Mit transparentem Design und einem frischen Ansatz hat sich Nothing einen festen Platz in der Tech-Welt gesichert. Jetzt geht Nothing einen großen Schritt weiter: Mit den Headphone (1) bringt die Marke ihre ersten Over-Ear-Kopfhörer auf den Markt – und zielt dank Audio-Tuning von KEF direkt auf die Premium-Klasse rund um Sony, Apple und Bose. Doch was haben die Nothing Headphones (1) wirklich auf dem Kasten? Wir haben den Test gemacht!
Kurz-Fazit zu den Headphone (1) #tl;dr
Mit den Headphone (1) gelingt Nothing ein starker Einstieg ins Over-Ear-Segment. Design, Klang und Ausstattung überzeugen – auch wenn Details wie die nicht wechselbaren Polster oder das fehlende Faltgelenk kleine Abzüge bringen.
Besonders das KEF-Tuning, die intuitive Steuerung und das starke ANC stechen positiv hervor. Wer ein stylisches Gesamtpaket mit gutem Sound sucht, wird hier fündig. Mit einem Preis von 299 Euro UVP muss jedoch der Geldbeutel entsprechend groß genug sein.
Design & Tragekomfort: Weg vom Einheitsbrei
Nothing bleibt sich seiner Designphilosophie treu: Auch die Headphone (1) setzen wieder auf transparente Elemente, die Einblicke ins Innenleben gewähren – und mich optisch direkt an alte Kassetten erinnern. Auffällig, ungewöhnlich, typisch Nothing eben. Doch obwohl die Kopfhörer sehr interessant aussehen, trifft die weiße/graue Farbvariante nicht ganz meinen Geschmack.
Das schwarze Modell wirkt auf mich deutlich edler und stimmiger. Am Ende ist das Design aber, wie so oft, Geschmackssache. Mit einem Gewicht von 329 Gramm sind die Kopfhörer auf dem Kopf spürbar, aber nicht unangenehm schwer. Ein Grund dafür könnte auch das Kopfband aus Kunststoff sein, während die Ohrmuscheln aus Aluminium bestehen.
Kunststoff ist kein Nachteil
Trotz günstigerer Materialien im Vergleich zu etwa den AirPods Max wirkt die Verarbeitung der Headphone (1) keineswegs minderwertig. Der Kopfbügel macht einen soliden Eindruck und zeigt sich angenehm flexibel. Ein Nachteil ist allerdings, dass sich die Kopfhörer, wenn auch vergleichsweise flach konstruiert, nicht zusammenklappen lassen – im Rucksack benötigen sie dadurch mehr Platz als manche Konkurrenzmodelle.
Wenn sie nicht im Einsatz sind, könnt ihr die Headphones (1) bequem um den Hals tragen und die Ohrmuscheln flach eindrehen. Das spart zwar etwas Platz, führt aber dazu, dass das Aluminium stellenweise aneinander reibt. Auf Dauer könnten dadurch an den flachen Außenseiten der Ohrmuscheln leichte Kratzer entstehen – das bleibt jedoch abzuwarten.
Angenehmer Sitz dank Memory-Foam
Positiv überrascht hat mich der Tragekomfort. Nothing verwendet bei den Ohrpolstern PU-Memory-Schaum, der sich spürbar gut an die Ohren und die Kopfform anpasst. Auch bei längeren Sessions sitzen die Headphones (1) angenehm, ohne zu drücken. Dank des verstellbaren Kopfbügels wird der Druck gleichmäßig verteilt – das sorgt für einen stabilen Sitz, der weder zu locker noch zu eng wirkt.

Ein klarer Nachteil ist, dass sich die Ohrpolster nicht eigenständig austauschen lassen. Besonders im Sommer, wenn man viel schwitzt oder Sonnencreme trägt, können die Polster schneller verschmutzen und lassen sich dann nur schwer reinigen. Der Austausch der Polster kann aber über den Nothing-Support vorgenommen werden.
Klangqualität: Premium dank KEF-Tuning?
Für den Klang hat sich Nothing prominente Unterstützung von KEF geholt, einem britischen Audio-Spezialisten. In den Headphone (1) steckt ein speziell angefertigter 40-mm-Dynamiktreiber, der für ein klares und detailreiches Klangbild sorgen soll. Und das tut er auch – größtenteils.
Der Klang ist insgesamt wirklich ausgewogen, lediglich bei den Höhen fehlen mir manchmal ein paar Details – hier könnte der Klang noch etwas brillanter sein. Als jemand, der im Fitnessstudio gerne basslastige Musik hört, bin ich aber ein großer Fan des „Bass Enhancement“ in der Nothing X App. Damit kommen tiefe Frequenzen stärker zur Geltung, ohne irgendwie matschig zu wirken. Über die App lässt sich jedoch nicht nur der Bass einstellen, sondern auch das ANC feinjustieren, und ein 8-Band-EQ mit eigenen Presets einstellen und nutzen.
Praktisch ist auch die Unterstützung von Multipoint. So können die Kopfhörer gleichzeitig mit zwei Geräten verbunden werden, etwa mit dem PC und dem Smartphone. Ein schneller Wechsel zwischen beiden Quellen klappt im Alltag dadurch reibungslos.
