Test: Die Macht des Sandes – Drei SandForce SSDs

8 Min. lesen
Storage  / Nils Waldmann

Jeder, der sich in der letzten Zeit mit dem Thema „Solid State Disk“ vertraut gemacht hat, wird nicht um den Hersteller „SandForce“ herum gekommen sein. Rein quantitativ bauen wohl die meisten aktuellen Laufwerke im Consumer-Bereich auf einen Chipsatz aus eben diesem Hause. WĂ€hrend unsere letzten Tests immer gemischter Natur waren, was die verwendeten Controller anbelangte, so stehen in diesem Bericht drei SSDs mit unterschiedlichen KapazitĂ€ten und unterschiedlicher Herkunft, aber einem SandForce-Chipsatz im Fokus.

 

ADATA S599 128 GB (AS599S-128GM-C)

Spezifikationen

SpeicherkapazitÀt nominell

128 GB

Schnittstelle

S-ATA 2

Zellentyp

MLC

Controller

SandForce SF-1222

Cache

k.A.

Preis

~ 189,- Euro bei Amazon.de

Geschwindigkeit laut Hersteller (bis zu)

Lesen 280 MB/s – Schreiben 270 MB/s

Abweichungen zum gemessenen Ergebnis

+0,3 % (280,8 MB/s) | – 7,3 % (250,3 MB/s)  

Formfaktor

2,5 Zoll

Abmessungen

100 x 69.85 x 9.5 mm

Gewicht

68 Gramm

Modellnummer

AS599S-128GM-C

 

Lieferumfang

  • SSD
  • Kurzeinleitung
  • Einbaurahmen + Montagematerial

 

Impressionen

IMG_3602

Mushkin Callisto Deluxe 40 GB (MKNSSDCL40GB-DX)

Spezifikationen

SpeicherkapazitÀt nominell

40 GB

Schnittstelle

S-ATA 2 (3Gbit/s)

Zellentyp

MLC

Controller

SandForce SF-1200

Cache

k.A.

Preis

~ 94,- € bei Amazon.de

Geschwindigkeit laut Hersteller (bis zu)

Lesen 280 MB/s – Schreiben 270 MB/s (S-ATA 3)

Abweichungen zum gemessenen Ergebnis

+0,07 % (280,2 MB/s) |  – 8,6% (246,8 MB/s)  

Formfaktor

2,5 Zoll

Abmessungen

99.88 x 69.63 x 9.3mm

Gewicht

ca. 80 Gramm

Modellnummer

MKNSSDCL40GB-DX

 

Lieferumfang

  • SSD

Impressionen

  IMG_3741

Mach Xtreme Technology MX-DS 100 GB (MXSSD2MDS-100G)

 

Spezifikationen

SpeicherkapazitÀt nominell

100 GB

Schnittstelle

S-ATA 3 (6Gbit/s)

Zellentyp

MLC

Controller

SandForce SF-1222

Cache

k.A.

Preis

199,90 bei Caseking.de

Geschwindigkeit laut Hersteller (bis zu)

Lesen 285 MB/s – Schreiben 275 MB/s (S-ATA 3)

Abweichungen zum gemessenen Ergebnis

-1,7 % (280,2 MB/s) |  – 8,5% (251,5 MB/s)  

Formfaktor

2,5 Zoll

Abmessungen

99.8 x 69.63 x 9.3mm

Gewicht

85 Gramm

Modellnummer

MXSSD2MDS-100G

 

Lieferumfang

  • SSD
  • Kurzeinleitung
  • Einbaurahmen + Montagematerial

Impressionen

  IMG_4201

Leistungstest

Hauptteil dieses Berichts soll natĂŒrlich der Leistungstest sein. Dazu wurden verschiedene Benchmarks durchgefĂŒhrt, die das Leistungsverhalten der  dreiLaufwerke in den verschiedensten Situationen aufzeigen. Getestet wurden dabei Lese- und Schreibraten sowie die Zugriffszeiten unter bestimmten Bedingungen. Praxisbezogene Benchmarks geben Aufschluss ĂŒber das Leistungsverhalten unter alltĂ€glichen Bedingungen, wĂ€hrend die synthetischen Benchmarks das theoretische Maximum aus den Solid State Disks herauskitzeln.

