Neato D800 im Test: Mit kantiger D-Form zum Wunder-Saugroboter?

Leider die falsche Ausfahrt genommen ..

Mit dem D800 möchte Neato den Saugrobotermarkt aufwirbeln und mit einer besonderen Form sowie präzisen Navigation an der Konkurrenz vorbeiziehen. Doch im Gegenzug dafür verzichtet der Saugroboter auf eine Wischfunktion und eine Frontsensorik, geht das wirklich gut? Wir haben den Neato D800 für euch getestet.

Den D800 hat Neato im Sommer letzten Jahres auf den Markt gebracht und das Line-up so um einen weiteren Saugroboter ergänzt. Aktuell stellt er mit einem Preis von 299 Euro das günstigste Modell dar und ist beispielsweise im Neato-Shop erhältlich. Ansonsten gibt es den Neato D800 auch bei Amazon.

Im Lieferumfang des Neato D800 befinden sich eine Ladestation mit Kabelmanagement und Reinigungswerkzeug, ein Netzteil mit EU-, UK- und US-Stecker sowie ein zwei Meter langes Stromkabel. Ersatzfilter oder -bürsten sind leider nicht mit im Paket.

Wer ist Neato?

Neato Robotics ist ein Hersteller von Saugrobotern, der bereits 2005 in Newark, Kalifornien von Alumni der Stanford-Universität gegründet wurde. Im Jahre 2017 wurde das Unternehmen vollständig von Vorwerk übernommen, war aber schon im Vorfeld bei der Entwicklung der Kobold-Saugroboter beteiligt. Tatsächlich gehört Neato zu einer der ersten Hersteller, die schon früh auf Lidar-Technologie und eine Laser-Sensorik zur Navigation setzten.

Design & Funktionen

Schon auf den ersten Blick macht sich die besondere Form des D800 bemerkbar. Neato hat sich, entgegen dem Großteil aller Saugroboter, für eine eckige Front entschieden. Diese „D-Form“ spiegelt sich am Ende sogar im Namen wider und soll für eine bessere Reinigung in Ecken sorgen.

Das Design des D800 ist schlicht gestaltet und auf das Wesentliche reduziert. Auf der Oberseite erstrahlt die Farbe „Espresso“, ein Dunkelbraun mit gebürsteter Optik. Das untere Gehäuse ist dagegen in Schwarz gehalten. Zwar findet sich hier viel Hartkunststoff wieder, doch die Verarbeitung ist makellos. Mit einer Höhe von 10,13 Zentimeter dürfte der D800 jedoch an einigen Möbelstücken hängen bleiben. Erster Wermutstropfen: Einen Bumper für den Lidar-Hügel gibt es nicht.

Mit Fokus auf Lidar-Sensorik

Apropos, zur Navigation nutzt der Saugroboter vor allem die Laser-Sensorik auf der Oberseite in Kombination mit dem großen Bumper in der Front. Dazu gibt es noch einen seitlichen Wandsensor (rechts) sowie Absturzsensoren auf der Unterseite. Auf zusätzliche Sensoren in der Front oder gar eine Kamera mit 3D-Objekterkennung verzichtet Neato hingegen vollständig.

Gesteuert wird der Neato D800 primär über die App (dazu später mehr), doch auch über den großen „Play-Button“ neben dem Lidar-Turm lässt sich die Reinigung starten/pausieren. Daneben sitzt noch ein kleiner Info-Knopf, eine WLAN-Status-LED und eine Akku-Anzeige.

In der Mitte befindet sich ein herausnehmbares Fach mit dem 700 Milliliter großen Staubbehälter. Damit besitzt der D800 ein vergleichsweise üppiges Volumen und kann mehr Staub aufnehmen als andere Saugroboter. Die eingesaugte Luft wird dabei von einem High-Performance-Filter gereinigt, der „bis zu 99 % der Allergene und Staubpartikel bis zu einer Größe von 10 Mikrometern“ einfangen soll.

