Unter dem etwas sperrigen Namen APS-SE20Q hat der Hersteller Pioneer seine neuste NVMe-SSD auf den Markt gebracht. Wir haben die neue QLC-SSD mit PCIe 3.0-Anbindung für euch getestet.

Überblick

Die Verpackung der APS-SE20Q ist am besten als „minimalistisch“ zu beschreiben.

Pioneer ist den meisten wohl ohne Frage eher aus dem Audio- und Heimkinobereich bekannt. Seit einigen Jahren vertreiben die Japaner unter ihrer Pioneer-IoT-Sparte aber auch PC-Komponenten aus dem Speicherbereich.

Dazu gehört neben DDR4-RAM auch ein Portfolio an Solid State Drives auf M.2-Basis. Aktuell hat Pioneer fünf verschiedene SSD-Serie im Angebot. Anbei ein kurzer Überblick:

  • APS-SM1 Serie: SATA-Basis, bis 240 GB
  • APS-SE10G Serie: PCIe 3.0 x2, bis 512 GB
  • APS-SE1 Serie: PCIe-HHHL-Karte, PCIe 3.0 x2, bis 3,2 TB
  • APS-SE20G Serie: PCIe 3.0 x4, bis 2 TB, TLC
  • APS-SE20Q Serie: PCIe 3.0 x4, bis 2 TB, QLC (Testmodell)

In diesem Testbericht haben wir uns die neue APS-SE20Q SSD näher angesehen, die von Pioneer in drei Kapazitätsstufen von 500 GB, 1 TB und 2 TB angeboten wird. Für unseren Test stand uns das Modell mit 2 TB Speicherkapazität* zur Verfügung.

Pioneer APS-SE20Q: Unter der Haube

Die APS-SE20Q Serie von Pioneer ist das neuste SSD-Modell der Japaner. Das „Q“ in der Modellbezeichnung ist bereits ein Hinweis darauf, welcher NAND-Speicher bei diesem Laufwerk zum Einsatz kommt.

Es handelt sich bei der APS-SE20Q nämlich um die erste QLC-SSD von Pioneer. Dazu wird 3D-NAND von Micron mit 96 Layern eingesetzt, der im QLC-Verfahren angesprochen wird. Bei diesem Speicherverfahren werden 4 Bits pro Flashzelle abgelegt, was die Speicherdichte der NAND-Chips weiter erhöht.

 

Da durch dieses Zugriffsverfahren aber auch komplexere Algorithmen zur Fehlerkorrektur zum Einsatz kommen müssen, sinkt die Schreibgeschwindigkeit gegenüber Laufwerken mit MLC- oder TLC-NAND. Diese Tatsache kompensiert Pioneer bei seiner APS-SE20Q SSD mit einem SLC-Cache, der auf einen Teil des freien QLC-NANDs zurückgreift und als schneller SLC-Zwischenspeicher Schreibbefehle beschleunigt.

Dem Phison SSD-Controller stellt Pioneer außerdem 512 MB dedizierten DDR3-RAM als erste Cache-Stufe zur Verfügung.

Angebunden wird das Laufwerk über die M.2-Schnittstelle. Als Protokoll kommt NVMe 1.3 zum Einsatz. Die Daten werden über den PCIe 3.0-Bus mit vier Lanes (x4) übertragen.

Die Lebenserwartung des Laufwerks fällt im Übrigen im Vergleich relativ niedrig aus. Das Modell mit 2 TB hat eine TBW-Angabe von 200 TB. Die Konkurrenz (Intel 660p 2 TB oder Crucial P1 2TB) kommen hier mit 400 TB auf das Doppelte.

Die APS-SE20Q in aller Kürze

Für alle unter euch, die es eilig haben, hier die wichtigsten Fakten zum neuen Pioneer Laufwerk.

Die Pioneer APS-SE20Q SSD…

  • … gibt es in drei verschiedenen Kapazitätsstufen (500 GB, 1 TB und 2 TB).
  • … setzt auf 3D-NAND, der im QLC-Verfahren angesprochen wird.
  • … kann auf einen SLC-Cache zur Beschleunigung von Schreibvorgängen zurückgreifen.
  • … verfügt über einen dedizierten DRAM-Cache.
  • … wird über PCIe 3.0 x4 mit NVMe 1.3 angebunden.
  • … ist mit nur 1,35 mm sehr flach und soll so auch in Notebooks Platz finden.
  • … hat eine Lebenserwartung von 200 TB TBW (2-TB-Modell).
  • … kommt mit drei Jahren Garantie.

