Mit der neuen HP EX950 M.2 SSD steigt HP in das Geschäft mit Consumer-SSDs in Europa ein. Produziert werden die Laufwerke von BIWIN. Wir machen den Test für euch.

Überblick

Seit 2016 fertigt BIWIN unter offizieller Lizenz interne und externe SSDs sowie Speichermodule für HP, die auf Konsumenten abzielen. Da diese Produkte in der Vergangenheit mehr oder weniger unkontrolliert im europäischen Handel aufschlugen, geht BIWIN nun den einzig logischen Schritt und stellt sich mit der Eröffnung einer Niederlassung in Amsterdam, direkt dem europäischen Markt.

BIWIN ist ein Unternehmen, das auf mehr als 25 Jahre Erfahrung in der DRAM- und Flashspeicherbranche zurückgreift. Mehr als Grund genug für uns, die bereits Anfang des Jahres angekündigte HP EX950 SSD als eines der ersten HP Consumer-Modelle genau für euch unter die Lupe zu nehmen.

 

Neue HP Consumer-SSD mit 1 TB

Die HP SSD wird von BIWIN hergestellt.

Die HP EX950 Serie gibt es dabei in drei verschiedenen Speicherkapazitäten mit 512 GB, 1 TB und 2 TB zu kaufen. Für unseren Testbericht stand uns das Modell mit 1 TB zur Verfügung.

Die HP EX950 SSD unter der Haube

Die gesamte Entwicklung und Produktion der HP-SSD wurde von BIWIN erledigt. Als Controller bringt BIWIN dabei einen Silicon Motion SM2262EN zum Einsatz, den HP selbst als HP 8088 bezeichnet.

Dabei handelt es sich um einen Chipsatz mit acht Kanälen zur Anbindung des NAND-Speichers. Dieser Controller findet sich in ähnlicher Form in vielen aktuellen PCIe Gen. 3 SSDs wieder. Außerdem gibt es einen dedizierten DRAM-Cache, mit einer Kapazität von 1 GB.

HP EX950 SSD neben der Verpackung

Wir haben die 1-TB-Variante der EX950 SSD getestet.

Beim NAND setzt HP auf Flashspeicher der zweiten 3D-Generation von Micron, welcher noch mit 64 Layern ausgestattet ist. Angesprochen wird der Speicher natürlich im TLC-Verfahren, weshalb die SSD über einen entsprechenden SLC-Cache verfügt. Über die genaue Größe dieses schnellen SLC-Zwischenspeichers schweigen sich BIWIN und HP jedoch aus.

Angebunden wird das Laufwerk über PCIe 3.0 mit vier Lanes (x4). Intern kommt das NVMe 1.3 Protokoll zum Einsatz. Alles in allem also ein technisch solide ausgestattetes M.2-Laufwerk mit NAND der vorherigen Generation, was aber kein Nachteil sein muss.

Ausgeliefert wird die HP EX950 mit einer Garantie von fünf Jahren, die bis zur Erreichung der TBW begrenzt ist. Im Falle unseres Testmodells liegt diese Grenze bei 650 TB.

HP EX950 SSD auf einen Blick

Wir haben euch alle wichtigen Fakten zu der neuen HP EX950 SSD im Folgenden noch einmal kompakt zusammengefasst.

Die BIWIN HP EX950 SSD…

  • … wird über die M.2-Schnittelle mit PCIe 3.0 x4 angebunden.
  • … verwendet das NVMe 1.3 Protokoll.
  • … soll mit bis zu 3.500 MB/s lesen und bis zu 2.900 MB/s schreiben können.
  • … setzt auf einen Silicon Motion SM2262EN Controller mit dediziertem DRAM-Cache.
  • … speichert Daten auf 3D-NAND (Gen. 2) von Micron.
  • … spricht den Speicher im TLC-Verfahren an.
  • … hat eine TBW von 650 TB (1-TB-Modell).
  • … wird mit einer begrenzten Garantie von 5 Jahren geliefert.

