Intel Raptor Lake: Wird die 6 GHz-Marke durchbrochen?

Mehr Performance, aber auch mehr Effizienz?
News Intel  /  

Der kommende Herbst könnte wirklich spannend werden, denn sowohl AMD als auch Intel werden eine neue Generation ihrer Prozessoren auf den Markt bringen. Wir wollen uns daher mal etwas genauer ansehen, was uns mit Core-13000 so erwarten könnte und welche Details bisher bekannt sind.

Letzte Aktualisierung am 13. September: Takt-Rekord und 6 GHz bei Standardeinstellungen

Im Februar dieses Jahres präsentierte Intel eine Roadmap und somit die Planungen für die nächsten Jahre. Während aktuell Alder Lake, darunter auch der Core i9-12900K (Test), noch im Rennen ist, so wird Raptor Lake in der zweiten Jahreshälfte 2022 wohl das Zepter in die Hand nehmen. Die 13. Core-Generation wird dann erneut auf dem Intel 7 genannten Verfahren basieren und den LGA1700-Sockel nutzen. Erst mit Meteor Lake will Intel dann für 2023 eine neue, verfeinerte Fertigung mit 7-nm-Strukturgröße an den Start bringen.

Intel wird Raptor Lake höchstwahrscheinlich auf einem Event am 27. September enthüllen. Wie im Vorjahr sollen laut ECSM_Official zuerst die K-Prozessoren sowie die Z790-Mainboards erscheinen. Angeblich erfolgt der Marktstart am 17. Oktober, womit Intel wohl kurz nach AMD seine neue Generation in den Handel bringen würde. Zur CES 2023 im Januar folgen dann voraussichtlich die Mainstream-Prozessoren sowie H770- und B760-Platinen.

Hybrid-Architektur mit bis zu 24 Kernen

Die Raptor Lake Architektur soll Intel zufolge über bis zu 24 Kerne bei 32 Threads verfügen. Ein bereits im Januar aufgetauchtes Engineering Sample dürfte dies mehr oder weniger bestätigen. Die Hybrid-Architektur wird zwar beibehalten, nach aktuellen Kenntnisstand werden jedoch die Golden-Cove-Cores von Alder Lake nicht weiter verwendet und durch die Raptor-Cove-Kerne ersetzt. Neben weiterhin 8 Performance-Kernen dürfte das Topmodell dann über 16 statt 8 Effizienz-Kerne verfügen.

Ganz konkret ist eine Leistungsverbesserung von 10 % gegenüber den Alder Lake Prozessoren zu erwarten. Laut „Moores Law Is Dead“ könnten 8 bis 15 Prozent mehr Performance auf einem Kern und 30 bis 40 Prozent auf allen Kernen möglich sein. Darüber hinaus ist ein größerer L2-Cache sowie eine verbesserte DDR5-Unterstützung zu erwarten.

Einem Screenshot aus CPU-Z zufolge könnte das Flaggschiff der Intel Raptor Lake Familie über insgesamt 68 MB L2/L3-Cache verfügen. Das Bild wurde vom Twitter-Kanal OneRaichu veröffentlicht und zeigt neben der erwarteten Konfiguration von 8x P-Kernen und 16x E-Kernen die jeweilige Cache-Verteilung. Demnach soll das kommende Topmodell über 32 MB L2-Cache (2 MB pro P-Kern, 4 MB pro E-Kern-Cluster) und 36 MB L3-Cache verfügen, was 24 MB mehr Cache-Speicher im Vergleich zu Alder Lake entsprechen würde.

Neusten Spezifikationen zufolge, geleakt im chinesischen Bilibili-Forum, soll Intel für die kleineren Varianten jedoch weiterhin auf Alder-Lake-Chips setzen. Während der Core i7-13700K und Core i9-13900K über die neue B0-Revision setzen (also den Raptor-Lake-Chip), sollen die SKUs unterhalb des Core i5-13600K auf das bekannte C0- und H0-Stepping setzen. Hierbei ist C0 ein Chip mit 8P+8E-Aufbau, wie auch beim Core i9-12900K (Test), H0 entspricht einem 6P+0E-Chip. (via Golem)

Holt Intel wieder die Boost-Brechstange heraus?

