Mit einer Bildwiederholrate von 360 Hertz zählt der MSI Oculux NXG253R aktuell zur Speerspitze der Monitore für ambitionierte Kompetitiv-Gamer. Dank Nvidia Reflex soll außerdem die Systemlatenz reduziert werden. Wir haben den 24,5-Zoll-Monitor für euch etwas genauer unter die Lupe genommen.

Im September 2020 kündigte MSI den Oculux NXG253R erstmals an, nach Deutschland gelangte der Monitor jedoch erst im Juli 2021. Offiziell kostet er 799 Euro* UVP, ist zum Testzeitpunkt aber bereits ab rund 766 Euro verfügbar. In den USA beträgt der Herstellerpreis hingegen knapp 600 US-Dollar zuzüglich Steuern. Auf dem Markt gibt es derzeit nur fünf weitere Monitore mit 360 Hertz, davon bieten drei Modelle ebenfalls Nvidia Reflex. Der Alienware AW2521H ist für circa 589 Euro erhältlich, der Acer Predator X25 für 659 Euro und der Asus ROG Swift PG259QNR für 735 Euro.

Vergleichsweise liegt der MSI Oculux NXG253R also momentan rund 105 Euro über dem Durchschnitt und stellt das teuerste Modell dar. Eine Alternative ohne Nvidia Reflex ist der Acer Nitro XV252QF für 489 Euro, der dank werksseitiger Übertaktung sogar 390 Hertz bietet. Alle genannten Monitore weisen identische Bildschirmeigenschaften auf, also beinhalten sie vermutlich stets das gleiche Panel von AU Optronics.

Lieferumfang

  • Monitor
  • HDMI-Kabel
  • DisplayPort-Kabel
  • USB-Uplink-Kabel
  • Netzteil und Stromkabel
  • Schnellstartanleitung und Garantiebestimmungen

Design, Ergonomie und Anschlüsse

Der MSI-Monitor hat von vorne betrachtet ein schlichtes Design mit dünnen Rändern an drei der vier Seiten. Vergleichsweise groß ist der flache Standfuß, welcher zudem sehr stabil wirkt. Auf der Rückseite gibt es allerhand Logos und zum Teil eine gebürstete Alu-Optik. Zwischen dem hinteren MSI-Logo und dem “G-Sync 360”-Aufdruck befindet sich ein LED-Streifen mit gelb-grüner Beleuchtung. Die Verarbeitungsqualität ist solide, obwohl der Monitor äußerlich komplett aus Kunststoff besteht.

Oben befinden sich auffällige Lüftungsschlitze, durch die Abwärme entweichen kann. Insgesamt fällt der Monitor leider ziemlich dick aus, was im Alltag aber weniger dramatisch ist. Das 360-Hertz-Panel scheint eine vergleichsweise starke Kühlung zu erfordern, doch immerhin ist kein aktiver Lüfter integriert. Hinsichtlich der ergonomischen Eigenschaften schneidet der Oculux NXG253R gut ab. Er lässt sich um 13 Zentimeter in der Höhe verstellen sowie um 20 Grad nach hinten und um fünf Grad nach vorne neigen. Eine 90-Grad-Drehung (Pivot) für den Einsatz im Hochformat ist in beide Richtungen möglich. Auch der Schwenkradius fällt mit +/- 45 Grad relativ groß aus.

An der Unterseite befinden sich der Stromanschluss, der USB-Uplink, eine Klinkenbuchse, zweimal HDMI 2.0 und einmal DisplayPort 1.4, während seitlich noch drei USB-A-Ports (USB 3.0) vorhanden sind. Der oberste USB-Port ist für den Anschluss einer PC-Maus vorgesehen, um die komplette Systemlatenz zu messen. Für die vollen 360 Hertz muss zwingend der DisplayPort verwendet werden, da HDMI 2.0 auf 240 Hertz limitiert ist. In Anbetracht des Preises wäre HDMI 2.1 wünschenswert gewesen und ein USB-C-Anschluss hätte ebenfalls nicht geschadet.

Eigenschaften und Bildqualität

Als Bildschirm dient ein Rapid-IPS-Panel mit einer Diagonale von 24,5 Zoll. Gegenüber herkömmlichen IPS-Displays bietet der von MSI Rapid-IPS genannte Typ bis zu viermal schnellere Reaktionszeiten. Selbiges gilt für Nano-IPS und Fast-IPS (Asus-Bezeichnung), doch Quantum Dots scheinen bei diesem Panel nicht vorhanden zu sein. Die geringere Latenz wird also durch eine dünnere Flüssigkristallschicht und höhere Spannungen erzielt.

