Die neue Lexar PLAY X SSD will eine echte Verwandlungskünstlerin sein, die sowohl Gamer mit Desktop als auch mit Handhelds gleichermaßen glücklich machen soll. Wir haben die neue 2030-SSD mit 1 TB Kapazität für euch getestet.
Das Konzept der Lexar PLAY X klingt einfach, aber genial: Das eigentliche SSD-Modul ist im 2030-Format ausgeführt. Ein zusätzlicher Adapter erweitert die Gehäusegröße auf den in vielen Geräten üblichen 2280-Formfaktor. So kann die PLAY X SSD in 2030-, 2230- und 2280-Slots eingesetzt werden.
Leistungstechnisch ordnet sich das neue Gaming-Laufwerk an der Spitze von Lexars Gen-4-Portfolio ein und steht dort neben der Lexar NM790. Darüber sind die Gen5-Modelle NM1090 und NM990 platziert, die jedoch das klassische 2280-Format aufweisen. Die bisherige Lexar PLAY 2230 (ebenfalls 2230-Format) schreibt Lexar selbst dem eigenen Mainstream-Segment zu, was die PLAY X zum neuen 2230-Spitzen-SSD-Modell von Lexar macht.
Angeboten wird die PLAY X mit wahlweise 512 GB oder 1 TB Speicherkapazität. Der Adapter zur Erweiterung auf 2280er-Baugröße ist dabei immer Bestandteil des Sets. Für unseren Test haben wir das Modell mit 1 TB verwendet. Eine 2-TB-Version ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 geplant.
Unser Testfazit zur Lexar PLAY X:
Lexar PLAY X: Was steckt drin?
Werfen wir einen kurzen Blick auf die Technik hinter der PLAY X SSD, bevor wir uns dem eigentlichen Leistungstest widmen.
Als Controller verwendet Lexar einen Chip von Maxio. Konkret kommt hier der MAP1602 zum Einsatz, der über vier Kanäle zur Anbindung des Flashspeichers verfügt. Da das Laufwerk mit TLC-NAND arbeitet, ist es auch mit einem SLC-Cache ausgestattet. Einen dedizierten DRAM-Cache hat die kleine SSD nicht und nutzt stattdessen mit HMB (Host Memory Buffer) bis zu 40 MB des Arbeitsspeichers des Host-Gerätes als schnellen Zwischenspeicher.

Die Anbindung an den Rechner erfolgt über M.2 mit PCIe 4 mit 4 Lanes (PCIe 4×4). Intern kommt das NVME 2.0 Protokoll zum Einsatz.
Die Lebenserwartung des Flashspeichers gibt der Hersteller mit bis zu 600 TB (TBW) für das Modell mit 1 TB an, was einen derzeit üblichen Wert darstellt. Die Bezeichnung und der Hersteller der NAND-Chips bleiben ein Geheimnis.
Angeboten wird der kleine SSD-Chip zusammen mit dem 2280-Adapter und einer beschränkten Garantie von fünf Jahren. Die Beschränkung bezieht sich dabei vor allem auf das vorzeitige Erreichen der TBW-Grenze.
tl;dr – Die SSD auf einen Blick
Hier noch einmal die wichtigsten Details der neuen Lexar PLAY X SSD im Überblick.
Die Lexar PLAY X…
- hat selbst ein 2030-Format.
- kann in 2230-Slots verwendet werden.
- verwandelt sich mit einem Adapter in eine vollwertige 2280-SSD.
- verwendet einen Maxio MAP1602 Controller.
- nutzt nicht genauer spezifizierten TLC-NAND.
- wird mit PCIe 4×4 angebunden.
- hat eine Lebenserwartung (TBW) von 600 TB (1-TB-Modell).
- kommt mit einer Garantie von 5 Jahren.
Leistungstest der Lexar PLAY X SSD
Im Fokus dieses Artikels steht natürlich hauptsächlich die Leistung, die ein Laufwerk unter verschiedenen Bedingungen erreicht. Daher haben wir die Lexar PLAY X SSD mit 1 TB verschiedenen Tests unterzogen. Theoretische Benchmarks kitzeln das Maximum aus dem Laufwerk heraus, während praktische Testdurchläufe eine Einschätzung der Laufwerksleistung unter alltäglichen Bedingungen erlauben.