Der maximale Turbotakt des kommenden Flaggschiffs, welches vermutlich auf den Namen Core i9-13900K hören dürfte, soll ersten Gerüchten zufolge bei satten 5,5 GHz liegen. Ein Leaker auf Twitter spricht sogar von einem Boost auf bis zu 5,8 GHz, was sogar den frisch vorgestellten Core i9-12900KS übertreffen dürfte. Da Intel allerdings weiterhin bei einer Strukturgröße von 10 nm verbleibt, dürfte sich der effektive Stromverbrauch wohl nicht großartig „verbessern“ – wohl eher im Gegenteil.

Um höhere Taktraten zu realisieren, muss Intel auch die Spannungen anheben. In diesem Zuge könnten auch die Temperaturen und Kühlungsanforderungen nochmal etwas anspruchsvoller ausfallen. Das dürfte aber wohl nur das Topmodell betreffen, mit dem Intel die Leistungskrone gegenüber AMD und Ryzen 7000 verteidigen möchte und der Energieeffizienz daher eine kleinere Priorität verpasst. Die kleineren Core i3, i5 und i7 Prozessoren werden voraussichtlich deutlich effizienter arbeiten.

Leistung: Prozessoren zeigen sich in Benchmarks

Das kommende Flaggschiff zeigte sich nun erstmals beim UserBenchmark. Zusammen mit einer Intel Arc 770 Grafikkarte, die wohl ebenfalls im Herbst starten dürfte, wurde ein Intel 0000 Prototyp getestet. Die Raptor-Lake-CPU taktete dabei zwar „nur“ mit bis zu 4,6 GHz im Turbo, konnte den Intel Core i9-12900K (zum Test) jedoch um 24 % im Multi-Core- und knapp 6 % im Single-Core-Benchmark übertreffen. Die acht zusätzlichen E-Kerne dürften besonders das Multi-Thread-Ergebnis so deutlich verbessert haben.

Quelle: UserBenchmark

Darüber hinaus ist mittlerweile auch ein Engineering-Sample des Core i5-13600K bei CPU-Z, Cinebench und Geekbench aufgetaucht. Die CPU bietet 14 Kerne sowie 20 Threads, davon sechs Performance- und acht Effizienzkerne. Das Vorgängermodell (i5-12600K) weist hingegen zehn Kerne sowie 16 Threads auf. Im Single-Core-Test von Geekbench schnitt das neue Modell bis zu 8 % besser ab und im Multi-Core-Test legte es sogar um bis zu 38 Prozent zu.

Geekbench-Listungen des Core i5-13600K (Via: VideoCardz)

Des Weiteren listet Geekbench einen Core i7-13700K mit 16 Kernen und 24 Threads. Offenbar hat der Prozessor jeweils acht Performance- und Effizienzkerne. Er erreichte 2.090 Single-Core-Punkte und 16.542 Multi-Core-Punkte. Ob der Core i5 und der Core i7 übertaktet waren, ist derzeit ungewiss.

Geekbench-Listung des Core i7-13700K (Via: VideoCardz)

Neben mehr Kernen für eine gesteigerte Performance will Intel wohl auch die Effizienz verbessern. Eine geleakte Präsentationsfolie erwähnt die „DLVR Power Delivery„, welche über einen „Digital Linear Voltage Regulator“ verfügt. Ein digital-linearer Spannungsregler wird dabei “als Spannungsklemme“ parallel zum primären Spannungsregler geschaltet, was die CPU-Kernspannung reduziert und somit ebenfalls den Kern-Stromverbrauch. Das soll dann zu einem 20 bis 25 Prozent geringeren Stromverbrauch führen, könnte jedoch nur in den Mobile-Varianten für Notebooks integriert sein.

