Test: Crucial BX300 SSD mit 480 GB

NAND wechsel Dich: von 2D-TLC zu 3D-MLC-Speicher
Storage crucial 29.10.2017 / Nils Waldmann
Crucial BX300 SSD

Ohne Frage – die wirklich interessanten Neuerungen im SSD-Markt erwarten uns bei SSD-Laufwerken auf PCIe-Basis. Nichtsdestotrotz dürfte der Großteil der SSDs im Consumer-Bereich immer noch mit SATA-Schnittstelle verkauft werden. Die neue Crucial BX300 ist eine SSD dieser Gattung und wir haben den Test für euch gemacht.

Überblick

Als Crucial vor einigen Jahren in den SSD-Markt einstieg und aufgrund des zur damaligen Zeit deutlich niedrigeren Verkaufspreises auf sich aufmerksam machte, begann langsam die Ära, in der auch Ottonormalverbraucher sich der SSD-Technologie zuwandten. Einige Jahre später ist Crucial eine feste Größe im SSD-Markt. Die nun neu vorgestellte BX300 SSD markiert die dritte Evolutionsstufe der bekannten BX-Serie. Hinter diesem Kürzel vermarkte das zu Micron gehörende Unternehmen seine Solid State Drives der Einsteigerserie, welche sich an den durchschnittlichen Anwender richtet. Verkaufsargument Nummer Eins: Die deutliche höhere Geschwindigkeit und Reaktionsfreudigkeit im Vergleich zu einer herkömmlichen Festplatte.

Die BX300 löst damit die direkte Vorgängerin BX200 ab. Dabei wurde nicht nur die Nummer in der Produktbezeichnung nach oben gezählt, auch im Inneren ist die BX300 nun wieder auf dem aktuellen Stand der Technik.

Crucial BX300 480 GB Schnittstelle

Angeboten wird das Laufwerk in drei verschiedenen Kapazitätsvarianten von 120, 240 und 480 GB. Die Variante mit 960 GB, welche noch Teil der BX200-Familie war, entfällt. Wer mehr Speicherkapazität in einem Laufwerk benötigt muss sich in der MX300-Familie umsehen, die es mit bis zu 2 TB zu kaufen gibt.

Unter der Haube

Im Folgenden ein kurzer Überblick, der die technischen Highlights und Neuerungen im Vergleich zur BX200-Serie für euch abdeckt.

Die Crucial BX200 SSD mit 480 GB…

  • basiert weiterhin auf dem von der Vorgängerin bekannten SMI Controller. Anstelle des SM2256 (BX200) nutzt die BX300 nun aber den neueren SM2258 Chipsatz.
  • verfügt über Microns eigenen 3D-MLC-NAND. Die BX200 musste mit 2D-TLC-NAND auskommen.
  • kann trotz 3D-MLC-NAND auf einen SLC-Schreibcache zurückgreifen.
  • ist nur als Laufwerk in 2,5-Zoll-Bauweise mit einer Höhe von 7 mm verfügbar. M.2-Varianten gibt es nur in der MX300-Serie.
  • wird weiterhin über SATA 6 Gbit/s angebunden und kommuniziert über das AHCI-Protokoll mit dem Hostgerät.
  • kann mit bis zu 555 MB/s lesen und bis zu 510 MB/s schreiben.
  • wird von Crucial in Deutschland mit 3 Jahren Garantie vertrieben.

Technische Daten im Überblick

Speicherkapazität nominell

480 GB

Schnittstelle

SATA 6 GBit/s

Formfaktor

2,5 Zoll

Zellentyp

3D-NAND MLC

Controller

Silicon Motion SM2258

Cache

Ja, 256 MB DDR3

Geschwindigkeit (bis zu)

555 MB/s (Lesen) / 510 MB/s (Schreiben)

Abweichungen zum gemessenen Ergebnis (ATTO 8 MB Block)

+ 1,7% (564,5 MB/s) | +1,57 % (518,7 MB/s)

