Mit dem KQi 100P und KQi 100F hat NIU zwei spannende E‑Scooter im Angebot, die mit einer guten Ausstattung zu einem attraktiven Preis auftrumpfen können. Während beide Modelle mit einem starken Motor und einer angenehmen Federung punkten, bietet der KQi 100F sogar einen cleveren Klappmechanismus für den Lenker. Dagegen deckt der NIU KQi 300X eher den High-End-Bereich ab und protzt geradezu mit Motorleistung. Doch muss es unbedingt das teurere Modell sein?
Aktuell gibt es den NIU KQi 100P für knapp unter 300 Euro bei Amazon zu kaufen, während der NIU KQi 100F für rund 399 Euro den Besitzer wechselt. Beide E-Scooter bieten eine fast identische Ausstattung, beim 100F integriert NIU lediglich einen zusätzlichen Klappmechanismus für den Lenker. Aus Einfachheitsgründen behandeln wir die beiden E-Scooter im Folgenden einheitlich als KQi 100, außer wir befassen uns explizit mit einem Modell.
Für den KQi 300X muss man wiederum deutlich tiefer in die Tasche greifen: 699 Euro werden für den E-Scooter fällig.
Zum Lieferumfang aller Modelle gehören jeweils ein Ladekabel, Schrauben für den Lenker, eine Anleitung, sowie das ABE-Dokument – das wird dann später wichtig, um ein Kennzeichnen für den E-Scooter zu erhalten.
Für die Montage der E-Scooter benötigt man nur wenige Minuten. Die Einrichtung erfolgt über die NIU-App, die einen Account voraussetzt.

Design: Beim KQi 100 wird gespart, beim 300X geklotzt
Schon auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass es sich beim KQi 100 um ein günstigeres Modell handelt. Vor allem das alleinstehende Display mit Steuereinheit (Power-Button + Blinker) am rechten Griff ist mir ein Dorn im Auge. Es fügt sich nicht ins restliche Design ein und wirkt fast schon wie ein Fremdkörper. Zudem ist das Display stark spiegelnd und bei direkter Sonneneinstrahlung nur schwer ablesbar.
Wichtige Daten:
- IP-Rating: IPX5
- Trittbrett: 44 × 13 cm
- Lenkerstange: 115 cm
- Maximales Fahrergewicht: 120 kg
- Motorleistung: 300 Watt, 600 Watt Peak-Leistung
Lenkerstange: man steht etwas komisch auf dem E-Scooter
Der NIU KQi 100 hat, wie sein „großer Bruder“, eine leicht angewinkelte Lenkstange, die dem Fahrer entgegenkommt und so für eine komfortable Fahrt sorgen soll. Allerdings ist das Trittbrett relativ kurz, wodurch man tendenziell weiter hinten steht. Das verlagert den Schwerpunkt nach hinten, was auf Dauer anstrengend werden kann und ein weniger sicheres Fahrgefühl vermittelt, da man kaum Platz für das hintere Standbein hat.
Im Lenker ist außerdem ein Frontlicht direkt in den Rahmen eingelassen, dieses lässt sich aber nicht im Winkel verstellen.
Mit einem Gewicht von 17,3 Kilogramm fällt der Scooter vergleichsweise leicht aus. Gut transportabel ist er deswegen aber nicht – zum täglichen Pendeln wäre er mir noch zu schwer. Mit 115 × 59 × 123 cm ist der E-Scooter relativ kompakt, das Trittbrett fällt mit 44 × 13 cm wiederum etwas klein aus.
KQi 100F: Der Lenker lässt sich zusammenklappen!
Apropos Transport: Beim KQi 100F lassen sich die Lenker auf Wunsch zusammenklappen, sodass der E-Scooter weniger Platz in Anspruch nimmt. Der Mechanismus hierfür ist leichtgängig und einfach gestaltet. Allerdings ist der E-Scooter selbst im komplett zusammengeklappten Zustand zu groß, um ihn beispielsweise unter einem Sitz in der Bahn zu verstauen. Einen echten Mehrwert beim Pendeln bietet diese Funktion nur dann, wenn der E-Scooter beispielsweise im Kofferraum eines Fahrzeugs transportiert werden muss.
NIU KQi 300X: Massiver E-Scooter, aber deutlich schwerer
Im Vergleich zum KQi 100 macht der NIU KQi 300X einen deutlich massiveren Eindruck, was sich vor allem am Gewicht bemerkbar macht. Mit 22,1 Kilogramm ist dieser E-Scooter definitiv kein Leichtgewicht und lässt sich schwer tragen.
Wichtige Daten:
- IP-Rating: IP55
- Trittbrett: 55 × 17 cm
- Lenkerstange: 123 cm
- Maximales Fahrergewicht: 120 kg
- Motorleistung: 500 Watt, 1.000 Watt Peak-Leistung
Die Lenkstange fällt etwas größer aus (123 cm) als beim kleineren Modell und umfasst ein eingefasstes Display, wie wir es von Xiaomi E-Scootern kennen. An der Lenkstange ist zudem ein Licht befestigt, dessen Ausrichtung angepasst werden kann. Insgesamt wirkt der KQi 300X mit seinen schicken roten Akzenten ziemlich sportlich und kann optisch definitiv überzeugen.
Lichtanlage: Die Sache mit den Blinkern
Sowohl der NIU KQi 100 als auch der 300X besitzen neben einem Vorder- und Rücklicht auch Blinker. Blinker sind im Straßenverkehr natürlich ziemlich praktisch, da man damit einen Richtungswechsel anzeigen kann, ohne die Hand ausstrecken zu müssen.

