Mit der neuen XPG Gammix S11 Pro SSD bringt ADATA sein SSD-Portfolio auf den neusten Stand der Technik. Das Laufwerk ist der direkte Nachfolger der schnellen XPG Gammix S11 NVMe-SSD. Wir haben den Test gemacht.

Überblick

Das aktuelle ADATA SSD-Portfolio ist für das ungeübte Auge zugegebenermaßen etwas undurchsichtig. Um die neuen XPG Gammix S11 Pro besser einordnen zu können, wollen wir die anderen Modelle des Herstellers kurz in eine Reihenfolge bringen.

Die Basis bildet derzeit die Ultimate SU800 Serie mit AHCI-Anbindung. Das mittlere Leistungssegment im NVMe-Bereich wird von der SX6000 Lite und der Gammix S5 abgedeckt. Darüber positioniert ADATA die SX6000 Pro SSD, welche wir ebenfalls bereits für euch getestet haben. Im oberen Highend-Bereich tummeln sich weiter zwei SSDs: die SX8200 Pro und die neue Gammix S11 Pro.

Beide Laufwerke weisen beinahe identische Leistungsdaten auf und basieren auf denselben Komponenten. Der größte sichtbare Unterschied zwischen der SX8200 Pro und der Gammix S11 Pro ist der große rote Kühlkörper der Gammix SSD.

Die SX8200 Pro wird im Gegensatz zur neuen Gammix S11 Pro auch als 2-TB-Variante angeboten. Die XPG Gammix S11 Pro vertreibt ADATA derzeit hingegen nur mit 256 GB, 512 GB oder 1 TB Speicherkapazität pro Solid State Module (SSM). In diesem Artikel betrachten wir das größte Modell mit 1 TB.

Unter der Haube

Technisch hat ADATA die neue Gammix S11 Pro auf den aktuellsten Stand der SSD-Technik gebracht und legt somit potenziell die Grundlage für ein schnelles Highend-Laufwerk.

Als Controller kommt ein Silicon Motion SM2262EN zum Einsatz, der über acht Kanäle zur Anbindung des NANDs verfügt. Dabei handelt es sich um einen schnellen Chip der oberen SSD-Controller-Klasse mit vier dedizierten ARM Cortex-R5 Kernen. Die SSD kann zudem auf einen schnellen DDR3-Cache zurückgreifen, der von Nanya stammt und 256 MB groß ist.

In Sachen NAND setzt ADATA, wie auch bei der Gammix S11 Non-Pro, auf Flashspeicher von Micron / IMFT. In der neuen Gammix S11 Pro findet der aktuelle 64-Layer 3D-NAND Verwendung. Angesprochen werden die Speicherzellen im TLC-Verfahren.

Aufgrund dieser Tatsache hat ADATA außerdem eine SLC-Caching-Lösung implementiert. Diese unterstützt die sequenzielle Performance des Laufwerkes, wenn Daten in den NAND geschrieben werden müssen. Für ein gut konzipiertes TLC-Laufwerk gehört sowohl der DRAM-Cache als auch der SLC-Cache zur Standardausstattung.

Darüber hinaus bietet die XPG Gammix S11 Pro eine vollständige Verschlüsselung der Daten sowie eine Implementierung der LDPC- (Low Density Parity Check) Fehlerkorrekturcode-Technologie.

Angebunden wird die M.2-SSD mit NVMe 1.3 über die PCIe 3.0 x4 Schnittstelle und findet in einem M.2-2280-Slot Platz.

Zu erwähnen ist noch der feuerrote Heatspreader des Laufwerkes, der die Gesamthöhe der SSD auf 6,1 mm anschwellen lässt. Die beinahe baugleiche SX8200 Pro ohne Kühlkörper kommt lediglich auf eine Bauhöhe von 3,5 mm. Der Kühlkörper soll die Temperatur unter Last um bis zu 10 Grad senken und somit frühzeitiges Throttling des Controllers verhindern. Für Nutzer, die die SSD in mobilen Geräten einbauen wollen, kann der Heatspreader aufgrund der Höhe zum Dealbreaker werden: Daher unbedingt vorher das Platzangebot eures Notebooks checken.

In Kürze

Du hast es eilig und brauchst nur die nackten Fakten? Die folgende Liste fasst alle wichtigen Infos zur neuen XPG Gammix S11 Pro SSD für dich zusammen.

