Angesichts der weltweiten Speicherkrise haben sich die Preise für Arbeitsspeicher drastisch erhöht. Da Halbleiter-Hersteller ihre Kapazitäten vorrangig auf HBM-Speicher für KI-Rechenzentren verlagern, steigen die Preise für aktuellen DDR5-RAM in unerschwingliche Höhen. Vor diesem Hintergrund erlebt die ältere DDR4-Generation eine überraschende Renaissance.
Arbeitsspeicher im Ausnahmezustand
Preise für DDR5-Kits haben sich im Vergleich zu Vorjahren vervielfacht und belasten das PC-Bau-Budget unverhältnismäßig stark. DDR4 ist zwar von der Preiskrise ebenfalls betroffen, bleibt aber deutlich günstiger.
Vergleichen wir jeweils Kingston Fury Beast Arbeitsspeicher mit 32 GB RAM als Dual-Kit: Während für das DDR5-Modell mindestens 449 Euro fällig werden, kostet das DDR4-Kit lediglich 260 Euro – das DDR4-Kit verzichtet lediglich auf die RGB-Beleuchtung. Mit Lichtshow werden wiederum 290 Euro fällig. Vergleicht man also die günstigen Modelle, liegt der Unterschied bei fast 200 Euro. Dieses gesparte Geld lässt sich etwa zusätzlich in eine bessere GPU investieren, oder schlicht einsparen.
Bei budgetorientierten Systemen ermöglicht DDR4 eine Optimierung der Gesamtkosten, sodass mehr Budget für Komponenten wie die GPU zur Verfügung steht, die in der Regel einen größeren Einfluss auf die Gesamtleistung hat.
Imene Mokraoui – TRG Product Specialist
Was sind die Unterschiede zwischen DDR4 und DDR5?
Bei DDR4 handelt es sich erstmal um den Vorgänger von DDR4. Entsprechend bietet DDR5 eine höhere Bandbreite und ist für moderne Plattformen wie LGA1851 und AM5 bestimmt. Da beide Plattformen noch länger unterstützt werden und DDR6 noch in weiter Zukunft liegt, ist DDR5 die derzeit zukunftssichere Lösung. DDR4 ist zwar in der der Theorie langsamer; dieser Performance-Unterschied fällt im Alltag in den meisten Systemen allerdings nicht auf.
In Spielen ist DDR4 noch immer stark
Vor allem in Spielen ist der Unterschied verschwindend gering, da hier eher die GPU die zentrale Rolle spielt, weniger der Speichertyp. Eher sind höhere Kapazitäten wichtig, anstelle von extrem hohen Geschwindigkeiten, um temporäre Spieldaten wie Texturen schnell speichern und abrufen zu können. Entsprechend fällt der Leistungsgewinn von DDR5 zu DDR4 in diesem Fall eher gering aus.
DDR5 kann wiederum bei Videobearbeitung, AD-Konstruktion und der Kompilierung lokaler KI-Modelle seine Stärken ausspielen, da entsprechende Software von der höheren Speicherbandbreite und der dualen 32-Bit-Subkanal-Architektur profitiert.
DDR4 vs. DDR5
- Geschwindigkeit: DDR4 bietet 2133–3200 MT/s, DDR5 startet bei 4800 MT/s und erreicht bis zu 9200 MT/s
- Architektur: DDR4 nutzt 1× 64-Bit-Kanal; DDR5 teilt das Modul in 2× 32-Bit-Unterkanäle für effizienteren Datenzugriff
- Burst-Länge: Verdoppelt von BL8 (DDR4) auf BL16 (DDR5) für bessere Bus-Auslastung
- Stromversorgung & Spannung: DDR4 nutzt 1,2 V (Regelung über Mainboard); DDR5 läuft mit 1,1 V und regelt den Strom direkt auf dem Modul via PMIC
- Fehlerkorrektur: DDR5 besitzt integriertes On-Die ECC
- Kapazität: max. 32 GB pro Modul bei DDR4, bis zu 64 GB bei DDR5 durch höhere Chipdichte
DDR4 oder DDR5: Speicherstandard hängt vom Sockel ab
Letztlich hängt es von eurem System ab, welchen Standard ihr nutzt. Denn natürlich könnt ihr nicht beliebig DDR4 oder DDR5 auf euer Mainboard packen – der nötige Speicher hängt von eurem Sockel ab. Bei AMD unterstützt AM4 etwa DDR4, während AM5 nur mit DDR5 zurechtkommt. Bei Intel unterstützt der Sockel LGA1700 (12., 13. und 14. Core Generation) beide Speicherstandards – hier kommt es auf die Version eures Mainboards an. LGA1851 (Core Ultra) kann wiederum ausschließlich mit DDR5 kombiniert werden.
