Mit der Viper VP4300 SSD betritt Patriot Neuland. Die neuste PCIe-4.0-SSDs der Amerikaner setzt erstmals auf einen neuen Controller außerhalb des Phison-Universums – sorgt das für noch mehr Performance? Wir machen den Test für euch.

Überblick

Patriot ist schon lange am Markt, wenn es um Computerspeicher geht. Um so angenehmer dürfte es von Kunden aufgenommen werden, dass sich das Unternehmen auf eine noch gut überschaubare Anzahl an Produkten im SSD-Bereich beschränkt. Unter dem Viper-Brand werden derzeit insgesamt vier SSDs mit M.2-Schnittstelle angeboten. Zwei davon fallen in das PCIe-3.0-Lager, die übrigen zwei Laufwerke sind mit einer schnellen PCIe-4.0-Schnittstelle ausgestattet.

Die bereits länger verfügbare Viper VP4100 Serie haben wir bereits ausführlich für euch getestet. Nun gibt es mit der neuen Viper VP4300 Nachschub im Highend-Bereich. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenzprodukten setzt Patriot bei seinem neuen Produkt jedoch auf eine spannende Kombination aus Controller und NAND und durchbricht damit das bisherige Standardschema vieler PCIe-4.0-Laufwerke.

Angeboten wird die Viper VP4300 in zwei Varianten mit wahlweise 1 TB oder 2 TB Speicherplatz. Für unseren Test haben wir das Modell mit 2 TB (ca. 460 Euro*) verwendet.

Die Patriot Viper VP4300 im Detail

Bei seiner zweiten PCIe-4.0-SSD wandelt Patriot auf Pfaden abseits des Mainstreams. Viele aktuelle Laufwerke setzen auf die bewährten Chips von Phison oder aber – deutlich seltener – auf Eigenentwicklungen. Patriot hat sich bei seinem neuen Highend-Laufwerk stattdessen für einen Controller aus dem Hause InnoGrit entschieden.

Konkret handelt es sich um den InnoGrit IG5236, der über acht Kanäle zur Anbindung des NANDs verfügt. Dieser wird durch schnellen DDR4-Cache unterstützt, von dem das 2-TB-Modell direkt 2 GB an Bord hat. Im Gegensatz zu vielen anderen SSD-Designs nimmt der neue Controller auf der Vorderseite des Solid State Modules prominent Platz ein.

In Sachen Flashspeicher kommt Microns 96 Layer TLC-NAND zum Einsatz, der sich bereits in verschiedenen anderen Produkten bewiesen hat. Damit kehrt Patriot also WD/Toshiba als NAND-Lieferanten den Rücken, die noch bei der Vorgängerin Viper VP4100 die Speicherchips lieferten. Natürlich ist auch ein SLC-Cache zur Beschleunigung der Schreibzugriffe verfügbar.

Ausgeliefert wird die VP4300 Serie mit M.2-Anschluss im klassischen 2280er-Format. Intern werden die Daten auf Basis des NVMe 1.4 Protokolls mit PCIe 4.0 x4 übertragen. Neben der SSD befinden sich löblicherweise gleich zwei Kühlkörper im Lieferumfang. Patriot will seinen Kund*Innen so die Mögliche geben, auch in engen Platzverhältnissen noch einen passiven Kühlkörper zu montieren. Dazu liegt ein dünner Graphene-Kühlkörper bei. Wer mehr Platz hat, kann alternativ die ebenfalls mitgelieferte dickere Aluminium-Heatsink montieren. All das paart der Hersteller mit einer 5 jährigen Garantie.

Die Patriot Viper VP4300 auf einen Blick

Wie immer fassen wir euch die wichtigsten Details zu unserem Testlaufwerk kompakt zusammen. Die Patriot Viper VP4300 SSD…

    • … setzt auf den neuen InnoGrit IG5236 Controller und DDR4-Cache.
    • … verwendet schnellen 96 Layer TLC-NAND von Micron.
    • … wird mit zwei passiven Kühlkörpern ausgeliefert.
    • … verwendet das aktuelle NVMe 1.4 Protokoll.
    • … wird via M.2 mit PCIe 4.0 x4 mit dem Computer verbunden.
    • … hat eine Lebenserwartung (TBW) von 2 PB im Falle des 2-TB-Modells
    • … kommt mit einer Garantiezeit von 5 Jahren.

