Intel Ice Lake: neue Prozessoren für Notebooks sind da

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News intel  / Leonardo Ziaja
Ein Intel Ice Lake Prozessor auf einem Mainboard.

Intel hat heute offiziell die neuen CPUs der Ice-Lake-Serie vorgestellt. Die Prozessoren der 10. Generation sind für mobile Endgeräte wie Notebooks ausgelegt und bieten besonders in Hinsicht auf den neuen Sunny Cove Core sowie die Grafikeinheit einige Neuerungen.

Die Familie der Ice-Lake-CPUs ist für Notebooks und 2-in-1s ausgerichtet, Intel kündigt dafür mehr als 35 neue Designs an. Geräte mit den neuen Prozessoren können wir wohl im Herbst erwarten, vermutlich gibt es erste Notebooks auch schon auf der diesjährigen IFA zu sehen. Wie schon bei der Vorgänger-Generation wird die Serie wieder in U- und Y-Modelle unterteilt.

Leistungssteigerung: bis zu 18% mehr IPC

Laut Intel sind 3-4 Jahre Entwicklungszeit in die neuen Prozessoren der Ice-Lake-Familie geflossen, auch deswegen erwartet sich der Hersteller einen größeren Sprung gegenüber den Vorgänger-Generationen. Im Schnitt möchte Intel gegenüber der Skylake-Generation ca. 18% mehr IPC bieten. Gegenüber den direkten Vorgängermodellen aus der Whiskey-Lake-Familie ist der Unterschied allerdings nicht mehr allzu groß, die sehr ausgereizten 14nm-Prozessoren mit hohen Taktraten können es fast schon mit der noch jungen 10nm-Familie von Ice-Lake mit eher noch geringem Takt aufnehmen. Zum Vergleich: Ice-Lake startet mit maximal 4,1 GHz, das Topmodell von Whiskey-Lake bietet satte 4,8 GHz.

Der neue „Sunny Cove“-Core

Ein wichtiger Faktor der neuen Ice-Lake-Prozessoren ist der neue Sunny-Cove-Core. Er bietet besonders in Hinsicht auf den Micro-Op-Cache eine bessere Leistung. Gegenüber Skylake wurde der µOP-Cache um 50% ausgebaut, wodurch mehr Informationen ins Backend gelangen können. Hierzu wurde auch der Buffer vergrößert.

Des Weiteren gibt es eine neue 5-Wide-Out-of-Order-Pipeline im Backend, sie kann mit nun vier Reservation Stations für zehn Ports für eine bessere Parallelisierung sorgen. Darüber hinaus wächst der L1-Datencache auf 48 KByte, eine Steigerung von 50% und somit der größte Sprung seit langem. Auch der L2-Cache wächst, sogar um satte 100 Prozent.

Die Intel Keynote auf der Computex 2019, auf der es schon erste Details zu den neuen Prozessoren gab.
Ein Chip-Wafer, auf dem mehrere Ice Lake CPUs zu sehen sind.

Neue Intel Iris Plus Grafikeinheit

Eine wichtige Neuerung zeigt sich zudem mit der neuen Intel Iris Plus Grafikeinheit, die nun mit bis zu 64 EU (Execution Units) statt bisher 24 EU ausgestattet ist. Sie soll laut Intel bis zu 2x mehr Framerates bei Spielen mit 1080p erreichen können. Auch 4K HDR streamen sowie 4K-Videobearbeitung und Hi-Res Fotobearbeitung sollen möglich sein. Die Grafikeinheit taktet mit bis zu 1,1 GHz im Turbo etwas weniger gegenüber seinem Vorgänger, allerdings soll sich die Leistung unterm Strich deutlich steigern.

Intel Iris Graphics unterstützt Open GL 4.5, Open CL sowie DirectX 12 und wird ebenfalls in 10 nm gefertigt. Auch PCIe Gen 3.0 wird unterstützt, die ICL-U Modelle können sogar eine dGFX-Karte aufnehmen (mit 1×4). Decoding ist bis 8K30 (10b HEVC/VP9) möglich, zudem wurde das Encoding unter HEVC um das 2x beschleunigt, so Intel. Zum Anschließend von Displays stehen bis zu 3 Display-Pipes zur Verfügung, die Bildschirme mit bis zu 4K120 oder 5K60 (über Displayport) darstellen können.

Allerdings wird nicht jedes Prozessor-Modell auf die vollen 64 EUs setzen, auch die „klassische“ Intel UHD Grafikeinheit wird zum Einsatz kommen. Intel verwendet hierfür eine neuartige Modellbezeichnung, doch dazu später noch mehr.

Wi-Fi 6 und Thunderbolt 3

Neben den sehr technischen Neuerungen gibt es aber auch neue Funktionen, darunter beispielsweise Wi-Fi 6 (mit Gig+). Auch Thunderbolt 3 wird natürlich wieder vorhanden sein, mit Ice-Lake sogar mit bis zu 4 Ports. Intel integriert den entsprechenden Chip direkt in den Prozessor und spart sich so unnötige Umwege auf der Platine. Auch die Mainboard-Hersteller profitieren davon, durch den sonst separaten Chip wurden zusätzlich 7 Watt TDP erzeugt, so Intel. Mit Ice-Lake sollen nun insgesamt bis zu vier Port möglich sein, die alle gleichwertig sind und die volle Bandbreite liefern sollen.

Die drei Logo-Badges der kommenden Core i3, Core i5 und Core i7 Modelle der 10. Generation.