Die ADATA XPG Gammix S11 Pro…

  • … setzt auf einen pfeilschnellen Silicon Motion SM2262EN mit zusätzlichem DRAM-Cache.
  • … kommt in den Kapazitätsstufen 256 GB, 512 GB und 1 TB daher.
  • … speichert die Daten auf der neusten Generation von IMFT-NAND, der im TLC-Verfahren angesprochen wird.
  • … wird über die PCIe 3.0 x4 Schnittstellen angebunden und via NVMe 1.3 angesprochen.
  • … besitzt einen Kühlkörper, der längere Dauerlastphasen ohne Drosselung erlaubt.
  • … verfügt über LDPC-Fehlerkorrektur und Vollverschlüsselung auf Hardwarebasis.
  • … wird mit fünf Jahren Garantie vertrieben.
  • … soll eine Lebenserwartung von 640 TB TBW aufweisen (1-TB-Modell).

Leistungstest

Natürlich interessiert bei SSDs hauptsächlich die Leistung, die ein Laufwerk unter verschiedenen Bedingungen an den Tag legt. Daher haben wir die neue ADATA XPG Gammix S11 Pro mit 1 TB verschiedenen Tests unterzogen. Theoretische Benchmarks kitzeln das Maximum aus dem Laufwerk heraus, während praktisches Testdurchläufe eine Einschätzung der Laufwerksleistung unter alltäglichen Bedingungen erlauben. Als Vergleich haben wir die ADATA XPG SX6000 PRO SSD 512 GB, die Intel SSD 760p Series 512 GB, die WD Black SN750 NVMe SSD 1 TB, die Samsung SSD 970 EVO Plus 1 TB sowie die ADATA XPG Gammix S11 mit 480 GB herangezogen.

Testsystem

  • Prozessor: Intel Core i7-8700K 3,7 GHz (Coffee Lake), Turbo Boost aktiv, Hyperthreading aktiviert
  • Mainboard: Asus ROG Maximus X Hero
  • Kühler: Noctua NH-U14S
  • RAM: GeiL EVO X 16 GB
  • Systemlaufwerk: Crucial BX300 (500 GB)
  • Grafikkarte: KFA2 GeForce GTX 1070 Ti EX
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: Thortech Thunderbolt 650 Watt

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • HD Tune PRO 5.7
  • A.S. SSD Benchmark 1.9
  • Crytsal Disk Mark 6 x64
  • ATTO Disk Benchmark 3.05
  • Futuremark PCMark 8
  • Adobe Reader
  • iTunes
  • WinRAR 5.1

*mit anderem Testystem (Intel Skylake) getestet. 

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen unterhalb des Diagramms ausblenden.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Da jeder Benchmark gleich aufgebaut ist, bieten sie dennoch eine sehr gute Vergleichbarkeit der verschiedenen Laufwerke.

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.

ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von vier Kilobyte bis acht Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die abgebildeten Werte allerdings fast nie zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt. Das ATTO Disk Benchmark verwendet komprimierbare Daten, was vor allem SandForce Chipsätzen zu Gute kommt.

Crystal Disk Mark

Das Crystal Disk Mark ist ein weiteres beliebtes Tool, um die Transferleistung von Massenspeichern zu testen. Wir haben mit dem CDM erneut die sequenzielle Transferleistung überprüft.

HD Tune PRO

Die Software HD Tune PRO misst neben den schon erwähnten Parametern ebenfalls die Geschwindigkeit beim Zugriff auf verschiedene Dateigrößen. Dieser Test ist bei SSDs sehr interessant, da vor allem viele kleine Dateien (z.B. 4 KB Blöcke) einen schwachen Controller schnell aus der Bahn werfen. Die Transferraten brechen dann bis auf wenige KB/s ein und es kommt zu Verzögerungen beim Dateizugriff. Gemessen wurden die Blockgrößen 512 Byte, 4 KB, 64 KB, 1 MB sowie der zufällige Zugriff auf alle Arten von Blockgrößen.

Real Benchmarks

Wesentlich interessanter für die spätere Benutzung einer Solid State Disk als Systemlaufwerk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, überprüfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen. Dazu gehören beispielsweise Setup-Routinen, Virenscans oder das Öffnen mehrere Programme zum gleichen Zeitpunkt. Während dieser Testdurchläufe wurde das entsprechende Laufwerk als Systempartition verwendet, auf der Windows 10 PRO x64 lief.

Programm-Installationen

Wie die Überschrift schon wiedergibt, haben wir mehrere Setup-Routinen durchlaufen lassen und die dafür jeweils benötigte Zeit der SSD festgehalten. Als Software diente uns hierfür das PCMark 8, iTunes sowie der Adobe Reader.

