Bisher wurden SSD-Vergleichstests durch reine Leistung entschieden. Mit der HyperX Fury RGB SSD will Kingston das ändern. Die Fury RGB SSD ist das erste Solid State Drive mit RGB-Beleuchtung. Wir haben für euch den Test gemacht.

Überblick

Wer auf der Suche nach einer SSD im 2,5-Zoll-Format ist, hat aktuell die Qual der Wahl – der Markt könnte kaum unübersichtlicher sein. Das gilt jedoch nur für Käufer, denen der Look des neuen Massenspeichers auf Flashbasis egal ist. Interessenten, die eine SSD mit bunter LED-Beleuchtung suchen, haben hingegen keine Wahl: die neue HyperX Fury RGB SSD ist das erste und bisher einzige Laufwerk mit integrierter RED-Beleuchtung. Ob das sinnvoll ist, steht gar nicht zur Debatte. Das wäre auch unfair zu diskutieren, denn wenn wir ehrlich sind: SSDs müssen genau so wenig blinken und leuchten, wie Mainboards, Grafikkarten und Netzteile. Cool ist es trotzdem.HyperX Fury RGB SSD 480 GB - Oberseite

Angeboten wird die neue HyperX Fury RGB SSD in Form eines 2,5-Zoll-Laufwerks mit Speicherkapazitäten von 240, 480 und 960 GB. Wir haben uns das Modell mit einer Speicherkapazität von 480 GB genauer angesehen.

Es werde Licht!

Das in mattgrau gehaltene Kunststoffgehäuse der HyperX Fury RGB SSD besitzt auf der Oberseite ein großes schwarzes X, in dessen Mitte in Mesh-Optik das HyperX-Logo prangt. Ober- und unterhalb davon sind zwei Schlitze – ebenfalls in Mesh-Optik – eingelassen. Alle diese Mesh-Elemente sind mit insgesamt 75 LEDs hinterlegt, die in jeder beliebigen Farbe leuchten können.HyperX Fury RGB SSD 480 GB - Rote Beleuchtung
Damit die SSD weiß, in welcher Farbe und welchem Leuchtmuster die LEDs angesteuert werden sollen, besitzt das Laufwerk einen zusätzlichen USB-Anschluss. Über das beigelegte Kabel wird die SSD zusätzlich über USB mit dem Mainboard des Rechners verbunden. Die Steuerung der RGB-LEDs erfolgt dann ebenfalls über die LED-Steuersoftware der Hauptplatine. Aktuell ist die die HyperX Fury RGB SSD in Sachen LED-Ansteuerung mit ASUS Aura Sync, Gigabyte RGB Fusion, MSI Mystic Light Sync und mit der RGB-Lösung von Asrock kompatibel.

Unter der Haube

Abseits der RGB-Beleuchtung hat die HyperX Fury RGB LED natürlich noch die gesamte SSD-Technik mit an Bord. Hier setzt Kingston als Basis auf einen Controller des Typs Marvell 88SS1074. Als NAND kommen Flashbausteine mit 3D-Struktur zum Einsatz, die im TLC-Verfahren angesprochen werden. Über eine explizite SLC-Caching-Lösung zur Beschleunigung von Schreibvorgängen in den TLC-NAND, lässt Kingston hingegen nichts verlauten. Wir gehen davon aus, dass die Fury RGB SSD mit 480 GB, genau wie die Kingston UV500 SSD, einen SLC-Cache von knapp 7 GB verwendet. Angebunden wird die HyperX Fury RGB SSD über die SATA 6 GBit/s-Schnittstelle, eine PCIe-Version des Laufwerks gibt es aufgrund des LED-Konzeptes nicht zu kaufen.

In Kürze

Für alle Fans der kurzen Sätze, hier alle wichtigen Informationen zur HyperX Fury RGB SSD zusammengefasst.

Die HyperX Fury RGB SSD…

  • … gibt es in drei Kapazitätsversionen mit 240, 480 und 960 GB zu kaufen.
  • … besitzt integrierte RGB-LEDs zur Synchronisierung mit anderen beleuchteten Komponenten des Rechners.
  • … ist ein Laufwerk im 2,5-Zoll-Format mit SATA 6 GBit/s-Anbindung
  • .… wird über das AHCI-Protokoll angesprochen.
  • … legt die Daten in dem im TLC-Verfahren angesprochenen 3D NAND ab.
  • … basiert auf dem Marvell 88SS1074 Controller.
  • … wird in Deutschland mit einer dreijährigen Garantie vertrieben.

