Mit der neuen Kingston FURY Renegade SSD steht eine weitere Vertreterin der schnellen PCIe-4.0-Gattung am Markt bereit. Wir haben das brandneue M.2-Laufwerk für euch getestet.

Überblick

Unter seinem Kingston FURY Brand bietet der Speicherspezialist Kingston nun auch erstmals eine SSD an. Bisher war dieser Name vor allem schnellen Arbeitsspeichermodulen vorbehalten.

Die Kingston FURY Renegade SSD vor einer bunten Tastatur.

Die Kingston FURY im neuen Gaming-Design.

Das neue Produkt hört auf die Bezeichnung Kingston FURY Renegade SSD und richtet sich vornehmlich an Gamer. Dazu verbindet Kingston eine schnelle Highend-SSD mit einem flachen Kühlkörper und will mit Transferraten von über 7 GB/s die Herzen der Spieler erobern.

Angeboten wird das neue Modell in vier verschiedenen Varianten mit 500 GB, 1 TB, 2 TB und 4 TB. Für unseren Test haben wir die 2-TB-Version der FURY Renegade SSD verwendet.

Kingston FURY Renegade SSD: Unter der Lupe

Als Kernkomponente setzt die neue Kingston FURY SSD auf den bewährten Phison PS5018-E18 Controller, der auch in diversen Konkurrenzprodukten seine Arbeit verrichtet.

Dieser bindet den 3D-NAND über acht Kanäle an und wird von einem dedizierten DDR4-Cache mit 1 GB Kapazität unterstützt. Der NAND selbst wird im TLC-Verfahren angesprochen und verfügt für den Schreibbetrieb natürlich über einen SLC-Cache. Die NAND-Chips tragen ein Kingston-Branding und die Bezeichnung FB25608UCM1-9E. Wie viele Layer Kingston hier zum Einsatz bringt, bleibt vorerst ein Geheimnis.

Die Kingston FURY Renegade SSD auf dem Mainboard verbaut.

Anschluss findet das Laufwerk über PCIe 4.0 x4.

Die Anbindung an den PC erfolgt physisch über die M.2-Schnitstelle via PCIe 4.0 mit vier Lanes (PCIe 4.0 x4). Intern kommt das aktuelle NVMe 1.4 Protokoll zum Einsatz.

Für die nötige Kühlung des Laufwerks soll ein dünner Heatspreader aus Aluminium sorgen, der mit einer Graphen-Schicht überzogen ist, um die Wärme besser abzuleiten. Trotz Kühler kommt das Laufwerk damit nur auf eine Höhe von knapp 3,5 mm.

Die Kingston FURY Renegade SSD von der Seite.
Die Kingston FURY Renegade SSD von schräg unten.

In Sachen Garantie bekommen Käufer*Innen 5 Jahre geboten. Diese Garantie wird durch einen Nutzungsgrad eingeschränkt, der sich auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten mit dem kostenlosen Kingston SSD Manager auslesen lässt. Im Grund beschränkt damit auch Kingston seine Garantie auf die Erreichung der TBW-Angabe (Total Bytes Written), die bei dem 2-TB-Modell mit 2 PB (2.000 TB) angegeben wird. Das ist mittlerweile übliche Praxis bei so ziemlich allen SSD-Herstellern.

Die Kingston FURY Renegade SSD auf einen Blick

Selbstverständlich haben wir euch zu der neue Kingston FURY SSD alle wichtigen Informationen kompakt zusammengefasst:

Die Kingston FURY Renegade SSD…

  • … setzt auf einen Phison PS5018-E18 Controller.
  • … ist mit einem 1GB DDR4-Cache ausgestattet.
  • … speichert Daten in 3D-NAND, der im TLC-Verfahren angesprochen wird.
  • … verfügt über einen SLC-Cache.
  • … hat eine Lebenserwartung von 2 PB TBW (2-TB-Modell).
  • … wird über PCIe 4.0 x4 und NVMe 1.4 angebunden.
  • … verwendet einen dünnen Aluminium-Kühlkörper mit Graphen-Beschichtung.
  • … kommt mit einer beschränkten 5 jährigen Garantie.

Leistungstest der Kingston FURY Renegade SSD

Im Fokus dieses Artikels steht natürlich hauptsächlich die Leistung, die ein Laufwerk unter verschiedenen Bedingungen an den Tag legt. Daher haben wir die neue  Kingston FURY Renegade SSD mit 2 TB verschiedenen Tests unterzogen. Theoretische Benchmarks kitzeln das Maximum aus dem Laufwerk heraus, während praktisches Testdurchläufe eine Einschätzung der Laufwerksleistung unter alltäglichen Bedingungen erlauben.

