Test: Microsoft Lumia 950

Smartphone & PC in Einem?

Geschrieben von Niklas Ludwig am 30.12.2015.

Microsoft Lumia 950 Startbild

Das Microsoft Lumia 950 will mehr als ein Smartphone sein: Mit dem Continuum getauften Feature soll es sich wie ein PC mit Maus und Tastatur bedienen lassen. Wir haben das Smartphone mit Windows 10 Mobile Betriebssystem getestet.






Technische Daten

Prozessor Snapdragon 808, Hexa-Core (6x 1,8 GHz)
Arbeitsspeicher 3 GB
Interner Speicher 32
Displaydiagonale 5,2 Zoll, AMOLED (Gorilla Glass 3)
Auflösung 2.560 x 1.440
Konnektivität Wi-Fi 802.11b/g/n, ac, Bluetooth 4.1
Kameras Haupt: 20 MP mit Autofokus, Front: 5 MP
Akku 3.000 mAh (austauschbar)
Betriebssystem Windows 10 Mobile
Abmessungen 73,2 × 145,0 × 8,20 mm
Gewicht 150g
Besonderheiten & Anschlüsse USB-C, Continuum, Windows Hello
Preis ca. 565 Euro

Lieferumfang

  • Microsoft Lumia 950
  • USB-Kabel
  • Netzadapter
  • Schnellstartanleitung

An dieser Stelle danken wir 1&1 für die Bereitstellung des Testgeräts!

Design & Verarbeitung

Für ein Flaggschiff wirken das Design und die Materialwahl des Microsoft Lumia 950 sehr funktional. Einen Metallrahmen oder sonstige hochwertige Elemente sucht man vergebens. Die Front wird von Gorilla Glas 3 dominiert, hinter dem sich der 5,2 Zoll große Bildschirm verbirgt. Microsoft verwendet ein AMOLED-Panel von Samsung, das mit 2.560 x 1.440 Bildpunkten auflöst. Dieses offenbart die klassischen Vorteile der Technologie, wie eine kräftige Farbwiedergabe, ein sattes Schwarz und hohe Kontraste.

Microsoft Lumia 950 - Vorderseite Microsoft Lumia 950 - Rückseite 

Gleichzeitig lassen sich auch die wenigen AMOLED-Schwächen, wie eine im Vergleich zu LC-Displays geringere Maximalhelligkeit, ausmachen. Wir empfinden die maximale Helligkeit dennoch als sehr hoch. Im direkten Vergleich mit dem recht hellen Bildschirm des LG G4 muss sich das Lumia 950 nicht verstecken. Der Bildschirm selbst schließt nicht mit dem Gehäuserahmen ab, sondern thront wenige Millimeter über diesem. Ein klassischer Rahmen, wie man ihn beispielsweise vom iPhone 6 kennt, existiert beim Lumia 950 nicht. Die abnehmbare Kunststoffrückseite zieht sich bis zum Bildschirmrand hoch und dient somit als Rahmen.

Laden ohne Gefummel

Am unteren Rahmen befindet sich ein USB Typ-C-Anschluss, Somit lässt sich das Kabel des Ladegeräts beidseitig einstöpseln. Leider hat Microsoft sich dazu entschieden Kabel und Netzteil fest miteinander zu verbinden. Ein separates USB-Kabel, um das Smartphone mit dem PC zu verbinden, ist im Lieferumfang inbegriffen. Der Klinkenanschluss zum Musikhören befindet sich hingegen am oberen Ende des Smartphones. Über eine Lautstärkewippe an der rechten Seite kann die Lautstärke reguliert werden. Zusätzlich befinden sich hier der Power-Button sowie die Kamerataste.

