Test: Western Digital My Cloud EX4 8TB

Geschrieben von Robert McHardy am 23.01.2014.

Western Digital My Cloud EX4 Startbild

Dank der fortschreitenden Technik und hohen Auflösungen wie Ultra HD (3840 x 2160 Pixel) benötigen multimediale Inhalte, moderne Computerspiele oder einfach die Urlaubsfotos immer mehr Speicherplatz, den längst nicht mehr alle Geräte bieten können. Damit trotzdem jedes Gerät im Haushalt auf die Daten zurückgreifen kann werden NAS-Systeme (Networked Attached Storage) immer häufiger eingesetzt. In diesem Testbericht werden wir das Oberklasse Modell von Western Digital, das My Cloud EX4, auf Herz und Nieren prüfen.

 

Verwendung

Das My Cloud EX4 ist allerdings nicht nur für sehr anspruchsvolle Privatanwender entwickelt worden, sondern kann tatsächlich auch im professionellen Bereich eingesetzt werden. Dank zahlreicher Funktionen, die sowohl auf Hardware- als auch auf Software-Seite in das NAS integriert wurden, bietet das My Cloud EX4 eine Funktionalität und Flexibilität, die in diesem Preisbereich ihresgleichen sucht. So steht es dem Anwender zum einen völlig frei ob nur das Basis-System ohne Festplatten oder ein von Western Digital mit WD Red-Festplatten ausgestattetes System mit wahlweise acht, 12 oder 16 Gigabyte Speicher. Zum anderen ist es möglich die verbauten HDDs in den RAID-Modi 0, 1, 5 und 10 sowie als JBOD- oder Spanning-Verbund laufen zu lassen. Aufgrund dieser und vieler weiterer Ausstattungsmerkmale ist das WD My Cloud EX4 für den professionellen Einsatz in kleineren Unternehmen und für anspruchsvolle Heimanwender interessant.

 

Lieferumfang

  • Western Digital My Cloud EX4
  • vier installierte 2 Terrabyte HDDs (WD Red)
  • Netzteil
  • Ethernetkabel

Technische Spezifikationen

  • 2 GHz Marvell Armada 300 SoC
  • 512 Megabyte Arbeitsspeicher
  • 256 Megabyte Flash-ROM
  • Zwei Ethernet-Anschlüsse (1 Gbit/s)
  • Zwei USB 3.o Anschlüsse
  • Zwei Stromanschlüsse
  • Systemlüfter: 90mm

Design und Verarbeitung

Das große Metallgehäuse das My Cloud EX4 wird von den vier Laufwerkseinschüben und dem LC-Display auf der Front dominiert. Neben dem Display, über welches die wichtigsten Statusmeldungen des NAS ausgegeben werden, finden sich ein Ein-/Ausschalter sowie zwei Tasten um durch die Meldungen zu scrollen. Die Laufwerkseinschübe sind mit einem Federmechanismus versehen, sodass sie mit Leichtigkeit ein- und ausgebaut werden können. Bei dem von uns getesteten Modell mit acht Terrabyte Speicher sind bereits alle Laufwerksschächte mit zwei Terrabyte großen Western Digital Red-Festplatten bestückt.

WD My Cloud EX4

Die Seiten des NAS verfügen nur über Lufteinlässe und sollen so einer Überhitzung vorbeugen. Auf der Rückseite finden sich die zahlreichen Anschlüsse des Systems. Neben den zwei USB-3.0-Anschlüssen, über die sich der Speicher mit externen Festplatten erweitern lässt, finden sich dort zwei redundante Stromanschlüsse, sodass das System nicht ausfallen kann. Ein zweites Netzteil kann direkt bei WD erworben werden. Die zwei Netzwerkanschlüsse lassen sich, wie fast alles in und an der My Cloud EX4, frei konfigurieren, sodass diese entweder als Fallover, redundant oder zusammenarbeitend betrieben werden können. Dank des kastenförmigen und breiten Gehäuses besitzt das NAS ein sehr professionell wirkendes Design. Die Verarbeitung ist aufgrund der verwendeten Materialen makellos und weiß jedes andere NAS in diesem Preisbereich in den Schatten zu stellen.

