Personalisierte Produkte und On-Demand-Fertigung sind normalerweise nicht das, womit wir uns im Alltag beschäftigen – bei Allround-PC steht eher Hardware im Fokus. Auf Einladung von xTool haben wir uns trotzdem auf ein Launch-Event in Berlin begeben, bei dem der Hersteller seine Europa-Strategie und den neuen UV-Lasergravierer F2 Ultra UV vorgestellt hat. Im Mittelpunkt: kompakte Maschinen, mit denen kleine Betriebe Gravuren und Personalisierungen direkt vor Ort umsetzen können.
Vom Kreativhobby zum Neben- oder Vollzeit-Business
xTool ist im Laser- und Maker-Umfeld keine unbekannte Marke mehr. Das Unternehmen bietet Desktop-Laser, Gravierer und einen Apparel-Printer an, die sich an Kreative, Bildungseinrichtungen und kleine Unternehmen richten. Die Idee: Aus der Werkstatt oder dem Ladenlokal wird eine kleine „Mikrofabrik“, in der graviert, geschnitten und bedruckt wird, anstatt alles an externe Dienstleister auszulagern.
Auf dem Event in Berlin wurden dazu mehrere Praxisbeispiele gezeigt. Eine davon: die deutsche Unternehmerin Kerstin Bauer, die mit individueller Kinderkleidung gestartet ist und ihr Angebot mit dem xTool Apparel Printer ausgebaut hat. Statt nur ein paar personalisierte Einzelstücke zu produzieren, sind damit kleinere Serien möglich, etwa mit Namen, Logos oder Motiven, die direkt im eigenen Betrieb umgesetzt werden. Solche Setups zeigen, wohin xTool seine Produkte positioniert: irgendwo zwischen Kreativtool und Produktionswerkzeug.
Digitales Making gab mir mehr als neue Möglichkeiten – es gab mir eine neue Art, mein Unternehmen zu führen […] Personalisierung wurde nicht nur eine Ergänzung, sondern ein Wachstumsmotor. Und all das passiert genau hier.
Kerstin Bauer (CEO Blond! Made in Nürnberg)
Parallel dazu baut xTool die Präsenz in Europa aus. Laut Hersteller gibt es inzwischen über 200 Demoräume, viele davon von Nutzerinnen und Nutzern der Geräte betrieben, sowie ein Büro in Düsseldorf. Zielgruppe sind kleine Manufakturen, Designer, Lehrkräfte und Handwerksbetriebe, die Personalisierung als zusätzliches Standbein nutzen wollen – zum Beispiel für Gravuren auf Holz, Acryl, Glas oder beschichteten Metallen.
Rund um die Hardware versucht xTool, ein Ökosystem aufzubauen. Dazu zählen Community-Aktivitäten genauso wie Kooperationen mit Universitäten, Labs und Bildungseinrichtungen. Für potenzielle Käufer ist das eher ein Rahmen als ein Kaufargument. Praktisch ist aber, dass Interessierte die Geräte in Demoräumen oder Makerspaces live sehen und ausprobieren können, was bei Maschinen dieser Größe und Preisklasse sinnvoller ist als eine reine Online-Entscheidung.
F2 Ultra UV: Was der neue UV-Lasergravierer anders macht
Spannender aus Technik-Sicht ist der neue F2 Ultra UV, den xTool in Berlin zum ersten Mal in Europa gezeigt hat. Das Gerät setzt nicht auf den üblichen CO2-Laser, sondern auf UV-Lasergravur mit sogenannter Kaltbearbeitung. Vereinfacht gesagt wird das Material nicht klassisch „weggebrannt“, sondern mit kürzeren Wellenlängen und geringerer thermischer Belastung bearbeitet.
In der Praxis soll das vor allem bei empfindlichen Materialien Vorteile bringen. Auf dem Event demonstrierte xTool Gravuren auf Glas, ohne sichtbare Schmauchspuren oder Vergilbung. Gerade Glas oder Keramik ist mit CO2-Lasern oft ein Problemfall – feine Risse oder abgeplatzte Kanten sind keine Seltenheit. Der F2 Ultra UV soll hier mit Subsurface-Gravuren punkten, also Gravuren unterhalb der Oberfläche mit sehr feinen Strukturen.
Beim Aufbau wirkt der F2 Ultra UV eher wie ein kompaktes Produktionsgerät als wie ein klassisches Maker-Gadget. Zwei 48-Megapixel-Kameras sollen die präzise Positionierung erleichtern, etwa wenn Objekte bereits bedruckt sind oder eine unregelmäßige Form haben. Per Software lassen sich Vorlagen auf das Werkstück legen; ein vereinfachter 2D-zu-3D-Workflow soll dafür sorgen, dass Gravuren auf gewölbten oder zylindrischen Oberflächen an der richtigen Stelle landen.
xTool spricht von Gravurgeschwindigkeiten bis zu 15.000 mm/s sowie Unterstützung für Chargenfertigung und Rotationsmodule. Im Klartext: Mehrere Objekte können in einem Durchgang graviert werden, und runde Produkte wie Trinkgläser oder Flaschen lassen sich rundum bearbeiten. Damit zielt der F2 Ultra UV klar auf kleine Manufakturen oder Shops, die mit Personalisierung Geld verdienen, nicht auf den gelegentlichen Hobby-Einsatz im Arbeitszimmer.

Einordnung & Zielgruppe
Der xTool F2 Ultra UV ist seit dem 27. November 2025 in Europa verfügbar und startet bei 4.239,87 Euro. Damit bewegt sich das System preislich deutlich oberhalb einfacher Desktop-Laser und richtet sich an Nutzerinnen und Nutzer, die mit Gravur- und Personalisierungsaufträgen tatsächlich Umsatz generieren wollen.
Interessant ist vor allem die Nische: Wer regelmäßig Glas, Keramik oder empfindliche Kunststoffe veredelt und bislang auf externe Dienstleister angewiesen ist, könnte mit einem UV-Laser wie dem F2 Ultra UV unabhängiger und flexibler werden. Für klassische Maker-Projekte oder gelegentliche Gravuren sind günstigere CO2- oder Diodenlaser weiterhin ausreichend.

Für uns war das xTool-Event in Berlin jedenfalls ein spannender Blick über den Tellerrand: Hier geht es weniger um klassische Consumer-Elektronik, sondern darum, wie kompakte Maschinen digitale Fertigung in kleinere Betriebe holen. Der F2 Ultra UV ist dabei kein Massenprodukt, sondern ein spezialisiertes Werkzeug – aber eines, das gut zeigt, in welche Richtung sich der Markt für kompakte Fertigungssysteme jenseits der typischen Hobbygeräte entwickelt. Nicht selten haben das Event und die Firmenphilosophie an die 3D-Drucker-Entwicklung der letzten Jahre erinnert; ein ähnlicher Ansatz, der inzwischen einen regelrechten Hype erlebt – vielleicht steht uns das mit Lasergravierern ebenfalls bevor.
Beitrag erstmals veröffentlicht am 28.11.2025
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