Auracast soll als neuer Bluetooth-Standard nicht nur die Verbindung zwischen Audio-Geräten vereinfachen, sondern vor allem die Barrierefreiheit in öffentlichen Bereichen verbessern. Am Flughafen Frankfurt konnten wir das nun erstmals ausprobieren – direkt an den Gates, mit Kopfhörern, Hörgeräten und Cochlea-Implantaten. Doch wie klinken sich Passagiere konkret in die Gate-Ansagen ein?
Flughäfen sind laut, Lautsprecher übersteuern und Ansagen werden gern vernuschelt eingesprochen – das ist nicht nur für Menschen mit gutem Hörvermögen, sondern besonders für Personen mit einem eingeschränkten Hörvermögen ein großes Problem. Da Bildschirme oftmals nicht als Informationsquelle ausreichen und auch induktive Höranlagen (hearing loops) keine perfekte Lösung sind, kommt nun Auracast ins Spiel bzw. besser gesagt zum Gate.
Was ist Auracast?
Damit diese Barriere in Zukunft überwunden werden kann, wurde Auracast als offener Standard über die Bluetooth-Schnittstelle entwickelt. Um unseren ausführlichen Wissensartikel zu zitieren: Auracast ist eine Technologie, die auf Bluetooth basiert und wie bei einem Radio die Übertragung von Audiosignalen auf beliebig viele Empfänger gleichzeitig im Sinne eines Broadcasts ermöglicht. Neben einem geringeren Energieverbrauch werden dabei auch eine höhere Reichweite und bessere Audioqualität erreicht.
Am Flughafen Frankfurt startet ab sofort eine öffentliche Pilot-Phase. Gate A16 und A17 im Terminal 1, die vorwiegend für Flüge der Lufthansa-Gruppe im Schengenbereich genutzt werden, sind jetzt mit einem Auracast-Transmitter ausgestattet, und geben ihre Gate-Ansagen nun auch auf diesem Kanal aus.
Auracast: So funktioniert das „Einklinken“
Die bestehende PAXGuide-Infrastruktur, welche von Sittig Technologies kommt, wurde dabei einfach um einen Auracast-Transmitter erweitert. Über die PAXGUIDE-Plattform am Gate lassen sich allgemeine Ansagen zum Flug, weitere Infos bei Verspätungen, Ablauf des Boardings etc. daher nun auch auf Kopfhörern, Hörgeräten und Cochlea-Implantaten empfangen (und deutlich klarer verstehen).
Um einem Auracast-Stream „beizutreten“, gibt es zwei Wege. Einerseits lässt sich das Signal in den Bluetooth-Einstellungen kompatibler Geräte bzw. deren App auswählen, andererseits gibt es auch QR-Codes am jeweiligen Gate, um den passenden Audio-Stream empfangen zu können – beides klappte beim Event problemlos.
Wichtig ist dabei: Der Empfänger muss Auracast als Technologie unterstützen. Aktuell ist das bei einigen Modellen von JBL, Samsung, Sennheiser und Sony sowie diversen Hörgeräten der Fall.
Samsung baut „Audio Broadcast“ in One UI ein
Neben der Fraport AG als Flughafenbetreiber war auch Samsung ein Partner des Events. Google integriert Auracast zwar nativ in Android, die Funktion ist allerdings noch etwas versteckt. Am Google Pixel 10 Pro XL ließ sich der Stream etwa erst in den Bluetooth-Einstellungen des Sony WH-1000XM6 (Test) finden.
Samsung will das Feature jedoch als Verknüpfung in die Schnelleinstellungen packen und hat dazu eine schicke Oberfläche gebaut, die in der nächsten One UI Version integriert wird (vermutlich 8.5). Der erste Eindruck überzeugt, wir sind gespannt, ob und wie andere Android-Hersteller ihre Oberfläche anpassen.
Auracast am Flughafen: Wo geht die Reise noch hin?
Laut Marcel Brühne, Passenger Solutions bei Fraport, läuft das Projekt aktuell bis Ende März. Bis dahin soll Feedback der Passagiere gesammelt und ausgewertet werden, um weitere Planungen und einen möglichen Roll-out auf weitere Gates zu ermöglichen. Die Integration verlief aber wohl sehr einfach, weswegen ein großflächiger Einsatz am Frankfurter Flughafen durchaus realistisch sei.
Möglich wären dabei unter anderem ein „Global Stream“ für Flughafen-allgemeine Ansagen sowie mehrere Streams pro Gate für verschiedene Sprachen. Laut Johannes Sittig, CEO Sittig Technologies US, braucht es jedoch noch weitere Erfahrungswerte – auch hinsichtlich Signalqualität sowie Interferenzen in verschiedenen Umgebungen (nicht jedes Gate ist gleich).
Meine Eindruck: Endlich bewegt sich was!
Sicher ist: Es sollte gezeigt werden, dass Auracast in diesem Umfeld funktioniert – und das ist gelungen. Die Übertragung war sehr klar und bot eine hohe Qualität. Allerdings ist es aktuell noch nicht möglich, Musik zu hören und dann automatisch vom Gate eine Ansage zu erhalten (daran wird aber bereits gearbeitet, der Bluetooth-Standard bringt dafür Möglichkeiten mit).
Das große Ziel ist mehr Inklusivität für alle, und mit Auracast wäre zumindest ein richtiger Schrift in die richtige Richtung gemacht. Jetzt müssen nur auch die Audio-Hersteller auf den Zug aufspringen, denn die Verwendung der offenen Bluetooth-Technologie ist noch ausbaufähig. Auch ein einheitlicher Begriff wäre von Vorteil, da Hersteller gern mal Audio Broadcast, Shared Audio und weitere Begriffe verwenden.
Doch falls ihr mal vom Flughafen Frankfurt Terminal 1 abfliegen solltet und ein Auracast-fähiges Gerät habt, sei es Kopfhörer oder Hörgerät, testet die Verbindung doch einfach mal. 😊
Beitrag erstmals veröffentlicht am 29.01.2026
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Ich selbst freue mich sehr das endlich Bewegung in die Sache kommt, bin selbst beidseitig Cochlea Implantatträger. Leider Fliege ich zu selten. Aber es sollte überall angeboten werden, Bahnhöfe, großen Events, Kinos, Musicals, Bussen, Taxis, Banken, Apotheken, Arztpraxen usw.. Überall wo Menschen sich bewegen die Hörgeschädigt sein könnten. Selbst gut hörende haben manchmal Probleme etwas zu verstehen. Macht bitte weiter…Es ist dringend nötig, Barrierefreiheit brauchen auch wir.. nicht nur Rollstuhlfahrer oder Blinde. An die Ohren wird halt wenig gedacht, nicht jeder kann Gebärden, nicht alle sind von Geburt anTaub. LG, Marina M.