Test: Bosch Smart Home 360° Innenkamera und Twinguard Rauchwarnmelder

Einfache Bedienung, hoher Komfort und ein extra Plus an Sicherheit?
Smart Home 23.12.2017 / Nils Waldmann
Bosch Smart Home Startbild

Der Markt für Smart Home-Geräte kommt zum Weihnachtsgeschäft richtig in Fahrt. So wundert es nicht, dass altbekannte Player ebenfalls in das relative junge Geschäftsfeld mit dem digitalen Zuhause drängen. In diesem Artikel betrachten wir eine intelligente Innenkamera sowie den vernetzten Rauchwarnmelder von Bosch.

Überblick

Bosch hat ein bereits nicht zu unterschätzendes Portfolio an Smart Home Geräten für das eigene Heim im Angebot. Darunter finden sich Kameras, Rauchwarnmelder, Schalter, Rolladensteuerungen sowie Bewegungsmelder.

Dabei hat Bosch sich bis jetzt auf „Smart Devices“ fokussiert, die eigenständig in Zusammenarbeit mit einer entsprechenden Smartphone App funktionieren. Diese Produkte werden bei Bosch mit der Bezeichnung „Smart Single Solutions“ gekennzeichnet. Seit Kurzem bietet Bosch nun jedoch auch eine Möglichkeit, bestimmte Produkte des Portfolios miteinander zu vernetzen, in dem ein Gateway zur Verbindung verschiedener Geräte angeboten wird. Der Hersteller nennt dieses Prinzip „Smart System Solutions“. Da uns für diesen Test der so genannte Bosch Smart Home Controller nicht zur Verfügung steht, haben wir die Geräte im Alleinbetrieb ausprobiert.

In diesem Artikel betrachten wir die neue Bosch 360° Innenkamera sowie das Rauchwarnmelder Twinguard Starter Set.

Bosch 360° Innenkamera

Design und Verarbeitung

Die Bosch 360° Innenkamera kommt in einem zylinderförmigen Gehäuse daher, welches die komplette Kamerasensorik beherbergt. Die nach unten abgerundete, weiße Röhre aus Kunststoff verschmilzt nahtlos mit dem schicken Standfuß aus matt gebürstetem Aluminium. Dieser sorgt dank großer Auflagefläche und zwei extra eingearbeiteten Gummistreifen für einen sehr stabilen Stand der kleinen Kamera. Im eingefahrenen Zustand ist das Gerät gerade einmal 15 cm hoch. Das frontseitig aufgedruckte Logo verrät, dass es sich um ein Smart Device aus dem Hause Bosch handelt. Durchbrochen wir das klare Design des Kameragehäuses durch einen silbernen Lochblechring, der sich im unteren Bereich des Gehäuses um die Kamera zieht. Hier hinter verstecken sich Mikrofone und Lautsprecher. Unter dem silbernen Ring ist ein LED-Streifen eingebracht, der den aktuellen Betriebsstatus der Bosch 360° Innenkamera anzeigt.

Bosch Smart Home 360 Innekammera - Eingefahren Bosch Smart Home 360 Innekammera - Ausgefahren

Drei Bewegungsmelder unter dem LED-Ring sollen für maximale Aufmerksamkeit der Kamera sorgen. Apropos Kamera, diese befindet sich innerhalb der Röhre und wird erst ausgefahren, sobald das Gerät über die rückseitig eingebrachte Micro-USB-Buchse mit Spannung versorgt wird. Neben der USB-Buchse ist zusätzlich ein microSD-Kartenslot platziert, der die lokale Speicherung von Videomaterial ermöglicht. Der silberne Kamerakopf ist elektronisch schwenkbar und integriert neben dem Kamerasensor ebenfalls die IR-LEDs für den Nachtsichtmodus. Die allgemeine Verarbeitungsqualität des Produktes kann als sehr gut beschrieben werden. Hier leistet sich Bosch keine Fehler.

