Der Eizo FlexScan EV2760 ist dem Hersteller zufolge ein Multitalent im Office-Umfeld mit hoher Flexibilität und elegantem Design. Doch genügt dies, um den hohen Preis des Büro-Monitors zu rechtfertigen? Darauf gehen wir in diesem Testbericht ein.

Übersicht

Eizo brachte den FlexScan EV2760 im April 2020 für eine unverbindliche Preisempfehlung von 618 Euro auf den Markt. Mittlerweile kostet er circa 540 Euro*. Der wahlweise in Schwarz oder Weiß erhältliche 27-Zoll-Monitor löst in WQHD auf und bietet eine recht normale Ausstattung. Alternativen mit gleichen und teilweise sogar besseren Eckdaten liegen preislich eher im Bereich zwischen 300 und 350 Euro. Bei Eizo gibt es dafür einen überdurchschnittlich langen Garantiezeitraum von fünf Jahren und eine Null-Pixelfehler-Garantie, die für bis zu sechs Monate nach dem Kauf gültig ist.

Lieferumfang

  • Monitor
  • USB-Kabel
  • DisplayPort-Kabel
  • Stromkabel
  • Kabelabdeckung
  • Bedienungsanleitung
  • Kurzanleitung

Design und Verarbeitung

Das Design ist schlicht sowie schlank, beim Blick auf die flache Front fällt die knapp über zwei Zentimeter große Unterkante auf, die sich vom ansonsten unter einen Zentimeter dünnen Rahmen abhebt. Dort befinden sich zwei 1-Watt-Lautsprecher, ein Umgebungslichtsensor für Auto-EcoView und sieben berührungsempfindliche „Touch-Tasten“. Der Standfuß ist ein Drehring mit einem Durchmesser von rund 23 Zentimetern, an dem durch vier Schrauben die Hersteller-typische Monitorhalterung montiert wird. Sie ist mehrschichtig aufgebaut und bietet zwei höhenverstellbare Elemente. Der Bildschirm selbst ist auf der Rückseite zur Mitte hin leicht ausgebuchtet, weshalb die Tiefe ungefähr zwischen zwei und viereinhalb Zentimetern variiert.

Das Gehäuse des Eizo FlexScan EV2760 besteht komplett aus Kunststoff und unterscheidet sich in dieser Hinsicht nicht von den meisten anderen Büro-Monitoren. An der Verarbeitung gibt es nichts zu bemängeln, eine Design-Auszeichnung erhält das Modell aber ebenfalls nicht. Er wackelt bei leichten Berührungen oder Erschütterungen weder mehr noch weniger im Vergleich zu anderen Geräten, obwohl er mit insgesamt 8,5 Kilogramm recht schwer ist. Beim Testgerät handelt es sich um die schwarze Variante, allerdings verwenden wir seit dem Frühjahr 2017 im Büro auch einen optisch ähnlichen Eizo EV2456 in Weiß, dessen Rückseite durch Sonneneinstrahlung mittlerweile vergilbt ist. Für eine langfristig schöne Optik raten wir daher zur schwarzen Variante.

Ergonomie und Anschlüsse

Der Eizo-Monitor lässt sich um 35 Grad nach hinten und um fünf Grad nach vorne neigen. Ersterer Neigungswinkel ist überdurchschnittlich, nur sollten Nutzer dabei aufpassen, dass sich die hinten verbundenen Signalkabel nicht am Anschluss verbiegen. Ebenfalls gut, aber nicht konkurrenzlos ist die Höhenverstellbarkeit um 16,9 Zentimeter auf eine maximale Höhe von 54,5 Zentimeter. Bei einigen Konkurrenten geht dies allerdings leichtgängiger mit einer Hand vonstatten. Besonders ist, dass der runde Standfuß sich beinahe einmal um die eigene Achse drehen lässt, konkret beträgt der drehbare Bereich 344 Grad. Dies erweist sich im Büro besonders dann als praktisch, wenn man gegenübersitzenden Kollegen oder Kolleginnen schnell den Bildschirminhalt zeigen möchte.

