Die neue Crucial P5 SSD ist das neue Topmodell aus dem Hause Micron. Wir haben uns das Solid State Drive mit PCIe 3.0 Anbindung und TLC-NAND genauer für euch angesehen.

Überblick

Unter dem Brand Crucial baut und vertreibt der Chiphersteller Micron seine eigenen SSD-Produkte. Bereits seit Jahren sind Crucial SSDs für ein besonders attraktives Preis-Leistungsverhältnis bekannt.

Aktuell unterteilt sich das M.2-Portfolio von Crucial für Endkunden in drei Produktfamilien. Den Budget-Bereich deckt die Crucial P1 SSD ab. Die Crucial P2 soll aktuell den Spagat zwischen Leistung und Preis schaffen. An der Spitze ist seit Kurzem die neue Crucial P5 SSD angesiedelt, um die es in diesem Artikel gehen soll.

Angeboten wird das P5 Solid State Module von Crucial erneut in vier Kapazitätsvarianten von 250 GB, 500 GB, 1 TB und 2 TB. Die Crucial P2 SSD kam lediglich als 250-GB- und 500-GB-Modell auf den Markt. Insofern ist es gut zu sehen, dass Crucial mit der P5 wieder größere Kapazitätsstufen anbietet.

Für unseren Testbericht haben wir im Übrigen die 1-TB-Variante* verwendet.

Was steckt drin?

Die neue Crucial P5 SSD setzt natürlich auf Flashspeicher aus dem Hause Micron. Hier kommt die aktuellste 3D-NAND-Version zum Einsatz, die mit 96 Layer gefertigt wird. Ein NAND-Baustein hat so bereits eine Bruttokapazität von 512 GB. Damit ist selbst das 2-TB-Modell als Single-Sided-Module ausgeführt und somit schön flach.

Als Controller wird ebenfalls eine Eigenentwicklung von Micron verwendet, der auf die Bezeichnung DM01B2 hört. Dabei handelt es sich um einen Chipsatz, der acht Kanäle für die Anbindung von NAND-Chips zur Verfügung stellt.

Auch der zusätzlich verfügbare 1GB Micron LPDDR4 DRAM-Cache kommt direkt von Micron. Somit stellt Micron alle relevanten Bauteile für die Crucial P5 SSD bereit. So ein „Alles-Aus-Einer-Hand-Paket“ gab es in der Vergangenheit bisher eigentlich nur bei einigen SSD-Modellen von Samsung.

Angebunden wird das Laufwerk physikalisch über die M.2-Schnittstelle. Zum Datenaustausch wird PCIe 3.0 x4 verwendet. Als Protokoll setzt die P5 auf NVMe in der Version 1.3. Mit immer mehr neuen PCIe 4.0 SSDs auf dem Markt, ist die Crucial P5 SSD somit eine letzte Verfechterin der eigentlich schon abgelösten PCIe 3.0 SSD-Generation.

Die Lebenserwartung (TBW) gibt Crucial für die 1-TB-Variante mit bis zu 600 TB an. Die Herstellergarantie beträgt für dieses Laufwerk 5 Jahre.

In aller Kürze

Wie gewohnt, hier in aller Kompaktheit die wichtigsten Details, die es über die neue Crucial P5 SSD zu wissen gibt:

Die Crucial P5 SSD…

  • …ist Crucials neues Highend-Laufwerk mit deutlich über 3 GB/s beim Lesen.
  • …arbeitet mit einem Micron Controller und 1 GB DRAM-Cache.
  • …setzt auf Micron 3D-NAND mit 96 Layern und verwendet das TLC-Verfahren.
  • …ist ein Single-Sided-Module ohne Kühlkörper für den M.2-Slot.
  • …wird über PCIe 3.0 x4 mit NVMe 1.3 angebunden.
  • …ist mit 250 GB, 500 GB, 1 TB und 2 TB verfügbar.
  • …hat eine Lebenserwartung (TBW) von 600 TB für die 1-TB-Version.
  • …wird mit 5 Jahren Garantie ausgeliefert.