 

Testsystem

  • Prozessor: Intel Core i7-860 2,8 GHz, Turbo Boost an, Hyperthreading aktiviert
  • Ram: 4096 MB Corsair DDR3-1333 MHz
  • Systemlaufwerk: Intel X25-M G2 „Postville“ 80 GB
  • Quelllaufwerk fĂŒr Transfertests: Corsair Force F40 GB
  • Storage: Western Digital WD6400AAKS S-ATA 2
  • Mainboard: Intel DP55KG
  • Grafikkarte: MSI GeForce 8600GTS
  • Betriebssystem: Windows 7 Professional x64
  • Testbetriebssystem: Windows 7 Professional x64
  • Netzteil: Seasonic M12 Power 600 Watt

Als Vergleichsbasis haben wir die beiden Laufwerke „Crucial RealSSD C300“ sowie Samsungs „470 Series SSD“ herangezogen. Den vollstĂ€ndigen Bericht ĂŒber diese beiden Produkte finde Sie hier.

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • HD Tach RW 3.0.4.0
  • HD Tune Pro 4.6
  • A.S. SSD Benchmark 1.5
  • Crystal Disk Mark 3.0 x64
  • ATTO Disk Benchmark 2.46

HD Tach RW

Das Tool HD Tach RW ermöglicht die einfache Bestimmung der durchschnittlichen Schreib- und Lesegeschwindigkeit eines bestimmten DatentrĂ€gers. Ebenfalls werden die durchschnittliche Zugriffszeit sowie die Burstrate gemessen. Beim Burstrate-Test werden die Daten direkt auch dem Cache des Controllers abgerufen, weshalb die Werte oftmals weit ĂŒber den anderen Benchmarkergebnissen liegen.

falcon_hd tach

Sandforce SSDs - Diagramm 1.0

Sandforce SSDs - Diagramm 1.1

A.S. SSD Benchmark

Dieses Programm misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten und bestimmt weitere Werte, wie z.B. Zugriffszeit und die Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien. Zudem verfĂŒgt das Tool ĂŒber einen Kopier-Benchmark, der das Kopieren von ISO-Abbildern, Programmen und Computerspielen auf die SSD simuliert. Unseren Erfahrungen nach, sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere DurchlĂ€ufe gemittelt werden.

Sandforce SSDs - Diagramm 2.0

Sandforce SSDs - Diagramm 2.1

HD Tune Pro

Die Software HD Tune Pro misst neben den schon erwĂ€hnten Parametern ebenfalls die Geschwindigkeit beim Zugriff auf verschiedene DateigrĂ¶ĂŸen. Dieser Test ist bei SSDs sehr interessant, da vor allem viele kleine Dateien (z.B. 4 KB Blöcke) einen schwachen Controller schnell aus der Bahn werfen. Die Transferraten brechen dann bis auf wenige KB/s ein und es kommt zu Verzögerungen beim Dateizugriff. Gemessen wurden die BlockgrĂ¶ĂŸen 512 Byte, 4 KB, 64 KB, 1 MB sowie der zufĂ€llige Zugriff auf alle Arten von BlockgrĂ¶ĂŸen.

 Sandforce SSDs - Diagramm 3.0

Sandforce SSDs - Diagramm 3.1Sandforce SSDs - Diagramm 3.2 Sandforce SSDs - Diagramm 3.3 Sandforce SSDs - Diagramm 3.4

Crystal Disk Mark 3

Mit dem Tool Crystal Disk Mark 3 haben wir die sequenziellen Lese- und Schreibraten der drei Laufwerke bestimmt. Die anderen gemessenen Werte sind fĂŒr unseren Fall eher uninteressant, da das im VerhĂ€ltnis langsamere USB 2.0 zum Einsatz kommt.

 Sandforce SSDs - Diagramm 4.0

ATTO Disk Benchmark

Dieses kleine Programm kam zum Einsatz um die maximale Leistung der Laufwerke im Bezug auf ihre Lese- und Schreibzugriffe herauszufinden. ATTO wertet die Schreib- und Leseleistung anhand verschiedenster BlockgrĂ¶ĂŸen aus. Wir haben hier die 8MB großen Blöcke dargestellt, da die meisten Laufwerke hier ihre maximale Leistung entfalten. Diese Werte sind in der Praxis allerdings fast nie zu erreichen und werden daher oft als Werbemittel eingesetzt.

