Das Angebot an schnellen M.2-SSDs wird immer größer. Der Speicherspezialist ADATA präsentiert mit der neuen XPG Gammix S11 M.2-SSD sein aktuelles Flaggschiff, das wir für euch getestet haben.

Übersicht

Mit der XPG SX8000 brachte ADATA sein erstes PCIe-basiertes Laufwerk auf den Markt. Seitdem haben die Taiwaner ordentlich an ihrem SSD-Produktportfolio geschraubt und einige neue Produktfamilien ins Leben gerufen. Die XPG SX9000 ist die direkte Nachfolgerin der XPG SX8000. Darüber hinaus gibt es noch die XPG SX8200, welche jedoch höhere Leistung als die XPG SX9000 bereitstellt. Die neuste SSD-Serien von ADATA hören auf die Bezeichnung XPG Gammix S10 und XPG Gammix S11. Der Unterschied hier: Die S10 ist ein wenig „langsamer“ und mit NVMe 1.2 spezifiziert, die ADATA XPG Gammix S11, welche wir uns in diesem Test genauer ansehen wollen, kommt hingegen mit erhöhten Transferleistungen und dem NVMe 1.3 Standard daher.

Adata XPG Gammix S11 DraufsichtADATA verwendet einen roten Heatspreader, der sowohl der Optik, aber auch der Leistung dienen soll.

Angeboten wird die XPG Gammix S11 in drei verschiedenen Speicherkapazitäten mit 240 GB, 480 GB und 960 GB. Für unseren nachfolgenden Test stand uns das mittlere Modell mit 480 GB zur Verfügung. Da es sich bei der XPG Gammix Serie ausschließlich um SSD mit PCI-Express-Anbindung handelt, werden die Laufwerke auch nur in Form von M.2-Modulen in 2280er-Baugröße vertrieben.

Unter der Haube

Im Kern setzt die neue XPG Gammix S11 SSD auf einen Chipsatz von SMI, genauer gesagt auf den bekannten SM2262 Controller mit acht NAND-Kanälen. Die SSD kann außerdem auf einen DDR3-Cache zurückgreifen, der aus dem Hause Naya stammt. In Sachen NAND verwendet ADATA bei der neuen S11-Serie die zweite Generation an 3D-NAND (64 Layern) von Micron. Dieser wird im TLC-Verfahren angesprochen und bekommt daher einen SLC-Cache zur Seite gestellt. Die SSD kann damit einen Teil des NAND-Bereichs im SLC-Verfahren ansprechen, um größere Datenmengen, die auf das Laufwerk geschrieben werden, in einen schnellen Zwischenspeicher zu verschieben.

Adata XPG Gammix S11 SteckverbindungDie M.2-SSD setzt wie die meisten Laufwerke ihrer Art auf die 2280er-Bauform

Dieses ist nach wie vor nötig, da die TLC-Technologie aufgrund der höheren technischen Anforderungen an den Schreibmechanismus leistungsmäßig gegenüber MLC- oder SLC-Laufwerken das Nachsehen hat. SLC-Caching ist eine gängige Methode, dieses Manko – zumindest für die meisten Normalanwender – einzudämmen. Trotzdem gilt: Ist der SLC-Cache voll, so wird direkt im TLC-Verfahren auf den NAND zugegriffen und die Schreibleistung sinkt in der Regel ab.

Adata XPG Gammix S11 RueckseiteDer DDR3-Cache stammt aus dem Hause Naya. Beim Flash-Speicher setzt ADATA auf 3D-NAND von Micron.

Angebunden wir die XPG Gammix S11 SSD physisch über die M.2-Schnittstelle – es handelt sich um eine Modul in 2280er-Bauform. Intern verwendet die SSD das PCIe 3.1 Protokoll mit einer Bandbreite von 4 Lanes (x4). Somit kommt bei dieser SSD auch der NVMe-Standard in der Version 1.3 zum Einsatz. ADATA bewirbt die S10 und S11 Laufwerke außerdem mit einer abgesenkten Arbeitstemperatur, welche durch die Ergänzung des optisch auffallenden, roten Heatspreaders erreicht wird. Laut Herstellerangabe sollen die Temperaturen im Vergleich zu einem Laufwerk ohne Kühlkörper unter Last bis zu 10°C geringer ausfallen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die SSD bei Dauerlast ihre Leistung aufgrund zu hoher Temperaturen später oder im besten Fall gar nicht drosseln muss.

In Kürze

Im Folgenden haben wir für alle, die es eilig haben die wichtigsten Fakten über die ADATA XPG Gammix S11 zusammengefasst.

Die ADTA XPG Gammix S11….