Microsoft Lumia 950 - USB-Anschluss Microsoft Lumia 950 - Tasten
Der Typ-C-Anschluss (li.) ermöglicht das beidseitige Einstecken des Ladekabels

Auf der Rückseite fällt sofort die 20-Megapixel-Kamera ins Auge, die von einem großen, silbernen Ring umgeben ist. Links von der Kamera befindet sich der LED-Blitz mit nicht nur einer, auch nicht mit zwei, sondern mit gleich drei unterschiedlichen LEDs. Rechts von der Kamera hat Microsoft den Lautsprecher verfrachtet. Mittig der Rückseite prangt das Windows-Logo mit seinen vier Kachelfenstern. Alles in allem weiß das Microsoft Lumia 950 durchaus zu gefallen und ist gut verarbeitet. Lediglich die abnehmbare Rückseite wirkt etwas zu dünn. Bei einem Preis von rund 550 Euro darf der Kunde zudem hochwertigere Materialien erwarten.

Leistung & Bedienung

Während Microsoft bei früheren Windows Phone-Versionen die Hersteller teils stark bei der Hardwarewahl eingeschränkt hat, räumt Microsoft seinen Partnern – und somit auch sich selbst – inzwischen etwas mehr Handlungsspielraum ein. Das Lumia 950 kann auf einen 1,8 Gigahertz schnellen Snapdragon 808 zurückgreifen; einem Sechskern-Prozessor aus dem Hause Qualcomm. Geöffnete Apps werden in dem 3 GB großen Arbeitsspeicher geschoben. Dateien speichert das Smartphone auf dem 32 GB großen internen Speicher, der sich mit einer microSD-Karte um bis zu 200 GB erweitern lässt. Der Hardware stellt Microsoft einen Akku mit 3.000 mAh Kapazität zur Seite. Mit diesem übersteht das Lumia 950 locker einen Tag und schafft je nach Nutzung auch bis zu eineinhalb Tage, bis es wieder an die Steckdose muss.

Die Benchmarks bescheinigen dem Lumia 950 eine hohe Rechenleistung, die auf dem Niveau aktueller Top-Smartphones liegt. Lediglich die 3D-Leistung, die wir mit dem GFX-Benchmark ermittelt haben, könnte etwas besser ausfallen. Spiele wie Asphalt 8 laufen allerdings ohne Probleme und zeigen, dass synthetische Benchmarks nicht immer etwas über die Leistung im Alltag aussagen müssen. Das Öffnen von Apps oder wechseln zwischen mehreren Apps funktioniert ohne merkliche Verzögerung, was zu einem angenehm hohen Arbeitstempo führt.

Der PC für die Hosentasche

Ein großes Feature von Windows 10 Mobile ist Continuum. Dieses soll sicherstellen, dass sich das Betriebssystem stets dem verwendeten Gerät anpasst. Bei Smartphones und Tablets dominieren daher die bekannten Kacheln und auf Touch-Eingabe ausgelegte Menüs das Bild. Werden jedoch Geräte, wie ein externer Monitor erkannt, passt das System die Anzeige entsprechend an und bietet unter anderem die klassische Desktop-Ansicht.

Microsoft Lumia 950 - StartbildschirmMicrosoft Lumia 950 - Apps
Der Windows 10 Mobile Startbildschirm und App-Drawer beim Lumia 950 in der normalen Ansicht

Wir haben Continuum mit dem Microsoft Display Dock ausprobiert. Dieser kompakte Würfel bietet auf der Vorderseite einen USB Typ-C-Anschluss, über dem das Smartphone mit dem Dock verbunden wird. Auf der Rückseite gibt es einen weiteren Typ-C-Anschluss, über den sich das Dock mit Energie versorgt.

Microsoft Display Dock - Frontanschluss Microsoft Display Dock - Mit Lumia 950 verbunden

Über das Microsoft Display Dock kann das Lumia 950 beinahe wie ein PC genutzt werden

Für USB-Geräte, wie eine Maus oder Tastatur, stehen insgesamt drei USB-Ports der zweiten Generation zur Verfügung. Das Bild kann wahlweise über DisplayPort oder HDMI ausgegeben werden. Maximal sind 1.920 x 1.080 Pixel bei 60 Bildern die Sekunde möglich. Ist alles aufgebaut und angeschlossen, kann die Continuum-App geöffnet und das Smartphone ans Dock angeschlossen werden. Nach einer sehr schnelle Einrichtung erhalten wir ein altbekanntes Bild auf dem externen Monitor, das sich kaum von einem Desktop-PC mit Windows 10 unterscheidet.