Folgende Laufwerke wurden für den Vergleich herangezogen:

Testsystem

  • Prozessor: AMD Ryzen 7 3800X 4,5 GHz, Turbo Boost aktiv, SMT aktiviert
  • Mainboard: MSI MEG X570 Godlike
  • Kühler: Arctic Freezer 33 eSports One
  • RAM: 32 GB Corsair Vengeance LPX DDR4 4.000 MHz
  • Systemlaufwerk: Samsung SSD 960 Pro (500 GB)
  • Grafikkarte: XFX 5600XT
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: Corsair RM 650 Watt

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • A.S. SSD Benchmark 2
  • Crytsal Disk Mark 7 x64
  • ATTO Disk Benchmark 3.05

*mit anderem Testystem (Intel Skylake) getestet.

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen in der Legende unterhalb des Diagramms ausblenden.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Der Vorteil von synthetischen Benchmark ist ihre genaue Reproduzierbarkeit. Die Ergebnisse lassen sich somit besonders gut zwischen verschiedenen Laufwerken vergleichen.

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.



ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von 4 Kilobyte bis 2 Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die ermittelten Werte allerdings nur selten zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt.






Crystal Disk Mark

Der Crystal Disk Mark (CDM) ist ein weiteres Benchmark-Tool, welches die Performance von SSDs analysieren kann. Hier werden unterschiedliche Tests durchgeführt, deren Ergebnisse ähnlich wie beim A.S. SSD Benchmark aus jeweils fünf Testdurchläufen gemittelt werden. CDM hat sich in den letzten Jahren zu einem Standardtest entwickelt und wird von SSD-Herstellern oft selbst zur Bestimmung der beworbenen Leistungswerte eingesetzt.




Real Benchmarks

Wesentlich interessanter für die spätere Benutzung einer Solid State Disk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, überprüfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen. Hierzu werden verschiedene Dateien kopiert und die Transferraten ermittelt. Dazu gehört ein 20 GB großes ISO-Image sowie ein Teil des BattleField 5 Spiele-Ordners mit einer Größe von 20,3 GB. Um eine Limitierung der Leistung der zu testenden SSD durch ein zu langsames Quelle-/Ziellaufwerk zu verhindern, werden alle Test mit einer RAM-Disk durchgeführt.

In einem ersten Test wird eine 20 GB große Image Datei zunächst von der RAM-Disk auf die SSD geschrieben. Anschließend wird die Datei von der SSD gelesen und auf die RAM-Disk zurückkopiert. In beiden Fällen werden die Zeiten von drei Durchläufen gemessen und ein Durchschnitt gebildet. Anschließend wird die Prozedur mit einem 20,3 GB großen Installationsordner, der mehrere Dateien unterschiedlicher Größen beinhaltet wiederholt. Am Schluss wird derselbe Ordner zwischen zwei Pfaden auf derselben SSD kopiert. In diesem Fall muss die SSD Dateien gleichzeitig lesen und schreiben. Aus Dauer und Dateigrößer wird abschließend die Transferraten in MB/s berechnet.




Leistung im Zeitverlauf

Um die Leistung der SSD mit zunehmenden Füllstand zu simulieren, wird das Testlaufwerk fast vollständig mit zufälligen Daten (nicht komprimierter) gefüllt. Es verbleiben lediglich 10 GB freier Speicherplatz. Unter diesen Bedingungen werden die Tests mit dem Crystal Disk Mark wiederholt und die Ergebnisse verglichen.




Bewertung der Ergebnisse

Kommen wir zur Auswertung der im Leistungstest ermittelten Ergebnisse.

Ein Blick auf die in den synthetischen Benchmarks ermittelten sequenziellen Transferraten verrät: Kingston meint es ernst. Die FURY Renegade SSD erreicht die beworbenen Werte von 7,3 GB/s beim Lesen und 7 GB/s spielend. Beim Lesen erreicht die SSD bisherige Bestwerte, beim Schreiben liefert sie sich ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Seagate FireCuda 530 (Test) und der Patriot Viper VP4300 (Test).

