Balkonkraftwerke mit über 600 Watt: VDE fordert Deregulierung

Schuko-Betrieb und weitere Vereinfachungen

Der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) hat ein Positionspapier veröffentlicht, in dem er starke Deregulierungen für Balkonkraftwerke vorschlägt. Der VDE will die Ausgangsleistungsgrenze von 600 Watt auf die 800 Watt der EU-Norm anheben. Auch das Einspeisen über den haushaltsüblichen Schutzkontaktstecker statt über den Wieland-Stecker soll erlaubt werden.

Im Positionspapier fordert der VDE, dass für die Inbetriebnahme eines Balkonkraftwerks die Notwendigkeit des Stromzählerwechsels entfällt. Bis zur vorgeschlagenen Bagatellgrenze von 800 Watt sollen auch alte, rückwärtsdrehende Zähler erlaubt sein. Der VDE argumentiert, dass dies bei europäischen Nachbarn bereits erlaubt ist.

Das Positionspapier richtet sich auch an die Hersteller von Balkonkraftwerken, die aufgefordert werden, besser über die Risiken von Balkonkraftwerken und deren Montage aufzuklären. Die Prüfung von Mini-Energieerzeugungsanlagen durch ein unabhängiges Institut fordert der Verband ebenfalls.

Der VDE möchte außerdem eine vereinfachte Anmeldung von kleinen Erzeugungsanlagen über eine zentralisierte Datenbank bei der Bundesnetzagentur. Netzbetreiber sollen dort einen Zugang erhalten, um einen Überblick über die Anlagen in ihrem Netz zu erhalten.

Umsetzung der Vorschläge dürfte dauern

Insgesamt könnte die Vorschläge des VDE dazu beitragen, die Verbreitung von Balkonkraftwerken in Deutschland zu erhöhen. Durch die Erlaubnis des Schukosteckers wird es einfacher und kostengünstiger für Verbraucher, selbst Strom zu erzeugen. Auch die Möglichkeit, alte Zähler zu verwenden und die vereinfachte Anmeldung könnten die Hürden für die Nutzung von Balkonkraftwerken senken. Die höhere Ausgangsleistungsgrenze sorgt dafür, dass mehr Strom erzeugt werden darf, was entsprechend die jährlichen Stromkosten stärker senken kann. Dafür muss der Wechselrichter allerdings auch für 800 Watt ausgelegt sein, aktuell schaffen viele Modelle höchstens 600 Watt.

Es bleibt abzuwarten, ob die Vorschläge des VDE tatsächlich umgesetzt werden und wie sich dies auf die Verbreitung von Balkonkraftwerken in Deutschland auswirken wird. Seit Jahresbeginn 2023 sind Balkonkraftwerke von der Mehrwertsteuer befreit und demnach im Preis gefallen. Zudem scheinen die Lieferschwierigkeiten der letzten Monate vorüber zu sein, wie diverse Angebote (auch bei Discountern) andeuten. Beim Energiemagazin finden Interessenten übrigens Informationen zu aktuellen Förderprogrammen der Bundesländer und Kommunen.

Quellen
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