Die Bildwiederholfrequenz von 360 Hertz ist derzeit beinahe das Maximum auf dem Monitormarkt, denn die oben erwähnte Acer-Alternative bietet dank Übertaktung bis zu 390 Hertz. Entsprechend aktualisiert sich die Anzeige pro Sekunde bei MSI dreimal so oft gegenüber einem 120-Hertz-Display. Das macht sich besonders bei kompetitiven Ego-Shootern und Rennspielen bezahlt. Im Gegensatz zu vielen G-Sync-kompatiblen Monitoren funktioniert Nvidias Synchronisations-Technologie zwischen 0 und 360 Hertz, während ansonsten oftmals unter 48 Hertz FRC zum Einsatz kommt.

Für hohe FPS-Zahlen braucht es auch leistungsstarke Hardware

Die Zielgruppe des MSI Oculux NXG235R dürfte jedoch stets deutlich über 200 Bilder pro Sekunde anstreben. Selbst mit einer aktuellen Oberklasse-Grafikkarte wie der RTX 3070 braucht es in Titeln wie Overwatch in Full-HD reduzierte Grafikeinstellungen, um die 360 Hertz mit der entsprechenden Bildrate annähernd auszureizen. Alternativ steht übrigens noch ULMB zur Verfügung, jedoch nur bis 240 Hertz und ohne variable Bildrate. Da es auch bei aktivem G-Sync so gut wie keine sichtbare Bewegungsunschärfe gibt, ist die Verwendung von ULMB aber nicht vonnöten.

Der matte 16:9-Monitor löst in Full-HD auf, also mit 1.920 x 1.080 Pixeln. Entsprechend beträgt die Pixeldichte rund 90 Pixel pro Zoll, was bei dieser Bildschirmgröße ausreichend scharf ist. Eine höhere Auflösung wäre im Alltag natürlich besser, allerdings lassen sich bei den meisten Spielen die 360 Hertz höchstens in Full-HD ausreizen. Im E-Sport geht es ohnehin nicht primär um die beste Grafikqualität, sondern um die schnellsten Bildwiederholraten und Reaktionszeiten.

Schnelle Reaktionszeiten, farblich aber etwas ungenau

MSI bewirbt die Grau-zu-Grau-Schaltzeit des Bildschirms mit einer Millisekunde. Im UFO-Test zeigte sich das 360-Hertz-Panel von seiner besten Seite, denn es traten bei normaler Overdrive-Einstellung kaum sichtbare Schlieren auf. Standardmäßig war bei unserem Testmodell das Overdrive auf “Schnell” eingestellt. Die Schlieren verschwanden dann komplett, allerdings konnten wir bei genauer Betrachtung schon leichte Corona-Artefakte (Inverse Ghosting) an den UFO-Rändern erkennen. Bei der höchsten Overdrive-Stufe wurden die Artefakte noch sichtbarer, wenngleich weniger extrem als bei den meisten anderen Gaming-Monitoren.

Die höchste SDR-Helligkeit konnten wir mit variabler Backlight-Einstellung erzielen. Der Monitor strahlte dann mit maximal 443 Nits und durchschnittlich mit 415 Nits. Bei normaler Backlight-Einstellung ermittelte das Messgerät einen Maximalwert von 418 Nits und einen Durchschnittswert von 393 Nits. Nennenswert mehr schaffte der Bildschirm auch in HDR nicht, denn dort haben wir höchstens 447 Nits gemessen. Der E-Sports-Modus des Monitors hellt die Schatten in Spielen nochmal deutlich auf, wirkt sich allerdings nicht auf die Maximalhelligkeit aus. Erfreulicherweise wird die maximale Bildwiederholrate im HDR-Modus übrigens nicht eingeschränkt.

Mit 1.000:1 ist der Kontrastwert wenig berauschend für einen solch kostspieligen Bildschirm und die Farbraumabdeckung fällt ebenfalls nicht grandios aus. Laut Datenblatt gibt es eine knapp 100-prozentige Abdeckung von sRGB beziehungsweise rund 84 Prozent DCI-P3. Für Hobbyfotografie dürfte dies ohne allzu hohe Ansprüche noch genügen, wenn man über die relativ blasse Darstellung von Schwarz hinwegsehen kann. Andere Monitore mit Quantum Dots bieten diesbezüglich jedoch mehr.

