WLAN-Empfangsprobleme aufgrund zu dicker Wände oder zu großer Entfernungen innerhalb der eigenen vier Wänden kennen wohl die meisten. Mit dem Netgear Orbi Pro sollen solche Erfahrungen der Vergangenheit angehören.

Überblick

Wer in einem Bereich seines Hauses oder seiner Wohnung unzureichenden Datendurchsatz mit seinem WLAN erreicht oder mit einer instabilen Verbindung zu kämpfen hat, greift in erster Linie oft zu einem Repeater. Ein solches Gerät verbindet sich mit dem WLAN-Access Point – was in den meisten Haushalten der Router sein dürfte – und verstärkt das WLAN-Signal im weiteren Wohnbereich. Ein Repeater reduziert die ursprüngliche WLAN-Geschwindigkeit jedoch um bis zu 50 Prozent. Geräte wie Notebooks und der Router kommunizieren nämlich nicht mehr direkt miteinander, wenn ein Repeater zwischengeschaltet wird. Dadurch ist zwar das Signal am Nutzungsort deutlich besser, dafür muss der Repeater aber zwischen Endgerät und Router vermitteln. Orbi Pro Verpackung

Mit dem Orbi Pro System geht Netgear einen anderen Weg. Das System besteht aus einem Router und einem Satelliten. Während der Router die Internetverbindung aufbaut und ein initiales WLAN-Netzwerk bereitstellt, verstärkt der Satellit das WLAN an einem anderen Ort in der Wohnung oder im Büro. Klingt zunächst nach einer einfachen Router-Repeater-Kombination. Das Besondere an Orbi Pro: Netgear spendiert dem WLAN-System einen sogenannten Backhaul-Kanal, also ein drittes 5-GHz-Funkband, das speziell und einzig für die Kommunikation zwischen Satelliten und Router verwendet wird. Dadurch soll die Geschwindigkeit mit Orbi Pro auch nicht sinken, wenn das Endgerät mit dem Satelliten anstatt direkt mit dem Router verbunden ist. Andere Hersteller bezeichnen diese Technologie als „Mesh“ oder „Meshing“. Konzipiert wurde das Orbi Pro System für den Einsatz im Büro. Aufgrund des Drei-Band-Konzeptes eignet es sich jedoch auch für den privaten Einsatz, wenn normale WLAN-Repeater-Lösungen nicht zufriedenstellend funktionieren und eine hohe Geschwindigkeit gefordert ist.

Design & Verarbeitung

Wer sich für das Netgear Orbi Pro Set entscheidet, muss sich von Anfang an im Klaren sein, dass dieses Netzwerkzubehör sich nicht einfach hinter dem Schuhschrank verstecken lässt. Mit einem Gewicht von knapp einem Kilogramm und einer Höhe von fast 25 Zentimetern sind Router und Satellit alles andere als kompakt. Netgear hat sich jedoch zu einem futuristischen Design hinreißen lassen, dass sich aufgrund der schlichten, weißen Farbgebung mit grauen Elementen auch in Wohnräume einfügt und optisch wenig mit professioneller Netzwerkhardware gemein hat. Sowohl Router als auch Satellit sehen optisch identisch aus, lediglich der Kopf des Gerätes ist in verschiedenen Farben gehalten. Im Inneren der WLAN-Module arbeiten sechs Antennen, die verschiedene Abstrahlrichtungen abdecken.Orbi Pro Router SRR60 Front

Das Design des Orbi Pro Systems ist eher unkonventionell für ein Business WLAN-System.

Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite der Geräte. Während der Router neben einem WAN-Port noch drei zusätzliche Gigabit-Ethernet-Ports bietet, können an den Satelliten sogar vier Gigabit-Ethernet-Geräte angeschlossen werden. Der Power-Knopf ist ebenfalls auf der Rückseite angebracht. Das externe Steckernetzteil, welches dem Set zwei Mal beiliegt, wird ebenfalls rückseitig mit den Orbi Pro Geräten verbunden. Zusätzlich liegen dem Lieferumfang umfangreiche Haltersysteme bei, die es ermöglichen, die Orbi Pro Komponenten an der Decke oder Wand zu fixieren. Das ist vor allem im Büro interessant, da mit einer Deckenmontage in der Regel eine gute Flächenabdeckung per WLAN-Signal möglich ist. Die Verarbeitung ist Netgear beim Orbi Pro sehr gut gelungen. Hier gibt es weder etwas an den Halterungen, noch den Orbi Pro Geräten selbst auszusetzen

