Test: Samsung SSD 850 EVO 1 TB

Samsungs neue Mitteklasse SSD mit 3D V-NAND und TurboWrite Cache

Geschrieben von Nils Waldmann am 19.12.2014.

Samsung SSD 850 EVO Startbild

Der südkoreanische Hersteller Samsung hat bereits seit einigen Jahren eines der beliebtesten SSD-Produktportfolios im Angebot. Mit der Gliederung seiner Solid State Drives in die drei Kategorien Basic, EVO und Pro will man für jeden Anwender das richtige Produkt anbieten. Nach der Ära der erfolgreichen SSD 840 EVO Serie steht nun ein Tapetenwechsel an. Wir haben uns für euch deshalb das Spitzenmodell der neuen Samsung SSD 850 EVO Reihe genauer angesehen.

Überblick

Nach den bereits sehr erfolgreichen Produktgenerationen der 830er- und 840er-Reihe, ist nun das Update der EVO-SSDs auf die neue 850er-Serie erfolgt. Erstmals als SSD 840 EVO eingeführt, richten sich die Laufwerke der mittleren Leistungsklasse mit dem Kürzel „EVO“ an ambitionierte Normalanwender, die ein schnelles und zuverlässiges Solid State Drive suchen. Die neue SSD 850 EVO wird in vier Varianten mit 120, 250, 500 GB sowie 1 TB Speicherkapazität angeboten. In diesem Test betrachten wir das größte Modell, gehen aber auch auf die technischen Spezifikationen der anderen drei Laufwerke ein, um euch einen Überblick über die gesamte neue Produktserie zu ermöglichen.

Technischer Hintergrund

Die neue SSD 850 EVO Serie ist die erste Consumer-SSD, bei der Samsung seinen neuen 3D V-NAND-Speicher einsetzt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Flashspeicher, welcher flach auf einer Oberfläche gestaltet ist, erhebt sich der neue Samsung NAND auch in die Vertikale. Genauer gesagt: 32 einzelne Schichten mit Speicherzellen werden bei dieser Technologie übereinander gestapelt und ermöglichen neben einer höheren Speicherdichte auch eine reduzierte Leistungsaufnahme. In den Produkten der SSD 850 EVO Serie spricht Samsung die Speicherzellen im TLC-Verfahren an. Dies bedeutet, dass pro Speicherzelle 3 Bit abgespeichert werden können.

Samsung SSD 850 Evo - DraufsichtGegenüber bisherigen Flashbausteinen soll die 3D V-NAND-Technologie außerdem eine bessere Haltbarkeit mit sich bringen. Samsung drückt dies in einer Garantieerweiterung von 3 auf nun mehr 5 Jahre aus. In Kennzahlen bedeutet dies, dass die Laufwerke mit 120, 250 und 500 GB mit einer TBW-Angabe (Total Bytes Written) von 75 TB, das 1-TB-Modell sogar maximal 150 TB versehen sind. Zum Vergleich: Die Vorgängermodelle der SSD 840 EVO Serie sind in diesem Punkt mit bis zu 44 TB spezifiziert. Bei Einführung eines neuen Produktes leider schwer nachzuprüfen, sagt Samsung den neuen 850er EVOs außerdem eine 30 prozentige Verbesserung in Bezug auf Leistungsschwankungen unter Dauerlast nach.

Alle vier Modelle sind zusätzlich mit einer AES-Verschlüsselung nach TCG/Opl 2.0- sowie IEEE 1667 (eDrive)-Standard zertifiziert und ermöglichen somit vollständige Verschlüsselung aller auf dem Laufwerk abgelegten Daten.