Anwendungs-Tests

Bei den Anwendungs-Tests wurde überprüft, wie schnell das getestete Laufwerk mit alltäglichen Aufgaben fertig wird. Als plastisches Beispiel haben wir uns das Öffnen der Programme Avira, Firefox, itunes, PCMark 8 und Acrobat Reader herausgesucht.

Bewertung der Ergebnisse

Werfen wir abschließend noch einen Blick auf die Ergebnisse unseres Leistungstests.

Wie immer beginnen wir mit den sequenziellen Zugriffen. Hier findet sich die neue XPG Gammix S11 Pro 1TB beim sequenziellen Lesen von Daten an der Spitze unseres Vergleichs wieder und liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Samsungs ebenfalls noch jungen SSD 970 EVO Plus SSD (1 TB). Auch bei den sequenziellen Schreibvorgänge ist das ADATA Laufwerk sehr schnell unterwegs, kommt jedoch nicht ganz an die Konkurrenz von Samsung heran.

Beim sequenziellen Schreiben von nicht-komprimierbaren Daten ergibt sich ein ähnliches Bild. Die Gammix S11 Pro gehört zu den schnellsten SSDs und schlägt im Mittel sogar die SSD 970 EVO Plus von Samsung.

Bei den zufälligen Zugriffen auf unterschiedlich große Blöcke ist das ADATA Laufwerk ebenfalls ganz vorne dabei und duelliert sich mit der neuen WD Black SN750 NVMe SSD (1TB) und der Samsung SSD 970 EVO Plus (1TB). In dieser Disziplin – sowohl schreibend als auch lesend – nehmen sich alle drei Highend-SSDs nicht viel. Die Spitze führt jedoch die Samsung SSD mit einem geringen, aber konstanten Vorsprung an.

Bei den praktischen Anwendungstest ergeben sich keine Überraschungen: Die ADATA XPG Gammix S11 Pro (1TB) erledigt alle Aufgaben in sehr kurzer Zeit. Hier können wir nur erneut darauf hinweisen, dass moderne NVMe-SSDs für alltägliche Arbeiten des Ottonormalverbrauchers eigentlich keine großen Vorteile in Bezug auf die Geschwindigkeit gegenüber schnellen SATA-/AHCI-SSDs bieten. Alle Software-Starts geschehen beinahe augenblicklich und das Arbeiten unter Windows 10 Pro ist flüssig. Die ADATA XPG Gammix S11 Pro macht hier keine Ausnahme.

Fazit

Die neue XPG Gammix S11 Pro SSD von ADATA macht insgesamt einen sehr guten Eindruck in unserem Test.

Der neue Silicon Motion Controller in Kombination mit schnellem DRAM-Caching und der aktuellen IMFT-NAND-Generation klingen nicht nur auf dem Papier gut. Unser Test bescheinigt der Gammix S11 Pro mit 1 TB Kapazität sehr hohe Leistung in allen wichtigen Disziplinen. ADATA muss sich mit der neuen Pro-Variante der S11 daher keinesfalls vor der Konkurrenz aus dem Hause Samsung oder Western Digital verstecken.

Der rote Heatspreader der SSD sorgt im Allgemeinen für Temperaturen, die sich im grünen Bereich bewegen. Lediglich die deutlich größere Höhe des Laufwerks sollten Käufer im Auge behalten. Das gilt nicht nur für einen geplanten Einsatz im Notebook. Auch wenn das Mainboard beispielsweise schon einen Kühlkörper für M.2-Module vorsieht, wird die Gammix S11 Pro SSD wahrscheinlich nicht hineinpassen.

Preislich wechselt das M.2-SSM mit 1 TB aktuell für knapp 178 Euro, die 512 GB Version kostet derzeit knapp 100 Euro den Besitzer. Die ADATA SX8200 Pro 1 TB ist für circa 170 Euro erhältlich – hier verzichtet der Käufer auf den Heatspreader, bekommt ansonsten aber ein weitgehend identisches Laufwerk. Die Samsung SSD 970 EVO Plus mit 1 TB ist mit 220 Euro merklich teurer. Auch die Western Digital WD Black SN750 NVMe SSD mit 1TB Speicherkapazität gibt es erst ab 233 Euro zu kaufen.

ADATA hat die XPG Gammix S11 Pro 1 TB daher preislich sehr attraktiv am Markt platziert.

Pro

  • sehr hohe Gesamtleistung
  • schicker Heatspreader
  • NVMe 1.3
  • 5 Jahre Garantie
  • attraktiver Preis

Contra

  • Heatspreader sorgt für große Gesamthöhe des Moduls

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