Folgende Laufwerke wurden für den Vergleich herangezogen:
- Kingston KC3000 (Gen 4)
- Kingston FURY Renegade G5 (Gen 5)
- Lexar NM990 SSD 2 TB (Gen 5)
- Crucial T710 SSD 2 TB (Gen 5)
- Crucial P510 SSD 2 TB (Gen 5)
- WD_BLACK SN8100 2 TB (Gen 5)
- Samsung SSD 9100 PRO 2 TB (Gen 5)
- Crucial T705 SSD 2 TB (Gen 5)
- Samsung SSD 990 PRO 2 TB (Gen 4)
Testsystem:
- Prozessor: AMD Ryzen 5 7600X
- Mainboard: MSI MPG X870E Carbon WiFi
- RAM: Crucial DDR5 Pro 96 GB
- Kühlung: MSI MAG CoreLiquid E360
- Systemlaufwerk: WD Black SN850X 1 TB (System, M.2-Slot 2, CPU-angebunden)
- Grafikkarte: Radeon RX 5600 XT
- Windows 11 Pro 24H2
Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:
- A.S. SSD Benchmark 2
- Crytsal Disk Mark 8 x64
- ATTO Disk Benchmark 4.01
- PCMark 10
- 3DMark
- DirectStorage Benchmark 1.2 (Avocado)
Synthetische Benchmarks
Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen, aber die dargestellten Situationen entsprechen oft nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Der Vorteil von synthetischen Benchmarks ist ihre genaue Reproduzierbarkeit. Die Ergebnisse lassen sich somit besonders gut zwischen verschiedenen Laufwerken vergleichen.
A.S. SSD Benchmark
Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.
ATTO Disk Benchmark
Wenn es darum geht, die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von 4 Kilobyte bis 2 Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die ermittelten Werte allerdings nur selten zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt.
Crystal Disk Mark
Der Crystal Disk Mark (CDM) ist ein weiteres Benchmark-Tool, das die Performance von SSDs analysieren kann. Hier werden unterschiedliche Tests durchgeführt, deren Ergebnisse ähnlich wie beim A.S. SSD Benchmark aus jeweils fünf Testdurchläufen gemittelt werden. CDM hat sich in den letzten Jahren zu einem Standardtest entwickelt und wird von SSD-Herstellern oft selbst zur Bestimmung der beworbenen Leistungswerte eingesetzt.
Praxisbezogene Tests
Wesentlich interessanter für die spätere Verwendung einer Solid State Disk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, überprüft diese Art von Tests die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen.
Kopieren unter Windows
Hierzu werden verschiedene Dateien kopiert und die Transferraten ermittelt. Dazu gehört ein 20 GB großes ISO-Image sowie der Installationsordner von CyberPunk 2077 mit einer Größe von 66 GB. Um eine Limitierung der Leistung der zu testenden SSD durch ein zu langsames Quelle-/Ziellaufwerk zu verhindern, werden alle Tests mit einer RAM-Disk durchgeführt.
In einem ersten Test wird eine 20 GB große Image-Datei zunächst von der RAM-Disk auf die SSD geschrieben. Anschließend wird die Datei von der SSD gelesen und auf die RAM-Disk zurückkopiert. In beiden Fällen werden die Zeiten von drei Durchläufen gemessen und ein Durchschnitt gebildet. Anschließend wird die Prozedur mit einem 60 GB großen Installationsordner, der mehrere Dateien unterschiedlicher Größen beinhaltet, wiederholt. Am Schluss wird derselbe Ordner zwischen zwei Pfaden auf derselben SSD kopiert. In diesem Fall muss die SSD Dateien gleichzeitig lesen und schreiben. Aus Dauer und Dateigröße wird abschließend die Transferraten in MB/s berechnet.
Avocado Benchmark
Das „Avocado-Benchmark“ ist eigentlich der DirectStorage-Test, welcher von Microsoft zur Demonstration der DirectStorage-API entwickelt worden ist. Das Tool misst die Bandbreite zwischen GPU und SSD, wenn DirectStorage zum Einsatz kommt. Die Technologie erlaubt das Laden von Spieldateien (meist Texturen) direkt von einer SSD in den VRAM der Grafikkarte. Auch das Entpacken der Dateien wird von der GPU übernommen. Die CPU bleibt dabei außen vor, was das Verfahren deutlich schneller macht.