Während die Top-Modelle mit bis zu 28W TDP kein Problem mit der Leistungsaufnahme bekommen sollten, könnte sich die Integration bei den Modellen mit 9W durchaus spannend gestalten – wir werden sehen. Ein aktiver Re-Timer wird aber weiterhin als eigener Chip auf dem Mainboard zu finden sein, allerdings kann dieser nun ganz frei platziert werden. Der Vorteil: im Endeffekt können nun auf beiden Seiten Thunderbolt 3 Anschlüsse untergebracht werden.

Bezüglich des Speichers gibt es auch eine Neuerung zu vermelden. Der neue Speichercontroller kann es nun neben LPDRR4-3733 auch mit DDR4-3200 aufnehmen. Die Modelle der Whiskey-Lake-Serie unterstützen lediglich DDR4-2400 und LPDDR3-2133 – ein deutlicher Sprung nach vorne also!

Gesteigerte AI-Performance

Auch die „Artificial Intelligence“ wird zum wichtigen Bestandteil der neuen Ice-Lake-Generation. Die AI-Performance soll sich laut Intel um das 2,5-fache gegenüber der Vorgänger-Generation gesteigert haben. Zudem soll es die erste Inferenz-Instruktion auf einem „thin-and-light“-Notebook geben, umgesetzt mit der Deep Learning Boost Technologie. Übrigens: eine Inferenz ist die Anwendung eines trainierten Netzes auf neue Daten.

Modell-Übersicht: Core i3, i5 & i7

Intel wir die Ice-Lake-Serie mit 11 SKUs starten, darunter Modelle als Core i3, Core i5 und Core i7. Wie bereits erwähnt, unterscheiden sich die Prozessoren in Y-Modelle mit 9W TDP und U-Modelle mit 15W TDP. Als Topmodell wird es noch eine CPU mit 28W TDP geben, die nochmal stärker taktet.

Bei der Namensgebung weicht Intel erstmals seit langem vom bekannten Schema ab. Es kommen zwar weiterhin vier Nummern nach der i-Typisierung, allerdings gibt es noch einen Zusatz für die Grafikeinheit. Neben G1 (Intel UHD Graphics) wird es auch G4 und G7 geben (beide für Intel Iris Graphics). Während G4 auf 48 EUs setzt, gibt es bei G7 die vollen 64 EUs. Der Unterschied ist zudem in einer leicht schwächeren Taktrate von 1,05 GHz statt 1,10 GHz zu sehen. Die Namensgebung wird sowohl für die U- als auch Y-Modelle verwendet, hier eine Übersicht:

Intel Ice Lake U-Serie:

ModellKerne/
Threads
TDP:
Nominal/ConfigUP
BasistaktMax. Single Core TurboMax. All Core TurboCacheGrafikeinheit (EUs)Max. Takt Grafikeinheit
Intel Core i7-1068G74/828W2,3 GHz4,1 GHz3,6 GHz8MBIris Plus (64)1,10 GHz
Intel Core i7-1065G74/815W/25W1,3 GHz3,9 GHz3,5 GHz8MBIris Plus (64)1,10 GHz
Intel Core i5-1035G74/815W/25W1,2 GHz3,7 GHz3,3 GHz6MBIris Plus (64)1,05 GHz
Intel Core i5-1035G44/815W/25W1,1 GHz3,7 GHz3,3 GHz6MBIris Plus (48)1,05 GHz
Intel Core i5-1035G14/815W/25W1,0 GHz3,6 GHz3,3 GHz6MBUHD (32)1,05 GHz
Intel Core i3-1005G12/415W/25W1,2 GHz3,4 GHz3,4 GHz4MBUHD (32)0,90 GHz

Intel Ice Lake Y-Serie:

ModellKerne/
Threads
TDP:
Nominal/ConfigUP
BasistaktMax. Single Core TurboMax. All Core TurboCacheGrafikeinheit (EUs)Max. Takt Grafikeinheit
Intel Core i7-1060G74/89W/12W1,0 GHz3,8 GHz3,4 GHz8MBIris Plus (64)1,10 GHz
Intel Core i5-1030G74/89W/12W0,8 GHz3,5 GHz3,2 GHz6MBIris Plus (64)1,05 GHz
Intel Core i5-1030G44/89W/12W0,7 GHz3,5 GHz3,2 GHz6MBIris Plus (48)1,05 GHz
Intel Core i3-1000G42/49W/12W1,1 GHz3,2 GHz3,2 GHz4MBIris Plus (48)0,90 GHz
Intel Core i3-1000G12/49W/12W1,1 GHz3,2 GHz3,2 GHz4MBUHD (32)0,90 GHz

Wie steht es um die effektive Performance?

Wie sich die neuen Prozessoren, auch besonders in Hinsicht auf die Grafikleistung, gegenüber dem Vorgänger und den etwas älteren Modellen von AMD schlagen werden, steht noch aus. Aktuell sind die neuen Ice-Lake-CPUs noch ohne Konkurrenz, da AMD seine neuen Modelle für den mobilen Bereich noch nicht gelauncht hat. Allerdings sieht es im Desktop-Bereich gerade genau andersherum aus, dort muss Intel aktuell nachziehen. Es könnte nächstes Jahr also spannend werden, sollte Intel neue Desktop-Prozessoren und AMD neue CPUs für den mobilen Bereich launchen.

Wir hoffen natürlich, bald ein erstes Notebook mit den neuen Prozessoren für einen Test in den Händen halten zu können. Vielleicht gibt es, wie bereits erwähnt, auch schon erste Modelle auf der IFA 2019 zu sehen – dort werden wir natürlich vor Ort sein und von den neusten Technik-Highlights berichten.


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