Features wie Spatial Audio mit dynamischem Head-Tracking, das den Klang zentriert, auch wenn man den Kopf bewegt, sind nette Extras, die besonders bei Filmen zur Geltung kommen. Für die verlustfreie Wiedergabe werden zudem hochauflösende Codecs wie LDAC unterstützt.
Aktive Geräuschunterdrückung und Transparenzmodus
Was bei Kopfhörern heutzutage nicht mehr fehlen darf, ist die aktive Geräuschunterdrückung. Das ANC der Headphone (1) kann Umgebungsgeräusche um bis zu 42 Dezibel reduzieren. Das ist ein solider Wert, der im Alltag und besonders auf Reisen im Flugzeug oder der Bahn für angenehme Ruhe sorgt. Gerade unterwegs macht sich das schnell bemerkbar. Gegen die Sony WH-1000XM6 (zum Test) kommen die Headphones (1) allerdings nicht an.
Neben dem ANC gefällt mir auch der Transparenzmodus richtig gut. Viele Kopfhörer scheitern daran, Umgebungsgeräusche realistisch wiederzugeben – sie klingen oft dumpf oder verfälscht. Apple setzt mit den AirPods Pro hier seit Jahren den Maßstab, was eine natürliche Wiedergabe betrifft.
Umso überraschter war ich, wie gut Nothing das bei den Headphone (1) hinbekommt. Die Umgebung wird klar und deutlich durchgeleitet, sodass man Gespräche führen oder Ansagen hören kann, ohne die Kopfhörer abnehmen zu müssen.
Interessante Steuerung & umfangreiche App
Ein wenig verwirrt hat mich anfangs die Bedienung, denn statt auf unpräzise Touchflächen setzt Nothing auf taktile Bedienelemente. Es gibt einen Drehregler (Roller), eine Wippe (Paddle) und einen Knopf (Button). Der Roller zum Anpassen der Lautstärke und zum Wechseln zwischen ANC und Transparenzmodus ist anfangs ungewohnt, aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, funktioniert die Steuerung sehr präzise und intuitiv.
Die Haptik der Bedienelemente ist hervorragend – deutlich besser als bei typischen Touchflächen, da Fehlbedienungen nahezu ausgeschlossen sind. Gerade im Winter, mit Handschuhen oder bei Regenwetter ist das ein großer Vorteil. Bei Bedarf lassen sich die Buttons in der App auch anders belegen.
Eingeschaltet werden die Headphones über einen dedizierten Schieber auf der Unterseite – neben dem USB-C Anschluss. Dort sitzt übrigens auch eine 3,5 mm Klinke. Auf der Außenseite der rechten Hörmuschel ist darüber hinaus noch ein Button, mit dem sich ein Sprachassistent rufen lässt – beispielsweise ChatGPT.
Akkulaufzeit: Die Überraschung?
Zur Akkulaufzeit kann ich bislang noch kein abschließendes Urteil fällen. Laut Nothing sollen die Headphones (1) bis zu 80 Stunden Wiedergabe ohne ANC und immerhin noch sehr gute 35 Stunden mit aktiver Geräuschunterdrückung erreichen. Zumindest letzterer Wert scheint sich mit meiner bisherigen Nutzungserfahrung zu decken.
Damit bewegen sich die Kopfhörer zumindest auf dem Papier auf Augenhöhe mit den neuen Sony WH-1000XM6 (Test). Geladen wird per USB-C, aber auch ein klassischer 3,5-mm-Klinkenanschluss für Loss-Less-Audio ist vorhanden.
Fazit zu den Nothing Headphones (1)
Mit den Headphone (1) liefert Nothing einen beeindruckenden Einstand im Over-Ear-Bereich ab. Das auffällige Design bleibt der Markenidentität treu, hebt sich angenehm vom Einheitsbrei ab und sorgt definitiv für Gesprächsstoff. Verarbeitung, Tragekomfort und Ausstattung lassen trotz kleinerer Schwächen wie den nicht austauschbaren Ohrpolstern oder dem fehlenden Faltmechanismus kaum Wünsche offen.
Besonders überzeugt haben mich die klangliche Abstimmung mit Unterstützung von KEF, das durchdachte Bedienkonzept und die sehr gute Geräuschunterdrückung. Auch der Transparenzmodus spielt meiner Meinung nach fast auf AirPods-Niveau mit – das ist in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich.
Kurzum: Die Nothing Headphone (1) richten sich an alle, die Wert auf ein eigenständiges Design, moderne Features und ein rundes Klangbild legen und dabei bereit sind, kleine Kompromisse in Sachen Mobilität einzugehen. Mit einem Preis von 299 Euro UVP sind die Nothing Headphone (1) aber alles andere als günstig – und dürften wohl erst für 250, wenn nicht sogar 200 Euro so richtig attraktiv werden.
Pro
- Sehr guter Tragekomfort
- Solide Verarbeitung
- Gutes ANC
- Starker Transparenzmodus
- Leichte Bedienung
- Multipoint-Verbindung
- Ausgewogener Klang
Contra
- Nicht faltbar
- Ohrpolster nicht selber wechselbar
Beitrag erstmals veröffentlicht am 01.07.2025
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