Test: Crucial BX200 480 GB SSD

Schnell, gut und vor allem günstig?

Geschrieben von Nils Waldmann am 15.12.2015.

Crucial BX200 480 GB SSD Startbild

Knapp ein Jahr nach Einführung der Einsteiger-SSD-Serie BX100 von Crucial, steht nun bereits der Nachfolger ins Haus. Wir haben uns die neue Crucial BX200 SSD mit einer Kapazität von 480 GB genauer angesehen.

Überblick

Die BX-Serie repräsentiert Crucials Einsteigerlaufwerke im SSD-Bereich, die Kunden mit ordentlichen Leistungswerten aber vor allem mit einem niedrigen Preis überzeugen wollen. Die BX200 kann dabei als direkte Weiterentwicklung der BX100 Serie gesehen werden. Die neue BX200 kommt in drei Kapazitätsstufen mit 240, 480 und 960 GB daher, auf einen Nachfolger des 120-GB-Modell der BX100-Serie verzichtet Crucial. Dies macht angesichts der immer weiter fallenden Flashspeicherpreis nur Sinn, greifen immer mehr Kunden auch im SSD-Segment zu Laufwerken mit größerem Speicherangebot.
Angebunden wird die Crucial BX200 aber weiterhin über SATA 6 Gbit/s und ist dank des 2,5 Zoll großen Gehäuses mit einer Bauhöhe von nur 7 mm auch für besonders schmale und mobile Geräte geeignet. Preislich beginnt die BX200-Serie in der kleinsten Ausführung bei deutlich unter 100 Euro, was ein echter Kampfpreis ist und den einen oder anderen zum Umstieg auf eine SSD bewegen dürfte.

Unter der Haube

Während sich die Laufwerksgenerationen äußerlich kaum unterscheiden, hat der Wandel, wie für ein Speicherprodukt zu erwarten, hauptsächlich im Inneren stattgefunden. So kommt, wie auch bei der BX100, ein Controller aus dem Hause Silicon Motion zum Einsatz. Statt des vormals verbauten SM2246EN setzt Crucial in der BX200 allerdings auf den SM2256, welcher nun auch mit TLC-NAND umgehen kann. Hier liegt auch die Hauptneuerung der BX200. Im Gegensatz zum Vorgänger kommt ab sofort in 16 nm gefertigter TLC-NAND (3 Bit pro Zelle) von Micron, anstatt des vormals verwendeten MLC-NAND (2 Bit pro Zelle) zum Einsatz. Auf der positiven Seite von TLC steht die Tatsache, dass mehr Daten pro Flashzellen gespeichert werden können, als dies bei MLC der Fall ist. Diesen Vorteil erkauft sich TLC allerdings durch einen wesentlich komplizierteren Schreibmechanismus, der wiederum eine aufwändigere Fehlerkorrektur erfordert. In diesem Punkt kann der SM2256 allerdings mit der Low Density Parity Check Technik aufwarten und ist dem SM2246EN somit überlegen.Crucial BX200 480 GB SSD Frontseite

Der Wechsel auf TLC hat Crucial außerdem dazu veranlasst, auf einen SLC-Cache mit fixer Größe zurückzugreifen, um durch die Umstellung keine Leistungseinbußen hinnehmen zu müssen. Im Gegensatz zur höherpreisigen MX200 Serie, welche über einen SLC-Cache mit variabler Größe verfügt, der jedoch einem definierten Bereich des NANDs zu gewiesen ist, setzt die BX200 auf einen SLC-Cache mit fixer Größe (3, 6 oder 12 GB), welcher jedoch den gesamte NAND-Bereich für Cache-Operationen nutzen kann. Die SSD legt dabei Daten bei Schreibzugriffen zuerst im SLC-Cache ab, welcher durch die einfacher zu verwaltende SLC-Technologie (1 Bit pro Zelle) schnellere Schreibvorgänge erlaubt und überträgt diese anschließend in die per TLC angesprochenen NAND-Bereiche.

Auf eine Verschlüsselung auf Hardwarebene ist auch bei der BX200 verzichtet worden. Somit folgt das neue Modell in diesem Punkt der BX100 Serie. Wer eine Hardwareverschlüsselung benötigt, muss zur MX200 Serie greifen. Eigentlich schade, unterstütze bereits der Chipsatz der BX100 entsprechende Verschlüsselungsverfahren, hat sich Crucial wohl aus Gründen der Produktdifferenzierung gegen eine Implementierung entschieden.

