Test: Crucial BX300 SSD mit 480 GB

NAND wechsel Dich: von 2D-TLC zu 3D-MLC-Speicher 8 Min. lesen
Storage crucial  / Nils Waldmann
Crucial BX300 SSD

Ohne Frage – die wirklich interessanten Neuerungen im SSD-Markt erwarten uns bei SSD-Laufwerken auf PCIe-Basis. Nichtsdestotrotz dĂŒrfte der Großteil der SSDs im Consumer-Bereich immer noch mit SATA-Schnittstelle verkauft werden. Die neue Crucial BX300 ist eine SSD dieser Gattung und wir haben den Test fĂŒr euch gemacht.

Überblick

Als Crucial vor einigen Jahren in den SSD-Markt einstieg und aufgrund des zur damaligen Zeit deutlich niedrigeren Verkaufspreises auf sich aufmerksam machte, begann langsam die Ära, in der auch Ottonormalverbraucher sich der SSD-Technologie zuwandten. Einige Jahre spĂ€ter ist Crucial eine feste GrĂ¶ĂŸe im SSD-Markt. Die nun neu vorgestellte BX300 SSD markiert die dritte Evolutionsstufe der bekannten BX-Serie. Hinter diesem KĂŒrzel vermarkte das zu Micron gehörende Unternehmen seine Solid State Drives der Einsteigerserie, welche sich an den durchschnittlichen Anwender richtet. Verkaufsargument Nummer Eins: Die deutliche höhere Geschwindigkeit und Reaktionsfreudigkeit im Vergleich zu einer herkömmlichen Festplatte.

Die BX300 löst damit die direkte VorgÀngerin BX200 ab. Dabei wurde nicht nur die Nummer in der Produktbezeichnung nach oben gezÀhlt, auch im Inneren ist die BX300 nun wieder auf dem aktuellen Stand der Technik.

Crucial BX300 480 GB Schnittstelle

Angeboten wird das Laufwerk in drei verschiedenen KapazitÀtsvarianten von 120, 240 und 480 GB. Die Variante mit 960 GB, welche noch Teil der BX200-Familie war, entfÀllt. Wer mehr SpeicherkapazitÀt in einem Laufwerk benötigt muss sich in der MX300-Familie umsehen, die es mit bis zu 2 TB zu kaufen gibt.

Unter der Haube

Im Folgenden ein kurzer Überblick, der die technischen Highlights und Neuerungen im Vergleich zur BX200-Serie fĂŒr euch abdeckt.

Die Crucial BX200 SSD mit 480 GB


  • basiert weiterhin auf dem von der VorgĂ€ngerin bekannten SMI Controller. Anstelle des SM2256 (BX200) nutzt die BX300 nun aber den neueren SM2258 Chipsatz.
  • verfĂŒgt ĂŒber Microns eigenen 3D-MLC-NAND. Die BX200 musste mit 2D-TLC-NAND auskommen.
  • kann trotz 3D-MLC-NAND auf einen SLC-Schreibcache zurĂŒckgreifen.
  • ist nur als Laufwerk in 2,5-Zoll-Bauweise mit einer Höhe von 7 mm verfĂŒgbar. M.2-Varianten gibt es nur in der MX300-Serie.
  • wird weiterhin ĂŒber SATA 6 Gbit/s angebunden und kommuniziert ĂŒber das AHCI-Protokoll mit dem HostgerĂ€t.
  • kann mit bis zu 555 MB/s lesen und bis zu 510 MB/s schreiben.
  • wird von Crucial in Deutschland mit 3 Jahren Garantie vertrieben.

Technische Daten im Überblick

SpeicherkapazitÀt nominell

480 GB

Schnittstelle

SATA 6 GBit/s

Formfaktor

2,5 Zoll

Zellentyp

3D-NAND MLC

Controller

Silicon Motion SM2258

Cache

Ja, 256 MB DDR3

Geschwindigkeit (bis zu)

555 MB/s (Lesen) / 510 MB/s (Schreiben)

Abweichungen zum gemessenen Ergebnis (ATTO 8 MB Block)

+ 1,7% (564,5 MB/s) | +1,57 % (518,7 MB/s)

Random 4K Lesen / Schreiben

95.000 / 90.000 IOPS

Modellnummer

CT480BX300SSD1

Max. Leistungsaufnahme (DeepSleep / Idle / Read / Write)