Filter mit optionalen Dufteinsätzen

Für besonders sensible Allergiker*innen bietet Neato jedoch noch einen Ultra-Performance-Filter (99,5 % Filterung) und einen True-Hepa-Filter (99,97 %, bis 0,3 µm) im eigenen Online-Shop an. Das Duo kann optional sogar mit einer Duftkapsel ausgestattet werden und eure Räumlichkeiten mit Lavendel, Apfel-Melone oder Zitrusfrüchten zu erfrischen – sozusagen der Duftbaum für zu Hause.

Durch die D-Form kann Neato übrigens eine deutlich breitere Bürste unter den Saugroboter schnallen. Ganz konkret kommt eine 28 Zentimeter lange Spiral-Kombibürste zum Einsatz, die auf einen Mix aus Borsten und Gummilamellen setzt. Alternativ bietet Neato auch eine Haustier-Multiflächenbürste an, die nebenbei auch für Teppiche optimiert ist. Dazu gesellt sich eine kleine Seitenbürste mit sieben Zentimeter Durchmesser, die allerdings hinter der Hauptbürste sitzt – etwas ungewöhnlich.

MyNeato-App – Funktionen & Einrichtung

Für die Einrichtung benötigt ihr die MyNeato-App, die bei Google Play und im Apple App Store verfügbar ist (Wichtig: Nicht die Neato Robotics App installieren, da diese für ältere Modelle gedacht ist). Zwar wird im ersten Schritt die Registrierung eines Accounts nötig, doch dann sind zukünftig alle Einstellungen geräteunabhängig gespeichert.

Allerdings war eine Einrichtung mit einem Android 13 Smartphone zum Testzeitpunkt nicht möglich, da es laut der App ein „technisches Problem bei der Verbindung des Roboters mit Android 13-Geräten“ gibt. Obwohl der Saugroboter zur Einrichtung gefunden wurde, war eine Fortsetzung nicht möglich – einzige Lösung: Ein Smartphone mit Android 12 (oder älter) oder ein iPhone.

.. nicht mit Android 13?

Wir als Testredaktion haben zwar noch Alternativgeräte zur Verfügung, doch nicht jeder hat ein zweites Smartphone zu Hause „herumliegen“. Neato sollte dieses Problem also schleunigst beheben, nachdem Android 13 nun schon auf einigen Smartphones vorhanden ist. Nach der Einrichtung auf einem iPhone ließ sich der D800 dann auch in der MyNeato-App (Version 1.5.4) auf dem Oppo Find X5 Pro (Test) mit Android 13 nutzen.

Die App ist übersichtlich gestaltet und lässt sich angenehm bedienen. Wenn die Einrichtung, die ansonsten nur wenige Minuten dauert, dann geklappt hat, könnt ihr den D800 schon auf die erste Reise schicken. Eine Erst-Kartierung, so wie es andere Hersteller anbieten, gibt es in der MyNeato-App allerdings nicht. Der Saugroboter erstellt die Karte also schlichtweg bei der ersten Reinigung.

Gutes Design, aber wenig Features

Leider ist der Funktionsumfang insgesamt recht überschaubar. So kann zum Beispiel nur eine Karte abgespeichert werden, für mehrstöckige Räumlichkeiten eignet sich der Neato D800 demnach eher nicht. Zudem gibt es keine Raumerkennung, was auch eine Bearbeitung der Karte (z.B. Räume trennen, zusammenfügen, benennen) unmöglich macht. Das führt wiederum dazu, dass keine Einzelraumreinigung verfügbar ist. Wenn ihr einen bestimmten Raum oder eine Zone reinigen wollt, müsst ihr den Saugroboter dort „einschließen“. Immerhin lassen sich No-Go-Zonen auf der Karte platzieren.

Auf der Hauptansicht zum Starten einer Reinigung könnt ihr unter anderem die Leistung anpassen und zwischen Eco- oder Turbo-Modus wählen – allerdings nicht während der Reinigung. Des Weiteren lässt sich der Saugroboter über den verbauten Lautsprecher lokalisieren. Im Reiter Routinen könnt ihr eine zeitliche Planung hinterlegen, beim Verlauf seht ihr bereits abgeschlossene Reinigungsdurchläufe.