Continuum mit viel Potenzial aber zu wenigen Universal Apps

Über das Startmenü rufen wir die Apps auf und können auch, wie bei Windows 10, zwischen mehreren geöffneten Apps wechseln. Damit Apps, die eigentlich für das Smartphone konzipiert sind, auch auf einem großen Monitor richtig dargestellt werden, hat Microsoft die Universal Apps ins Leben gerufen. Der Hintergedanke: Entwickler müssen nur noch eine App für das Microsoft Ökosystem entwickeln, die dementsprechend für verschiedene Geräte optimiert ist und sich wie eine responsive Webseite anpasst.

Microsoft Lumia 950 - Continuum Einrichtung Microsoft Lumia 950 - Continuum Touchpad

Haben wir Continuum eingerichtet, fungiert der Bildschirm des Lumia 950 fortan als Touchpad

Bisher ist die Auswahl allerdings noch recht dürftig, abseits der Microsoft-Apps gibt es wenige Alternativen. Daher sind im Continuum-Modus viele Apps ausgegraut und können nicht am großen Bildschirm genutzt werden. Wir hoffen, dass sich dieser Umstand mit der Zeit noch ändern wird und mehr Entwickler eine Universal App entwickeln. Denn das Grundprinzip hat durchaus Potenzial, vorausgesetzt, es gibt auch genügend Auswahl für den Anwender.

Microsoft Lumia 950 - Word Microsoft Lumia 950 - PowerPoint
Ein Office-Paket, das unter anderem Word und PowerPoint enthält, ist bereits vorinstalliert

Während wir Continuum nutzen, wird auf dem Lumia 950 ein Trackpad dargestellt, das genutzt werden kann, falls keine Maus vorhanden ist. Solang wir Continuum nutzen, können wir das Smartphone ganz normal weiter nutzen und Anrufe entgegennehmen. Allerdings ist der Bildschirm dauerhaft aktiviert, selbst dann, wenn wir das Smartphone nicht nutzen möchten. Schalten wir ihn über den Sperr-Button aus, wird auch das Bild am Monitor schwarz. Hier hoffen wir auf Nachbesserung seitens Microsoft. Es mag zwar den Anschein erwecken, aber durch Continuum wird das Smartphone nicht zum Desktop-PC. So lassen sich keine Dateien auf dem Desktop ablegen und Fenster lassen sich nicht in ihrer Größe und Position anpassen.

Microsoft Lumia 950 - Continuum DesktopMicrosoft Lumia 950 - Continuum App-Wechsel
Mit Continuum lässt sich das Smartphone beinahe wie ein normaler Desktop-PC nutzen

Im Großen und Ganzen birgt Continuum eine Menge Potenzial, das es aber bisher nicht ausspielen kann. Einige Punkte sind noch nicht ganz durchdacht und es gibt zu wenige Universal Apps. Dafür lässt es sich bereits jetzt sehr gut als Ersatz für einen reinen Office-PC nutzen. Alle wichtigen Office-Anwendungen, wie Word und Excel, sind bereits vorinstalliert und lassen sich auch per Continuum nutzen. Wenn Microsoft die Kritikpunkte mit Updates ausmerzt, können Windows 10 Mobile-Smartphones an Bedeutsamkeit gewinnen, zu wünschen wäre es zumindest.

Die Kamera – abermals ein Glanzstück

Bisher konnten die Topmodelle der Lumia-Serie insbesondere bei der Kamera ihre Muskeln spielen lassen. Die 20-Megapixel-Kamera des Lumia 950 wird ihrem Namen jedoch nicht ganz gerecht, da Bilder im 16:9-Format lediglich mit 16 Megapixel aufgenommen werden. Im 4:3-Format sind es immerhin 19 Megapixel.