Sandforce SSDs - Diagramm 5.0

Windows 7 Professional x64

Um neben den synthetischen BenchmarkdurchlĂ€ufen ein wenig Praxis in die LeistungsĂŒberprĂŒfung zu bringen, wurden einige Test mit der Vollversion (Build 7600) des Betriebssystems „Windows 7“ aus dem Hause Microsoft durchgefĂŒhrt. Gemessen wurde hier die Zeit, die die einzelnen Testprobanden fĂŒr die Installation des Systems brauchen. Ebenfalls erfasst haben wir die Dauer, die das Laufwerk brauchte, um das System nach einem Neustart hochzufahren.

Sandforce SSDs - Diagramm 6.0

Installation von Adobe InDesign CS4

Um ein GefĂŒhl dafĂŒr zu bekommen, wie sich eine SSD als Systemfestplatte verhĂ€lt, wurde Adobe InDesign CS4 unter Windows 7 installiert. Die dafĂŒr benötigte Zeit wurde ebenfalls notiert. Dieser Test veranschaulicht außerdem sehr gut, welche Solid State Disk mit vielen unterschiedlichen BlockgrĂ¶ĂŸen und verschiedensten Lese- und SchreibvorgĂ€ngen zurechtkommt. Ein ĂŒberforderter Controller Ă€ußert sich hier schnell in einer hohen Installationsdauer.

Sandforce SSDs - Diagramm 7.0

Futuremark PCMark Vantage

Als weiteres synthetisches Benchmark haben wir das PCMark Vantage aus dem Hause Futuremark fĂŒr unsere SSD-Tests benutzt. Gemessen wurde die Zeit, die das Laufwerk zur Installation der Software unter Windows 7 benötigt. Außerdem wurde die HDD Test Suite des Programms ausgefĂŒhrt und die am Ende ermittelte Punktzahl zu vergleichen.

vantage

Sandforce SSDs - Diagramm 8.0

Datei kopieren unter Windows 7

Bei diesem Test wurde verschiedene Dateien, welche sich auf der Systemfestplatte (Intel Postville G2 80 GB) befanden, auf die SSD kopiert bzw. geschrieben. Die dafĂŒr benötigten Zeit wurde ermittelt. Außerdem wurde jedes Laufwerke einmal bei 0% FĂŒllstand und dann bei 50% und 75% FĂŒllung ĂŒberprĂŒft, um zu sehen ob die Leistung mit zunehmender Datenmenge konstant bleibt. Diese Benchmarks wurden im direkten Vergleich durchgefĂŒhrt.

Sandforce SSDs - Diagramm 9.0Sandforce SSDs - Diagramm 9.1

Fazit

Mit einem Blick auf die gemessenen Leistungswerte lÀsst sich eins mit Sicherheit erneut bestÀtigen: Solid State Disks mit SandForce Chipsatz gehören im Endkundenmarkt mit zu den schnellsten Vertretern ihrer Art.

Doch zunĂ€chst wollen wir einmal auf die sichtbaren Eigenschaften der Produkte eingehen: Alle drei Testkandidaten kamen in einem GehĂ€use aus Metal und gaben keinerlei Anlass zur Kritik im Hinblick auf die Verarbeitung. Weder scharfe Kanten noch unsauber gesetzte Schrauben konnten wir feststellen. Beim Lieferumfang fĂ€llt lediglich das Produkt aus dem Hause Mushkin etwas aus den Reihen, da hier kein extra Adapter zur Montage in einem 3,5-Zoll-Laufwerksschacht beigelegt worden ist. Das sollte unserer Meinung nach heute bereits zum Standard gehören, da nicht jeder Desktopcomputer bereits ĂŒber eine Halterung fĂŒr 2,5-Zoll-Laufwerke verfĂŒgt.

Leistungstechnisch haben alle drei Laufwerke einen ordentlichen Auftritt hingelegt. In einem unserer vorigen Testberichte hatte die Firma Xtreme Technology zum ersten Mal ein Laufwerk auf unseren Teststand geschickt, welches nicht wirklich ĂŒberzeugen konnte. Ganz anders prĂ€sentiert sich nun die neue „MX-DS Serie“, welche durchgĂ€ngig wunderbare Leistungen erzielen konnte. Dabei war es egal, ob es an das Lesen und Schreiben von willkĂŒrlichen BlockgrĂ¶ĂŸen ging oder ob in möglichst kurzer Zeit ein großer Datensatz von A nach B transferiert werden musste. Dank des großzĂŒgigen „Over Provisioning“ von zusĂ€tzlichen 28 % der nutzbaren KapazitĂ€t sollte dieses Laufwerk auch eine hohe Lebenserwartung erfĂŒllen können.