Eine Pivot-Funktion, also Rotierbarkeit um 90 Grad, ist sowohl gegen als auch im Uhrzeigersinn gegeben. Viele 27-Zoll-Monitore im 16:9-Format bieten eine Pivot-Funktion, aber nur wenige in beide Richtungen. Einen sonderlichen Vorteil haben Nutzer von der zusätzlichen Rotierrichtung nicht, aber es ist ein nettes Extra. In puncto Ergonomie schneidet das Modell Eizo-typisch gut ab.

Hinten weist der EV2760 sieben Anschlüsse auf: zweimal DisplayPort 1.3, einmal HDMI 1.4, einmal DVI-D, einen USB-3.0-Upstream, einmal USB-A (USB 3.0) und den Stromanschluss. Hinter Letzterem befindet sich übrigens ein Netzschalter. Von vorne betrachtet linksseitig gibt es an der Rückseite noch zwei leicht erreichbare USB-Anschlüsse (USB 3.0) und zwei 3,5 mm Klinkenbuchsen für analoge Kopfhörer und Mikrofone.

Die Anschlussvielfalt ist insgesamt also durchschnittlich für einen Büro-Bildschirm, allerdings wäre in dieser Preisklasse mindestens noch USB-C als Videoeingang angebracht. Ein anderes 27-Zoll-Modell der FlexScan-Serie mit USB-C-Anschluss kostet mindestens 700 Euro.

Eigenschaften und Bildqualität

Eizo setzt auf ein flaches IPS-Panel mit WQHD-Auflösung, also 2.560 x 1.440 Pixeln. Ein aktueller Büro-Monitor dieser Größe sollte diese Auflösung mindestens bieten, sofern das persönliche Preislimit nicht unter 200 Euro liegt. Im 500-Euro-Segment des FlexScan EV2760 gibt es sogar bereits viele Alternativen mit UHD-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel). Die Bildwiederholfrequenz von 60 Hertz ist bestenfalls durchschnittlich, da gleich teure Monitore zunehmend höhere Wiederholraten bieten.

Für den Office-Betrieb ist die Auflösung ausreichend und natürlich besser als Full-HD, von einer besseren Hertz-Rate hätten Nutzer dennoch profitiert, da selbst Mausbewegungen mit 90 Hertz oder mehr schon wesentlich flüssiger wirken. Nicht außer Acht zu lassen ist zusätzlich, dass Eizos EV2760 preislich bereits mit Curved-Alternativen konkurriert, welche ebenfalls im Alltag vorteilhaft sind.

Die typische Maximalhelligkeit gibt der Hersteller mit 350 Nits an. Wir haben beim Testgerät maximal 390 Nits in der Bildschirmmitte, durchschnittlich 335 Nits und im dunkelsten Randbereich (beim rechten Rand mittig) 312 Nits gemessen. Dies haben wir im sRGB-Modus getestet, der ab Werk die höchste Helligkeit bietet. Mit den korrekten Einstellungen hinsichtlich des Gamma- und Weißwerts lässt sich dies auch in den beiden User-Profilen reproduzieren.

Die Homogenität ist also gut, mit Abweichungen von 14 bis 18 Prozent von der Bildmitte zu den Rändern aber nicht perfekt. Im Alltagsbetrieb mit Office-Programmen und Internet-Browsern fällt dies nicht negativ auf, bei komplett einfarbiger Anzeige, besonders Weiß oder Grau, sind dunklere Randbereiche aber sichtbar.

Zur Farbraumabdeckung gibt es im Datenblatt keine Angaben, jedoch existiert ein sRGB-Profil, was zusammen mit dem IPS-Panel auf eine rund 100-prozentige Abdeckung vermuten lässt. Das Kontrastverhältnis beträgt laut Eizo 1.000:1, ein typischer Wert für einen IPS-Bildschirm. Für die anvisierte Zielgruppe dürfte die Farbdarstellung genügen, für hobbymäßige Fotobearbeitung vermutlich ebenfalls. Professionelle Foto- und Videobearbeiter sollten sich aber eher nach anderen Monitoren umsehen.