Kingston DDR-Speicher mit 32 GB:
- Kingston FURY Renegade DDR4-3200 (CL16-18-18)
- Kingston FURY Beast DDR4-3200 (CL16-20-20)
- Kingston FURY Beast RGB DDR4-3200 (CL16-20-20)

Die Nutzung einer älteren Plattform resultiert in der Theorie auch in einer geringeren CPU-Leistung. Da die CPU-Entwicklung in den letzten Jahren jedoch stagniert, sind die Unterschiede nicht allzu gravierend. Interessant ist dabei vor allem der Blick auf den Sockel AM4 sowie den AMD Ryzen 7 5800X3D 10th Anniversary Edition.
Wie groß sind die Preisunterschiede tatsächlich?
Die Kombination aus Asus ROG Strix B550-F Gaming, Ryzen 7 5800X3D und 32 GB Kingston Fury DDR4-3200 RAM schlägt mit rund 710 Euro zu Buche. In Spielen erreicht die CPU noch immer das Niveau des Ryzen 5 9600X oder Core Ultra 5 245K. In hohen Auflösungen schrumpft der Abstand zu modernen, höherpreisigen CPUs noch weiter. Der langsamere DDR4-Speicher macht sich hierbei kaum bemerkbar – der Speicherstandard ist noch immer schnell genug für moderne Games.
Ein System mit Asus TUF Gaming B650 Plus, Ryzen 5 9600X und 32 GB Kingston Fury Beast RGB DDR5-5200 würde rund 744 Euro kosten. Fairerweise: Im Vergleich fällt der Ryzen 5800X3D derzeit relativ teuer aus, da die CPU erst vor kurzem einen Re-Launch gefeiert hat. Interessant ist zudem der Blick auf den Gebrauchtmarkt, denn hier lassen sich der alte Ryzen 7 5800X3D oder auch der Ryzen 7 5700X3D zu Preisen ab ca. 220 Euro ergattern.

Ein Intel-System mit LGA1700 hat größeres Sparpotential
Bedeutend größer fällt der Unterschied bei einem Intel Core Prozessor der 14. Generation aus (etwa dem ähnlich schnellen Core i7 14700F), da sich der Preisunterschied beim RAM direkt niederschlägt. Zwischen DDR5- und DDR4-Platinen gibt es schließlich keinen größeren Preisunterschied. Auch hier gilt:
Das Aufrüsten alter Systeme lohnt sich
Wer noch ein DDR4-System und mehr Arbeitsspeicher für Multitasking, Videobearbeitung oder anspruchsvolle Anwendungen benötigt, kann seinen PC kostengünstig aufrüsten, ohne gleich das gesamte System auszutauschen. Ein Wechsel auf DDR5 bringt zwar höhere Bandbreiten, erfordert jedoch zwingend ein neues Mainboard und meist auch eine neue CPU.
Dieser komplette Systemwechsel verursacht erhebliche Zusatzkosten, die im Alltag oft in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Leistungsgewinn stehen. Sofern keine extremen Performance-Anforderungen vorliegen, ist die Erweiterung eines vorhandenen DDR4-Setups daher der deutlich cleverere und nachhaltigere Weg. Vor allem wenn ohnehin eine noch immer starke CPU verbaut ist – das Upgrade-Geld ist bei einer neuen GPU tendenziell besser aufgehoben.
Wann ist das Upgrade auf ein DDR-System sinnvoll?
Der Umstieg von DDR4 auf DDR5 lohnt sich eigentlich nur, wenn ein großes sowie zukunftssicheres Plattform-Upgrade notwendig wird. Falls ihr von einer besonders alten Plattform umsteigt,, ist der Griff zu einem modernen DDR5-System deutlich sinnvoller. Ihr zahlt hier einen kleinen Aufpreis gegenüber einem DDR4-System, erhaltet aber eine zukunftssichere Plattform, welche weiterhin neue CPUs erhält. Falls ihr heute ein AM5-System anschafft, könnt ihr einigen Jahren noch Zen‑6 (Ryzen X) oder sogar noch Zen‑7‑Prozessoren in den Sockel packen. So seid für die nächsten Jahre bestens gerüstet.
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