Kopf an Kopf, im Gesamtvergleich dann aber trotzdem ein StĂŒck hinter der „MX-DS“, schlĂ€ngelte sich das ADATA-Produkt der S599-Series durch unseren Testparcours. Ebenfalls durchgehend hohe Transferraten sowie niedrige Zugriffszeiten machten das Arbeiten mit dem Laufwerk sehr angenehm. Vor allem die grĂ¶ĂŸere KapazitĂ€t von 128 GB und die Tatsache das auch hier das Over Provisioning Setting mit 28 % genutzt wird, machen auch diese SSD zu einem wirklich interessanten Konkurrenten.

Betrachtet man den Vertreter aus dem Hause Mushkin, so fallen auf den ersten Blick die etwas niedrigeren Transferraten sowie die nominelle KapazitĂ€t von nur 40 GB auf. Trotz allem hat sich die Callisto Deluxe SSD gut geschlagen. Zwar liegen die dauerhaften Transferraten unter denen der Konkurrenz, dafĂŒr zeigt das kleine Laufwerk deutlich, was es kann, wenn es um das zufĂ€llige Schreiben von kleinen Datenblöcken geht. Hier erreicht die Mushkin-SSD nicht selten die Performance der beiden anderen Laufwerke. Geht es um die sequenzielle Lese- oder Schreibleistung, so liegen alle drei Probanden auf einer Augenhöhe und erfĂŒllen annĂ€hernd die beworbenen Leistungswerte.

Um ein abschließendes Fazit zu ziehen, kommen wir nicht umher, den Preisfaktor zu betrachten. Das teuerste Modell in diesem Round-Up ist die Mach Xtreme MX-DS, welche in der 100-GB-Version aktuell knapp 200 € kostet. Dahinter folgt die ADATA-SSD der S599 Serie mit 128 GB KapazitĂ€t zu einem Straßenpreis von ca. 178 €. Aufgrund seiner KapazitĂ€t selbstverstĂ€ndlich am gĂŒnstigsten ist das Mushkin-Laufwerk, derzeit fĂŒr ca. 87 € erhĂ€ltlich.

Betrachtet man in diesem Zusammenhang die Preise pro Gigabyte Speicherplatz (S599: 1,39 €/GB, Callisto Deluxe 2,17 €/GB sowie MX-DS 2 €/GB), so fĂ€llt die Wahl des Preisleistungssiegers in diesem Test nicht schwer. Bezieht man dann noch mit ein, dass auch die S599 ĂŒber 28 % zusĂ€tzliche frische Zellen fĂŒr den Notfall verfĂŒgt, so sollte dieses Laufwerk die erste Wahl sein. Die Leistungskrone hat sich in diesem Test trotzt allem die SSD aus dem Hause Mach Xtreme Technology erkĂ€mpft. Ob man jedoch fĂŒr 28 GB weniger Speicherplatz zugunsten eines minimalen Geschwindigkeitsvorteils mehr Geld bezahlen möchte, muss jeder selber fĂŒr sich entscheiden.

Eine kleine Sonderrolle hat die Callisto Deluxe in diesem Test, da sie in einem völlig anderen Preis- sowie KapazitĂ€tsbereich anzusiedeln ist. Damit der Vergleich zu den grĂ¶ĂŸeren Laufwerken nicht ungerecht erscheint, sollte man preislich eventuell noch die 120-GB-Version aus dem Hause Mushkin mit einbeziehen. Diese kostet momentan ca. 234 €, was ein Preis pro Gigabyte von 1,95€/GB ergibt. Inwiefern die Leistung dieses Modells mit denen der von uns getesteten 40-GB-Variante ĂŒbereinstimmt, vermögen wir allerdings nicht zu sagen. Um den Spieß aber einmal umzukehren: Die aktuellen 40-GB-Versionen der S599 sowie der MX-DS sind aktuell fĂŒr ca. 85 € bzw. 96 € erhĂ€ltlich. Hier möge sich jeder selber ein Urteil bilden.

vorlage_nov10-adata-ssd-k


Teilen:

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.