Leistungstest

Im Fokus dieses Artikels steht natürlich hauptsächlich die Leistung, die ein Laufwerk unter verschiedenen Bedingungen an den Tag legt. Daher haben wir die neue Crucial P5 SSD mit 1 TB verschiedenen Tests unterzogen.

Theoretische Benchmarks kitzeln das Maximum aus dem Laufwerk heraus, während praktisches Testdurchläufe eine Einschätzung der Laufwerksleistung unter alltäglichen Bedingungen erlauben.

Folgende Laufwerke wurden für den Vergleich herangezogen:

Testsystem

  • Prozessor: AMD Ryzen 5 3600 3,6 GHz, Turbo Boost aktiv, SMT aktiviert
  • Mainboard: MSI MEG X570 Godlike
  • Kühler: Arctic Freezer 33 eSports One
  • RAM: 16 GB Patriot Viper Steel Series DDR4 4.000 MHz
  • Systemlaufwerk: Samsung SSD 970 Pro (500 GB)
  • Grafikkarte: KFA2 GeForce RTX 2080 EX
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: Enermax Platimax D.F. 600W

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • A.S. SSD Benchmark 2
  • Crytsal Disk Mark 7 x64
  • ATTO Disk Benchmark 3.05

*mit anderem Testystem (Intel Skylake) getestet.

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen in der Legende unterhalb des Diagramms ausblenden.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Der Vorteil von synthetischen Benchmark ist ihre genaue Reproduzierbarkeit. Die Ergebnisse lassen sich somit besonders gut zwischen verschiedenen Laufwerken vergleichen

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.




ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von 4 Kilobyte bis 2 Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die ermittelten Werte allerdings nur selten zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt.







Crystal Disk Mark

Der Crystal Disk Mark (CDM) ist ein weiteres Benchmark-Tool, welches die Performance von SSDs analysieren kann. Hier werden unterschiedliche Tests durchgeführt, deren Ergebnisse ähnlich wie beim A.S. SSD Benchmark aus jeweils fünf Testdurchläufen gemittelt werden. CDM hat sich in den letzten Jahren zu einem Standardtest entwickelt und wird von SSD-Herstellern oft selbst zur Bestimmung der beworbenen Leistungswerte eingesetzt.




Real Benchmarks

Wesentlich interessanter für die spätere Benutzung einer Solid State Disk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, überprüfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen.

Hierzu werden verschiedene Dateien kopiert und die Transferraten ermittelt. Dazu gehört ein 20 GB großes ISO-Image sowie ein Teil des Battle Field 5 Ordners mit einer Größe von 20,3 GB. Um eine Limitierung der Leistung der zu testenden SSD durch ein zu langsames Quelle-/Ziellaufwerk zu verhindern, werden alle Test mit einer RAM-Disk durchgeführt.

In einem ersten Test wird eine 20 GB große Image Datei zunächst von der RAM-Disk auf die SSD geschrieben. Anschließend wird die Datei von der SSD gelesen und auf die RAM-Disk zurückkopiert. In beiden Fällen werden die Zeiten von drei Durchläufen gemessen und ein Durchschnitt gebildet. Anschließend wird die Prozedur mit einem 20,3 GB großen Installationsordner, der mehrere Dateien unterschiedlicher Größen beinhaltet wiederholt. Am Schluss wird derselbe Ordner zwischen zwei Pfaden auf derselben SSD kopiert. In diesem Fall muss die SSD Dateien gleichzeitig lesen und schreiben. Aus Dauer und Dateigrößer wird abschließend die Transferraten in MB/s berechnet.




Leistung im Zeitverlauf

Um die Leistung der SSD mit zunehmenden Füllstand zu simulieren, wird das Testlaufwerk fast vollständig mit zufälligen Daten (nicht komprimierter) gefüllt. Es verbleiben lediglich 10 GB freier Speicherplatz. Unter diesen Bedingungen werden die Tests mit dem Crystal Disk Mark wiederholt und die Ergebnisse verglichen.