Reflex Latency Analyzer

Nvidia hat mit dem Reflex Latency Analyzer ein Tool auf den Markt gebracht, um mit einer Nvidia-Grafikkarte, einem kompatiblen Bildschirm und einer kompatiblen Maus die Systemlatenz des Systems in Spielen deutlich zu reduzieren. Vor allem die Render-Latenz der Grafikeinheit wird durch Nvidia Reflex verringert, allerdings muss auch das aktive Spiel die Technologie unterstützen. Mittlerweile bieten viele kompetitive Titel wie Overwatch, Apex Legends, CoD: Warzone, Rainbow Six Siege und Valorant eine Option für Nvidia Reflex an.

Neben einer hohen FPS-Rate zählt nämlich nicht nur eine ebenso schnelle Bildwiederholfrequenz, sondern auch eine möglichst kurze Systemlatenz, um eine Mausaktion in wenigen Millisekunden auf dem Bildschirm anzuzeigen. Dank des Nvidia Reflex Latency Analyzers kann man mit einem starken Gaming-System und dem pfeilschnellen Bildschirm des MSI Oculux NXG253R also optimale Bedingungen für E-Sports-Situationen schaffen. Dann zählen nur noch flinke Reflexe, da es keine technischen Limitierungen mehr gibt.

Mehr Bildinformationen pro Sekunde und kürzere Reaktionszeiten bietet derzeit nichts anderes auf dem Markt. Wir haben alle Details zu Nvidia Reflex bereits im verlinkten Wissensartikel für euch ausführlich niedergeschrieben. Für den Test des MSI-Monitors nutzen wir die Nvidia-Technologie vorwiegend mit Overwatch und einer MSI Clutch GM41 Lightweight (Test). Selbst als Unranked-Gamer lässt sich sagen, dass man den Vorteil in der Reaktionszeit förmlich spüren kann, wenn ein Gegner plötzlich hinter einer Ecke erscheint.

Stromverbrauch und Bedienung

Bei voller Helligkeit haben wir sowohl in SDR als auch in HDR circa 41 bis 42,5 Watt gemessen. Mit der 320-Nits-Einstellung genehmigte sich der Monitor knapp 38 Watt, bei 275 Nits betrug der Verbrauch 35,5 Watt und bei 250 Nits rund 33 Watt. Ziemlich hoch war der Verbrauch im ausgeschalteten Zustand, denn sofern das Netzteil nicht von der Steckdose getrennt war, zeigte unser Messgerät einige Minuten lang noch 14 bis 15 Watt an.

Bedienen lässt sich der MSI Oculux NXG253R über einen Fünf-Wege-Joystick hinter der unteren rechten Bildschirmecke. Das On-Screen-Display (OSD) ist recht intuitiv aufgebaut und bietet die gewohnte Menge an Einstellungsmöglichkeiten. Eine Software zur Anpassung der Bildschirmeinstellungen gibt es indes nicht. Allerdings hat MSI noch vier Features für jede Richtung des Joysticks untergebracht, beispielsweise virtuelle Fadenkreuze.

Fazit

Bereits das Preisschild dürfte klarstellen, dass sich dieser Monitor nicht an die breite Gaming-Masse richtet. Das schnellste Display auf dem Markt hatte jedoch stets seinen Preis. Mit 360 Hertz und dem Nvidia Reflex Latency Analyzer ist der Oculux NXG253R* für ambitionierte E-Sportler sowie regelmäßige Clan-Gamer das Nonplusultra, für Gelegenheitsspieler oder Singleplayer-Zocker aber zu viel des Guten. In derselben Preisklasse gibt es für letztere Zielgruppe beispielsweise mit dem Samsung Odyssey G7 eine bessere Ausstattung.

Der Monitor brilliert ganz klar durch seine überdurchschnittlich hohe Bildwiederholfrequenz und seine schnellen Reaktionszeiten. Auch die ergonomischen Eigenschaften können sich durchaus sehen lassen. Weniger beeindruckend sind wiederum der Kontrast und die Farbraumabdeckung, doch bereits das Vorgängermodell (TN, 240 Hertz) hatte damit zu kämpfen. Für die anvisierte Zielgruppe dürfte dies allerdings wohl keine sonderlich große Rolle spielen.

Monitore
Allround-PC.com
09/2021
MSI Oculux NXG253R
Empfehlung

Pro

  • extrem hohe Bildwiederholfrequenz
  • schnelle Reaktionszeiten
  • Nvidia Reflex für geringere Latenzzeiten
  • gute Ergonomie

Contra

  • Kontrast und Farbraumabdeckung könnten besser sein
  • recht hoher Preis

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