  • verwendet den 3D-NAND der 2. Generation von Micron, welcher im TLC-Verfahren angesprochen wird.
  • setzt auf einen SMI SM2262 Controller mit DDR3-Cache von Naya.
  • wird über die M.2-Schnittstelle und PCIe 3.1 x4 angebunden.
  • nutzt als NVMe 1.3 Protokoll zur Datenübertragung mit dem Host.
  • verfügt über einen Heatspreader, der die Arbeitstemperatur senken soll.
  • ist in Kapazitäten von 240, 480 und 960 GB verfügbar.
  • hat im Falle des 480-GB-Modells eine Lebenserwartung von 320 TBW (Terabytes Written).
  • wird in Deutschland mit einer 5-jährigen Garantie ausgeliefert.

Leistungstest

Natürlich interessiert bei SSDs hauptsächlich die Leistung, die ein Laufwerk unter verschiedenen Bedingungen an den Tag legt. Daher haben wir die neue XPG Gammix S11 SSD verschiedenen Tests unterzogen. Theoretische Benchmarks kitzeln das Maximum aus dem Laufwerk heraus, während praktisches Testdurchläufe eine Einschätzung der Laufwerksleistung unter alltäglichen Bedingungen erlauben. Als Vergleich haben wir die Plextor M8Pe(G) 512 GB*, die Samsung SSD 960 EVO 512 GB* , die ADATA XPG SX8000 512 GB sowie die Kingston A1000 480 GB herangezogen.

Testsystem

  • Prozessor: Intel Core i7-8700K 3,7 GHz (Coffee Lake), Turbo Boost aktiv, Hyperthreading aktiviert
  • Mainboard: Asus ROG Maximus X Hero
  • Kühler: Noctua NH-U14S
  • RAM: GeiL Evo X 16 GB
  • Systemlaufwerk: Crucial BX300 (500 GB)
  • Grafikkarte: KFA2 GeForce GTX 1070 Ti EX
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: Thortech Thunderbolt 650 Watt

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • HD Tune Pro 5.7
  • A.S. SSD Benchmark 1.9
  • Crytsal Disk Mark 6 x64
  • ATTO Disk Benchmark 3.05
  • Futuremark PCMark 8
  • Adobe Reader
  • iTunes
  • WinRAR 5.1

*mit anderem Testystem (Intel Skylake) getestet. 

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen unterhalb des Diagramms ausblenden.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Da jeder Benchmark gleich aufgebaut ist, bieten sie dennoch eine sehr gute Vergleichbarkeit der verschiedenen Laufwerke.

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.

ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von vier Kilobyte bis acht Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die abgebildeten Werte allerdings fast nie zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt. Das ATTO Disk Benchmark verwendet komprimierbare Daten, was vor allem SandForce Chipsätzen zu Gute kommt.

 

Crystal Disk Mark

Das Crystal Disk Mark ist ein weiteres beliebtes Tool, um die Transferleistung von Massenspeichern zu testen. Wir haben mit dem CDM erneut die sequenzielle Transferleistung überprüft.

HD Tune Pro

Die Software HD Tune Pro misst neben den schon erwähnten Parametern ebenfalls die Geschwindigkeit beim Zugriff auf verschiedene Dateigrößen. Dieser Test ist bei SSDs sehr interessant, da vor allem viele kleine Dateien (z.B. 4 KB Blöcke) einen schwachen Controller schnell aus der Bahn werfen. Die Transferraten brechen dann bis auf wenige KB/s ein und es kommt zu Verzögerungen beim Dateizugriff. Gemessen wurden die Blockgrößen 512 Byte, 4 KB, 64 KB, 1 MB sowie der zufällige Zugriff auf alle Arten von Blockgrößen.

Real Benchmarks

Wesentlich interessanter für die spätere Benutzung einer Solid State Disk als Systemlaufwerk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, überprüfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen. Dazu gehören beispielsweise Setup-Routinen, Virenscans oder das Öffnen mehrere Programme zum gleichen Zeitpunkt. Während dieser Testdurchläufe wurde das entsprechende Laufwerk als Systempartition verwendet, auf der Windows 10 Pro x64 lief.

Programm-Installationen

Wie die Überschrift schon wiedergibt, haben wir mehrere Setup-Routinen durchlaufen lassen und die dafür jeweils benötigte Zeit der SSD festgehalten. Als Software diente uns hierfür das PCMark 8, iTunes sowie der Adobe Reader.

Anwendungs-Tests

Bei den Anwendungs-Tests wurde überprüft, wie schnell das getestete Laufwerk mit alltäglichen Aufgaben fertig wird. Als plastisches Beispiel haben wir uns das Öffnen der Programme Avira, Firefox, itunes, PCMark 8 und Acrobat Reader herausgesucht.

