Test: Seagate Desktop SSHD mit 2 TB

Geschrieben von Nils Waldmann am 09.08.2013.

Seagate Desktop SSHD 2 TB Startbild

Mit seiner neuen SSHD-Serie für den Desktopbereich versucht Seagate den Spagat zwischen Solid State Drive und herkömmlicher Festplatte nun auch für stationäre Computer zu etablieren. Hinter dem Kürzel SSHD versteckt sich eine Hybridlösung aus Festplatte und Flashspeicher, die durch den guten Kompromiss zwischen Geschwindigkeit und Speicherkapazität zu einem angemessenen Preis überzeugen soll. Wir haben die neue Seagate Desktop SSHD mit 2 TB für euch getestet.

 

Überblick

Die Idee des SSHD (Solid State Hybrid Drive) ist nicht neu. Kenner unter euch können mit Sicherheit den Begriff der Momentus XT Serie von Seagate zu ordnen. Dabei handelte es sich ebenfalls bereits um eine Hybridfestplatte mit Flashspeicherboost im 2,5-Zoll-Format, die somit für den mobilen Markt bestimmt ist. Damals vertrieb man die Momentus XT aber noch nicht unter der Bezeichnung SSHD.

Mit der nun eingeführten Desktop SSHD Serie kommt die SSHD-Technologie von Seagate nun auch im 3,5-Zoll-Format für all diejenigen, die den Einsatz eines entsprechenden Laufwerks in ihrem Desktopsystem planen.

Seagate SSHD Familie

Dabei muss man im Hinterkopf behalten, dass Seagate hier einen gewagten Schritt versucht, hat sich im Desktopbereich die Kombination aus einer kleinere SSD als Systemlaufwerk und einer mehrere Terabyte fassende, meist stromsparende Festplatte als Datenablage bei vielen Nutzern bereits bewehrt.

Auf der anderen Seite muss sich die Desktop SSHD dem Vergleich mit schnellen herkömmlichen Festplatten stellen und rutscht somit in eine Lücke mit einem unangenehm hohen Konkurrenzdruck aus zwei verschiedenen Lagern.

Die Technik im Detail

Seagate hat seine SSHD Laufwerke der Desktop-Serie in zwei Varianten im Programm: 1 TB & 2 TB. Wir haben uns das größere Modell mit 2000 GB Speicherkapazität angesehen (ST2000DX001).

Der Desktop SSHD steht prinzipiell ein 8 GB großer MLC-Flashspeicher zur Verfügung, der den „SSD-Teil“ der Hybridkonstruktion abdeckt. Der Festplattenteil besteht aus, im Falle der 2-TB-Variante, zwei Plattern mit je einem Terabyte, die sich mit 7200 Umdrehungen in der Minute um die eigene Achse drehen.

Wie es sich für ein modernes Laufwerk gehört kommt eine S-ATA 6 GBit/s-Schnittstelle zum Einsatz, zusätzlich steht dem Festplattenteil ein 64 MB großer DRAM-Cache zur Seite. Aufgrund der Kapazität des Laufwerks findet ein 4K-Sektordesign Anwendung.

In Sachen Größe und Gewicht unterscheiden sich die beiden Kapazitätsvarianten teils deutlich. So ist unsere 2-TB-Version knapp 6 mm höher und ganze 226 Gramm schwerer als ihre kleine Schwester. In einem Desktoprechner verbaut dürften diese Werte aber niemanden wirklich stören.

Spezifikationen

Model

Seagate Desktop SSHD 2 TB

Speicherkapazität  nominell

2000 GB

Sektorengröße

4096 Byte

Schnittstelle

SATA 6 Gbit/s

Spindelgeschwindigkeit

7200 U/min

Cache

64 MB

Transferrate Festplatte

158 MB/s

Transferrate Flashspeicher

190 MB/s

Leistungsaufn. Idle

3,9 W

Leistungsaufn. Load

6,7 W

Betriebstemperaturbereich

0 – 60 °C

Preis

Steht noch nicht fest

Formfaktor

3,5 Zoll

Abmessungen (mm)

146,99 x 101,6 x 26,11

Gewicht

626 Gramm

Modellnummer

ST2000DX001

Besonderheiten

8 GB MLC NAND-Speicher

 

