Audi hat letztes Jahr mehreren Modellreihen ein neues Infotainmentsystem verpasst. Wir konnten den Audi A3 Sportback 2020 zwei Wochen lang Probe fahren und haben uns ausführlich mit dem MMI (Multi Media Interface) sowie den diversen Assistenzsystemen auseinandergesetzt. Wie euch diese im Alltag unterstützen können, erfahrt ihr in diesem Erfahrungsbericht.

Der Audi A3 ist 2020 in der vierten Generation erschienen, die Ingolstädter haben bei der neuen Premium-Kompaktklasse vor allem auf Digitalisierung gesetzt. Ein modernes Infotainment mit zwei 10-Zoll-Displays und einige Assistenzsysteme sind bereits serienmäßig an Bord. Audi verwendet den Modularen Infotainmentbaukasten der dritten Generation, welcher auch in anderen Fahrzeugen der VW-Gruppe zum Einsatz kommt. Als SoC dient dabei der Samsung Exynos Auto 8890, eine angepasste Version des Galaxy-S7-Prozessors.

Bedienung und „Hey Audi“-Assistentin

Nicht nur das Karosserie-Design wirkt schnittiger und sportlicher als bei der letzten Generation aus 2012, auch der Innenraum wurde deutlich modernisiert. Bereits beim 2019er-Facelift ersetzte Audi die Analoganzeigen durch Displays, doch jetzt ist der Hauptbildschirm eine Etage tiefer gewandert und sitzt nun leicht in Fahrerrichtung geneigt oberhalb der Mittelkonsole. Gleichzeitig sind viele Tasten verschwunden, aber im Gegensatz zum aktuellen VW Golf gibt es immerhin noch ein paar klassische Bedienelemente abseits des Touchscreens.

Der große Schalthebel sowie das Bedienrad inklusive Touch-Oberfläche sind einem kleinen Hebel gewichen, denn der neue A3 beinhaltet ein Shift-by-wire-Getriebe, das die Fahrmodi elektronisch schaltet. Wer die Gänge beim Fahren manuell wechseln möchte, kann dies über die serienmäßigen Schaltwippen am Lenkrad ausführen. Über eine Lenkrad-Taste oder den Sprachbefehl “Hey Audi“ startet die Sprachassistentin, welche beispielsweise auf Wunsch die Klimaanlage ein- oder ausschaltet. Gedrückthalten der entsprechenden Lenkrad-Taste ruft hingegen den Google Assistant oder Siri vom gekoppelten Smartphone auf.

Das Audi virtual cockpit

Das MMI-Display in der Instrumententafel misst 10,1 Zoll und löst mit 1.540 x 720 Pixeln auf. Ab Werk stattet Audi das Fahrzeug mit einem 10,25 Zoll großen Virtual-Cockpit-Bildschirm aus, das links und rechts noch statische Anzeigen zum Tankfüllstand sowie zur Öltemperatur bietet. Gegen Aufpreis gibt es das Virtual-Cockpit-Plus mit einem vollflächigen 12,3-Zoll-Display samt Full-HD-Auflösung. Dessen Bedienung erfolgt über das Lenkrad.

Das Virtual-Cockpit kann die klassischen Anzeigen zur Geschwindigkeit und Motordrehzahl in verschiedenen Größen und Designs darstellen. Wer möchte, kann die Navigationskarte groß auf das Display legen und sich so 3D-Modelle von Städten oder sogar Satellitenbilder von Google Earth anzeigen lassen. Des Weiteren gibt es dort Menüs für die Telefonfunktion, Medienwiedergabe, Reichweiten- und Verbrauchswerte sowie eine Assistenzanzeige.

Assistenzsysteme

Falls ihr beim Audi-Konfigurator Käsekästchen spielt, erhaltet ihr zahlreiche Assistenzsysteme im A3. Ein Notfallbremssystem und eine Spurverlassenswarnung mit leichten Lenkeingriffen sind bereits serienmäßig integriert, auch ein Ausweich- und Abbiegeassistent ist direkt mit an Bord. Optional bietet das Auto einen adaptiven Geschwindigkeitsassistenten (ACC), einen Spurwechselwarner (Totwinkelwarner), eine Verkehrszeichenerkennung, einen Berganfahrassistenten, einen adaptiven Fahrassistenten sowie einen Parkassistenten für Quer- und Längsparklücken.

Unser Testwagen ist mit dem Assistenzpaket ausgestattet (3.300 Euro), welches bereits einen Großteil der genannten Systeme und ebenfalls den Fernlichtassistenten beinhaltet. Eine Rückfahrkamera und ein Head-up-Display stehen gegen Aufpreis ebenfalls zur Verfügung.