Technik & Einsatzmöglichkeiten

Das Orbi Pro System wird als Tri-Band-WLAN-System beworben. Netgear verwendet hier den Begriff AC3000, was letztendlich jedoch eher geschicktes Marketing als die tatsächlich mit einem Endgerät nutzbare Bandbreite darstellt. Tri-Band bedeutet, dass Router und Satellit jeweils drei Funkbänder betreiben können. Das sind zum einen klassisch das 2,4- und 5 GHz-Band, welche zur Anbindung von Endgeräten, wie Smartphone, Tablet, Computer und Smarthome-Komponenten genutzt werden. Das dritte Band arbeitet ebenfalls mit 5 GHz und dient als Backhaul-Kanal zwischen Router und Satellit. Während das 2,4-GHz-Band eine maximale Bandbreite von 400 Mbit/s aufweist, kann das 5-GHz-Band mit bis zu 866 Mbit/s betrieben werden. Der dritte Kanal, welcher die Kommunikation zwischen den beiden Orbi Pro Geräten ermöglicht, arbeitet mit maximal 1733 Mbit/s. Der aufmerksame Leser hat es bereits gemerkt: Die Summe dieser drei Werte ergibt knapp 3000 Mbit/s – daher auch der Begriff AC3000.Orbi Pro Satellit SRS60 Rückseite

Alle Anschlüsse finden sich auf der Rückseite (hier am Satellit zu sehen).

Netgear stattet das Orbi Pro System außerdem mit erweiterten Fähigkeiten aus. Mit Multi User MIMO (Mu-MIMO) steht eine Technik bereit, die das gleichzeitige Streamen von Inhalten an mehrere Endgeräte ermöglicht. Dafür muss MIMO jedoch auch vom Endgerät unterstützt werden. Außerdem kann Orbi Pro sogenanntes Beamforming nutzen, bei dem das WLAN-Signal mithilfe aktiver WLAN-Verbindungen optimiert und stärker in eine Richtung gebündelt wird. Dieses kann, je nach Umgebung, die Signalqualität weiter verbessern. Zuletzt spendiert Netgear seinem Orbi Pro Produkt eine Fast Roaming-Funktion, die es den WLAN-APs ermöglicht, Endgeräten aktiv eines der beiden Funkbänder zuzuweisen. Fast Roaming funktioniert auch hier besonders gut, wenn das Endgerät dieses Feature ebenfalls unterstützt. Ist dies nicht der Fall, sucht sich das Endgerät relativ stur aus, welches der beiden Bänder es verwenden möchte und verharrt dort, bis das Signal zum WLAN-Netzwerk abbricht.

Einrichtung & Aufstellungsort

Die Aufstellung des Routers und des Satelliten ist schnell erledigt. Der Router muss in den meisten Fällen in der Nähe des vorhandenen Gateways oder Modems stehen, weil zwischen diesen Geräten eine Kabelverbindung notwendig ist. Der Satellit lässt sich frei positionieren, lediglich eine freie Steckdose muss in der Nähe sein. Es empfiehlt sich immer, gedanklich die direkte Linie zwischen Router und Satellit vorzustellen. Dieses ist die Strecke, die das Funksignal verwendet. Das Orbi Pro System ist zwar dafür konzipiert, auch „schwierige Gebäude“ gut mit WLAN zu versorgen, kann eine intelligente Positionierung mit möglichst wenig Hindernissen zwischen Router und Satellit nur positiv für die Leistung des WLANs sein.Orbi Pro App WLAN-Einrichtung

Die Orbi App ermöglicht eine schnelle und einfache Einrichtung der Komponenten.