SSHD-Technologie in der Theorie

Bei der hier getesteten SSHD setzt Seagate seine Adaptive Memory ein, die dafür sorgen soll, oft benötigte und somit aufgerufene Dateien zu erkennen. Diese werden dann im schnellen Flashspeicher der Desktop SSH abgelegt und können dem Anwender somit auch schneller zur Verfügung gestellt werden. Dies ist auch der Grund, wieso die Vorteile der SSHD-Technik so schwer mit Benchmarks zu zeigen sind. Dabei können nur lesende Zugriffe beschleunigt werden, da der Flashspeicher nicht als Schreibcache für die Festplatte genutzt wird. Somit reduziert man die vorzeitige Alterung der Flashzellen, in dem man Schreibzugriffe direkt an die Festplatte weiterleitet.

Seagate Desktop SSHD mit 2 TB geöffnet

Leistungstest

Der eigentliche Leistungsvorteil durch den NAND-Zusatz wird erst im Alltag „spürbar“, da die SSHD lernt, welche Dateien für den Nutzer „wichtig sind“. Nichts desto trotz haben wir die Desktop SSHD mit 2 TB durch unseren Benchmarkparcours getrieben und dabei alle Benchmarks zwei Mal ausgeführt, um die Arbeitsweise der Adaptive Memory Technology aufzuzeigen.

Testsystem

  • Prozessor: Intel Core i5-3570K 3,3 GHz, Turbo Boost an
  • Ram: 8192 MB GeiL PC3-17000 CL-10-11-11-30
  • Systemlaufwerk: Corsair Force F40 SSD 40 GB
  • Testlaufwerk: Seagate Desktop SSHD 2 TB
  • Mainboard: Asus P8Z77-V LE (Intel USB 3.0 Chipset)
  • Grafikkarte: Intel CPU GMA HD 4000 Graphics
  • Betriebssystem: Windows 7 Professional x64
  • Netzteil: Antec High Current Gamer 900 Watt
  • Vergleichslaufwerke: Hitachi Deskstar 7K3000 3TB*, Seagate Barracuda 7200 3TB*, Western Digital Caviar Green 3TB*, Western Digital WD Black 4 TB, Seagate Desktop HDD.15 4 TB, Seagate Constellation ES.2 3TB*, Western Digital Red 2 TB*

*Mit anderer Testsystemkonfiguration getestet.

 

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • HD Tune Pro 5
  • A.S. SSD Benchmark 1.6
  • HD Tach R/W

Ein Klick auf den Produktnamen in der Diagrammlegende deaktiviert/aktiviert einen Eintrag. Überfahren mit der Maus über die Balken/Datenpunkte, um genaue Informationen zu erhalten!













 

Fazit

Kommen wir abschließend zu unserem Fazit über die neue Seagate Desktop SSHD mit 2 TB. Äußerlich ist das Laufwerk, abgesehen von seinem Aufkleber, nicht von einer normalen Festplatte zu unterscheiden. Das bedeutet auch, dass die Verarbeitung aufgrund des massiven Metallgehäuses standardmäßig auf hohem Niveau angesiedelt ist.

In Sachen Emissionen ist die Desktop SSHD ein netter Nachbar. Weder besonders warm, noch besonders hörbar präsentiert sich Seagates SSDH für den Desktoprechner.

Kommen wir nun zum interessanten Teil: Dem Leistungstest des Laufwerks. Angefangen mit den sequenziellen Transferraten. In dieser Kategorie gelingt es der Desktop SSHD einige unserer zum Vergleich herangezogenen Laufwerke zu überholen, auch wenn die Seagate Barracuda 7200 mit 3 TB der Anführer unserer Liste bleibt.

Generell ist die SSHD beim Lesen stärker als beim Schreiben, was an dem zur Hilfe eilenden Flashspeicher liegt. Dabei konnte das Laufwerk seine Geschwindigkeit im zweiten Testdurchlauf meist noch ein wenig steigern. Besonders groß fielen diese Unterschiede beim Zugriff auf zufällige Blöcke bestimmter Größen aus. Hier brachte der zweite Durchgang teils enorme Verbesserungen, weil das Potenzial des „SSD-Teils“ genutzt werden konnte.