Microsoft Lumia 950 - Tageslicht TestaufnahmeMicrosoft Lumia 950 - Todestern Testaufnahme
Die Kamera macht insbesondere bei Tageslicht gute Aufnahmen und befindet sich auf dem Niveau anderer Highend-Modelle

Die Kamera liefert bei Tageslicht sehr gute Ergebnisse ab und überzeugt mit einer hohen Schärfe. Farben werden weitestgehend natürlich wiedergegeben. Wird das Licht schlechter, fangen die Bilder einen Tick schneller an zu rauschen als es beispielsweise beim Galaxy S6 oder dem iPhone 6s der Fall ist. Ein optischer Bildstabilisator ermöglicht im manuellen Modus problemlos längere Belichtungszeiten, was insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen positiv zum Tragen kommt. Videos lassen sich maximal in 2.160p mit 30 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Zeitlupenaufnahmen werden in 720p mit 120 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet.

Fazit

Das Lumia 950 ist ein sehr gutes Smartphone, das allerdings einige Ecken und Kanten aufweist – und die sind vor allem bei der Software zu suchen. Continuum ist ein Feature mit einer Menge Potenzial, das derzeit aber noch brachliegt. Es gibt einfach zu wenige Universal Apps, weshalb ein Großteil der Apps nicht genutzt werden kann. Verbesserungsdürftig ist zudem der dauerhaft eingeschaltete Bildschirm sowie der Continuum-Desktop, der seinem PC-Pendant noch nicht gerecht wird. An der Software kann Microsoft aber noch feilen – und wird das hoffentlich auch noch tun. Am Lumia 950 selbst haben wir bis auf die Materialwahl, die einem Flaggschiff nicht gerecht wird, nahezu nichts zu bemängeln. Das Smartphone ist flott, bietet einen sehr guten AMOLED-Bildschirm und die Kamera schießt gute bis sehr gute Fotos. Da eine der Hauptfunktionen, Continuum, noch nicht ganz ausgereift ist, wollen wir an dieser Stelle noch keine Empfehlung aussprechen. Mit dem Versuch, Smartphone und PC zu vereinen, hat sich das Lumia 950 jedoch unseren Award für besondere Innovation verdient.

Microsoft Lumia 950 Award

Pro Contra
  • gute Verarbeitung…
  • …Materialwahl für ein Flaggschiff unpassend
  • Continuum-Feature…
  • …das noch nicht ganz ausgereift ist (fehlende Universal Apps)
  • sehr gutes OLED-Display
  •  Netzteil und Kabel fest miteinander verbunden
  • hohe Leistung
 
  • Akku austauschbar
 
  • Speicher erweiterbar
 
  • USB Typ C
 

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Niklas Ludwig

Niklas Ludwig

...ist stellvertretender Chefredakteur und zeichnet sich insbesondere für die Tests der Hardwarekategorie verantwortlich und füttert den APC-YouTube Kanal mit neuen Videos zu allerlei Produkten. Stehen keine größeren Hardwaretests an, widmet er sich Produkten der Consumer Electronics-Welt und fühlt neuen Lautsprechern, Kopfhörern oder mobilen Geräten auf den Zahn.

Kommentare (4)

  • Andi M.

    |

    Ihr solltet noch erwähnen, das ein extra USB Kabel vorhanden ist.
    Zur Kamera, bei Nachtaufnahmen ist sie besser, als die vom iPhone 6s.

    Antworten

    • Niklas Ludwig

      Niklas Ludwig

      |

      Hallo Andi,

      wir haben den Part mit dem USB-Kabel noch ergänzt, danke für den Hinweis!

      Viele Grüße
      Niklas

      Antworten

  • pitoka

    |

    Fängt schnell an zu rauschen? Merkwürdig, in den meisten Tests wird attestiert, dass die lowlight Fähigkeiten dieser Kamera alle anderen übertrumft.

    Antworten

    • Niklas Ludwig

      Niklas Ludwig

      |

      Hallo,

      vielen Dank für dein Feedback. Wir haben im Text nicht geschrieben, dass sie schnell anfängt zu rauschen. Lediglich, dass sie etwas schneller anfängt zu rauschen als andere Highend-Modelle. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass die Kamera schlechte Bilder bei dunklen Szenen abliefert. Wenn du dich auf die Bildunterschrift beziehst: diese wurde dem Text nicht gerecht und ist inzwischen angepasst worden.

      Viele Grüße
      Niklas

      Antworten

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