Leistungstest der BIWIN HP EX950 SSD

Im Fokus dieses Artikels steht natürlich hauptsächlich die Leistung, die ein Laufwerk unter verschiedenen Bedingungen an den Tag legt. Daher haben wir die neue HP EX950 SSD mit 1 TB verschiedenen Tests unterzogen.

Theoretische Benchmarks kitzeln das Maximum aus dem Laufwerk heraus, während praktisches Testdurchläufe eine Einschätzung der Laufwerksleistung unter alltäglichen Bedingungen erlauben.

Folgende Laufwerke wurden für den Vergleich herangezogen:

Testsystem

  • Prozessor: AMD Ryzen 7 3800X 4,5 GHz, Turbo Boost aktiv, SMT aktiviert
  • Mainboard: MSI MEG X570 Godlike
  • Kühler: Arctic Freezer 33 eSports One
  • RAM: 32 GB Corsair Vengeance LPX DDR4 4.000 MHz
  • Systemlaufwerk: Samsung SSD 960 Pro (500 GB)
  • Grafikkarte: XFX 5600XT
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: Corsair RM 650 Watt

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • A.S. SSD Benchmark 2
  • Crytsal Disk Mark 7 x64
  • ATTO Disk Benchmark 3.05

*mit anderem Testystem (Intel Skylake) getestet.

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen in der Legende unterhalb des Diagramms ausblenden.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Der Vorteil von synthetischen Benchmark ist ihre genaue Reproduzierbarkeit. Die Ergebnisse lassen sich somit besonders gut zwischen verschiedenen Laufwerken vergleichen

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.




ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von 4 Kilobyte bis 2 Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die ermittelten Werte allerdings nur selten zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt.







Crystal Disk Mark

Der Crystal Disk Mark (CDM) ist ein weiteres Benchmark-Tool, welches die Performance von SSDs analysieren kann. Hier werden unterschiedliche Tests durchgeführt, deren Ergebnisse ähnlich wie beim A.S. SSD Benchmark aus jeweils fünf Testdurchläufen gemittelt werden. CDM hat sich in den letzten Jahren zu einem Standardtest entwickelt und wird von SSD-Herstellern oft selbst zur Bestimmung der beworbenen Leistungswerte eingesetzt.




Real Benchmarks

Wesentlich interessanter für die spätere Benutzung einer Solid State Disk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, überprüfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen.

Hierzu werden verschiedene Dateien kopiert und die Transferraten ermittelt. Dazu gehört ein 20 GB großes ISO-Image sowie ein Teil des Battle Field 5 Ordners mit einer Größe von 20,3 GB. Um eine Limitierung der Leistung der zu testenden SSD durch ein zu langsames Quelle-/Ziellaufwerk zu verhindern, werden alle Test mit einer RAM-Disk durchgeführt.

In einem ersten Test wird eine 20 GB große Image Datei zunächst von der RAM-Disk auf die SSD geschrieben. Anschließend wird die Datei von der SSD gelesen und auf die RAM-Disk zurückkopiert. In beiden Fällen werden die Zeiten von drei Durchläufen gemessen und ein Durchschnitt gebildet. Anschließend wird die Prozedur mit einem 20,3 GB großen Installationsordner, der mehrere Dateien unterschiedlicher Größen beinhaltet wiederholt. Am Schluss wird derselbe Ordner zwischen zwei Pfaden auf derselben SSD kopiert. In diesem Fall muss die SSD Dateien gleichzeitig lesen und schreiben. Aus Dauer und Dateigrößer wird abschließend die Transferraten in MB/s berechnet.




Leistung im Zeitverlauf

Um die Leistung der SSD mit zunehmenden Füllstand zu simulieren, wird das Testlaufwerk fast vollständig mit zufälligen Daten (nicht komprimierter) gefüllt. Es verbleiben lediglich 10 GB freier Speicherplatz. Unter diesen Bedingungen werden die Tests mit dem Crystal Disk Mark wiederholt und die Ergebnisse verglichen.