Leistungstest der Pioneer APS-SE20Q

Im Fokus dieses Artikels steht natürlich hauptsächlich die Leistung, die ein Laufwerk unter verschiedenen Bedingungen an den Tag legt. Daher haben wir die neue Pioneer APS-SE20Q mit 2 TB verschiedenen Tests unterzogen.

Theoretische Benchmarks kitzeln das Maximum aus dem Laufwerk heraus, während praktisches Testdurchläufe eine Einschätzung der Laufwerksleistung unter alltäglichen Bedingungen erlauben.

Folgende Laufwerke wurden für den Vergleich herangezogen:

Testsystem

  • Prozessor: AMD Ryzen 7 3800X 4,5 GHz, Turbo Boost aktiv, SMT aktiviert
  • Mainboard: MSI MEG X570 Godlike
  • Kühler: Arctic Freezer 33 eSports One
  • RAM: 32 GB Corsair Vengeance LPX DDR4 4.000 MHz
  • Systemlaufwerk: Samsung SSD 960 Pro (500 GB)
  • Grafikkarte: XFX 5600XT
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: Corsair RM 650 Watt

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • A.S. SSD Benchmark 2
  • Crytsal Disk Mark 7 x64
  • ATTO Disk Benchmark 3.05

*mit anderem Testystem (Intel Skylake) getestet.

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen in der Legende unterhalb des Diagramms ausblenden.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Der Vorteil von synthetischen Benchmark ist ihre genaue Reproduzierbarkeit. Die Ergebnisse lassen sich somit besonders gut zwischen verschiedenen Laufwerken vergleichen

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.




ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von 4 Kilobyte bis 2 Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die ermittelten Werte allerdings nur selten zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt.







Crystal Disk Mark

Der Crystal Disk Mark (CDM) ist ein weiteres Benchmark-Tool, welches die Performance von SSDs analysieren kann. Hier werden unterschiedliche Tests durchgeführt, deren Ergebnisse ähnlich wie beim A.S. SSD Benchmark aus jeweils fünf Testdurchläufen gemittelt werden. CDM hat sich in den letzten Jahren zu einem Standardtest entwickelt und wird von SSD-Herstellern oft selbst zur Bestimmung der beworbenen Leistungswerte eingesetzt.




Real Benchmarks

Wesentlich interessanter für die spätere Benutzung einer Solid State Disk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, überprüfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen.

Hierzu werden verschiedene Dateien kopiert und die Transferraten ermittelt. Dazu gehört ein 20 GB großes ISO-Image sowie ein Teil des Battle Field 5 Ordners mit einer Größe von 20,3 GB. Um eine Limitierung der Leistung der zu testenden SSD durch ein zu langsames Quelle-/Ziellaufwerk zu verhindern, werden alle Test mit einer RAM-Disk durchgeführt.

In einem ersten Test wird eine 20 GB große Image Datei zunächst von der RAM-Disk auf die SSD geschrieben. Anschließend wird die Datei von der SSD gelesen und auf die RAM-Disk zurückkopiert. In beiden Fällen werden die Zeiten von drei Durchläufen gemessen und ein Durchschnitt gebildet. Anschließend wird die Prozedur mit einem 20,3 GB großen Installationsordner, der mehrere Dateien unterschiedlicher Größen beinhaltet wiederholt. Am Schluss wird derselbe Ordner zwischen zwei Pfaden auf derselben SSD kopiert. In diesem Fall muss die SSD Dateien gleichzeitig lesen und schreiben. Aus Dauer und Dateigrößer wird abschließend die Transferraten in MB/s berechnet.




Leistung im Zeitverlauf

Um die Leistung der SSD mit zunehmenden Füllstand zu simulieren, wird das Testlaufwerk fast vollständig mit zufälligen Daten (nicht komprimierter) gefüllt. Es verbleiben lediglich 10 GB freier Speicherplatz. Unter diesen Bedingungen werden die Tests mit dem Crystal Disk Mark wiederholt und die Ergebnisse verglichen.




Bewertung der Ergebnisse

Bleibt zum Schluss noch einen Blick auf die während der Leistungstests ermittelten Ergebnisse. Und diese sprechen eine deutliche Sprache: Die APS-SE20Q ist schnell.