Sofern eines der beiden User-Profile ausgewählt ist, stehen drei Optionen für Overdrive zur Auswahl: „Aus“, „Standard“, „Verbessert“. Im UFO-Test fallen zwischen Aus und Standard weniger Schleier bei schnell bewegenden Bildschirmobjekten auf, sonderlich schlierenfrei ist der Monitor dann aber trotzdem nicht. Auf der Stufe „Verbessert“ kommt es zu Bildartefakten, da die Pixel dabei kurzzeitig die falsche Farbe anzeigen und anschließend zur gewünschten Farbe „zurückspringen“.

Stromverbrauch und Bedienung

Anstelle eines 5-Wege-Joysticks wird der Monitor, wie bereits erwähnt, über sechs auf der Vorderseite befindlichen Sensortasten bedient. Nach der ersten Berührung zeigt das On-Screen-Display (OSD) die jeweiligen Funktionen und Menüs an. Nutzer finden sich in den Einstellungen schnell zurecht und der Hersteller verzichtet auf überflüssige Sonderfunktionen. Auf Anhieb hätten wir die Overdrive-Einstellungen allerdings nicht im Untermenü „Farbe“ vermutet. Die Bedienung ist intuitiver als bei einigen Konkurrenzmodellen mit ähnlichem Tasten-Layout, blind lassen sich die Menüs aber nicht navigieren, da sich die Sensortasten haptisch nicht unterscheiden.

Über die zugehörige Windows-Software Screen InStyle lässt sich ein Großteil der Monitoreinstellungen auch per Maus-Steuerung anpassen. Sofern noch ein weiterer Eizo-Monitor vorhanden ist, können die Einstellungen (Bildprofil, Helligkeit etc.) untereinander synchronisiert werden.

Die typische Leistungsaufnahme wird mit 16 Watt und der jährliche Energieverbrauch mit 25 Kilowattstunden angegeben. Bei voller Helligkeit haben wir 25 bis 26 Watt gemessen, bei 75 Prozent knapp 17 Watt, bei 50 Prozent 13 Watt und zwischen den Helligkeitsstufen 0 bis 20 waren es 11,5 bis 12 Watt. Wir aktivierten anschließend auch Auto-EcoView (automatische Helligkeitsregelung) und den EcoView Optimizer 2 am Monitor und ließen dies zwei Arbeitstage lang aktiv. Da der Arbeitsplatz aber stets von der Sonne oder von Deckenlampen beleuchtet ist, senkte der Monitor zu keiner Zeit automatisch die Helligkeit. Auch bei zwei Tests in dunkler Umgebung funktionierte Auto EcoView lediglich ein Mal.

Eizo gibt den Standby-Verbrauch mit 0,5 Watt an. Sogar ohne angeschlossene USB- und Videokabel zeigte unser Messgerät (Voltcraft Plus Energy Monitor 3000) aber eine Leistungsaufnahme von bis zu 6,5 Watt im Standby-Modus an. Beim Betätigen des hinteren Netzteilschalters sinkt der Stromverbrauch aber tatsächlich wie angegeben auf 0,0 Watt. Die Leistungsaufnahme im Betrieb ist allerdings auf einem sehr guten Niveau.

Fazit

Zusammengefasst handelt es sich beim Eizo FlexScan EV2760 um einen soliden Office-Monitor mit besonders guter Ergonomie, einem niedrigen Energieverbrauch und ohne Qualitätsmängel. Die lange Herstellergarantie ist ebenfalls positiv hervorzuheben. In Anbetracht des hohen Preises kann die Ausstattung aber nicht sonderlich beeindrucken.

Auflösung, Helligkeit und die generelle Bildqualität sind in Ordnung, jedoch bieten deutlich günstigere Alternativen mindestens gleichwertige Eigenschaften. In der Preisklasse des EV2760 gibt es bei der Konkurrenz schlichtweg mehr. Abseits der guten Ergonomie weist der Monitor keine herausragenden Besonderheiten auf, die den Aufpreis rechtfertigen könnten.

Den Eizo FlexScan EV2760 gibt es zu einem Preis von knapp 540 Euro u.a. auch bei Amazon* zu kaufen.

Pro

  • sehr gute Ergonomie
  • einwandfreie Verarbeitung und Bildqualität
  • niedriger Stromverbrauch im Betrieb
  • 5 Jahre Garantie
  • Null-Pixelfehler-Garantie

Contra

  • zu teuer  und dafür keine herausragenden Extras
  • kein USB-C

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