Leistungstest der Patriot Viper VP4300 SSD

Im Fokus dieses Artikels steht natürlich hauptsächlich die Leistung, die ein Laufwerk unter verschiedenen Bedingungen an den Tag legt. Daher haben wir die neue Parrot Viper VP4300 SSD mit 2 TB verschiedenen Tests unterzogen. Theoretische Benchmarks kitzeln das Maximum aus dem Laufwerk heraus, während praktisches Testdurchläufe eine Einschätzung der Laufwerksleistung unter alltäglichen Bedingungen erlauben.

Folgende Laufwerke wurden für den Vergleich herangezogen:

Testsystem

  • Prozessor: AMD Ryzen 7 3800X 4,5 GHz, Turbo Boost aktiv, SMT aktiviert
  • Mainboard: MSI MEG X570 Godlike
  • Kühler: Arctic Freezer 33 eSports One
  • RAM: 32 GB Corsair Vengeance LPX DDR4 4.000 MHz
  • Systemlaufwerk: Samsung SSD 960 Pro (500 GB)
  • Grafikkarte: XFX 5600XT
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: Corsair RM 650 Watt

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • A.S. SSD Benchmark 2
  • Crytsal Disk Mark 7 x64
  • ATTO Disk Benchmark 3.05

*mit anderem Testystem (Intel Skylake) getestet.

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen in der Legende unterhalb des Diagramms ausblenden.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Der Vorteil von synthetischen Benchmark ist ihre genaue Reproduzierbarkeit. Die Ergebnisse lassen sich somit besonders gut zwischen verschiedenen Laufwerken vergleichen.

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.



ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von 4 Kilobyte bis 2 Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die ermittelten Werte allerdings nur selten zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt.







Crystal Disk Mark

Der Crystal Disk Mark (CDM) ist ein weiteres Benchmark-Tool, welches die Performance von SSDs analysieren kann. Hier werden unterschiedliche Tests durchgeführt, deren Ergebnisse ähnlich wie beim A.S. SSD Benchmark aus jeweils fünf Testdurchläufen gemittelt werden. CDM hat sich in den letzten Jahren zu einem Standardtest entwickelt und wird von SSD-Herstellern oft selbst zur Bestimmung der beworbenen Leistungswerte eingesetzt.




Real Benchmarks

Wesentlich interessanter für die spätere Benutzung einer Solid State Disk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, überprüfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen. Hierzu werden verschiedene Dateien kopiert und die Transferraten ermittelt. Dazu gehört ein 20 GB großes ISO-Image sowie ein Teil des BattleField 5 Spiele-Ordners mit einer Größe von 20,3 GB. Um eine Limitierung der Leistung der zu testenden SSD durch ein zu langsames Quelle-/Ziellaufwerk zu verhindern, werden alle Test mit einer RAM-Disk durchgeführt.

In einem ersten Test wird eine 20 GB große Image Datei zunächst von der RAM-Disk auf die SSD geschrieben. Anschließend wird die Datei von der SSD gelesen und auf die RAM-Disk zurückkopiert. In beiden Fällen werden die Zeiten von drei Durchläufen gemessen und ein Durchschnitt gebildet. Anschließend wird die Prozedur mit einem 20,3 GB großen Installationsordner, der mehrere Dateien unterschiedlicher Größen beinhaltet wiederholt. Am Schluss wird derselbe Ordner zwischen zwei Pfaden auf derselben SSD kopiert. In diesem Fall muss die SSD Dateien gleichzeitig lesen und schreiben. Aus Dauer und Dateigrößer wird abschließend die Transferraten in MB/s berechnet.




Leistung im Zeitverlauf

Um die Leistung der SSD mit zunehmenden Füllstand zu simulieren, wird das Testlaufwerk fast vollständig mit zufälligen Daten (nicht komprimierter) gefüllt. Es verbleiben lediglich 10 GB freier Speicherplatz. Unter diesen Bedingungen werden die Tests mit dem Crystal Disk Mark wiederholt und die Ergebnisse verglichen.