Darüber hinaus unterstützt Neato die Steuerung per Google Assistant und Amazon Alexa. Eine Fernsteuerung über die App konnten wir nicht finden. Und leider lässt sich kein zweiter Saugroboter hinzufügen, solltet ihr dies als Lösung für ein anderes Stockwerk in Erwägung gezogen haben.

Saugleistung & Navigation

Eine konkrete Angabe zur Saugleistung in Pascal macht Neato zwar nicht, doch in der Praxis kann der D800 bereits im Eco-Modus mit einer guten Performance punkten. Er hat unseren Test-Mix aus Konfetti, Reis und Haferflocken größtenteils eingesaugt. Deutlich mehr Leistung verspricht er dann im Turbo-Modus, falls es doch mal etwas schmutziger sein sollte.

Mit der Lidar-Technik erstellte der Neato D800 tatsächlich eine sehr präzise Karte, die zwar auf den ersten Blick etwas verpixelt erscheint, aber bei näherer Betrachtung selbst Stuhlfüße mit aufgenommen hat. Das sorgt am Ende auch dafür, dass der Saugroboter stets weiß, wo er sich befindet. Wirklich überzeugend ist die Navigation trotz guter Zeitwerte (durchschnittlich 81 m² in 92 Minuten) aber dennoch nicht.

Die „eingesparte“ Sensorik macht sich bemerkbar!

Aufgrund der fehlenden Frontsensorik rauscht der D800 liebend gern gegen dünnere Stuhlbeine oder herumstehende Kartons. Feststehende Möbelstücke werden nur vorsichtig berührt, da sie schon in der Karte vermerkt sind, doch gegen neu platzierte Gegenstände düst der Saugroboter mit richtig „Karacho“. Ungünstigerweise macht der Frontbumper beim Eindrücken auch noch ein etwas nerviges Klickgeräusch. Da der Lidar-Hügel aber keinen Bumper besitzt, fährt sich der Neato D800 bei entsprechender Höhe auch mal fest – oder nimmt zumindest ein paar Kratzer mit.

Allerdings fährt er auf größeren Flächen sauber seine Bahnen und überwindet auch Teppiche sowie Türschwellen durch die gefederten Gummiräder ohne Probleme. Flache Tischbeine kletterte er zwar gern hinauf, kam jedoch jedes Mal wieder hinunter und setzte die Reinigung fort. Festgefahren hat er sich in unserem Praxistest tatsächlich eher selten. Und durch den einen Seitensensor navigierte der D800 auch recht präzise an Wänden entlang.

Wirklich enttäuscht hat uns jedoch vor allem die D-Form, die den Job in ihrer Vorzeigedisziplin, also Ecken, nicht wirklich erfüllt hat. Statt in eine Ecke hineinzufahren, um Staub und Schmutz einsaugen zu können, kürzt der Saugroboter vorher einfach ab, um die Kurve zu bekommen. Ähnliches nach einer Kante: Statt direkt zu drehen, fährt der Neato D800 eine leichte Kurve und erst dann an die Wand heran.

Und sollte sich der D800 doch mal dazu entschieden haben, präzise in eine Ecke zu fahren, dann kann der Sauger nur leichtere Gegenstände durch seine Saugkraft und die breite Bürste einziehen, denn für etwas schwerere Krümel (die sich ja gern in Ecken verstecken) sitzt die Seitenbürste einfach zu weit hinten.

Lautstärke

Eine maximale Lautstärke gibt Neato nicht an, auf Amazon ließ sich zumindest 69 dB als maximaler Wert herausziehen. Überraschenderweise entspricht dies auch unserem Ergebnis im Turbo-Modus. Auf der Eco-Stufe ließen sich maximal 59 dB messen, was vor allem am vergleichsweise hohen Laufgeräusch der Räder/Motoren liegt. Daher lässt sich festhalten: Der D800 ist nicht unbedingt ein leiser Saugroboter.