Die Einrichtung des Orbi Pro Systems ist dank der Netgear Orbi App schnell erledigt. Nachdem der Anwender sich einen Netgear Account angelegt hat (kostenfrei), kann die Installation der Geräte beginnen. Der Assistent leitet einen mit vielen Bildern durch die zu erledigen Schritte. Zunächst wird mit dem mitgelieferten Kabel eine Verbindung zwischen Modem / Gateway und Orbi Pro Router über den WAN-Port hergestellt. Außerdem wird der Router mit Spannung über das Netzteil versorgt.Orbi Pro App Menü

Das Hauptmenü der App ist übersichtlich gestaltet. 

Mit der App wird nun der QR-Code am Orbi Pro Router gescannt und das Gerät wird konfiguriert. Damit die weitere Einrichtung fortgesetzt werden kann, muss das verwendete Smartphone ab diesem Moment mit dem neuen Orbi Pro WLAN-Netzwerk verbunden werden. Nachdem der Satellit eingeschaltet wurde, verbinden sich Router und Satellit von alleine. Praktisch: die Farbe der LED an der Oberseite des Satelliten zeigt an, wie gut die Verbindung zum Router über den Backhaul-Kanal ist.Orbi Pro App WLAN-Einstellungen

Einfache Einstellungen können direkt in der App geändert werden.

Alle weiteren Einstellungen, wie die Aktivierung des Gast-Netzwerkes oder die Umbenennung der WLAN-SSID, können über die App getätigt werden. Weiterführende Einstellungen sind über die Web-Oberfläche in einem Browser möglich. Leider dauert das Übernehmen vieler Änderungen teilweise relativ lange, Nutzer von AVM Fritz!Boxen könnten hier schnell ungeduldig werden.

Leistungstest

Unseren Leistungstest haben wir wie folgt aufgebaut. Von einem Apple MacBook Pro (2017, ohne Touchbar) wurde via FTP eine 2 GB große Videodatei auf ein QNAP TS-453A NAS-Server geschrieben und danach ebenfalls davon heruntergeladen. Die Transferdauer wurde gemessen und eine mittlere Transferrate ermittelt. Als Vergleich kam ein Ubiquiti Networks UniFi AP AC Pro WLAN-Access Point zum Einsatz. Alle Geräte waren über einen Allied Telesis AT-9000/24 Full Managed Gigabit-Ethernet-Switch miteinander verbunden. Der Orbi Pro Router wurde im AP-Modus betrieben.

Während die Komponenten des Orbi Pro Systems an den verschiedenen Enden der Wohnung aufgestellt worden sind (circa 17 m Abstand), haben wir den UniFi AP AC Pro genau mittig zwischen Orbi Pro Router und Satellit positioniert. In einem Testszenario mussten beide Systeme zwei Stahlbetonmauern mit einer Stärke von 25 cm und einem Abstand von knapp 3 m durchdringen (Treppenhaus). Im zweiten Szenario bestand eine direkte Sichtverbindung zwischen MacBook Pro und Access Point in einem Abstand von knapp 3,5 m.

Die Testergebnisse zeigen relativ eindrucksvoll, dass das Orbi Pro System die Dämpfung durch die beiden Stahlbetonmauern in Szenario 1 sehr gut ausgleichen kann. Die Verbindung zwischen Router und Satellit über das dritte Band ist in diesem Testsetup stabil und flott. Im Gegensatz zum einzelnen UniFi Access Point auf der anderen Seite der Wände ist der Leistungsvorsprung deutlich messbar. Bei der direkter Sichtverbindung muss sich das Orbi Pro System jedoch geschlagen geben, hier ist der professionelle AP ein wenig zügiger unterwegs. Am eindrucksvollsten zeigt sich die Stärke des Orbi Pro Systems jedoch, wenn im ersten Szenario der Satellit abgeschaltet wird. Zwar kann der Router auch durch die Mauern hinweg noch eine WLAN-Verbindung bereitstellen, diese ist dann jedoch sehr deutlich langsamer.

Auch die Leistungsaufnahme des Systems haben wir ermittelt. Dazu kam ein Brennenstuhl Energiemessgerät zum Einsatz. Bei dem Orbi System ist nämlich zu beachten, dass immer zwei Geräte in Betrieb sein müssen, was die Stromrechnung tendenziell nach oben treibt. Folgende Werte haben wir ermittelt.