Inbetriebnahme

Die Einrichtung der Bosch 360° Innenkamera ist schnell erledigt. Im ersten Schritt wird die zugehörige App über den Apple App Store oder den Google Playstore bezogen und installiert. Diese führt anschließend durch den Einrichtungsprozess. Dabei hat Bosch sich etwas Interessantes einfallen lassen: Der Nutzer gibt die SSID und das WPA-Kennwort in die App ein. Diese generiert einen QR-Code auf dem Display des Smartphones, der dann vor die 360° Innenkamera gehalten wird. Diese liest den Code und verbindet sich selbstständig mit dem 2,4 GHz-Netzwerk. 5 GHz WLAN wird nicht unterstützt. Nach dem Anlegen eines Bosch Smart Home Accounts, ist das Gerät betriebsbereit und kann über die App gesteuert werden.

Bedienung

Ohne App lässt sich die Kamera durch zweifaches Klopfen auf den Deckel des Kamerakopfes aktivieren und deaktivieren. Die Kamera meldet sich dann mit einer kurzen Melodie und fährt den Kopf aus bzw. wieder ein. Sobald die Kamera aktiviert ist, reagiert sie auf Bewegungen im Raum und meldet ein entsprechendes Ereignis über die App. Sollte sich etwas außerhalb des aktuellen Sichtfeldes der Kamera tun, wird dies über einen der Bewegungsmelder registriert und die Kamera richtet den Kopf automatisch in die entsprechende Richtung aus, um visuellen Kontakt herstellen zu können. Der aufzeichnete Videoclip zu dem Ereignis kann über die App angezeigt werden. Damit diese Funktion verfügbar ist, muss eine microSD-Karte in die Kamera eingesetzt werden, ansonsten konnten wir der Kamera nur Standbilder entlocken. Eine passende Karte liegt dem Lieferumfang der Kamera bei. Die Bildqualität ist durch den Full-HD-Sensor qualitativ hochwertig. Lediglich das Umschalten zwischen Nachtsicht (S/W) und Farbbild geschieht teilweise ein wenig unkontrolliert, wenn sich die Kamera selbstständig in einen weniger belichteten Bereich dreht.

Bosch Smart Home 360 Innekammera - App Hauptmenü Bosch Smart Home 360 Innekammera - App Feed

Natürlich lässt die Kamera den Nutzer auch über ein Live-Bild in die eigenen vier Wände schauen. Das passiert mit etwa 5 bis 10 Sekunden Verzögerung, dafür aber mit Audioaufzeichnung. Die Ausrichtung des Kamerakopfes kann ebenfalls über die App angepasst werden. Dies erfordert aber etwas Übung, da die Toucheingabe sehr empfindlich reagiert. Eine Ausrichtung während des aktiven Live-Bildes ist leider nicht möglich und muss somit vorab geschehen. Des Weiteren kann der Nutzer über einen Touch-Button in der App die Kamera als Fernsprechanlage verwenden und aus der Ferne über die Kamera sprechen. Die Qualität des Audiokanals ist in beide Richtungen völlig ausreichend.

Bosch Smart Home 360 Innekammera - App Ereignisse Bosch Smart Home 360 Innekammera - App Einstellungen Bosch Smart Home 360 Innekammera - App Deaktivieren

Die App erlaubt ebenfalls die Anpassung der Kameraeinstellungen. Hier lässt sich steuern, wie sensibel die Kamera auf Bewegungen in ihrem Umfeld reagiert und ob der Kamerakopf nachgeführt wird, sollte das Ereignis außerhalb des Sichtfeldes detektiert werden. Dieses Feature funktionierte im Test erstaunlich gut. Außerdem lassen sich Ausnahmen in Form von Zeitfenster definieren, in denen die Kamera selbst im eingeschalteten Zustand keine Ereignisse aufzeichnen soll. In unserem Test wurden Bewegungen auf der Sensibilitätsstufe „hoch“ zuverlässig erkannt und gemeldet. Alternativ zu den fixen Zeitplänen, lässt sich die Kamera auch für vordefinierte Zeitintervalle über die App deaktivieren und zu bestimmten Zeitpunkten wieder automatisch aktivieren, sodass der Nutzer dieses nicht vergisst. Wir haben die Kamera mit einem iPhone 7 unter iOS 11 getestet.