N/A / 0,075 W/ N/A / 5,2 W

Abmessungen

100 x 70 x 7 mm

Gewicht

N/A

Garantie

3 Jahre

Preis

ca. 150 €

Leistungstest

NatĂŒrlich interessiert bei SSDs hauptsĂ€chlich die Leistung, die ein Laufwerk unter verschiedenen Bedingungen an den Tag legt. Daher haben wir die neue Crucial BX300 mit 480 GB verschiedenen Tests unterzogen. Theoretische Benchmarks kitzeln das Maximum aus dem Laufwerk heraus, wĂ€hrend praktisches TestdurchlĂ€ufe eine EinschĂ€tzung der Laufwerksleistung unter alltĂ€glichen Bedingungen erlauben. Als Vergleich haben wir die ADATA SU900 512 GB, Samsung SSD 850 EVO 500 GB, die Samsung SSD 750 EVO 500 GB, die Crucial BX200 480 GB sowie die Crucial MX300 525 GB herangezogen.

Testsystem

  • Prozessor: Intel Core i7-6700K 4,0 GHz (Skylake), Turbo Boost aktiv, Hyperthreading aktiviert
  • Mainboard: Asus Maximus VIII Extreme
  • KĂŒhler: Arctic Liquid Freezer 240
  • Ram: 16 GB G.Skill Ripjaws V DDR4 2.400 MHz CL 15-15-15-35
  • Systemlaufwerke: Intel SSD 750 420 GB & SanDisk Extreme Pro 480 GB
  • Grafikkarte: MSI Radeon R9 390X
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: be quiet Straight Power 1.000 Watt

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • HD Tune Pro 5.5
  • A.S. SSD Benchmark 1.9
  • ATTO Disk Benchmark 3.05
  • Futuremark PCMark 8
  • Adobe Reader
  • iTunes
  • WinRAR 5.1

ErklĂ€rung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht ĂŒbersichtlicher zu gestalten, könnt ihr fĂŒr euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen unterhalb des Diagramms ausblenden.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber hĂ€ufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Da jeder Benchmark gleich aufgebaut ist, bieten sie dennoch eine sehr gute Vergleichbarkeit der verschiedenen Laufwerke.

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. DarĂŒber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere DurchlĂ€ufe gemittelt werden.

ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlĂ€ssiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener BlockgrĂ¶ĂŸen gemessen, die wir in Blöcken von vier Kilobyte bis acht Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die abgebildeten Werte allerdings fast nie zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt. Das ATTO Disk Benchmark verwendet komprimierbare Daten, was vor allem SandForce ChipsĂ€tzen zu Gute kommt.

Crystal Disk Mark

Das Crystal Disk Mark ist ein weiteres beliebtes Tool, um die Transferleistung von Massenspeichern zu testen. Wir haben mit dem CDM erneut die sequenzielle Transferleistung ĂŒberprĂŒft.

HD Tune Pro

Die Software HD Tune Pro misst neben den schon erwĂ€hnten Parametern ebenfalls die Geschwindigkeit beim Zugriff auf verschiedene DateigrĂ¶ĂŸen. Dieser Test ist bei SSDs sehr interessant, da vor allem viele kleine Dateien (z.B. 4 KB Blöcke) einen schwachen Controller schnell aus der Bahn werfen. Die Transferraten brechen dann bis auf wenige KB/s ein und es kommt zu Verzögerungen beim Dateizugriff. Gemessen wurden die BlockgrĂ¶ĂŸen 512 Byte, 4 KB, 64 KB, 1 MB sowie der zufĂ€llige Zugriff auf alle Arten von BlockgrĂ¶ĂŸen.

Real Benchmarks

Wesentlich interessanter fĂŒr die spĂ€tere Benutzung einer Solid State Disk als Systemlaufwerk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, ĂŒberprĂŒfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltĂ€glichen Bedingungen. Dazu gehören beispielsweise Setup-Routinen, Virenscans oder das Öffnen mehrere Programme zum gleichen Zeitpunkt. WĂ€hrend dieser TestdurchlĂ€ufe wurde das entsprechende Laufwerk als Systempartition verwendet, auf der Windows 10 Pro x64 lief.

Programm-Installationen

Wie die Überschrift schon wiedergibt, haben wir mehrere Setup-Routinen durchlaufen lassen und die dafĂŒr jeweils benötigte Zeit der SSD festgehalten. Als Software diente uns hierfĂŒr das PCMark 8, iTunes sowie der Adobe Reader.