[13.09.2022] Update

Auf dem Tech Day in Tel Aviv hat Intel eine Folie gezeigt, laut der Raptor Lake bis zu 6 GHz bei Standardeinstellungen erreichen kann. Zudem wurde behauptet, dass ein Modell der nächsten Core-Generation einen neuen Takt-Weltrekord aufstellen konnte. Demnach wurde eine nicht näher genannte CPU auf 8 GHz übertaktet. Allerdings wurde der Prozessor dabei mit flüssigem Stickstoff gekühlt.

Intel ist leider nicht näher darauf eingegangen, um welche CPU es sich genau handelt. Zum jetzigen Stand wissen wir nicht, ob der entsprechende Chip bereits zum Release erhältlich sein wird. Tendenziell könnte die CPU später als selektierte „KS“-Version erscheinen. Die genannten Werte wurde außerdem nur beiläufig in der unten gezeigten Zeitleiste erwähnt. Der Hersteller ging nicht explizit darauf ein.

Bild: PCGH

PCIe 5.0 SSDs und schneller DDR5-RAM?

Übrigens: Zwar hat Intel Alder Lake bereits eine Unterstützung für PCI-Express 5.0, doch erst mit Intel Raptor Lake und AMD Zen 4 dürfte es so richtig spannend werden, wenn es um PCIe 5.0 M.2-SSDs geht. Durch die gesteigerte Bandbreite sind Geschwindigkeiten von bis zu 14 GB/s beim Lesen und 9 GB/s beim Schreiben zu erwarten.

Bezüglich Arbeitsspeicher scheint Intel, wie schon bei Alder Lake, auf eine duale Unterstütztung zu setzen. Eine Präsentation in China bestätigt nun wohl, dass neben DDR5 (übrigens mit bis zu 5.600 MT/s) weiterhin auch DDR4 (mit bis zu 3.200 MT/s) eingesetzt werden kann.

Platz nehmen dürften die neuen Raptor Lake Prozessoren dann erneut auf dem LGA1700-Sockel. Erste Mainboard-Hersteller geben daher bereits bekannt, dass auch Z690-Platinen mit einem entsprechenden BIOS-Update dann mit der 13. Core-Generation kompatibel sein werden. So unter anderem Asus, die eine Liste mit den kompatiblen Platinen veröffentlicht haben. Von ASRock gibt es sogar bereits erste BIOS-Versionen mit Raptor-Lake-Support.

Wer macht das Rennen: Intel oder AMD?

Am Ende wird sich zeigen, wer die Nase vorn haben wird. Auch AMD wird die Taktraten wohl ordentlich steigern, um Ryzen 7000 – oder zumindest dessen Flaggschiff – einen ordentlichen Boost zu verpassen. Wirklich interessant wird es dann hinsichtlich Energieeffizienz und Leistungsanforderungen.

Plant ihr im Herbst mit einem Upgrade? Falls ja, welche Plattform soll es werden – Intel oder AMD? 🚀

Quellen
Mit * markierte Links sind Affiliate-Links. Mit dem Kauf über diesen Link erhalten wir als Seitenbetreiber eine Verkaufsprovision ohne, das du mehr bezahlst. So kannst du Allround-PC supporten
Leonardo Ziaja ... ist vor allem für die Bereiche Smartphones und Mobile zuständig, testet aber auch andere Hardware-Highlights wie Gehäuse, Prozessoren und Mainboards. Darüber hinaus sorgt er für hochwertige Bilder in unseren Testberichten.

1 Kommentar

  • RKay

    Mich nimmt vor allem eines Wunder: Wird Raptor Lake verbesserte Unterstützung für 4 dual rank DDR5 DIMMs bieten? Bei Alder Lake ist der Stand ja so, wenn du 4 x 32 GB DDR5 nutzt, garantiert dir Intel nur 3’600 MTs, bei Single Rank (die es ja für 32GB (noch) nicht gibt), nur 4’000 MTs – und selbst da… zusätzlich musste ich bei 3’600 MTs die Timings extremst hochsetzen, Wird Raptor Lake da einen weniger diffisilen und vor allem ausgereifteren IMC haben? Und wird Intel endlich die Limitierung auf 4’000 btw. 3’600 MTs prominenter platzieren (und auch die MB-Hersteller).

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert