Das Schweizer Entwicklerstudio Urban Games hat bereits vor einigen Wochen die Wirtschafts- und Verkehrssimulation Transport Fever 3 offiziell angekündigt. Im Rahmen der Gamescom durfte ich einen ersten Blick auf das kommende Spiel werfen – und der Ersteindruck fällt durchaus positiv aus.
Transport Fever 3 folgt auf das 2019 erschienene Transport Fever 2 und soll das bisher ambitionierteste Spiel des Entwickler sein. Im Vergleich zum zweiten Teil der Serie wurden viele Mechaniken grundlegend überarbeitet, erweitert und neu gedacht, um ein tiefergehendes Gameplay zu ermöglichen. In den bisherigen Titeln lag der Fokus deutlich stärker darauf, komplexe und gewinnbringende Verkehrssysteme zu bauen. Mit Teil 3 rücken jedoch wirtschaftliche Zusammenhänge, Tycoon-Gameplay und komplexere Industriemechaniken in den Vordergrund.
Transport Fever 3 bekommt neue Engine und Grafik-Upgrade
Transport Fever 3 basiert auf einer neuen und eigensentwickelten Engine, die einige Neuerungen möglich macht. Unter anderem bietet das Spiel einen schicken Tag-Nach-Zyklus, der sich stufenweise einstellen lässt. Auch an der Grafik wurde kräftig geschraubt, wodurch das Game deutlich besser aussieht als sein Vorgänger. Zur Optik trägt auch der neue Weltgenerator bei, der realistischere Landschaften erzeugen kann. Besonders Berglandschaften sehen auf den ersten Blick deutlich ansehnlicher aus. Die Engine simuliert zudem jeden einzelnen Bewohner mit Wohnort, Arbeitsplatz und Pendelweg.
Ein großer Punkt bei Transport Fever war bisher die Performance: Besonders im Late-Game auf großen Maps ging die Performance regelmäßig in die Knie, was zu einer Verlangsamung der Simulation führte. Ob Transport Fever 3 hier besser abschneiden wird, etwa durch eine verbesserte Parallelisierung, wird sich zeigen. Derzeit wird noch kräftig an der Performance des Spiels geschraubt.
Industrien werden komplexer und Bedürfnisse dynamisch
Eine größere Änderung betrifft das Bedürfnis-System: Das starre System des Vorgängers weicht einem dynamischen Bedürfnis-System, bei dem Städte mit der Zeit neue, zusätzliche Waren verlangen. Anfangs kann eine Stadt etwa nur nach Gemüse verlangen, während später noch Bedürfnisse wie Bücher, Treibstoff oder Getränke dazukommen. Zur maximalen Anzahl der städtischen Bedürfnisse gab es seitens der Entwickler keine genauen Angaben, es dürften aber mindestens sechs sein.
Die Industrie reagiert außerdem dynamisch auf neue Bedürfnisse. Innerhalb der städtischen Einflussregion entstehen mit der Zeit passende Betriebe, mit denen sich entsprechende Produktionsketten erschließen lassen. Allerdings setzen manche Betriebe eine spezielle Umgebung voraus – Bergwerke entstehen etwa auf Bergen, landwirtschaftliche Betriebe im grünen Flachland, Sandbagger und Ölböhrinseln auf dem Meer.

Es gibt sogar die Möglichkeit, einen Prospektor loszuschicken, um neue Industrien im Einflussgebiet zu erschließen. Ob eine passende Stelle gefunden wird, ist dem Zufall überlassen – die Suche kann also schiefgehen.
Transport Fever 3: Industrien lassen sich boosten
Neu ist zudem, dass die Produktivität der Industrien durch verschiedene Faktoren (»Booster«) beeinflusst werden kann. Landwirtschaftliche Betriebe profitieren etwa von Dünger („Spezialgüter“), welcher in Raffinerien hergestellt werden kann. Auch Arbeiter spielen nun eine Rolle – diese fehlen dann allerdings in der jeweiligen Stadt. Daneben hat ebenfalls die Anzahl der Felder einen Einfluss auf die Produktivität. Sie sind also nicht mehr rein kosmetisch wie in den beiden Vorgängern.