Dieser Benchmark hängt stark von der Leistung der GPU und der SSD ab. Ein direkter Vergleich der Bandbreite macht also nur bei gleichen Testbedingungen Sinn. Die Werte sollten daher relativ zueinander betrachtet und nicht als absolute Größe gedeutet werden.
PCMark 10 Storage Tests
Außerdem haben wir das PCMark 10 mit seiner ausführlichen Praxissimulation verschiedenster Auslastungsszenarien in unseren Benchmark-Katalog aufgenommen.
3DMark SSD Storage Test
Zur Simulation der SSD-Leistung in Hinblick auf Gaming-Situationen kommt der 3DMark Storage Test zum Einsatz.
Caching-Verhalten
Um die Strategie des integrierten SLC-Caches zu analysieren, beschreiben wir das Laufwerk vollständig mit Daten und dokumentieren dabei die Schreibgeschwindigkeit.
Daraus ergeben sich zwei Werte: Die Größe des (häufig dynamisch zugewiesenen) SLC-Caches und die Geschwindigkeit im SLC-Modus. Zudem dokumentieren wir so die Schreibgeschwindigkeit, die im Mittel nach dem kompletten Füllen des Caches zu erwarten ist. Um den Einfluss eines möglichen Throttlings durch zu hohe Temperaturen zu kompensieren, werden für diesen Test alle Laufwerke mit ihrem Standardkühler (K) oder dem integrierten M.2-Kühler der Hauptplatine (MK) betrieben.
Alle Werte weisen einen gewissen Messefehler auf und sind mit einer entsprechenden Toleranz zu betrachten.
Durchschnittliche Schreibleistung
Ab sofort stellen wir auch die durchschnittliche Schreibgeschwindigkeit für euch als Diagramm dar. Dabei handelt es sich um die mittlere Transferrate, die die SSD beim vollständigen Beschreiben des NAND-Speichers benötigt.
Dieser Geschwindigkeitswert wird dabei unter anderem durch den SLC-Cache (langsameres Schreiben im TLC-Modus) und die Reduzierung der Laufwerksleistung aufgrund zu hoher Temperaturen (Throttling) beeinflusst. Um die letztere Komponente zu kompensieren, testen wir die Laufwerke ab sofort einmal mit und einmal ohne Kühler. Als Kühler kommt der integrierte Kühler des MSI MPG X870E Carbon WiFi Mainboards zum Einsatz.
Laufwerke, die ohne Kühler geliefert werden, werden auch so getestet (kein Kürzel). Diese SSDs testen wir zusätzlich mit dem Mainboard-Kühler (Kürzel MK). Laufwerke, die mit montiertem Kühler ausgeliefert werden, werden auch so getestet und tragen das Kürzel (K).
Messergebnisse der Lexar PLAY X im Detail
Bei den sequenziellen Transfers zeigt die Lexar PLAY X mit Werten von etwas über 7.400 MB/s beim Lesen und über 6.570 MB/s beim Schreiben, was maximal möglich ist. Dabei liegen die erreichten Transferleistungen sogar etwas über den Angaben des Herstellers.
Die wahlfreien Zugriffe auf unterschiedliche Blockgrößen meistert das kleine Laufwerk ebenfalls gut und liegt auf Augenhöhe mit den 2-TB-Varianten der SanDisk WD Blue SN5100 oder der Kingston KC3000.
Praktische Tests fallen positiv aus
Sowohl im PCMark 10 als auch im 3D Mark Storage Test liefert die PLAY X SSD mit 1 TB solide Werte und reiht sich mit ihrer Performance auf Augenhöhe anderer DRAM-less Laufwerke mit Gen4-Anbindung ein.
Unsere Kopiertests unter Windows 11 Pro bestätigen dieses Bild, wobei das Lexar-Laufwerk hier im direkten Vergleich mit anderen 2-TB-SSDs bei der Schreibleistung ganz leicht zurückfällt. Das dürfte sich mit der angekündigten 2-TB-Variante aber ändern.