Leistungstest

Natürlich interessiert bei SSDs weiterhin hauptsächlich die Leistung, die ein Laufwerk unter verschiedenen Bedingungen an den Tag legt. Daher haben wir die HyperX Fury RGB SSD mit 480 GB verschiedenen Tests unterzogen. Theoretische Benchmarks kitzeln das Maximum aus dem Laufwerk heraus, während praktisches Testdurchläufe eine Einschätzung der Laufwerksleistung unter alltäglichen Bedingungen erlauben. Als Vergleich haben wir die Samsung SSD 860 EVO 1 TB, die Crucial MX500 500 GB sowie die Kingston UV500 480 GB herangezogen.

Testsystem

  • Prozessor: Intel Core i7-8700K 3,7 GHz (Coffee Lake), Turbo Boost aktiv, Hyperthreading aktiviert
  • Mainboard: Asus ROG Maximus X Hero
  • Kühler: Noctua NH-U14S
  • RAM: GeiL Evo X 16 GB
  • Systemlaufwerk: Samsung 970 EVO 2TB (Firmware 1B2QEXE7)
  • Grafikkarte: KFA2 GeForce GTX 1070 Ti EX
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: Thortech Thunderbolt 650 Watt

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • HD Tune Pro 5.7
  • A.S. SSD Benchmark 1.9
  • Crytsal Disk Mark 6 x64
  • ATTO Disk Benchmark 3.05
  • Futuremark PCMark 8
  • Adobe Reader
  • iTunes
  • WinRAR 5.1

*mit anderem Testystem (Intel Skylake) getestet. 

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen unterhalb des Diagramms ausblenden.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Da jeder Benchmark gleich aufgebaut ist, bieten sie dennoch eine sehr gute Vergleichbarkeit der verschiedenen Laufwerke.

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.

ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von vier Kilobyte bis acht Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die abgebildeten Werte allerdings fast nie zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt. Das ATTO Disk Benchmark verwendet komprimierbare Daten, was vor allem SandForce Chipsätzen zu Gute kommt.

 

HD Tune Pro

Die Software HD Tune Pro misst neben den schon erwähnten Parametern ebenfalls die Geschwindigkeit beim Zugriff auf verschiedene Dateigrößen. Dieser Test ist bei SSDs sehr interessant, da vor allem viele kleine Dateien (z.B. 4 KB Blöcke) einen schwachen Controller schnell aus der Bahn werfen. Die Transferraten brechen dann bis auf wenige KB/s ein und es kommt zu Verzögerungen beim Dateizugriff. Gemessen wurden die Blockgrößen 512 Byte, 4 KB, 64 KB, 1 MB sowie der zufällige Zugriff auf alle Arten von Blockgrößen.

Real Benchmarks

Wesentlich interessanter für die spätere Benutzung einer Solid State Disk als Systemlaufwerk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, überprüfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen. Dazu gehören beispielsweise Setup-Routinen, Virenscans oder das Öffnen mehrere Programme zum gleichen Zeitpunkt. Während dieser Testdurchläufe wurde das entsprechende Laufwerk als Systempartition verwendet, auf der Windows 10 Pro x64 lief.

Programm-Installationen

Wie die Überschrift schon wiedergibt, haben wir mehrere Setup-Routinen durchlaufen lassen und die dafür jeweils benötigte Zeit der SSD festgehalten. Als Software diente uns hierfür das PCMark 8, iTunes sowie der Adobe Reader.

Anwendungs-Tests

Bei den Anwendungs-Tests wurde überprüft, wie schnell das getestete Laufwerk mit alltäglichen Aufgaben fertig wird. Als plastisches Beispiel haben wir uns das Öffnen der Programme Avira, Firefox, itunes, PCMark 8 und Acrobat Reader herausgesucht.

Bewertung der Ergebnisse

Der Blick auf die gemessenen Benchmark-Ergebnisse zeigt direkt: In Sachen sequenzielle Transferleistung macht die HyperX Fury RGB SSD eine gute Figur - auch wenn die Laufwerke der Konkurrenz in der Regel ein wenig schneller unterwegs sind. Besonders schwer hat es das HyperX Laufwerk hingegen, wenn es um schreibende sequenzielle Transfers von nicht-komprimierbare Daten geht. Der fehlende DRAM-Cache macht sich deutlich bemerkbar, die Schreibleistung rutscht hier zeitweise auf knapp 100 MB/s ab, da der Controller direkt in den TLC-NAND schreiben muss. Im Schnitt erreicht das Laufwerk in dieser Disziplin mittelmäßige 165 MB/s, während die Konkurrenz von Crucial und Samsung mit 350 - 430 MB/s arbeitet. 