Caching Technologien

Wieder zum Einsatz kommt eine von Samsung mit „TurboWrite“ betitelte Technologie. Man spricht hier einen kleinen Teil der Flashspeicherzellen mit nur 1 Bit pro Zelle an (SLC), da Daten so schneller in den Speicher des Laufwerks geschrieben werden können. Diese Eigenschaft macht sich die SSD 850 EVO als Zwischenspeicher zu nutze. So werden die Daten erst in den schnellen „TurboWrite“-Cache auf SLC-Basis geschrieben und danach automatisch von der SSD in den „normalen“ 3-Bit-Speicherbereich übertragen. SanDisk setzt bei seinen Solid State Drives seit geraumer Zeit im Übrigen auf eine ähnliche Technologie mit dem Namen „nCache“. Die Performance der EVO 850 Laufwerke mit einer Kapazität von 120 GB hängt dabei essentiell von der TurboWrite-Technologie ab. Samsung selbst beziffert die IOPS-Leistung bei Verfügbarkeit des Zwischenpuffers auf 88.000 IOPS beim Schreiben, ist der Puffer voll, so sind es lediglich 38.000 IOPS. Als Maßstab: Das Vorgängermodell (SSD 840 EVO 120 GB) schaffte insgesamt maximal 36.000 IOPS. Respektive bedeutet dies eine Schreibleistung von bis zu 520 MB/s im neuen Modell, wenn TurboWrite-Speicherplatz frei ist sowie 150 MB/s ohne Hilfe des Caches.

Samsung SSD 850 Evo - RückseiteAußerdem wieder mit an Bord ist die softwaregestützte „RAPID“-Cache-Technologie, welche über Samsungs SSD Magician Software aktiviert werden kann. Somit kann die SSD bis zu 4 GB Arbeitsspeicher (RAM) des Computers als ultra-schnellen Cache nutzen, was vor allem dem schnelleren Ausführen von Systemaufgaben zu Gute kommen soll.

Differenzierung

Samsung hat die neue SSD 850 EVO Serie besonders in Hinblick auf die Modelle mit niedrigerer Kapazität entwickelt, um auch in diesem Bereich höchste Leistung zu bieten. Ein Beispiel hierfür ist die bereits genannte TurboWrite Technologie.

Zusätzlich setzt Samsung einen speziell entwickelten Chipsatz für die Modelle mit 120, 250 und 500 GB Speicherplatz ein, welcher auf den Namen MGX hört. Der Controller der 1-TB-Variante trägt hingegen die Bezeichnung MEX. Der MGX-Controller ist speziell so abgestimmt, dass auch die „kleineren“ Varianten Befehlsketten mit geringerer Tiefe auf dem Leistungsniveau von SSDs höherer Kapazität abwickeln können. Außerdem differenziert Samsung bei der Ausstattung der Laufwerke mit verschieden großem LPDDR2-Cache. Das 120-GB-Modell kann hier auf 256 MB, die beiden mittleren Modelle auf 512 MB und das Highend-Laufwerke mit 1 TB auf 1024 MB an dedizierten Cache-Speicher zurückgreifen.

Technische Daten im Überblick

Speicherkapazität nominell

120 GB

250 GB

500 GB

1 TB

Schnittstelle

SATA 6 Gbit/s

SATA 6 Gbit/s

SATA 6 Gbit/s

SATA 6 Gbit/s

Formfaktor

2,5 Zoll

2,5 Zoll

2,5 Zoll

2,5 Zoll

Zellentyp

Samsung 3D V-NAND

Samsung 3D V-NAND

Samsung 3D V-NAND

Samsung 3D V-NAND

Controller

Samsung MGX

Samsung MGX

Samsung MGX

Samsung MEX

Cache

256 MB LPDDR2

512 MB LPDDR2

512 MB LPDDR2

1024 MB LPDDR2

Geschwindigkeit (bis zu)

540 MB/s (Lesen) /520 MB/s (Schreiben)

540 MB/s (Lesen) /520 MB/s (Schreiben)

540 MB/s (Lesen) /520 MB/s (Schreiben)

540 MB/s (Lesen) /520 MB/s (Schreiben)

Abweichungen zum gemessenen Ergebnis (ATTO 8 MB Block)

N/A

+2,38 % (552,8 MB/s) | +1,47 % (527,6 MB/s) 

N/A

  +3,31 % (557,9 MB/s) | +2,56 % (533,3 MB/s) 

Random 4K Lesen / Schreiben

94.000 / 88.000 IOPS

97.000 / 88.000 IOPS

98.000 / 90.000 IOS

98.000 / 90.000 IOS

Modellnummer

MZ-75E120B MZ-75E250B MZ-75E500B MZ-75E1T0B

Max. Leistungsaufnahme (DeepSleep / Idle / Read / Write)