Bewertung der Ergebnisse

In unserem Leistungstest hat sich die HP EX950 SSD mit 1 TB Speicherkapazität gut geschlagen.

Bei den sequenziellen Zugriffstests erreicht das Laufwerk die beworbenen Transferraten von 3.500 MB/s beim Lesen und bis zu 2.900 MB/s ohne Probleme. Der maximale Wert beim Schreiben übertrifft die Herstellerangabe mit über 3.200 MB/s sogar sehr deutlich.

Bei den zufälligen Zugriffen auf unterschiedlich große Blöcke, ergibt sich ein ähnliches Bild. Die HP EX950 SSD macht auch hier eine gute Figur und liefert über den gesamten Bereich hohe Datenraten. Im Schreibbetrieb erreicht das Laufwerk in unserem Vergleich sogar neue Bestwerte bei den größeren Blöcken.

Leistungseinbrüche müssen Kunden hingegen erwarten, wenn das Laufwerk nahezu vollständig gefüllt ist. Dann fallen die Transferraten auf knapp 2 GB/s beim Lesen und circa 1,2 GB/s beim Schreiben (sequenziell). Dieser Einbruch fällt stärker aus als bei Laufwerken der Konkurrenz und muss Käufern bewusst sein.

In unseren Praxis-Kopiertests ist die Leistung hingegen ebenfalls auf hohem Niveau. Beim gleichzeitigen Lesen und Schreiben auf das Laufwerk liefert die HP EX950 zwar noch annehmbare Werte, andere Laufwerke sind in dieser Disziplin aber etwas zügiger.

Insgesamt können wir HPs erster Consumer-SSD aber ein gutes Zeugnis ausstellen.

Die Temperaturentwicklung unter längeren Perioden hoher Auslastung führt – wie bei vielen aktuellen Laufwerken – zur Drosselung der Leistung. Um dem entgegenzuwirken, sollte ein Kühler für den M.2-Slot in Betracht gezogen werden.

HP EX950 SSD Temperaturentwicklung

Nach 30 Minuten konstanter Schreibauslastung haben wir eine maximale Temperatur von 87 °C am Controller gemessen.

Preivergleich

Fazit

Mit der EX950 SSD gelingt HP und BIWIN ein gelungener Start in das Consumer-SSD-Segment in Europa. Das Laufwerk richtet sich an Anwender, die bodenständige PCIe 3.0-Leistung benötigen, jedoch nicht unbedingt auf extreme Datenraten jenseits der 5 GB/s oder gar 7 GB/s aus sind. Wer danach sucht, muss sich ohnehin im PCIe 4.0-Segment umsehen.

Die HP EX950 SSD ist insgesamt zeitgemäß ausgestattet und kann gut mit der etablierten Konkurrenz mithalten.

Preislich müssen derzeit knapp 129 Euro für die 1-TB-Version der EX950 eingeplant werden. Da die neue HP SSD aber erst seit Kurzem auch in Deutschland verfügbar ist, dürften die Preise in den kommenden Wochen noch nachgeben.

Zum Vergleich: Die Konkurrenz in Form der Western Digital WD_BLACK SN750 mit 1 TB kostet derzeit 119 Euro, für die Crucial P5 SSD 1TB werden 132 Euro fällig. Die ebenfalls neue Pioneer APS-SE20Q SSD mit 1 TB ist mit circa 109 Euro ein wenig günstiger.

Pro

  • konstant hohe Performance
  • SLC-Cache
  • solide Ausstattung
  • 5 Jahre Garantie

Contra

  • zum Testzeitpunkt noch zu teuer
  • relativ hohe Temperaturentwicklung unter Last und Throttling
  • deutlicher Leistungseinbruch bei starker Füllung der SSD

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