Technische Daten

Speicherkapazität nominell

240 GB

480 GB

960 GB

Schnittstelle

SATA 6 Gbit/s

SATA 6 Gbit/s

SATA 6 Gbit/s

Formfaktor

2,5 Zoll

2,5 Zoll

2,5 Zoll

Zellentyp

Micron 16 nm TLC NAND

Micron 16 nm TLC NAND

Micron 16 nm TLC NAND

Controller

Silicon Motion SM2256

Silicon Motion SM2256

Silicon Motion SM2256

Cache

256 MB DDR3

512 MB DDR3

2x 512 MB DDR3

Geschwindigkeit (bis zu)

540 MB/s (Lesen) /490 MB/s (Schreiben)

540 MB/s (Lesen) /490 MB/s (Schreiben)

540 MB/s (Lesen) /490 MB/s (Schreiben)

Abweichungen zum gemessenen Ergebnis (ATTO 8 MB Block)

N/A

+3,3% (557,9 MB/s) / +0,75% (493,7 MB/s)

N/A

Random 4K Lesen / Schreiben

66.000 / 78.000 IOPS

66.000 / 78.000 IOPS

66.000 / 78.000 IOPS

Modellnummer

CT240BX200SSD1

CT480BX200SSD1

CT960BX200SSD1

Abmessungen

100.45 x 69,85 x 7 mm

100.45 x 69,85 x 7 mm

100.45 x 69,85 x 7 mm

Garantie

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

Besonderheiten

SLC Cache (3 GB)

SLC Cache (6 GB)

SLC Cache (12 GB)

Lieferumfang

9,5-mm-Spacer

9,5-mm-Spacer

9,5-mm-Spacer

Preis

circa 83 Euro

circa 140 €

circa 290 Euro

 

Leistungstest

Um die Leistung der Crucial BX200 480 GB zu überprüfen, haben wir verschiedene Benchmarks auf unserem Testsystem ausgeführt und die erreichten Ergebnisse dokumentiert. Dabei unterscheiden wir sogenannte synthetische Benchmarks, bei denen die maximale Leistung der SSD gemessen wird sowie praxisnahe Benchmarks, die das Arbeiten mit dem Laufwerk im Alltag widerspiegeln. Zum Vergleich haben wir mitunter die Crucial BX100 250 GB herangezogen.

Testsystem

  • Prozessor: Intel Core i7-6700K 4,0 GHz (Skylake), Turbo Boost aktiv, Hyperthreading aktiviert
  • Mainboard: Asus Maximus VIII Extreme
  • Kühler: Noctua NH-D15
  • Ram: 16 GB G.Skill Ripjaws V DDR4 2.400 MHz CL 15-15-15-35
  • Systemlaufwerke: Intel SSD 750 420 GB & SanDisk Extreme Pro 480 GB
  • Grafikkarte: MSI Radeon R9 390X
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: be quiet Straight Power 1.000 Watt

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • HD Tune Pro 5.5
  • A.S. SSD Benchmark 1.7
  • ATTO Disk Benchmark 2.47
  • Futuremark PCMark 8
  • Adobe Reader
  • itunes
  • Avira AntiVir Premium 2015
  • WinRAR 5.1

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen unterhalb des Diagramms ausblenden.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Da jeder Benchmark gleich aufgebaut ist, bieten sie dennoch eine sehr gute Vergleichbarkeit der verschiedenen Laufwerke.

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.

ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von vier Kilobyte bis acht Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die abgebildeten Werte allerdings fast nie zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt. Das ATTO Disk Benchmark verwendet komprimierbare Daten, was vor allem SandForce Chipsätzen zu Gute kommt.

 

Crystal Disk Mark

Das Crystal Disk Mark ist ein weiteres beliebtes Tool, um die Transferleistung von Massenspeichern zu testen. Wir haben mit dem CDM erneut die sequenzielle Transferleistung überprüft.

HD Tune Pro

Die Software HD Tune Pro misst neben den schon erwähnten Parametern ebenfalls die Geschwindigkeit beim Zugriff auf verschiedene Dateigrößen. Dieser Test ist bei SSDs sehr interessant, da vor allem viele kleine Dateien (z.B. 4 KB Blöcke) einen schwachen Controller schnell aus der Bahn werfen. Die Transferraten brechen dann bis auf wenige KB/s ein und es kommt zu Verzögerungen beim Dateizugriff. Gemessen wurden die Blockgrößen 512 Byte, 4 KB, 64 KB, 1 MB sowie der zufällige Zugriff auf alle Arten von Blockgrößen.

Real Benchmarks

Wesentlich interessanter für die spätere Benutzung einer Solid State Disk als Systemlaufwerk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, überprüfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen. Dazu gehören beispielsweise Setup-Routinen, Virenscans oder das Öffnen mehrere Programme zum gleichen Zeitpunkt. Während dieser Testdurchläufe wurde das entsprechende Laufwerk als Systempartition verwendet, auf der Windows 10 Pro x64 lief.