Bei den zufälligen Zugriffen gibt es hingegen nichts auszusetzen. Die  HyperX Fury RGB SSD (480 GB) geht hier sehr zügig ans Werk und liegt auf einer Höhe mit den anderen Laufwerken im Leistungsvergleich. Selbiges gilt für unsere Alltagstests.

Doch lieber ohne Lämpchen?

Der technisch visierte Leser wird schon in der Einleitung gemerkt haben: Zusätzliche LEDs haben nicht nur Vorteile. Zum einen nimmt die SSD logischerweise mehr Leistung auf, als ein herkömmliches Laufwerk ohne Beleuchtung. Zudem geben die LEDs natürlich zusätzlich Wärme an das Gehäuse ab, was dafür sorgt, dass alle Komponenten der SSD mit höheren Temperaturen arbeiten. Im Falle der HyperX Fury RGB SSD führt das zu einem Verhalten, das wir ansonsten nur bei Highend NVMe-SSDs beobachtet haben: Der Controller scheint aufgrund der hohen Arbeitstemperatur die Leistung zu drosseln, um die Komponenten vor einem Defekt zu schützen. HyperX Fury RGB SSD 480 GB - SeitenansichtDie HyperX Fury RGB hat besonders spürbar (bzw. messbar) mit diesem Problem zu kämpfen, wenn sehr helle und konstante Leuchtmuster genutzt werden, während das Laufwerk stark ausgelastet wird. An dieser Stelle ist natürlich die Frage berechtigt, ob die Beleuchtung einer SSD für den Käufer eine höhere Priorität einnimmt, als die eigentliche Leistung des Laufwerks. Vereinzelt wird es diese Zielgruppe sicherlich geben, ob Kingston sich im Allgemeinen mit dieser Lösung jedoch einen Gefallen getan hat, ist eher in Frage zu stellen. Daher ein Verbesserungsvorschlag: Anstatt der SSD den Wind aus den Segeln zu nehmen und die LEDs lustig weiterleuchten zu lassen, wäre es doch zu überlegen, ob bei drohender Erreichung der kritischen Betriebstemperatur anstatt dessen nicht lieber die LEDs gedimmt oder ausgeschaltet werden sollten.

Fazit

Mit der HyperX Fury RGB SSD hat Kingston mit Sicherheit eine noch unbesetzte Nische im hart umkämpften SSD-Markt ausgemacht. Ob das ausgewählte Unterscheidungsmerkmal der zusätzlich hinzugefügten RGB-Beleuchtung reicht, um Käufer zu gewinnen, wird die Zeit zeigen. In Bezug auf die RGB-Beleuchtung ist die Integration in bestehende Steuerungssysteme der Mainboardhersteller zu begrüßen, eine eigene Lösung hätte Kunden nur verwirrt. Dank der zusätzlichen USB-Schnittstelle des Laufwerks, hat Kingston die RGB-LEDs außerdem vollständig vom Datenspeicher entkoppelt – so sollte es keine bösen Überraschungen in Bezug auf die Datensicherheit geben.
Die allgemeine Leistung des Laufwerks ist als gut zu bezeichnen. Durch den Verzicht auf eine DDR4-Caching-Lösung sind Schreibzugriffe jedoch im Durchschnitt langsamer als bei der Konkurrenz. Mit oder ohne Temperaturdrosselung - die HyperX Fury RGB SSD stellt keine neuen Rekorde auf, arbeitet insgesamt aber trotzdem zügig. Wer sich den RGB-LED-Spaß also nicht nehmen lassen will, kann im Bewusstsein der oben genannten Punkte zugreifen.
Preislich müssen Fans der bunten Lichter bereit sein einen Aufpreis zu zahlen. Die HyperX Fury RGB SSD mit 480 GB kostet zurzeit knapp 120 Euro. Die schnellere Crucial MX500 (500 GB) gibt es hingegen bereits ab 76 Euro mit zwei Jahre längerer Garantie. Die Kingston SSDNow UV500 480GB ist ein direkter Konkurrent aus dem eigenen Hause, der relativ ähnliche Leistung im Vergleich mit der RGB-SSD für aktuell knapp 85 Euro bringt - natürlich ohne LED-Beleuchtung.

Pro

  • integrierte, steuerbare RGB-LEDs
  • cooles Design
  • gute Verarbeitung
  • gute Lese-Performance

Contra

  • Leistungsreduzierung durch LED-Abwärme möglich
  • mittelmäßige Schreibleistung (kein DDR4-Caching)

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