Drucktechniken für Etiketten

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Infos  / Marcel Schreiter
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Der Begriff Etiketten umfasst verschiedene Arten, wobei man dabei vermutlich hauptsächlich an die Selbstklebeetiketten denkt, die man als Preisschilder oder Adressaufkleber oder zur Ordnerbeschriftung einsetzt. Doch Etiketten gibt es auch in anderen Formen und dementsprechend müssen auch völlig unterschiedliche Druckverfahren benutzt werden, um diese beschriften zu können. Die meisten taugen nicht für den Hausgebrauch, kommen jedoch in Druckereien und Firmen zum Einsatz. Schauen wir uns also mal an, was der Markt in diesem Bereich hergibt.

Wozu braucht man den Etikettendruck?

Neben den bekannten Preisschildern benötigt man überall dort spezielle Etiketten, wo nicht direkt etwas aufgedruckt werden kann. Also praktisch alle 3D-Objekte. Dazu werden in der Industrie neben den selbstklebenden Etiketten, die auch am heimischen PC mit den richtigen Komponenten wie CPU usw. herstellbar sind, verschiedene andere Techniken verwendet. Entweder direkt in den Firmen (Barcodedruck, Lieferscheine, Versandaufkleber) oder über Bestellungen in speziellen Druckereien, die die Verpackungen bedrucken oder Produktetiketten liefern.

Material

Je nach Technik kommt dabei auch unterschiedliches Material zum Einsatz. Die Wahl des Materials und die benötigte Farbe müssen neben der Anzahl der benötigten Etiketten und dem Budget immer berücksichtigt werden! Eine besonders im Handel häufig genutzte Art des Etikettendrucks ist beispielsweise der Thermotransferdruck, der für den Druck aller Arten von Kassenbons oder Fahrkarten genutzt wird. Dieser Druck funktioniert nur auf Spezialpapier.

Verschiedene Druckverfahren und Materialien

Tampondruck (mittels Silikontampons werden auf schwer bedruckbaren Gegenständen 2D-Bilder auf 3D-Produkte übertragen. Hierzu sind Druckplatten nötig. Einsatz: Industrie)

Siebdruck (mithilfe eines Gewebes und einer lichtempfindlichen Emulsion wird die Farbe übertragen, sprich durch das Sieb auf das zu beschriftende Objekt gedruckt). Anwendung beispielswiese bei Körperpflegeprodukten oder Getränkeflaschen.

Digital-Transfer (über eine Trägerfolie als mittler wird das Bild im Digitaldruckverfahren auf das gewünschte Objekt aufgebracht. Das funktioniert ähnlich wie ein Bügelbild).

Keramikdruck (funktioniert auch über einen Transferdruck und wird über einen spiegelverkehrten Siebdruck auf das Objekt aufgebracht und im Brennofen in die Keramik gebrannt.)

Lasergravur (hier können Produkte aus Glas, Holz, Leder, Metall und Kunststoff mithilfe eines Laserstrahls graviert werden, der die oberste Schicht abträgt).

Doming (dabei werden Etiketten jeglicher Form mit einer durchsichtigen Masse überzogen, die anschließend hart wird. Dieser Effekt wird beispielsweise bei Schlüsselanhängern gewünscht).

Stickerei (in Textilien oder Aufnähern werden mithilfe digitaler aufwendiger Stickprogramme die Drucke erstellt).

Konventionelle Druckverfahren

Bevor die digitalen Verfahren die Druckindustrie revolutioniert haben, wurden hauptsächlich 5 Druckverfahren eingesetzt, die heute keineswegs überflüssig sind und auch zum Druck von Etiketten verwendet werden.

Dazu zählen:

  • Buchdruck
  • Flexodruck
  • Offsetdruck
  • Siebdruck
  • Tiefdruck

Buchdruck klingt zunächst verwirrend, weil man denken könnte, dass man damit nur Bücher herstellt. Aber tatsächlich bezeichnet dieser Name eine Verfahrensart.

Für alle diese konventionellen Druckverfahren musste eine Druckplatte hergestellt werden, mit deren Hilfe man anschließend die Farbe auf Etiketten, Papierbögen oder Papierrollen aufbringen konnte. Diese Druckplatten nennt man übrigens auch „Klischee“.