Random 4K Lesen / Schreiben

95.000 / 90.000 IOPS

Modellnummer

CT480BX300SSD1

Max. Leistungsaufnahme (DeepSleep / Idle / Read / Write)

N/A / 0,075 W/ N/A / 5,2 W

Abmessungen

100 x 70 x 7 mm

Gewicht

N/A

Garantie

3 Jahre

Preis

ca. 150 €

Leistungstest

Natürlich interessiert bei SSDs hauptsächlich die Leistung, die ein Laufwerk unter verschiedenen Bedingungen an den Tag legt. Daher haben wir die neue Crucial BX300 mit 480 GB verschiedenen Tests unterzogen. Theoretische Benchmarks kitzeln das Maximum aus dem Laufwerk heraus, während praktisches Testdurchläufe eine Einschätzung der Laufwerksleistung unter alltäglichen Bedingungen erlauben. Als Vergleich haben wir die ADATA SU900 512 GBSamsung SSD 850 EVO 500 GB, die Samsung SSD 750 EVO 500 GB, die Crucial BX200 480 GB sowie die Crucial MX300 525 GB herangezogen.

Testsystem

  • Prozessor: Intel Core i7-6700K 4,0 GHz (Skylake), Turbo Boost aktiv, Hyperthreading aktiviert
  • Mainboard: Asus Maximus VIII Extreme
  • Kühler: Arctic Liquid Freezer 240
  • Ram: 16 GB G.Skill Ripjaws V DDR4 2.400 MHz CL 15-15-15-35
  • Systemlaufwerke: Intel SSD 750 420 GB & SanDisk Extreme Pro 480 GB
  • Grafikkarte: MSI Radeon R9 390X
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: be quiet Straight Power 1.000 Watt

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • HD Tune Pro 5.5
  • A.S. SSD Benchmark 1.9
  • ATTO Disk Benchmark 3.05
  • Futuremark PCMark 8
  • Adobe Reader
  • iTunes
  • WinRAR 5.1

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen unterhalb des Diagramms ausblenden.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Da jeder Benchmark gleich aufgebaut ist, bieten sie dennoch eine sehr gute Vergleichbarkeit der verschiedenen Laufwerke.

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.

ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von vier Kilobyte bis acht Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die abgebildeten Werte allerdings fast nie zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt. Das ATTO Disk Benchmark verwendet komprimierbare Daten, was vor allem SandForce Chipsätzen zu Gute kommt.

Crystal Disk Mark

Das Crystal Disk Mark ist ein weiteres beliebtes Tool, um die Transferleistung von Massenspeichern zu testen. Wir haben mit dem CDM erneut die sequenzielle Transferleistung überprüft.

HD Tune Pro

Die Software HD Tune Pro misst neben den schon erwähnten Parametern ebenfalls die Geschwindigkeit beim Zugriff auf verschiedene Dateigrößen. Dieser Test ist bei SSDs sehr interessant, da vor allem viele kleine Dateien (z.B. 4 KB Blöcke) einen schwachen Controller schnell aus der Bahn werfen. Die Transferraten brechen dann bis auf wenige KB/s ein und es kommt zu Verzögerungen beim Dateizugriff. Gemessen wurden die Blockgrößen 512 Byte, 4 KB, 64 KB, 1 MB sowie der zufällige Zugriff auf alle Arten von Blockgrößen.

Real Benchmarks

Wesentlich interessanter für die spätere Benutzung einer Solid State Disk als Systemlaufwerk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, überprüfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen. Dazu gehören beispielsweise Setup-Routinen, Virenscans oder das Öffnen mehrere Programme zum gleichen Zeitpunkt. Während dieser Testdurchläufe wurde das entsprechende Laufwerk als Systempartition verwendet, auf der Windows 10 Pro x64 lief.

Programm-Installationen

Wie die Überschrift schon wiedergibt, haben wir mehrere Setup-Routinen durchlaufen lassen und die dafür jeweils benötigte Zeit der SSD festgehalten. Als Software diente uns hierfür das PCMark 8, iTunes sowie der Adobe Reader.