2 mW / 50 mW / 3,7 W / 4,4 W

2 mW / 50 mW / 3,7 W / 4,4 W

2 mW / 50 mW / 3,7 W / 4,4 W

4 mW / 50 mW / 3,7 W / 4,4 W

Abmessungen

100 x 69,85 x 6,9 mm

100 x 69,85 x 6,9 mm

100 x 69,85 x 6,9 mm

100 x 69,85 x 6,9 mm

Gewicht

66 g

66 g

66 g

66 g

Garantie

5 Jahre

5 Jahre

5 Jahre

5 Jahre

Besonderheiten

AES-Verschlüsselung

AES-Verschlüsselung

AES-Verschlüsselung

AES-Verschlüsselung

Preis

91,46 Euro 137,20 Euro 246,96 Euro 457,35 Euro

Leistungstest

Der Hauptteil unseres Testberichts soll sich selbstverständlich auf die Leistungsüberprüfung der neuen SSD 850 EVO Solid State Drives beziehen. Dazu haben wir verschiedene Benchmark-Tools benutzt, um vielfältige Lastszenarien reproduzierbar nachstellen zu können. Wir unterscheiden dabei sogenannte synthetische Tests, die die Laufwerke an ihre maximalen Grenzen bringen, sowie praktische Tests, bei denen die Leistung des Laufwerks im Alltag geprüft wird.

Testsystem

  • Prozessor: Intel Core i7-4790 3,6 GHz (Haswell), Turbo Boost aktiv, Hyperthreading aktiviert
  • Mainboard: Asus ROG Maximus VII Hero (Intel Z97)
  • Kühler: Noctua NH-D15
  • Ram: 8 GB G.Skill DDR3 2400 MHz @ 1600 Mhz CL 11-11-11-28
  • Vergleichslaufwerke: Samsung 850 EVO 1 TB
  • Grafikkarte: Asus Radeon HD 7970
  • Betriebssystem: Windows 7 Ultimate x64
  • Netzteil: Corsair AX860i

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • HD Tune Pro 5.5
  • A.S. SSD Benchmark 1.7
  • ATTO Disk Benchmark 2.47
  • Futuremark PCMark 8
  • Adobe Reader
  • Itunes
  • Avira AntiVir Premium 2014
  • WinRAR 5.1

Anmerkung: Das getestete Laufwerk entspricht einem „Pre-Production Sample“ und muss deshalb nicht zu 100 % mit dem von Samsung zum Verkauf angebotenen Endprodukt übereinstimmen. Die Firmware unseres Testsystems trägt die Nummer EMT01B6Q.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Da jeder Benchmark gleich aufgebaut ist, bieten sie dennoch eine sehr gute Vergleichbarkeit der verschiedenen Laufwerke.

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.


ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von vier Kilobyte bis acht Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die abgebildeten Werte allerdings fast nie zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt. Das ATTO Disk Benchmark verwendete komprimierbare Daten, was vor allem SandForce Chipsätzen zu Gute kommt.










Real Benchmarks

Synthetische Benchmarks hin oder her, letztendlich zählt das, was eine SSD im Alltagsgebrauch zu leisten vermag. Um Alltagsbedingungen widerzuspiegeln, haben wir Setup-Routinen, Virenscans und das Öffnen mehrere Programme gleichzeitig durchgeführt. Während dieser Testdurchläufe wurde das entsprechende Laufwerk als Systempartition verwendet, auf der Windows 7 Professional x64 SP1 lief.

Programm-Installationen

Bei den Programm-Installationen haben wir die Zeit gemessen, die das Laufwerk benötigt, um die Software PCMark 8, iTunes sowie den Adobe Acrobat Reader zu installieren.






Fazit

Mit der neuen SSD 850 EVO Serie hat Samsung wieder einmal ein Laufwerk vorgestellt, welches nicht nur rein äußerlich zu gefallen weiß. Da das schlichte aber edle Gehäuse beibehalten wurde, ist es mit jedem Erscheinen einer neuen Samsung SSD erneut ein wenig schade, das Laufwerk in einen dunklen Schacht zu verbannen, wo es niemand sehen kann. Wie von Samsung SSDs gewohnt, stimmt auch bei der SSD 850 EVO die Verarbeitungsqualität. Hier gibt es nichts zu meckern.