Bei den wahlfreien Zugriffen auf unterschiedliche Blockgrößen setzt sich das positive Bild fort. Beim Lesen liegt die Renegade SSD nahezu 1:1 auf einer Linie mit der Konkurrenz von Seagate, was aufgrund der sehr ähnlichen Hardwarekonfiguration nicht wundert.

Schreibende Zugriffe verarbeitet das neue Solid State Module von Kingston FURY ebenfalls zügig, muss sich der FireCuda 530 aber knapp geschlagen geben. Alle anderen SSDs in unserm Vergleich liegen in dieser Disziplin knapp oder relativ deutlich hinter den beiden Spitzenkontrahenten von Kingston und Seagate.

In unseren praktischen Kopiertests unter Windows 10 erlaubt sich die SSD ebenfalls keine Patzer und liefert durchgehend sehr gute Werte ab.

Einziger Wermutstropfen ist der starke Einbruch der sequenziellen Transferleistung nachdem der SSD nur noch wenig freie Kapazität bleibt (10 GB freier Speicher). Dabei sinken die Lese- und Schreibwerte deutlich. Für die – im Alltag wichtigeren – zufälligen Zugriffe gilt diese Einschränkung jedoch nicht. Beim Füllen des NANDs mit zufälligen Daten haben wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit (schreibend) von 633 MB/s gemessen. Das ist nicht unbedingt ein schlechter Wert, andere Laufwerke schaffen es aber im Schnitt über 1 GB/s zu bleiben.

Die maximale Temperatur an der Oberfläche wurde im Bereich des Controllers gemessen.

Während der konstanten Schreibauslastung wurde auch die maximale Temperatur ermittelt. Diese wies, und das ist nicht weiter überraschend, der Phison Controller mit 73 ° C auf. Der dünne Kühlkörper verteilt die Wärme dabei recht ordentlich und unterstützt die Wärmeabgabe des Controllers. Er kann aber aufgrund der geringen Masse natürlich nicht mit größeren Heatsinks oder gar aktiven M.2-Kühlern mithalten.

Fazit

Mit der seiner Kingston FURY Renegade SSD ergänzt Kingston seine FURY Speicherserie nun auch um SSD-Speicher. Bisher wurde vor allem schneller RAM unter diesem Brand angeboten.

Da das Laufwerk vor allem Gamer und Enthusiasten in den Fokus nimmt, ist es beruhigend zu wissen, dass die neue SSD in unserem Leistungstest auch tatsächlich abliefert. Bei sequenziellen Transfers gehört das Laufwerk zu einem der schnellsten Vertreter seiner Art. Lediglich bei fast vollständiger Füllung des NANDs müssen Anwender*Innen mit Leistungseinbrüchen bei sequenziellen Transfers rechnen.

Der integrierte Low-Profile-Kühler ist eine willkommene Ergänzung, der verwendete Phison-Controller ist nämlich nicht unbedingt für niedrige Temperaturen bekannt. Dem steuert Kingston so gekonnt entgegen, ohne die Bauhöhe des Solid State Modules extrem zu erhöhen.

Preislich müssen Interessent*Innen für die Kingston FURY Renegade SSD mit 2 TB derzeit ungefähr 418 Euro einplanen. Das ist im Vergleich mit konkurrierenden SSDs im gleichen Leistungssegment noch relativ teuer. Mit besserer Verfügbarkeit dürften die Preise des neuen Kingston FURY Laufwerks aber weiter sinken.

Als Referenz: Die Konkurrenz in Form der Samsung SSD 980 Pro 2 TB (ohne Kühler) gibt es bereits ab 320 Euro*. Die Crucial P5 Plus 2 TB kostet circa 330 Euro*. Für die ebenfalls sehr schnelle Seagate FireCuda 530 2 TB zahlt ihr derzeit circa 375 Euro*. Die WD_BLACK SN850 2 TB ist ebenfalls um 330 Euro* erhältlich.

SSDs
Allround-PC.com
11/2021
Kingston FURY Renegade SSD 2 TB
Empfehlung

Pro

  • extreme Transferleistung beim Lesen und Schreiben
  • neuste PCIe-4.0-SSD-Generation mit NVMe 1.4
  • moderner 3D-TLC-NAND
  • sehr flacher Kühlkörper
  • 5 Jahre Garantie (bis erreichen der TBW von 2 PB)

Contra

  • relativ hoher Preis
  • hohe Betriebstemperatur unter Last (ohne Kühler)
  • deutliche Leistungseinbußen bei vollständiger Füllung des NANDs

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