Allerdings habe ich die Blinkeranlage bei beiden E-Scootern kaum genutzt, da das Steuermodul extrem ungünstig gelegen ist. Die entsprechenden Knöpfe befinden sich quasi direkt neben dem Gashebel – ich musste die Hand vom Gas nehmen, um die Blinker zu bedienen. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Steuerung wie bei Xiaomi auf der linken Seite platziert worden wäre.
Zusätzlich sind die Blinker-Buttons beim KQi 100 sehr klein: So hatte ich beim Fahren Schwierigkeiten, den richtigen Knopf auszuwählen. In der Regel habe ich mit einem Finger beide Blinker-Knöpfe gleichzeitig berührt.
Motor: KQi 100 hat weniger Power, fährt aber schneller?
NIU setzt beim KQi 100 auf einen 300 Watt starken Motor, der im Peak bis zu 600 Watt Leistung bereitstellen und Steigungen bis 15 % bewältigen kann. Der NIU KQi 300X basiert wiederum auf einem stärkeren 500-Watt-Motor mit 1.000 Watt Peak-Leistung, für den auch 25-%-Steigungen kein Problem sein sollen.

Besonders beim Anfahren merkt man die Leistungsunterschiede enorm: Der KQi 300X beschleunigt deutlich schneller auf die Höchstgeschwindigkeit (22 km/h), der KQi 100 konnte während unserer Testfahrten jedoch immer aufholen. Offenbar fährt das kleinere Modell leicht schneller, wobei der Geschwindigkeitsunterschied unter 0,5 km/h liegen dürfte.
Alle drei NIU Scooter bieten drei Fahrmodi, die sich über den Power-Button durchschalten lassen. Standardmäßig ist der E-Save-Modus aktiviert (15 km/h), wobei ebenso ein Sport-Modus (20 km/h), ein Fußgängermodus und ein Custom-Modus einstellbar sind. Den Sport-Modus könnt ihr erst aktivieren, sobald ihr einige Meter mit dem E-Scooter gefahren seid.
Ab 26 km/h greift die Motorbremse
Beide Scooter haben alle Steigungen auf unserer Strecke mit Bravour bewältigen können. Erst bei stärkeren Steigungen kam der KQi 100 ins Schwitzen und fiel kurzzeitig unter 20 km/h.
Wenn es bergab geht, können die Scooter auf bis zu 26 km/h beschleunigen, ehe die Motorbremse eingreift und die Geschwindigkeit auf den zulässigen Grenzwert drosselt. Zumindest beim KQi 100F ist mir bei so hohen Geschwindigkeiten aufgefallen, dass der Lenker spürbar vibriert. Vermutlich liegt das an den zusätzlichen, beweglichen Teilen des Einklappmechanismus.

Was mich außerdem überrascht hat: Erst bei zwei Restkilometern wurde die Motorleistung deutlich gedrosselt, um Energie zu sparen. Davor fährt der Scooter weiter mit voller Leistung.
Federung & Reifen: Mehr hilft mehr
Eine praktische Federung sorgt während der Fahrt dafür, dass Unebenheiten, Schlaglöcher oder Bordsteinkanten gut abgefedert werden. Der KQi 100 besitzt eine Doppelzylinder-Federung vorn, während der KQi 300X mit einer „All-Terrain-Federung“ daherkommt – also einer hydraulischen Doppelfederung am Vorderrad mit 45 mm Federweg.

In beiden Fällen hat NIU auf eine Federung am Hinterrad verzichtet. Das ist zumindest beim günstigeren KQi 100 verkraftbar. Beim KQi 300X bin ich in dieser Hinsicht hingegen enttäuscht, da ich in diesem Preisbereich eine entsprechende Federung erwartet habe. Ein Xiaomi Electric Scooter 5 Pro Max ist etwas günstiger und verfügt über eine starke Federung vorne und hinten.
Dazu kommen 9,5-Zoll-Luftreifen (KQi 100) respektive schlauchlose 10-Zoll-Reifen mit selbstheilenden Eigenschaften (KQi 300X). Der Unterschied zwischen den beiden Konfigurationen ist durchaus spürbar: Der KQi 300X fährt sanfter über Unebenheiten und federt größere Stöße (wie Schlaglöcher oder Bordsteinkanten) besser weg. Beide E-Scooter machen in Sachen Fahrkomfort allerdings eine gute Figur.