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Installation und Inbetriebnahme

Western Digital hat bei der Software des My Cloud EX4 großen Wert darauf gelegt, dass jeder Nutzer, gleich ob Einsteiger oder Experte, sofort mit dem NAS starten kann. Dafür muss es lediglich an einen Computer oder einen Router via Ethernet angeschlossen und angeschaltet werden. Nach erfolgreichem Bootvorgang bezieht das NAS eine IP-Adresse aus dem Netzwerk und zeigt diese auf dem LC-Display an. Nun ist es möglich über ein im Netzwerk befindliches Gerät auf das NAS zuzugreifen, indem die IP-Adresse im Browser geöffnet wird. Auf der angezeigten Seite ist es möglich sich einzuloggen und nach erfolgreichem Login sämtliche Einstellungen am NAS vorzunehmen.

WD My Cloud EX4

Dabei verwendet Western Digital wie bereits bei der normalen My Cloud (Zum Allround-PC Test) Linux als Betriebssystem, welches über einen Webserver eine übersichtliche Seite bereitstellt, über welche die Einstellungen geändert werden können. Dabei ist es neben dem Erstellen von Benutzern und Gruppen auch möglich diesen Kennwörter zuzuweisen oder beispielsweise eine RAID-Konfiguration zu erstellen. Wie bereits erwähnt ist die Software fast identisch zu der der WD My Cloud, sodass sie entsprechend ausgereift ist und tabil und fehlerfrei läuft. Dies gilt als großer Pluspunkt, da gerade bei neuen Produkten oft noch viele Fehler in der Software stecken und das bei einem NAS, welches für wichtige Datensicherungen zuständig ist, fatal sein kann. 

Bei der Konfiguration der Festplatten empfehlen wir im Falle des My Cloud EX4 die Verwendung des RAID 5, durch welches zwar nur noch 75 Prozent der Kapazität bereit stehen, dafür allerdings eine gehobene Datensicherheit und Festplattengeschwindigkeit mit sich bringt. Für maximale Geschwindigkeit ist zwar der RAID 0 Modus zu empfehlen, allerdings bewirkt dieser bei dem My Cloud EX4 nicht sonderlich viel, mehr dazu erfahrt ihr bei unseren Benchmarks.

Funktionen

Das My Cloud EX4 ist ein wahres Multitalent und lässt sich für nahezu alles im Bereich eines Servers verwenden. Neben dem klassischen Sichern von Daten beherrscht das NAS deutlich mehr. Dies ist vor allem dem Appstore zu verdanken, der sich über die Weboberfläche erreichen lässt. In diesem finden sich zahlreiche Anwendungen zur Erweiterung der Funktionalität des NAS. Ab Werk sind bereits ein Torrent-, FTP- und ein HTTP-Filedownloader installiert, außerdem lassen sich dank dem WebFileViewer die gespeicherten Dateien direkt über die Weboberfläche betrachten. Die einfachste Möglichkeit direkt auf seine Daten zuzugreifen ist die Einbindung des NAS in das Dateisystem als Netzwerklaufwerk.

So lässt sich das My Cloud EX4 wie ein intern verbautes Laufwerk behandeln, außer dass über die Weboberfläche bestimmte Verzeichnisse nur für einzelne Benutzer verfügbar gemacht werden können oder manche Verzeichnisse für alle Nutzer im LAN. Dank Apps wie Joomla oder WordPress kann die My Cloud EX4 allerdings auch als Server für einen Blog oder eine Webseite dienen. Aber auch die klassische Sicherung von Daten läuft bei der My Cloud EX4 deutlich komfortabler ab als bei manch anderer Lösung. So lassen sich Macs direkt sichern, da das NAS Apple Time Machine unterstützt. Für Windows-Rechner liegen zehn Lizenzen der WD SmartWare Pro-Software bei.