Anwendungs-Tests

Bei den Anwendungs-Test wurde ĂŒberprĂŒft, wie schnell das getestete Laufwerk mit alltĂ€glichen Aufgaben fertig wird. Als plastische Beispiele haben wir uns das Entpacken eines ISO-Images mit WinRar sowie das gleichzeitige Öffnen der Programme Avira, Firefox, itunes, PCMark 8 und Acrobat Reader herausgesucht.

Im Bereich der sequenziellen Lesezugriffe auf komprimierbare Daten kann sich die Crucial BX300 480 GB einen der vorderen PlÀtze unseres Vergleiches sichern. Auch im Schreibbetrieb liefert die SSD sehr gute Werte. Hier sei der VollstÀndigkeit halber erwÀhnt, dass bei aktuellen SSDs schon lange die SATA-Schnittstelle den Flaschenhals darstellt. Das gilt in 2017 selbst bei Einsteigerlaufwerken.
Beim sequenziellen Lesen und Schreiben nicht-komprimierbarer Daten zeigt sich ein Ă€hnliches, sehr positives Bild. Das Crucial Laufwerk fĂŒgt sich nahtlos in unsere Messreihe anderer SSDs um die 500 GB ein. In beiden FĂ€llen schlĂ€gt die BX300 480 GB die VorgĂ€ngerin BX200 (480 GB) sowie die MX300 mit 525 GB teils deutlich.

Crucial BX300 480 GB Frontansicht

ZufĂ€llige Zugriffe auf verschiedene BlockgrĂ¶ĂŸen geschehen bei Blöcken grĂ¶ĂŸer 265 KB mit maximaler Geschwindigkeit. Im Bereich der 64-KB-Blöcke ist die Crucial BX300 etwas schwĂ€cher als die Vergleichslaufwerke. Die zufĂ€llige Schreibperformance hat sich im Gegensatz zur BX200 allgemein jedoch deutlich verbessert und liegt nun auf Konkurrenzniveau. Die Performance in alltĂ€glichen Anwendung ist im Allgemeinen als sehr hoch zu bezeichnen.

Fazit

Auch die neue Crucial BX300 ist erneut ein Laufwerk, welches rein Ă€ußerlich und auf Basis der gelieferten VerarbeitungsqualitĂ€t keinen Grund zur Beanstandung gibt. Der Lieferumfang ist mit 9,5-mm-Spacer und Acronis Cloning-Software vorbildlich. Die Leistung der BX300 mit 480 GB macht im Vergleich mit der BX200 noch einmal einen deutlichen Sprung. Vor allem bei Schreiboperationen kann die neue Version ĂŒberzeugen. Interessant ist, dass auch die MX300 mit 525 GB in Teilen von der BX300 abgehĂ€ngt wird. Generell betrachtet bietet die BX300 somit mehr als genug Leistungsreserven fĂŒr den Einsatz in den allermeisten Computern. Auch bei schreibintensiven Anwendung mĂŒssen sich KĂ€ufer der BX300 mit 480 GB, dank der angegeben Lebenserwartung von 160 TB (total bytes written) eher keine Sorgen machen.
Preislich ist die BX300 mit 480 GB aktuell fĂŒr knapp 150 Euro verfĂŒgbar. Das Schwestermodell MX300 mit 525 GB kostet derzeit nur 137 €. Die BX200 ist zwar ein wenig flotter, dafĂŒr kann die MX300 auf eine 256-Bit-AES-VerschlĂŒsslung nach TCG Opal 2.0 zurĂŒckgreifen. Die direkte Konkurrentin Samsung SSD 850 EVO 500GB ist aktuell ab 151 € erhĂ€ltlich und kostet somit ein wenig mehr. DafĂŒr kommt das Samsung-Laufwerk mit 5 Jahren Garantie. Ebenfalls mit fĂŒnf Jahren Garantie, dafĂŒr aber aktuell deutlich teurer, platziert sich die ADATA Ultimate SU900 512GB fĂŒr zurzeit 185 €.

ProContra
  • sequenzielle und zufĂ€llige Leseleistung
  • keine VerschlĂŒsselung nach TCG Opal 2.0
  • Verarbeitung
  • 3D-NAND MLC-Speicher + SLC-Cache

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