Wer mehrere Kameras von Bosch kauft, kann diese alle mit demselben Account verbinden und einfach in der App zwischen den Kameras wechseln.

Fazit

Die Bosch Bosch 360° Innenkamera ist ein interessantes Produkt für all diejenigen, die eine einfache Kamera für die Überwachung des Wohnraumes bei Abwesenheit benötigen. Das Melden von Ereignissen über die App und das Nachführen des Kamerakopfes funktioniert zuverlässig. Die Qualität des Produktes ist als hochwertig zu beschreiben und die Einrichtung der Kamera ist simpel gehalten. Im Gegensatz zu anderen Produkten überfrachtet Bosch seine „smarte“ Kamera nicht mit Funktionen. Das ist für einige Anwender genau richtig, für anderen mag es ein Stück zu viel Restriktion sein. Schön wäre es zu sehen, dass Bosch sein System mit einer Schnittstelle ausstattet, die es erlaubt, die Kamera auch in andere, bestehende Smart-Home-Installationen zu integrieren. Etwa über ein offenes WLAN-Kameraprotokoll oder über Apples Homekit. Dass der gesamte Datenverkehr (und somit auch die Videoclips und Fotos) über die Server von Bosch laufen, muss jedem bewusst sein. Dies geschieht natürlich jedoch vollständig verschlüsselt. Der aufgerufene Preis von knapp 220 € ist sicherlich kein Schnäppchen. Im Vergleich zu Konkurrenzprodukten bewegt sich Bosch preislich damit aber im Durchschnitt und bietet ein gutes Produkt an.

ProContra
  • schickes, zeitloses Design
  • keine offene Schnittstelle zur Integration in bestehende Systeme
  • sehr gute Verarbeitung
  • keine Steuerung der Kamerausrichtung im Live-Feed
  • direktes Feedback durch LED-Ring
 
  • zuverlässige Erkennung von Bewegungen und Objektverfolgung
 
  • einfach zu bedienende App und simple Einrichtung
 
  • lokale Speicherung von Videoclips möglich
 

 

Bosch Twinguard Starter Set

Design und Verarbeitung

Bei dem Bosch Twinguard handelt es sich um einen vernetzten Rauchwarnmelder, der zusätzlich über einen Temperatur-, einen Luftfeuchtigkeits- sowie einen Luftqualitätssensor verfügt. Das quadratische Gerät ist ein ganzes Stück größer als man es von den üblichen, runden Rauchmeldern aus dem Baumarkt gewöhnt ist. Auf der Oberseite, welche im Betrieb von der Decke nach unten zeigt, ist ein Metallgitter eingelassen, welches zur Aufzeichnung der Sensordaten sowie zum Detektieren von Rauch dient. Bei der Feststellung von Rauch in der Luft setzt Bosch auf die aus dem industriellen Bereich bekannte Dual-Ray-Technologie, welche eine blaue sowie eine infrarote LED zur Identifizierung von Rauchpartikeln nutzt. Damit sollen noch bessere und sicherere Ergebnisse erzielt sowie Fehlalarme vermieden werden.

Bosch Smart Home Twinguard - Montiert Bosch Smart Home Twinguard Rauchwarnmelder

Insgesamt ist der im weißen Kunststoffgehäuse untergebrachte Twinguard Rauchwarnmelder hochwertig verarbeitet. Das seitlich umlaufende Lochgitter versteckt ebenfalls einen LED-Ring, welcher den Status des Gerätes anzeigt. Auf der Rückseite des Gerätes befindet sich mittig die Adapteraufnahme zur Befestigung an der Decke. Die Hälfte der Rückseite wird zudem vollständig von einer großen Batterieklappe eingenommen, welche insgesamt sechs AA-Batterien versteckt, die die nötige Energie bereitstellen.