Technisch ist die neue EVO-Serie nun auf dem aktuellsten Stand und kann als erstes Consumer-Produkt mit 3D V-NAND aufwarten. Zudem unterstützten alle vier Kapazitätsvarianten eine Vielzahl an Verschlüsselungsvarianten und die deutlich gesteigerte Haltbarkeit der Flashspeicherzellen (laut Hersteller-TBW-Angabe) sind zwei weitere positiv hervorzuhebende Punkte. Ebenfalls positiv zu bewerten ist die gesenkte Leistungsaufnahme und die Möglichkeit das Laufwerk in den DeepSleep-Modus zu versetzen. Somit profitieren vor allem mobile Geräte von einer gesteigerten Akku-Laufzeit.

Samsung SSD 850 Evo - AngewinkeltIn Sachen Leistung macht unser Testexemplar mit einem Terabyte eine gute Figur. Verglichen mit seinem Vorgänger (ebenfalls 1 TB) fällt auf, dass vor allem das zufällige Lesen verschiedener Blockgrößen ein wenig schneller von statten geht. Bei den sequenziellen Lese- und Schreibraten liegt die neue SSD 850 EVO in etwa auf dem Niveau der 840 EVO Serie, manchmal ein wenig darüber, manchmal ein wenig darunter. Alles in allem sind die sequenziellen Transferraten für ein Laufwerk der Mittelklasse  sehr gut.

Interessant ist der Vergleich mit der (zugegebenermaßen) kleineren Plextor M6 Pro SSD mit 256 GB, welche zum Highenend-Segment aktueller SSDs zählt. Zumindest unsere 1-TB-Variante der Samsung SSD 850 EVO Serie kommt dem Plextor-Laufwerk in vielen Fällen sehr nah und hat in einigen Fällen sogar die Oberhand. Uns ist bewusst, dass ein direkter Vergleich aufgrund der unterschiedlichen Kapazitäten keinen großen Sinn macht, einen ungefähren Eindruck, wie die neue EVO-Serie im Verhältnis zu einer aktuellen Highend-SSD performt, kann aber abgeleitet werden.

Die Bewertung des Preises auf Basis der genannten UVP seitens Samsung macht keinen großen Sinn, fallen Solid State Drives nach der Veröffentlichung mit steigender Verfügbarkeit doch relativ schnell im Preis und passen sich dem Markt an. Zu den aufgerufenen UVPs sind die Laufwerke, rein objektiv betrachtet, im Vergleich zu bereits verfügbaren Alternativen anderer Hersteller aktuell (noch) zu teuer.

Ein echter Preistipp dürfte sich mit der Samsung SSD 840 EVO entwickeln, welche mit Erscheinen der neuen 850er-Serie wohl nun abverkauft werden dürfte.

Die Samsung SSD 850 EVO Serie ist voraussichtlich auf der ersten Kalenderwoche 2015 lieferbar, so zumindest geben es diverse Onlinehändler in einschlägig bekannten Preisvergleichportalen an. Samsung spricht von einer Verfügbarkeit ab Mitte Dezember.

Samsung SSD 850 Evo  Award

Update 19.12.2014: Wir haben der Vollständigkeit halber nun auch die Samsung SSD 850 EVO mit 250 GB für euch getestet und die Ergebnisse in die Diagramme eingepflegt. Im Allgemeinen gilt für dieses Laufwerk dasselbem, wie für die 1-TB-Version. Bemerkbar machten sich hier vor allem, die sehr schnellen Schreibzugriffe bei zufälligen Zugriffen auf kleinere Blockgrößen. Somit macht man auch mit der 250-GB-Version der neuen EVO 850 Serie keinen Fehler.

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

...ist seit über 9 Jahren bei Allround-PC.com und als Redakteur und Social Media Beauftragter tätig. In seiner Freizeit bastelt und konstruiert Nils gerne flugfähige Modelle oder fotografiert und filmt auf Motorsportevents. Im "echten Leben" studierter Wirtschaftsingenieur und Qualitätsmanager.

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