Bewertung der Ergebnisse

Auch wenn Crucial sich bei der Entwicklung seiner neuen Highend-SSD entschieden hat noch einmal auf PCIe 3.0 anstatt direkt auf den neueren PCIe 4.0 Standard zu setzen, braucht sich die P5 SSD leistungstechnisch nicht zu verstecken.

Im Gegensatz zur Crucial P1 und P2 SSD, setzt das neue Modell nämlich tatsächlich voll auf Performance. Das macht sich besonders in den sequenziellen Zugriffen bemerkbar. Hier haben wir bei lesenden Zugriffen knapp 3,2 GB/s gemessen und auch beim Schreiben knackt das Laufwerk knapp die 2,9 GB/s-Marke. Das ist definitiv eine Ansage und freut Enthusiasten.

Bei den zufälligen Zugriffen ist die Crucial P5 1 TB ebenfalls flott unterwegs und führt bei den größeren Blöcken sogar das Feld unseres Vergleichs an.

In den Praxistests erreicht die Crucial P5 SSD ebenfalls sehr gute Werte. Sie ist damit ohne Frage eine der schnelleren PCIe 3.0 SSDs. Das darf der Käufer aber auch erwarten, wenn ein Hersteller sich im Jahr 2020 noch einmal für die Veröffentlichung einer Highend-SSD ohne PCIe 4.0 Support entscheidet.

Weniger erfreulich ist leider die Wärmeentwicklung, wenn das Laufwerk für einen längere Zeitraum belastet wird. Der Controller erreichte in unserem Test relativ zügig die 90°C-Marke und begann dann die Leistung zu drosseln.

Crucial P5 SSD Wärmebild

Wärmeentwicklung der Crucial P5 SSD im Betrieb

Für alltägliche Kopierarbeiten ist das kein Problem, denn dafür hat die Crucial P5 genug „thermischen Puffer“. Wer jedoch regelmäßig größere Dateimengen auf die SSD schreiben will, der muss sich auf temporäre Leistungseinbußen einstellen. Abhilfe können hier Kühlkörper für M.2-Slots schaffen, die auf vielen modernen Mainboards bereits zum Standard gehören. Von dem Einsatz im Notebook ist in diesem Zusammenhang aber wohl eher abzuraten.

Fazit

Die Crucial P5 SSD ist insgesamt ein solides Laufwerk, das durch seine durchgängige Bestückung mit Micron Komponenten (NAND, DRAM, Controller) besticht.

Das M.2-Modul ist sauber verarbeitet und kann theoretisch durch seine Single-Sided-Konfiguration auch in Geräten mit wenig Platz zum Einsatz kommen. Dem entgegen steht die hohe Temperaturentwicklung, wenn das Laufwerk gefordert wird. Hier empfehlen wir in jedem Fall den Einsatz eines Kühlkörpers, um keine zu starken Leistungseinbrüche zu erfahren.

Insgesamt ist die Spitzenleistung der Crucial P5 SSD mit 1 TB jedoch als sehr gut zu bewerten. Das Laufwerk erreicht die beworbenen Werte zwar nicht ganz, ist jedoch trotzdem ein sehr schneller Vertreter der PCIe 3.0 Generation.

Preislich müssen derzeit knapp 145 Euro* für die von uns getestet 1-TB-Variante der Crucial P5 SSD eingeplant werden.

Die Konkurrenz in Form der WD Blue SN550 NVMe SSD 1 TB ist bereits ab 115 Euro* zu haben, dafür in der Spitze aber spürbar langsamer. Die WD Black SN750 NVMe SSD 1 TB spielt hingegen in der gleichen Leistungsliga und kommt für aktuell circa 160 Euro* etwas teurer daher. Für einen ähnlichen Preis gibt es ebenfalls die SanDisk Extreme Pro NVMe 3D SSD mit 1 TB zu kaufen.

SSDs
Allround-PC.com
09/2020
Crucial P5 SSD
Empfehlung

Pro

  • fairer Preis
  • neuer 96 Layer NAND
  • gute Spitzen-Performance
  • Single Side Module
  • ausschließlich Komponenten von Micron

Contra

  • hohe Temperaturentwicklung unter Last und Throttling
  • leider auf PCIe 3.0 begrenzt

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