tageslicht liefert sie richtig starke Ergebnisse: Viele Details, schnelle Auslösung, sehr zuverlässiger Autofokus und ein Dynamikumfang, der auch bei Sonne und Schatten nicht direkt ausartet.
Was mir auffällt: Oppo setzt Kontraste feiner um als manche Konkurrenten. Das ist Geschmackssache, ich finde es aber durchaus sehr angenehm. Auch bei Nacht bleibt dieser Charakter erhalten. Statt alles künstlich aufzuhellen, setzt Oppo auf eine eher natürliche Abstimmung mit guten Farben, stabiler Belichtung und sauberer Detailzeichnung, ohne dass Aufnahmen schnell unruhig oder überschärft wirken.
Telekamera
Richtig spannend ist die Periskop-Telekamera. Oppo kombiniert einen 200-Megapixel-Sensor (1/1.56″, f/2.1) mit einer 3-fach optischen Periskoplinse. Das klingt auf dem Papier erstmal nach Marketing, ist im Alltag aber ein echter Mehrwert. 3x sieht super aus und auch 6x ist bei gutem Licht erstaunlich nah an „verlustfrei“.
Möglich wird das nicht nur durch die hohe Sensorauflösung, sondern auch durch eine spürbare KI-Unterstützung bei höheren Zoomstufen, die Details gezielt versucht zu erhalten. Erst bei sehr wenig Licht macht sich der Qualitätsabfall bemerkbar, aber selbst dann sieht das Bild oft noch besser aus als viele „klassischen“ 3x-Telelinsen mit geringerer Auflösung.
Ultraweitwinkelkamera
Die Ultraweitwinkelkamera löst ebenfalls mit 50 Megapixeln auf und passt farblich gut zur Hauptkamera. Bei Tag ist sie wirklich stark, mit guter Verzerrungskorrektur und ordentlicher Schärfe. Nachts ist sie klar die schwächste der drei Hauptlinsen. Die Lichtausbeute geht verloren, Details werden weicher. Für eine Ultraweitwinkel ist das aber immer noch okay, nur eben nicht auf dem Niveau von Haupt und Tele.
Selfiekamera
Für Selfies gibt es eine 50-Megapixel-Frontkamera, die sehr detaillierte und farbtreue Aufnahmen macht. Besonders im Porträtmodus überrascht mich, wie genau der Bokeh-Effekt angesetzt wird. Das merkt man gerade im Bereich der Haare, andere Flaggschiffe spielen hier gern mal Friseur und schneiden Haarspitzen weg.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Videoqualität: 4K mit bis zu 120 fps und Dolby Vision sind möglich, ebenso 10-Bit-LOG in hohen Auflösungen (wobei die Ultraweitwinkel- und Frontkamera nicht ganz alle Modi mitmachen). Die Stabilisierung ist sehr ruhig, auch beim Laufen.
Passend zum Kamera-Fokus des Geräts gibt es auch bei den Video- und Fotomodi einiges für Enthusiasten: Neben den üblichen Pro-Einstellungen bietet das X9 Pro spezielle Hasselblad-Profile mit angepasster Farbcharakteristik, einen XPan-Modus im breiten 65:24-Look, sowie mehrere Farbfilter. Für Video stehen darüber hinaus Modi wie Anti-Shake sowie eine LOG-Aufnahme mit hohem Dynamikumfang zur Verfügung.
Software: ColorOS 16 ist erwachsen geworden
Auf dem Find X9 Pro läuft ColorOS 16 auf Basis von Android 16. Oppo hat die Oberfläche optisch noch einmal verfeinert, sie moderner gestaltete und ihr mehr Transparenzeffekte spendiert, ohne dass es unleserlich oder kitschig wirkt. Ein paar Inspirationen von iOS 26 hat sich aber auch Oppo eingeholt, wie es scheint (wenn auch nicht so stark wie Honor bei Magic OS 10). Dennoch bin ich ein großer Fan von Color OS und finde die Kombination aus schlichtem und erwachsenem Design mit sanften Animationen sehr ansehnlich.
Hinsichtlich Updates verspricht Oppo dem Find X9 Pro fünf große Android-Updates und sechs Jahre Sicherheitspatches. Das ist in der Android-Welt inzwischen ein Mindeststandard, zumindest was Flaggschiffe betrifft. Demnach ist das Gerät auch für eine langjährige Nutzung gut gewappnet, nur Samsung, Google und Honor bieten mit 7+7 Jahren noch mehr Softwareupdates.
Wichtig beim Import: Es gibt Einschränkungen
Wer sich ein Oppo Find X9 Pro aus China importieren möchte, sollte jedoch beachten: Der Google Play Store muss einmal manuell installiert werden, damit Google-Dienste sauber laufen – dann funktioniert in der Regel auch Bezahlen per NFC. Deutsch als Sprache ist zwar vorhanden, allerdings fehlen eine eSIM-Unterstützung sowie Android Auto.
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