Bewertung der Ergebnisse

Betrachten wir zunächst die sequenzielle Transferleistung der XPG Gammix S11 mit 480 GB. Bei lesenden Zugriffen weist das Laufwerk eine sehr hohe Leistung auf, hier arbeitet die Gammix S11 auf Augenhöhe mit Samsungs SSD 960 EVO. Beim sequenziellen Schreiben ergibt sich ein identisches Bild, die Vorgängerin XPG SX8000 findet sich in dieser Disziplin weit hinter der XPG Gammix S11 wieder. Bei den sequenziellen Transfers mit nicht-komprimierbaren Daten zeigt die neue ADATA SSD eine konstant hohe Leseleistung, muss sich in der Spitze jedoch von dem in den Leseraten deutlich stärker schwankenden Samsung Laufwerk geschlagen geben. Die SX8000 hat nicht überraschend erneut das Nachsehen gegenüber der neuen S11 mit 480 GB. Im Schreibbetrieb kommt die XPG Gammix S11 auf die höchsten Durchschnittswerte, die Leistung der SSD fällt erst ganz zum Ende des Tests ab. Dieses bescheinigt dem SLC-Cache gutes Durchhaltevermögen und darf alle Anwender optimistisch stimmen, die oft große Mengen zusammenhängender Daten auf die SSD kopieren wollen.

ADATA XPG Gammix S11 Thermalcam TemperaturenUnter Volllast haben wir im Betrieb eine maximale Temperatur von 55 °C ermittelt.

Die Zugriffe auf unterschiedliche Blockgrößen werden im Allgemeinen sehr schnell erledigt. Im Lesebetrieb kann die XPG Gammix S11 die Samsung SSD 960 EVO vor allem bei den größeren Blöcken teils sehr deutlich überholen. Beim Schreiben ordnet sich die S11 zwischen SX8000 und der SSD 960 EVO ein. Der Vorsprung zur SX8000 ist hier mitunter als groß zu bezeichnen.

Adata XPG Gammix S11 HeatspreaderDer Heatspreader soll auch bei großen Dateitransfers für hohe Transferdaten sorgen und einer Drosselung vorbeugen.

Die Alltags- und Installationstests ergeben keine Überraschungen. Die S11 arbeitet auch in dieser Disziplin erwartet schnell und erzielt gute Werte. Im Endeffekt sind aktuelle NVMe-SSDs aber ohne hin so schnell, dass es in diesen Tests selten wirkliche Spitzenmesswerte zu berichten gibt.

Fazit

Mit der neuen XPG Gammix S11 SSD-Serie liefert ADATA ein ordentliches NVMe-Laufwerk ab, das dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Die Verarbeitung ist als sehr gut zu bezeichnen und der rote Heatspreader gefällt uns optisch. Verschwindet die SSD aber in einem geschlossenen Gehäuse oder Notebooks, ist das natürlich zweitrangig.

In den Leistungstest überzeugt unser Testmodell der XPG Gammix S11 mit soliden Werten, sowohl im Lese- als auch im Schreibbetrieb. Insofern ist ADATA mit der S11 das deutlich bessere Laufwerk gelungen, wenn wir uns an die eher durchwachsenden Ergebnisse der SX8000 zurückerinnern. Aus Leistungssicht ist die XPG Gammix S11 mit 480 GB daher zu empfehlen.

Bleibt am Ende noch die Betrachtung des aktuellen Preises. Hier wechselt die 480-GB-Variante der ADATA XPG Gammix S11 aktuell für knapp 125 Euro den Besitzer. Wer es ein wenig günstiger möchte und auf den Heatspreader verzichten kann, bekommt mit der ADATA XPG SX8200 480GB jedoch beinahe identische Leistung angeboten. Da sich der Preisunterschied aktuell jedoch auf wenige Euro beläuft, raten wir zum Kauf der S11. Die Konkurrenz der Samsung SSD 960 EVO mit 500 GB gibt es zurzeit für knapp 150 Euro – hier ist die S11 preislich im Vorteil. Für Kingstons A1000 SSD mit 480 GB werden aktuell nur 104 Euro fällig, das Laufwerk agiert tendenziell aber langsamer als die ADATA S11.

ProContra
  • sequenzielle Leseleistung
  • Heatspreader erhöht die Bauhöhe des M.2-Moduls
  • Verarbeitung
 
  • 3D-NAND TLC-Speicher und Controller werden passiv gekühlt
 
  • 5 Jahre Garantie
 
  • gutes SLC-Caching
 

 


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