WD My Cloud EX4

Des Weiteren ist es möglich ein automatisches Backup der My Cloud anzulegen, sodass diese sich auf eine weitere EX4, in die Cloud oder auf einen Amazon S3-Server sichert. Daneben lassen sich die Festplatten der WD Red-Serie, welche speziell für die Verwendung in NAS-Systemen entwickelt wurden, auch verschlüsseln, sodass ein Passwort zum Starten des Systems nötig ist. Die Dateien auf dem NAS lassen sich natürlich nicht nur auf Rechnern verwenden, sondern auch auf Smartphones und Tablets die im selben LAN sind. Über die verfügbaren WD-Apps für Android und iOS lassen sich Dateien, Fotos und Videos verwalten und wiedergeben. Außerdem dient das My Cloud EX4 als iTunes-Server und DLNA-Medienserver. Besonders praktisch ist, dass sich (bei entsprechender Einstellung) die Daten auch von außerhalb des LANs aufrufen lassen und auf verschiedene Cloud-Dienste hochladen oder direkt per Email versenden lassen. 

Leistungstest

Gerade in der heutigen Zeit sind Backups gerne mehrere hundert Gigabyte groß, sodass sich diese bei langsamen NAS-Systemen über mehrere Stunden ziehen können. Aber auch für das Streaming von Filmen im Netzwerk werden hohe Transferraten benötigt. In unseren Leistungstest gehen wir auf die Leistung der My Cloud EX4 von Western Digital ein und prüfen die verschiedenen RAID-Modi auf Unterschiede hinsichtlich der Geschwindigkeit. Dabei lassen sich dank der Weboberfläche des Systems Rückschlüsse auf die limitierenden Faktoren hinsichtlich der Leistung zu, da eine Überwachung der Festplatten-, CPU- und RAM-Auslastung möglich ist. Um die genaue Geschwindigkeit zu ermitteln haben wir das NAS an eine FRITZ!Box 7390 via Ethernet angeschlossen und es anschließend als Netzwerklaufwerk auf einem Computer im LAN eingebunden und die Transfergeschwindigkeiten gemessen.


Aufgrund der Leistung einer einzelnen WD Red-Festplatte an einem SATA-Anschluss und der über die Weboberfläche ausgelesenen Auslastung der Komponenten des NAS lässt sich erkennen, dass die HDDs zwar sehr schnell arbeiten, das NAS allerdings in keinem der verschiedenen Modi die eigentliche Leistung dieser umsetzen kann. Die CPU-Auslastung liegt bei jedem Benchmark stets auf 100 Prozent, woraus wir schließen, dass der verbaute Marvell-Chip trotz der Frequenz von zwei Gigahertz nicht schnell genug arbeitet. Dementsprechend ist die Nutzung von RAID 0 relativ nutzlos, da die Geschwindigkeit sich nicht von denen anderer Modi unterscheidet.

Fazit

Das Western Digital My Cloud EX4 bietet für einen Preis von 379 Euro in der Basis-Ausstattung beziehungsweise 799 Euro für das getestete Modell außergewöhnliche Features und weiß aus der Menge herauszustechen. Neben der ausgereiften und übersichtlichen Software kann das NAS mit vielen Austattungsmerkmalen aus dem professionellen Sektor wie den zweiten, redundanten, Stromanschluss oder den vier Laufwerksschächten bestechen. Des Weiteren lässt sich das System mit den vielen verfügbaren Apps an den Bedarf von fast jedem Nutzer ideal anpassen. Der einzige Wermutstropfen bleibt die Leistung des SoCs, welcher die Schreib- und Lesegeschwindigkeiten in der Praxis auf knapp 60 Megabyte pro Sekunde begrenzt, sodass auch die Nutzung von RAID 0 nicht mehr sinnvoll ist. Im Endeffekt hat Western Digital mit der My Cloud EX4 ein NAS der besonderen Klasse im Petto, welches zu begeistern weiß und vor allem die günstigeren Lösungen ohne Probleme in den Schatten stellt.

Western Digital My Cloud EX4Pro

  • übersichtliche und mächtige Software (Weboberfläche)
  • viele Erweiterungsmöglichkeiten der Funktionalität und der Kapazität
  • hohe Datensicherheit durch RAID und redundante Stromversorgung
  • akzeptabler Preis

Contra

  • mittelmäßige Schreib-/Leseleistung

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Robert McHardy

hat von Juni 2013 bis September 2014 Artikel für Allround-PC verfasst.

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