Akkulaufzeit

Die Laufzeit des D800 wird von Neato mit bis zu 90 Minuten angegeben. Was auf den ersten Blick nach überraschend wenig klingt, entpuppt sich in der Praxis als viel zu pessimistisch eingeschätzt. Unsere Redaktion reinigte der Saugroboter in durchschnittlich 92 Minuten und hatte dabei im Eco-Modus oftmals noch mehr als 40 % Restkapazität im Akku. Die Laufzeit ist aber natürlich immer auch von euren Räumlichkeiten abhängig.

Etwas schade ist jedoch, dass die App nur die Restkapazität anzeigt, und keinen Live-Standort auf der Karte geschweige denn einen Fortschritt der Reinigung. Ihr wisst also nicht, wie lange der Neato D800 schon oder noch reinigt.

Einen Pluspunkt gibt es am Ende jedoch noch zu vermelden: Mit der „Quick Boost Ladung“ ist der Neato D800 tatsächlich vergleichsweise schnell geladen. In knapp 100-120 Minuten ist der Akku wieder voll und bereit für die nächste Reinigung.

Fazit

In unserem Test sorgt der Neato D800 eher für gemischte Gefühle. Zwar kann der Saugroboter einerseits mit einer guten Leistung, seinem vergleichsweise großen Staubbehälter und der präzisen Karte punkten, zeigt andererseits jedoch auch einige Defizite bei der Navigation und der App-Bedienung auf.

So hat sich die besondere D-Form in unserem Fall leider nicht bewährt, da der Saugroboter weder sorgfältig in Ecken hineinfährt noch effektiv um Kanten herumfährt. Auch die zu kleine und zu weit hinten sitzende Seitenbürste kann dieses Manko nicht ausgleichen. Die ausschließlich auf Lidar und Frontbumper basierte Navigation ist schlichtweg zu wenig. Hier wären zumindest zusätzliche Frontsensoren sinnvoll gewesen.

Die App verfügt über ein insgesamt gutes Design mit einer intuitiven Bedienung, bietet allerdings einen eher dürftigen Funktionsumfang. So lässt sich die Karte beispielsweise nicht in Räume aufteilen, was eine Einzelraumreinigung unmöglich macht. Auch die Einrichtungsprobleme in Verbindung mit Android 13 sollten schleunigst behoben werden.

Zumindest die Akkulaufzeit kann sich sehen lassen, erfreulich ist auch das vergleichsweise flotte Aufladen an der kompakten Ladestation. Die optionalen Filter und Duftpods sind ebenso positiv zu vermerken, da nicht jeder Hersteller solche Zubehörteile anbietet. Die nicht vorhandene Wischfunktion ist in diesem Preisbereich noch zu verschmerzen.

Am Ende erhält der Neato D800 zum Preis von knapp 300 Euro leider keine Empfehlung von uns. Das Gesamtpaket hätte womöglich vor zwei bis drei Jahren überzeugt, wird mittlerweile jedoch von besseren Alternativen mit mehr Features überholt. Allen voran bietet sich da beispielsweise der Dreame D10 Plus an, der zwar etwas länger braucht, dafür aber leiser arbeitet, bei Bedarf wischt und über eine automatische Absaugstation verfügt – aktuell für knapp 50 Euro mehr.

Pro

  • gute Saugleistung
  • großer Staubbehälter
  • präzise Karte und Orientierung
  • solide Akkulaufzeit
  • optionale Filter und Duftpods

Contra

  • D-Form enttäuscht
  • geringer App-Funktionsumfang
  • Einrichtungsprobleme mit Android 13
  • keine zusätzlichen Frontsensoren
  • recht laut unterwegs

Leonardo Ziaja Leonardo Ziaja

... ist vor allem für die Bereiche Smartphones und Mobile zuständig, testet aber auch andere Hardware-Highlights wie Gehäuse, Prozessoren und Mainboards. Darüber hinaus sorgt er für hochwertige Bilder in unseren Testberichten.

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