Anwendungs-Tests

Bei den Anwendungs-Test wurde überprüft, wie schnell das getestete Laufwerk mit alltäglichen Aufgaben fertig wird. Als plastische Beispiele haben wir uns das Entpacken eines ISO-Images mit WinRar sowie das gleichzeitige Öffnen der Programme Avira, Firefox, itunes, PCMark 8 und Acrobat Reader herausgesucht.

 

Im Bereich der sequenziellen Lesezugriffe auf komprimierbare Daten kann sich die Crucial BX300 480 GB einen der vorderen Plätze unseres Vergleiches sichern. Auch im Schreibbetrieb liefert die SSD sehr gute Werte. Hier sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass bei aktuellen SSDs schon lange die SATA-Schnittstelle den Flaschenhals darstellt. Das gilt in 2017 selbst bei Einsteigerlaufwerken.
Beim sequenziellen Lesen und Schreiben nicht-komprimierbarer Daten zeigt sich ein ähnliches, sehr positives Bild. Das Crucial Laufwerk fügt sich nahtlos in unsere Messreihe anderer SSDs um die 500 GB ein. In beiden Fällen schlägt die BX300 480 GB die Vorgängerin BX200 (480 GB) sowie die MX300 mit 525 GB teils deutlich.

Crucial BX300 480 GB Frontansicht

Zufällige Zugriffe auf verschiedene Blockgrößen geschehen bei Blöcken größer 265 KB mit maximaler Geschwindigkeit. Im Bereich der 64-KB-Blöcke ist die Crucial BX300 etwas schwächer als die Vergleichslaufwerke. Die zufällige Schreibperformance hat sich im Gegensatz zur BX200 allgemein jedoch deutlich verbessert und liegt nun auf Konkurrenzniveau. Die Performance in alltäglichen Anwendung ist im Allgemeinen als sehr hoch zu bezeichnen.

Fazit

Auch die neue Crucial BX300 ist erneut ein Laufwerk, welches rein äußerlich und auf Basis der gelieferten Verarbeitungsqualität keinen Grund zur Beanstandung gibt. Der Lieferumfang ist mit 9,5-mm-Spacer und Acronis Cloning-Software vorbildlich. Die Leistung der BX300 mit 480 GB macht im Vergleich mit der BX200 noch einmal einen deutlichen Sprung. Vor allem bei Schreiboperationen kann die neue Version überzeugen. Interessant ist, dass auch die MX300 mit 525 GB in Teilen von der BX300 abgehängt wird. Generell betrachtet bietet die BX300 somit mehr als genug Leistungsreserven für den Einsatz in den allermeisten Computern. Auch bei schreibintensiven Anwendung müssen sich Käufer der BX300 mit 480 GB, dank der angegeben Lebenserwartung von 160 TB (total bytes written) eher keine Sorgen machen.
Preislich ist die BX300 mit 480 GB aktuell für knapp 150 Euro verfügbar. Das Schwestermodell MX300 mit 525 GB kostet derzeit nur 137 €. Die BX200 ist zwar ein wenig flotter, dafür kann die MX300 auf eine 256-Bit-AES-Verschlüsslung nach TCG Opal 2.0 zurückgreifen. Die direkte Konkurrentin Samsung SSD 850 EVO 500GB ist aktuell ab 151 € erhältlich und kostet somit ein wenig mehr. Dafür kommt das Samsung-Laufwerk mit 5 Jahren Garantie. Ebenfalls mit fünf Jahren Garantie, dafür aber aktuell deutlich teurer, platziert sich die ADATA Ultimate SU900 512GB für zurzeit 185 €.

ProContra
  • sequenzielle und zufällige Leseleistung
  • keine Verschlüsselung nach TCG Opal 2.0
  • Verarbeitung
 
  • 3D-NAND MLC-Speicher + SLC-Cache
 

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Nils Waldmann Nils Waldmann ...ist seit über 11 Jahren bei Allround-PC.com und als Redakteur und technischer Leiter tätig. In seiner Freizeit bastelt und konstruiert Nils gerne flugfähige Modelle.

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