Herstellung von Druckplatten („Klischees“):

Ohne zu sehr ins komplizierte Detail zu gehen, werden beispielsweise beim Buch- und Flexodruck zunächst die Farben festgelegt. Das sind hauptsächlich die aus den heutigen Farbdruckern bekannten Farben Cyan, Gelb, Magenta und Schwarz, aus denen man fast alle anderen Farben mischen kann. Dann wird ein Layout mit diesen Farben erstellt und ein Film damit ausbelichtet, der anschließend auf eine Kunststoffplatte gelegt wird. Der Kunststoff muss UV-härtend sein. Die Platte wird danach mit UV-Licht bestrahlt, wodurch alle Kunststoffteile aushärten, auf denen kein Film aufliegt. Diese weichen Teile können nachher gereinigt werden und sind farblos, wodurch sich jetzt eine Art Stempelrelief ergibt, mit dessen Hilfe der Seriendruck gestartet werden kann. Eine ziemlich aufwendige Art, die natürlich auch die Kosten entsprechend in die Höhe treibt. Trotzdem ist diese Art des Etikettendrucks für einige Zwecke immer noch wichtig und im Einsatz.

Neue Methoden – digitales Druckverfahren

Die digitale Drucktechnik ist deshalb wie eine Bombe eingeschlagen, weil keine solchen Druckplatten mehr benötigt werden! Daher können heute alternativ zu den konventionellen Verfahren, die auch weiterhin im Einsatz sind, auch folgende Drucktechniken angewandt werden: Der digitale Offsetdruck (mit Flüssigtoner), der UV-Inkjet (Tintenstrahldruck), der Pigment-Inkjet (Tintenstrahldruck), der Trockentonerdruck (mit Laserdrucker) und der Thermotransferdruck, der zunehmend an Wichtigkeit gewinnt.

Verwendung

Der Inkjet-Druck wird besonders bei kleinen Auflagen beziehungsweise kleinen Mengen verwendet. Ob Inkjet oder Lasertoner besser geeignet sind, kommt auf die Art der Etiketten (also das Material) und die Verwendung an. Beispiele für UV-Inkjet: Getränkeetiketten aus Papier, Drogerieartikel wie Parfüm, Make-up oder Kosmetik (hier auch UV-Inkjet möglich), Chemieetiketten, Haushalts- und Industrieetiketten (strapazierfähig!).
Beispiele für Laser (Trockentoner): Getränkeetiketten für Flaschen (Alkohol), Etiketten für Medikamente, Sicherheitsbeschriftungen, Lebensmitteletiketten, Drogerieartikel (hier auch UV-Inkjet möglich).

Kombination

Häufig werden die beliebtesten Druckverfahren auch kombiniert, besonders wenn Sonderfarben oder spezielle Veredelungen gewünscht werden. Kombinierbar sind Offsetdruck, Flexodruck, Digitaldruck, Siebdruck und Tiefdruck.

Der Flexodruck ist ein direktes Hochdruckverfahren, bei dem der Teil, der gedruckt werden soll, höher liegt als der Rest. Dabei ähnelt er dem Buchdruck und für beide ist eine Druckplatte notwendig. Beliebtester Einsatz sind Verpackungen.

Das Buchdruckverfahren wird meist im Vierfarbdruck für Haft- und Rolletiketten eingesetzt.

Der Offsetdruck ist ein Flachdruckverfahren und gehört zu den althergebrachten Methoden. Er wird natürlich gerne für Bücher und Zeitschriften, aber auch für Verpackungen und Etiketten eingesetzt.

Dabei handelt es sich um ein indirektes Druckverfahren, bei dem die Farbe über eine Walze erst auf einen Zylinder und dann auf das zu bedruckende Material übertragen wird. Dabei kommen dann Rollen- oder Bogenoffsetmaschinen zum Einsatz. Das bedeutet, dass entweder Druckbögen eingelegt werden oder große Papierrollen zugeführt werden.

Wichtig für die Industrie: der Thermotransferdruck

Die Wichtigkeit dieser Methode wurde eingangs bereits kurz angeschnitten. Bei dieser Methode gibt es nämlich insgesamt drei unterschiedliche Drucktechniken: den Thermodirektdruck, Thermotransferdruck und Thermosublimationsdruck. Sie kommen häufig im Handel (Kassenbon, Parkschein, Fahrkarten) zum Einsatz. In der Industrie werden sie für Barcodedrucke benötigt. Sie funktionieren durch Hitzeeinwirkung und nicht über Farbauftragung.
Gedruckt werden kann auf bestimmten Thermotransferfolien, die aus Wachs, Harz oder einer Wachs-Harz-Mischung bestehen. Das hat Auswirkungen auf die Haltbarkeit, denn sie können wischfest, aber auch kratzfest oder im Falle von Harz auch hitzebeständig und resistent gegen Lösungsmittel sein.
Je nach Einsatzgebiet (Lieferscheine, Versandetiketten, Rechnungen, Eintritts- oder Fahrkarten, Parktickets) sollte auch das Material und damit die Qualität und Langlebigkeit ausgesucht werden. Leider ist hierbei nur schwarz-weiß-Druck möglich.


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