Die Direct Storage Tests fallen für die PLAY X ebenfalls solide aus, sodass Handhelds mit PCIe 4-Anbindung profitieren, sofern das Spiel diesen Modus unterstützt.
Dauerschreibleistung: Schnell mit Cache, langsam ohne
Während unseres Stresstests beschreiben wir die gesamte NAND-Kapazität der SSD an einem Stück. Dabei kommen SSDs an ihre Grenzen, was Cache-Verfügbarkeit und die Wärmeentwicklung angeht (zu letzterem Punkt lest ihr unten mehr).

Das Befüllen des gesamten Speichers (knapp 950 GB) gelingt der Lexar PLAY X SSD mit durchschnittlich 1.054 MB/s. Dieser Wert ist eher im unteren Bereich unseres Vergleichs einzuordnen. Die ersten 300 GB schreibt die SSD dabei zügig mit durchschnittlich 5 GB/s. Sobald der SLC-Cache (knapp 305 GB) voll ist, geht es runter auf etwa 650 MB/s mit kurzen Leistungsspitzen von etwa 1.300 MB/s.
Für den normalen Alltagsgebrauch und als Gaming-Laufwerk ist das alles kein großes Problem. Wer jedoch häufig anfordernde Schreiblasten zu bewältigen hat (mehrere 100 GB am Stück), findet mit der PLAY X SSD nicht unbedingt die optimale Partnerin.
Temperatur
Während unseres Dauerlasttests mit installiertem 2280-Adapter und dem M.2-Kühler des Mainboards meldete der interne Sensor des Controllers maximal 65 °C. Dem Adapter kommt dabei eine wichtige Funktion zur Wärmeableitung im „2280-Modus“ zu, da das Gehäuse aus Aluminium gefertigt ist.
Auch bei Gen4-SSDs bleibt eine gute Kühlung für eine anhaltend hohe Leistung Pflicht, ist aber lange nicht so kritisch, wie bei Gen5-SSDs.
Im Fall der Lexar PLAY X macht eine separate Kühlung Sinn, wenn es das entsprechende Host-Gerät zulässt. Damit verhindert ihr eine verfrühte Leistungsreduzierung durch zu hohe Temperaturen ziemlich effektiv. Komplett ohne Kühlkörper reduzierte die PLAY X SSD ihre Leistung bereits vor dem Füllen des SLC-Caches.
Fazit: Ist die PLAY X perfekt für Handhelds und Desktop?
Mit ihrer Wandlungsfähigkeit zwischen 2030, 2230 und 2280-Format konkurriert die Lexar PLAY X in verschiedenen SSD-Segmenten. Die Adapterlösung zur Erweiterung des kleinen 2030-Moduls auf eine „vollwertige“ 2280-SSD halten wir für eine kluge Idee, die Lexar sehr gut umgesetzt hat.
Die Leistung der Lexar PLAY X kann insgesamt überzeugen und sollte für flüssiges Gaming und kurze Ladezeiten sorgen. Schreibintensive Anwendungen sind nicht unbedingt die Lieblingsdisziplin des kleinen SSD-Moduls. Außerdem freut sich das Laufwerk über die Verwendung des 2280-Adapters, da dieser eine gewisse Kühlerfunktion übernimmt. Das klappt natürlich nur, wenn das Hostgerät den Platz bietet. An dieser Stelle ist eine klassische 2280-SSD in unseren Augen jedoch die bessere Wahl.
Preislich müsst ihr für das von uns getestete Modell mit 1 TB zum Marktstart 249,99 Euro hinlegen. Das sind über 100 Euro mehr, als die derzeitige Lexar PLAY 2230 kostet.
Natürlich dürfte sich der Preis der PLAY X (1 TB) mit steigender Verfügbarkeit noch nach unten entwickeln, sodass das neue Modell auch kostentechnisch attraktiv wird. Einen gewissen Aufpreis verlangt Lexar für seine Adapterlösung aber wohl in jedem Fall. Dafür bleibt ihr bei der Verwendung des Laufwerks über die Lebensdauer flexibel: 2230 oder 2280? Beides kein Problem.
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