Einrichtung

Auch der Twinguard Rauchwarnmelder wird über eine eigene App konfiguriert und verwaltet. Da der Twinguard selber nicht über ein WLAN-Modul verfügt, sondern über den Zigbee-Standard via Funk kommuniziert, ist das Twinguard Gateway als Mittelsmann von Nöten. Die kleine Box ist nur im Bosch Twinguard Starter Set enthalten und sorgt für die Anbindung des Rauchmelders an das lokale Netzwerk.

Bosch Smart Home Twinguard Gateway

Die App verlangt zuerst die Verbindung mit dem eigenen Bosch Smart Home Konto. Danach das Gateway per Ethernet mit dem Heimnetzwerk verbinden und mit Spannung versorgen. Nach ein paar allgemeinen Angaben zu Einsatzland und Telefonnummer zur Information im Brandfall, muss das Gateway mit dem Bosch Account verknüpft werden. Dieses geschieht via QR-Code auf der Rückseite des Gateways in der App. Gleiches gilt für den Rauchwarnmelder, welcher ebenfalls über einen QR-Code verfügt. Danach ist die Einrichtung abgeschlossen und die Geräte sind untereinander verbunden. Im letzten Schritt muss noch der mitgelieferte Montageadapter an der Decke befestigt werden, mit welchem der Twinguard dann mit einer Drehbewegung fixiert wird. Fertig.

Bosch Smart Home Twinguard - App Gateway verbinden Bosch Smart Home Twinguard - App Gateway eingerichtet

Verwendung

Die Konfiguration des Bosch Twinguard kann über die App verändert werden. Beispielsweise lassen sich das initial gewählte Raumprofil verändern und natürlich die Sensordaten in Echtzeit auswerten. Auch kann die App so eingestellt werden, dass bei Verlassen der für den gewählten Raumtyp hinterlegten Optimalbereiche eine Nachricht versandt wird. So kann der Twinguard daran erinnern, wieder mal das Fenster zu öffnen und frische Luft hereinzulassen. Auch Testalarme lassen sich über die App initiieren. Somit entfällt der lange Stock, welcher bei den meisten Standardmeldern zum Ausführen des Funktionstests nötig ist. Der Twinguard bietet ebenfalls eine standardmäßig aktivierte Voralarmfunktion, die mit geminderter Warntonintensität auf gerade erst entstehende Gefahren hinweist.

Bosch Smart Home Twinguard - App Hauptmenü Bosch Smart Home Twinguard - App Historie

Wer mehrere Twinguards einsetzen will, der benötigt natürlich nur ein Gateway. In der App werden dann alle Melder zusammengefasst dargestellt.

Fazit

Der Bosch Twinguard Rauchwarnmelder ist ein gut verarbeitetes Gerät, welches das eigene zu Hause sicherer machen soll. Die Einrichtung geht ebenso schnell von der Hand, wie bei der 360° Innenkamera. Lediglich das zusätzliche Gateway muss einmalig konfiguriert werden, was dank des einfach gestalteten Assistenten in der Bosch App aber kein Problem ist. Die gesamte App-Oberfläche ist sehr aufgeräumt und erlaubt die schnelle Verwaltung des Twinguard-Melders. Einzig und alleine der Preis von knapp 200 € für das Starterset bzw. circa 150 € für jeden weiteren Melder dürfte den Käuferkreis beschränken. Wer sein Haus vollständig vernetzen will, wird außerdem darauf Wert legen, die Bosch Melder in ein größeres Gesamtbild einbinden zu können und dafür fehlt aktuelle noch eine offene Schnittstelle.

ProContra
  • schickes Design
  • keine offene Schnittstelle zur Integration in bestehende Systeme
  • tolle Verarbeitung
  • Preis
  • direktes Feedback durch LED-Ring
 
  • sehr kraftvoller Alarm
 
  • einfach zu bedienende App und simple Einrichtung
 
  • vielfältige Sensordaten mit Datenhistorie verfügbar
 
Sharing:
Nils Waldmann Nils Waldmann ...ist seit über 11 Jahren bei Allround-PC.com und als Redakteur und technischer Leiter tätig. In seiner Freizeit bastelt und konstruiert Nils gerne flugfähige Modelle.

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