Subventionen für den Gleisanschluss
Industrien können auch Anfragen und Angebote stellen. So gibt es etwa Aufträge, bei denen ein Betrieb an das Schienennetz angebunden werden möchte. Der Betrieb stellt zum Aufbau eine Subvention bereit, wobei bei Misserfolg eine heftige Strafzahlung gezahlt werden muss. Das Erfüllen dieser Aufgaben kann sich durchaus lohnen, oder für leere Kassen sorgen. Entsprechende Aufträge sollen dabei vor allem in den Regionen aufkommen, auf denen gerade der Spiel-Fokus liegt. Möglich wird dies laut Urban Games durch eine neue Heatmap-Logik.
Insgesamt soll es im Spiel 32 unterschiedliche Industrietypen und 37 Waren geben. Diese werden sich jedoch zwischen den einzelnen Regionen (Gemäßigt, Wüste, Tropen, Subarktis) unterscheiden.
Städte wachsen harmonischer und bekommen neue Einflussfaktoren
Urban Games hat nicht nur an den Industrie-Mechaniken gefeilt, sondern auch das Stadt-Gameplay ordentlich angepasst. Das Wachstum ist in Transport Fever 3 nicht mehr nur von der Güterversorgung und den Reisemöglichkeiten abhängig, sondern auch von weiteren Faktoren. Hierzu zählen etwa verspätete Verbindungen sowie Lärm- und Luftverschmutzung durch alte Diesel-Fahrzeuge und naheliegende Industrien. Städte sollen sich zudem natürlicher entwickeln, etwa durch ein unabgestimmtes Wachstum von Industrie, Gewerbe und Wohngebieten.
Waren müssen pünktlich ankommen!
Am Ende geht es natürlich weiterhin darum, ein komplexes Transportsystem aufzubauen, mit dem Waren und Personen pünktlich zu ihrem Ziel kommen. Dabei lassen sich Schienen- und Straßensysteme aufziehen sowie Schiffs- und Flugzeugrouten anlegen. Die Wahl der Transportmöglichkeit hat nun jedoch einen größeren Einfluss auf das Gameplay, da der Faktor Zeit eine größere Rolle spielt.
Waren müssen etwa in einem gewissen Zeitraum zur weiterverarbeitenden Fabrik, während Personen pünktlich ans Ziel möchten. Dadurch macht es verstärkt Sinn, bei längeren Transportwegen auf ein Flugzeug zu setzen, da es sich hierbei um das schnellste Transportmittel handelt. Bisher war Zeit kein zentraler Faktor, weshalb Flugrouten eher wenig Beachtung bekamen.
Spezialisierte Fahrzeuge verkürzen Ladezeiten
Des Weiteren hat es einen größeren Einfluss, welche Fahrzeuge man einsetzt. Spezialisierte Fahrzeuge werden etwa schneller mit der passenden Ware befüllt, was für schnellere Transportwege sorgt. Daneben gibt es Synergieeffekte, wenn spezialisierte Lager genutzt werden. Apropos Lager: Industriegebäude besitzen jetzt eigene Haltestelle, an denen Waren ein- und ausgeladen werden. Diese sind jedoch klein und nur für den Anfang geeignet. Richtige Umschlagplätze lassen sich wiederum spezialisieren und um weitere Stationen erweitern.

Auch spielen Geschwindigkeit, Lärm und Umweltverschmutzung sowie der Zustand des Fahrzeugs eine größere Rolle. Der Zustand lässt sich durch Wartung verbessern – Fahrzeuge werden im Radius einer Wartungshalle automatisch gewartet.
Insgesamt wird es laut dem Entwickler über 250 detailgetreu nachgebildete Fahrzeuge im Spiel geben, wobei sich die zur Verfügung stehenden Fahrzeuge je nach Region unterscheiden.
Linien lassen sich intuitiver gestalten
Unterschiede zu Transport Fever 2 gibt es auch bei der Linienführung. Das Anlegen von Linien wurde intuitiver gestaltet und es kann festgelegt werden, welche Waren genau transportiert werden können. Auch Zwischenlager spielen in Transport Fever 3 eine Rolle.

Neues Errungenschaftssystem bringt Langzeitmotivation
Das Spiel wurde außerdem um Errungenschaften erweitert. Explizit schaltet man über Fortschritte spezielle Gebäude frei, mit denen man sein Hauptquartier ausbauen kann. Auch spielerische Vorteile sollen sich hieraus ergeben. Bisher fehlen allerdings noch Details zum Fortschrittssystem – die sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen.
Transport Fever 3: Im Ersteindruck ein gelungenes Upgrade
Mein erster Eindruck von Transport Fever 3 ist durchweg positiv: Das Spiel macht einen großen grafischen und technischen Schritt nach vorn und scheint auch ein deutlich komplexeres Gameplay mit sich zu bringen. Die neuen Gameplay-Mechaniken wirken vielversprechend und vor allem das überarbeitete Bedürfnis-System dürfte mehr Komplexität mit sich bringen. Das Spiel dürfte im Vergleich zu Transport Fever 2 also ein spürbares Upgrade bringen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, welche Überraschungen der Entwickler noch für uns bereithält.
Wann erscheint Transport Fever 3?
Transport Fever 3 wird 2026 für PC, Playstation 5 und Xbox Series X und Series S erscheinen. Ein genaues Release-Datum gibt es bis jetzt nicht.
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