 

Programm-Installationen

Wie die Überschrift schon wiedergibt, haben wir mehrere Setup-Routinen durchlaufen lassen und die dafür jeweils benötigte Zeit der SSD festgehalten. Als Software diente uns hierfür das PCMark 8, iTunes sowie der Adobe Reader.

Anwendungs-Tests

Bei den Anwendungs-Test wurde überprüft, wie schnell das getestete Laufwerk mit alltäglichen Aufgaben fertig wird. Als plastische Beispiele haben wir uns das Entpacken eines ISO-Images mit WinRar sowie das gleichzeitige Öffnen der Programme Avira, Firefox, itunes, PCMark 8 und Acrobat Reader herausgesucht.

Crucial BX200 480 GB SSD Seitenansicht

Fazit

Da sich die neue BX200 äußerlich nicht von ihrem Vorgänger, der Crucial BX100, unterscheidet, kann auch Crucials neustem Sprössling eine gute Verarbeitung quittiert werden. In diesem Punkt leistet sich aktuell aber kein führender Hersteller mehr Schwächen – das war zu Beginn der SSD-Ära noch anders.
In Sachen Lieferumfang bietet die Curcial BX200 das Standardpaket: Neben der SSD befindet sich noch ein 9,5-mm-Spacer in der Verpackung, der dem Einbau in Desktopsysteme oder ältere Notebooks dient. Außerdem gibt es die Cloning-Software Acronis True Image HD als kostenlosen Download dazu, mit welcher sich Daten mühelos von einem alten Datenträger – etwa einer Festplatte – auf die Crucial BX200 SSD übertragen lassen. Der Blick auf die Leistungswerte bescheinigt der BX200 mit 480 GB eine hohe Performance beim sequenziellen Lesen von Daten. Hier kann man sogar die Samsung SSD 850 EVO, wenn auch nur knapp, hinter sich lassen. Beim sequenziellen Schreiben sieht dies anders aus. Hier muss sich die neue BX200 teils deutlich gegen die SSD 850 EVO geschlagen geben, vor allem wenn es um das sequenzielle Schreiben von nicht-komprimierbaren Daten in HD Tune Pro geht. An dieser Stelle macht sich der Umstieg auf TLC bemerkbar, sobald der SLC-Cache-Bereich gefüllt und direkt auf TLC-NAND geschrieben werden muss.
Die gemessenen Ergebnisse im Bereich der zufälligen Lese- und Schreibzugriffe auf verschiedene Blockgrößen lassen die Crucial BX200 480 GB hingegen sehr gut dastehen. Sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben kann die BX100 (mit 250 GB) über die gesamte Bandbreite an getesteten Blockgrößen übertrumpft werden. Beim zufälligen Schreiben liegt die Leistung in etwa auf Höhe der teureren Crucial MX200 mit 250 GB. Beim Lesen muss sich die neue BX200 jedoch der MX200 und der Samsung SSD 850 Evo 500 GB geschlagen geben, wenn auch nur knapp.
Die Alltagstests fallen ebenfalls zu Gunsten der Crucial BX200 SSD aus. Hier war die von uns getestete 480-GB-Version der BX200 durch die Bank weg am flottesten mit dem Ausführen und der Installation verschiedener Programme. Generell sind die Differenzen bei diesen Tests bei modernen SATA-SSDs allerdings eher gering.
Besonders interessant ist die preisliche Gestaltung der BX200-Serie, welche sich definitiv an preissensitive Verbraucher richtet. Ein Blick in die nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht:

Laufwerk

Preis

Preis / GB

Crucial BX200 480 GB

140 €

0,292 € / GB

Crucial BX100 500 GB

150 €

0,300 € / GB

Crucial MX200 500GB

169 €

0,338 € / GB

Samsung SSD 850 Evo 500GB

152 €

0,304 €/ GB

So wird schnell deutlich, dass die BX200 (mit 480 GB) aktuell tatsächlich zu den günstigsten SSDs gehört und somit allen Anwendern empfohlen werden kann, für die der Preis das wichtigste Kaufargument darstellt. Die BX100 darf als Auslaufmodell angesehen werden und lohnt sich in der Anschaffung zum aktuellen Straßenpreis nicht mehr wirklich. Harte Konkurrenz kommt, wie gewohnt, aus dem Hause Samsung. Die Samsung SSD 850 Evo 500 GB ist zwar etwas teurer als die BX200, hat dafür aber eine Verschlüsselung mit an Bord und kann mit fünf statt der nur drei von Crucial gebotenen Jahre an Garantie aufwarten.

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Nils Waldmann

Nils Waldmann

...ist seit über 10 Jahren bei Allround-PC.com und als Redakteur und technischer Leiter tätig. In seiner Freizeit bastelt und konstruiert Nils gerne flugfähige Modelle oder fotografiert und filmt auf Motorsportevents. Im "echten Leben" studierter Wirtschaftsingenieur und Qualitätsmanager.

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