Den höheren Verbrauch des Satelliten unter Last erklären wir uns damit, dass dieses Gerät zwei Funkverbindungen (zum Endgerät und zum Router) managen muss, während der Router lediglich den Backhaul-Kanal verwaltet und die Daten dann per Ethernet weitergibt. Letztendlich ist die gemessene Leistungsaufnahme jedoch nicht dramatisch und liegt in unseren Augen für die gebotene Leistung im grünen Bereich.

Fazit

Mit dem Orbi Pro WLAN-System hat Netgear eine Lösung für all diejenigen im Angebot, die schon verschiedene Möglichkeiten ausprobiert haben, eine gute WLAN-Abdeckung in Wohnung oder Büro zu realisieren, bisher aber gescheitert sind. Das dritte Funkband zur Verbindung von Orbi Pro Router und Satellit funktioniert sehr gut. Auch Endgeräte, die mit dem Satelliten verbunden sind, haben damit Zugang zu einem schnellen Netzwerk. Wem ein Satellit nicht genügt, kann noch weitere zu seinem Setup hinzufügen. Dann teilt sich die Kapazität des Backhaul-Kanals aber zwischen den Satelliten auf.

Die gemessenen Übertragungsraten sind als sehr gut bezeichnen, die Verarbeitung des gesamten Sets ist es ebenfalls. Die im Lieferumfang enthaltene Halterung macht die Montage der Module sehr flexibel und ermöglichen eine einfache Positionierung beider Komponenten. Lediglich der nicht gerade kompakten Abmessungen der beiden Orbi Pro Module müssen sich Käufer bewusst sein, vor allem, wenn die Geräte privat verwendet werden. Nicht ganz nachvollziehbar ist, wieso nicht zumindest der Satellit via Power over Ethernet (PoE) mit Spannung versorgt werden kann. So muss sich in der Nähe des Satelliten zwangsweise eine Steckdose befinden. Über die relativ häufigen Wartezeiten bei der Konfiguration von Einstellungen können wir hinwegsehen, da diese in der Regel nur selten verändert werden müssen.

Insgesamt lässt sich sagen: Das Netgear Orbi Pro System hält was es verspricht: stabiles WLAN über große Flächen hinweg und das mit hoher Geschwindigkeit. Das Ganze hat jedoch seinen Preis. Knapp 450 Euro muss der potentielle Käufer aktuell für das System auf den Tisch legen. Zudem wird ein Modem für den Aufbau der Internetverbindung benötigt.

Pro

  • hohe Transferleistung (auch im Satellitenbetrieb)
  • leichtes Setup via App
  • sehr gute WLAN-Abdeckung
  • sehr gute Verarbeitung
  • Tri-Band-System ohne klassischen "Repeater-Effekt"

Contra

  • relativ groß
  • kein PoE für Satellit
  • vergleichsweise hoher Preis

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4 Kommentare

  • Thomy

    Erstens, eure Grafen sind kacke. Da muss man immer drölfmal gucken wie die Balken zu deuten sind.
    Zweitens, was ist der Vorteil der Pro gegenüber der rbk50/53? Habe ich das überlesen oder wird das nicht einmal erörtert? Bzw wozu wird ein Business System für consumer getestet? Vllt habe ich das aber auch falsch gedeutet…

    • Nils Waldmann

      Hallo Thomy,
      zunächst einmal danke für deine „konstruktive Kritik“. ;)

      Unterschiede: SRK60-System – Guest Passes und Segmentierung in Mitarbeiter und Admin-Netzwerk. Zusätzlich hat das SRK60 die genannten Befestigungsmöglichkeiten an Wand und Decke direkt aus der Box heraus.

  • Thomy

    Haha. Ja, sorry, aber die erfüllen wirklich nicht ihren Zweck, finde ich.
    Der hohe Preis sogar gegenüber dem RBK50 ist also wirklich unbegründet…

    • Nils Waldmann

      Hallo Thommy,
      auch nicht wirklich wahr. Die Halterungen erfüllen ihren Zweck sogar sehr gut (Router und Sat an erhöhter Position befestigen). Ob der Aufpreis dafür gerechtfertigt ist, steht auf einem anderen Blatt. Wer die getrennten Netze und die Halterungen nicht unbedingt braucht, kann aber sicherlich auch zum RBK50 greifen.

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