Bremsen: Doppel vs. Dreifachbremssystem
NIU verpasst dem KQi 100 ein Dual-Bremssystem, bestehend aus einer vorderen Trommelbremse und einer regenerativen Bremse hinten. Der KQi 300X setzt hingeben auf eine Vorder- und Hinterradbremsscheibe sowie einer elektrischen Bremse. Entsprechend besitzt der E-Scooter gleich zwei Bremshebel.
Unter normalen Bedingungen (trocken, fester Untergrund) bremsen beide Scooter ähnlich gut ab. Bei Nässe hat jedoch der KQi 300X die Nase vorn und kommt eher zum Stehen.
Akku & Reichweite: KQi 100 enttäuscht im Test
Beim Akku lassen sich die größten Unterschiede zwischen den beiden E-Scootern finden. Während der KQi 100 bis zu 29 Kilometer weit kommt, wird die Reichweite beim KQi 300X mit stolzen 60 Kilometern angegeben. Letzterer ist damit auf dem Niveau von anderen Top-Scootern, wie dem Xiaomi Electric Scooter 5 Max.
Zumindest beim KQi 100 können wir die Reichweitenangabe nicht bestätigen: Auf einer Teststrecke mit moderaten Steigungen, Radwegen und Straßenverkehr konnten wir mit diesem Modell rund 19 Kilometer fahren, bevor der Akku wieder aufgeladen werden musste. Die Ladezeit beträgt dann zwischen 5 und 6 Stunden.
NIU App: Nicht wirklich ausgereift
Die NIU-App wirkt auf den ersten Blick sehr aufgeräumt. Sie trackt auf Wunsch einzelne Fahrdaten und bietet einige Einstellungsmöglichkeiten, beispielsweise für regeneratives Bremsen, Start Speed, das Batterie-Ladelimit und den dynamischen Fahrmodus.
- Regeneratives Bremsen: Beim Bremsen wird mechanische Energie in elektrische umgewandelt, um den Akku aufzuladen. Lässt sich zwischen Schwach, Mittel und Stark regeln oder auf Wunsch komplett abschalten
- Start Speed: Mindestgeschwindigkeit, die der E-Scooter zum Losfahren benötigt
- Batterie-Ladelimit: Wie stark sich der Akku aufladen darf. Einstellbar zwischen 80 % und 100 % in 5-%-Schritten
- Dynamischer Fahrmodus: Custom-Fahrmodus mit eigener Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit
Allerdings vermisse ich einige Features in der App, darunter vor allem historische Daten zum E-Scooter. Explizit hätte ich gerne eine Info zu den bisher gefahrenen Kilometern und zur Akkugesundheit – die Ladezyklen werden immerhin angezeigt.
Fahrten-Tracking leider unzuverlässig und fehlende Übersetzungen
Auch bin ich eher unzufrieden mit dem Fahr-Tracking: Es kam im Test mehrfach vor, dass die Strecke nicht korrekt getrackt oder gar keine gefahrenen Kilometer erkannt wurden. Dabei hat weder die automatische Erkennung noch der manuelle Aufzeichnungsmodus richtig funktioniert.

Aus meiner Sicht ist ebenfalls störend, dass viele Menüs in der NIU-App nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Entsprechend bestehen Texte und Menüpunkte aus einem Deutsch-Englisch-Mischmasch.
Fazit: Muss es der teure E-Scooter sein? Nein!
Wer hauptsächlich kurze Strecken fährt, einen leichten E-Scooter bevorzugt und mit ein paar Kompromissen leben kann, macht mit dem KQi 100 absolut nichts falsch. Er ist kompakt, solide verarbeitet und bietet trotz seines günstigen Preises eine ordentliche Performance. Die vordere Federung ist ebenfalls ein Pluspunkt, der für ein angenehmeres Fahrgefühl sorgt. Etwas nervig sind lediglich die Blinkersteuerung, und das etwas kleine Trittbrett, was vor allem größere Personen stören dürfte.
Für unter 300 Euro bietet der NIU KQi 100P definitiv ein gutes Gesamtpaket. Der KQi 100F ist hingegen für meinen Geschmack etwas zu teuer, da der faltbare Lenker aus meiner Sicht nicht den Aufpreis von 100 Euro rechtfertigt. Es ist zwar ein nettes Feature, im Alltag jedoch kein wirklicher Gamechanger.
Der KQi 300X spielt dagegen klar in einer anderen Liga: mehr Power, mehr Reichweite, bessere Federung, größeres Trittbrett – aber eben auch deutlich mehr Gewicht und ein höherer Preis. Wer regelmäßig längere Strecken zurücklegt oder generell mehr Komfort wünscht, für den kann sich der Aufpreis lohnen.
Persönlich würde ich allerdings zum NIU KQi 100P greifen, da der E-Scooter aus meiner Sicht das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet und mich ebenso vom Fahrgefühl überzeugen konnte. Die eher mäßige Reichweite ist aber am Ende nicht weiter tragisch, da es sich um ein Verkehrsmittel für die „letzte Meile“ handelt. Es muss also kein teurer E-Scooter sein.
Fazit: NIU KQi 100
Fazit: NIU KQi 300X
Mit * oder markierte Links sind „Affiliate-Links“. Mit dem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Verkaufsprovision, ohne dass du mehr bezahlst.


