Beim Schreiben von zufälligen Blöcken siedelt sich die Desktop SSHD hingegen eher im Mittelfeld an, bringt aber immer noch solide Leistung. Ein Blick auf die Zugriffszeiten zeigt ein identisches Bild. Beim Lesen kann die Adaptive Memory Technology im zweiten Durchlauf eingreifen und die Zugriffszeit beim Lesen mehr als halbieren. Im HD Tach Benchmark werden auf den zweiten Versuch gar SSD-Werte von 0,3 ms erreicht. Beim Schreiben muss man sich hingegen geschlagen geben und belegt wieder eine mittlere Position.

Seagate Desktop SSHD mit 2 TB Frontansicht

Eine Bewertung fällt in diesem Fall nicht leicht, zeigt die Desktop SSHD doch sehr gute Leistung beim Lesen, allerdings eher mittlere Performance beim Schreiben. Preislich ist die SSHD-Lösung aktuell mit 149 US-$ genannt, auf dem deutschen Markt ist das Laufwerk noch nicht erhältlich. Eine Umrechnung von 1:1 zu Grunde gelegt, ist man zwar in einem angemessen Preisrahmen für eine Hybridlösung angekommen, Festplatten mit gleicher Kapazität sind aber schon deutlich günstiger zu haben.

Ein Beispiel wäre die eigentlich für NAS-Systeme geeignete Western Digital WD Red mit 2 TB, welche aktuell knapp 90 € kostet und in den meisten Disziplinen, rein auf die Benchmarks bezogen, ebenbürtig mit der Seagate Desktop SSHD 2 TB mithält.

Letzt endlich darf man aber nicht vergessen, dass der wirkliche Vorteil des Flashspeicherzusatzes mit Benchmarks schwer auszudrücken ist. Im Alltag ist die gefühlte Geschwindigkeit der Desktop SSHD deshalb schlichtweg höher, als die einer ganz normalen Festplatte. Dem eingangs beschriebenen Gespann aus echtem Solide State Drive und Festplatte kann aber bisher keine SSHD das Wasser reichen.

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

...ist seit über 10 Jahren bei Allround-PC.com und als Redakteur und technischer Leiter tätig. In seiner Freizeit bastelt und konstruiert Nils gerne flugfähige Modelle oder fotografiert und filmt auf Motorsportevents. Im "echten Leben" studierter Wirtschaftsingenieur und Qualitätsmanager.

Kommentare (6)

  • Johannes Müller

    |

    Danke für die detaillierte Besprechung. Da bleibt für mich nur noch eine Frage übrig. Ich möchte die SSHD in meinen Imac einbauen (kenne die Vorgehensweise), weiß in diesem Fall aber nicht, ob ich hierfür das Kit oder die „nackte“ Version brauche.
    Könnt ihr mir bitte einen Tipp geben?

    Antworten

      • Goldmann

        |

        habe mir die Festplatte gekauft, hatte aber in keinem Rechner 1 Funktion
        Für was ist der 3. Anschluß
        vielleicht kann mir ja jemand helfen
        freddy

        Antworten

        • Nils Waldmann

          Nils Waldmann

          |

          Hallo Freddy,

          leider verstehe ich dein Problem bzw. deine Frage nicht richtig. Magst du die noch einmal umformulieren? Die Festplatte hat nur zwei Nutzanschlüsse: 1x Spannungseingang und 1x SATA-Schnittstelle.

          Grüße

          Antworten

  • Ronny

    |

    Hallo …..

    Was ist der Unterschied zwischen den beiden SSHD´s

    seagate STCL2000400 und ST2000DX001 ?

    beide haben 2TB – 64MB-3-5Zoll–8-9cm–SATA-6Gb

    MFG Ronny

    Antworten

    • Nils Waldmann

      Nils Waldmann

      |

      Hallo Ronny,
      die STCL2000400 ist die KIT-Version mit schöner Verpackung, die ST2000DX001 ist die nackte Festplatte. Das Produkt selbst unterscheidet sich dabei meines Wissens nach nicht.

      Grüße!

      Antworten

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