Bewertung der Ergebnisse

Werfen wir am Ende noch gemeinsam einen Blick auf die Ergebnisse unseres Leistungstests. Für aktuelle SSDs mit PCIe 4.0 hat sich die magische 7 GB/s-Grenze quasi zum Defacto-Standard entwickelt. Dabei handelt es sich um die sequenziellen Transferraten, die das Laufwerk lesend erreichen kann. Auch Patriot hat diese Entwicklung nicht verpasst und liefert mit der Viper VP4300 2 TB eine SSD ab, die mit Maximalwerten von über 7.400 MB/s beim Lesen sowie 6.900 MB/s beim sequenziellen Schreiben die beworbenen Angaben sogar übertrifft.

Bei den zufälligen Zugriffen auf unterschiedliche Blockgrößen zeigt sich dann der etwas andere Charakter des neuen InnoGrit Controllers. Im Vergleich ist die Viper VP4300 bei kleinen Blöcken lesend bis 32 KB etwa gleich schnell wie die Konkurrenz. Danach nimmt der Anstieg der Geschwindigkeit mit jedem größeren Block jedoch etwas langsamer zu. Ab Blöcken von 1 MB liegt die SSD dann wieder mit anderen Laufwerken auf Augenhöhe.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den zufälligen Schreibzugriffen, nur dass die Leistung hier insgesamt etwas konstanter ist. Für den Alltag haben diese Entwicklungen eher weniger Aussagekraft, sie zeigen aber, dass die bisherigen SSDs mit Phison Controller schon etwas optimierter arbeiten. Bei den Praxistests liegt die Patriot Viper VP4300 SSD im oberen Viertel unseres Vergleichs und liefert damit sehr gute Werte.

Auch bei vollständiger Füllung des NANDs (10 GB freie Kapazität) bricht die Lesegeschwindigkeit nicht merklich ein. Bei größeren sequenziellen Schreibzugriffen müssen Käufer sich in diesem Szenario logischerweise auf Geschwindigkeitseinbußen einstellen, weil dem SLC-Cache natürlich der Platz aus geht. Insgesamt sind die Reduzierungen aber vertretbar und im üblichen Rahmen.

Bei der Temperaturentwicklung hat Patriot bereits vorsorglich direkt zwei Kühlkörper im Paket beigelegt. Insgesamt empfiehlt sich bei allen PCIe-Gen.4-SSDs die Verwendung eines Kühlkörpers, um nicht direkt ins Throttling durch zu hohe Temperaturen zu laufen und so Leistung einzubüßen.

Im Falle der neuen Viper VP4300 haben wir bei unserem Dauerschreibtest eine maximale Temperatur von 80 °C am PCB (unter dem Kühler) im Bereich des Controllers gemessen. Auch bei dem – doch recht alltagsfremden – Vollschreiben der SSDs mit knapp 1960 GB Zufallsdaten am Stück erreichte die SSD immer noch eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 790 MB/s.

Fazit

Mit seiner neuen Viper VP4300 Serie hat nun auch Patriot ein Laufwerk im Angebot, das es in den 7-GB/s-Club schafft. Dazu gehen die Ingenieure neue Wege und setzen auf einen Controller von InnoGrit und schnellen NAND von Micron. Insgesamt stellt sich diese Kombination ebenfalls als gut heraus und die SSD liefert somit solide Werte im Leistungstest. Positiv ist außerdem die Beigabe von gleich zwei passiven Kühlkörpern zu erwähnen, zwischen denen Benutzer*Innen wählen können.

Preislich müsst ihr euch aktuell auf einen vergleichsweise hohen Preis einstellen. Für die Viper VP4300 mit 2 TB werden derzeit knapp 460 Euro* fällig. Zum Vergleich: Die Seagate FireCuda 530 (2 TB) kostet ab 429 Euro, für die etwas langsamere Crucial P5 Plus (2 TB) zahlt derzeit ihr nur ca. 310 Euro. Die Konkurrenz in Form der Samsung SSD 980 Pro ruft derzeit ab 340 Euro für die 2-TB-Variante auf.

SSDs
Allround-PC.com
10/2021
Patriot Viper VP4300 SSD
Empfehlung

Pro

  • extreme Transferleistung beim Lesen und Schreiben
  • neuste PCIe-4.0-SSD-Generation mit NVMe 1.4
  • solider Micron NAND
  • zwei Kühlkörper zur Wahl
  • 5 Jahre Garantie

Contra

  • relativ hoher Preis

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