Begonnen bei den sequenziellen Lese- und Schreibzugriffen, kann die Pioneer die meisten anderen Laufwerke im Vergleich abhängen. An dieser Stelle muss natürlich beachtet werden, dass die Konkurrenzlaufwerke nur eine Kapazität von 1 TB zur Verfügung hatten. Unser Testmodell von Pioneer verfügt hingegen über 2 TB Speicherkapazität.

Die Pioneer APS-SE20Q QLC-SSD schlägt sich gut im Leistungstest.

Das macht die Pioneer APS-SE20Q jedoch absolut gesehen nicht langsamer. Die beworbenen 3.400 MB/s beim Lesen und über 3.000 MB/s beim sequenziellen Schreiben erreicht das Solid State Module von Pioneer ohne Probleme.

Ein ähnlich positives Bild gibt das Laufwerk bei den zufälligen Zugriffen auf unterschiedlich große Blöcke ab. Auch hier liefert die SSD sehr gute Werte und das vor allem konstant. Besonders die gute Schreibleistung weißt trotz der Verwendung von QLC-NAND auf eine solide Implementierung des SLC-Caches hin.

An dieser Stelle ist es nicht verwunderlich, dass die APS-SE20Q (2 TB) auch in unseren Praxistests sehr gute Werte erreicht.

Wenn dem Laufwerk der Platz ausgeht, bricht die Schreibleistung wie zu erwarten ein. Mit 10 GB freiem Speicherplatz ist das Laufwerk aber nach wie vor relativ zügig unterwegs, wenn die zu verarbeitenden Datenmengen im Rahmen bleiben.

Pioneer APS-SE20Q SSD Wärmebild

Ohne separaten Kühler greift bei Dauerlast jedoch irgendwann das Thermal Throttling ein und begrenzt die Leistung. Die maximale Temperatur, die wir gemessen haben, beläuft sich auf 80 °C knapp oberhalb des Controllers der SSD. Das ist zwar noch im Rahmen, eine erweiterte Kühlung ist bei häufiger Schreiblast aber angeraten.

Wer also auf der Suche nach einer schnellen und solide ausgestatteten QLC-SSD ist, bekommt mit der Pioneer APS-SE20Q eine weitere Option geboten. Für Höchstleistung sollte ein Kühler verwendet werden.

Fazit

Die erste QLC-SSD von Pioneer ist zugleich auch das erste Laufwerk der Japaner, das sich auf unserem Teststand beweisen mussten. Von der Verarbeitung und Optik her, liefert Pioneer ein tadelloses Produkt ab. Die Ausstattung entspricht dem aktuellen Stand der Technik, auch wenn es natürlich bereits schnellere PCIe 4.0-Laufwerke zu kaufen gibt.

Einen Blick sollten Käufer ohne Frage auf die relativ niedrige TBW-Angabe (Total bytes written) haben. Mit nur 200 TB (2-TB-Modell) ist diese SSD eher für Normalanwender und nicht unbedingt für Enthusiasten mit hohem Schreibaufkommen konzipiert. Das tut der allgemeinen Leistung der SSD aber keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. In unserem Test präsentiert sich die APS-SE20Q SSD durch die Bank weg von ihrer besten Seite. Das gilt trotz QLC-NAND auch für Schreiboperationen.

Preislich müssen aktuell knapp 220 Euro* für die Pioneer APS-SE20Q mit 2 TB eingeplant werden. Dazu ist aber zu erwähnen, dass die Verfügbarkeit in Deutschland aktuell noch recht schlecht ist. Im Umkehrschluss ist zu erwarten, dass der Straßenpreis zukünftig sogar noch ein Stück fallen könnte. Ein Vergleich mit anderen QLC-SSDs zeigt, das Pioneer Produkt ist bereits heute preislich fair aufgestellt: Die Intel SSD 660p 2TB gibt es derzeit ab circa 210 Euro*, die baugleiche Crucial P1 SSD 2TB kostet etwa 218 Euro.

SSDs
Allround-PC.com
10/2020
Pioneer APS-SE20Q
Empfehlung

Pro

  • fairer Preis
  • 96 Layer NAND
  • konstante Spitzen-Performance
  • Single Side Module
  • Guter SLC-Cache

Contra

  • relativ hohe Temperaturentwicklung unter Last und Throttling
  • leider auf PCIe 3.0 begrenzt

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