Zum Starten des adaptiven Fahrassistenten muss der untere linke Schalthebel während der Fahrt herangezogen werden. Anschließend wird mit der SET-Taste noch die gewünschte Geschwindigkeit festgelegt, bevor sich der Assistent aktiviert. Er übernimmt sogar automatisch Tempolimits, wenn das Fahrzeug an entsprechenden Verkehrsschildern vorbeifährt. Als Fahrer*in muss darauf geachtet werden, dass das Assistenzsymbol unter dem Tacho grün leuchtet und sich darin eine Art „WLAN-Symbol“ befindet. Das Lenkrad kann dann etwa zehn Sekunden losgelassen werden, bis der A3 wieder dazu auffordert, wie vorgeschrieben die Hände ums Lenkrad zu legen.

Ein durchaus innovatives Feature unter den Assistenzsystemen sind die „Ampelinformationen“, doch was genau steckt dahinter?

Vernetzung mit Ampelinfrastruktur: die Zukunft?

Dank des Connect-Infotainments und Assistenzpakets konnten wir die Funktion „Ampelinformation“ in Düsseldorf ausprobieren. Wider Erwarten steht dieses Feature aber nicht einfach so zur Verfügung, sondern muss über die myAudi-App zusätzlich als Abo dazugebucht werden. Monatlich kostet dies fünf Euro, alternativ steht eine Jahreslizenz für 50 Euro zur Auswahl.

Allerdings ist der Buchungsvorgang leider etwas umständlich gestaltet. Direkt nach der Buchung zeigte die App zwar eine gültige Lizenz an und wies darauf hin, dass zur Aktivierung im Auto eventuell einige Fahrzeugneustarts nötig seien, als wir jedoch einige Stunden nach dem Kauf in Düsseldorf ankamen, funktionierte die Ampelerkennung erstmal nicht.

In einem MMI-Menü wurde die Lizenz korrekt angezeigt, in einem anderen stand wiederum, dass wir doch keine gültige Lizenz hätten. Nach einer etwas längeren Pause klappte es dann aber überraschenderweise doch. Da der A3 nur mit einem Teil der Düsseldorfer Kreuzungsampeln kommuniziert und teilweise auf einer Geraden eher die übernächste Ampel anzeigte, fühlte es sich jedoch eher nach einem Beta-Test an.

Wenn es dann mal korrekt lief, war die Funktion wirklich beeindruckend. Auf dem Fahrerbildschirm wird eine Optimalgeschwindigkeit angezeigt, um die sogenannte grüne Welle zu fahren. Steht man wiederum an einer roten Ampel, läuft ein Countdown, damit es pünktlich zur Grünschaltung weitergehen kann. Sonderlich ausgereift ist Audis Ampelinformation zwar noch nicht, aber es gibt einen kleinen Ausblick in die Zukunft von Vehicle-to-Infrastructure-Diensten (V2I). Aus unserer Sicht lohnt sich das Abonnement der Funktion höchstens für Early-Adopter, die in Düsseldorf oder Ingolstadt sesshaft sind. Treibstoff und Zeit spart man zum aktuellen Stand nämlich nicht nennenswert. Beispielsweise in den USA gibt es Audis Ampelinformation bereits in wesentlich mehr Großstädten. Die spärliche Verfügbarkeit auf dem hiesigen Markt begründen die Ingolstädter damit, dass sich die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland sehr dezentral und mit unterschiedlicher Verkehrstechnik entwickelt hat.

Im Fokus: das MMI-Display

Auf dem MMI-Touchscreen stehen diverse Menüs für Funktionen und Einstellungen zur Verfügung. Abseits des standardmäßigen DAB+-Radios existieren dort etwa ein Kalender mit Smartphone-Synchronisierung, ein News-Menü inklusive Vorlesefunktion und eine Wetter-Anwendung samt Regenradar. Die verschiedenen Kacheln können zur Personalisierung beliebig verschoben werden.

Selbst bei starkem Sonnenschein ist das 10,1-Zoll-Display gut ablesbar. Das kabellos verbundene Smartphone liegt unter der Instrumententafel und wird dort induktiv per Qi-Standard geladen, die Verbindung zu den LTE-Antennen des Autos ist darin ebenfalls gewährleistet. Alternativ stehen vorne zwei USB-C-Schnittstellen sowie optional zwei weiteren Buchsen im Fond bereit.

Das Smartphone verbindet sich primär per Bluetooth, neben Anrufen und der Wiedergabe von Musik funktioniert dann nur Apple Carplay kabellos. Wer Android Auto nutzen möchte, muss einen der zwei vorderen USB-C-Stecker mit dem Smartphone verwenden. Dies startet dann jedoch immerhin ohne Weiteres und lief in unserem Fall stets reibungslos. Statt Spotify ist schließlich nur Amazon Music ins MMI integriert. Für das Auswählen von Spotify-Playlisten über das MMI-Display ist also Android Auto beziehungsweise Carplay vonnöten.

myAudi-App: Einrichtung und Funktionen

Über die myAudi-App stehen jederzeit Fahrzeuginformationen zur Verfügung, allerdings ist die Einrichtung recht aufwendig und es treten öfters Verbindungsprobleme auf. Der erste Schritt: eine Audi-ID erstellen und sich darüber anmelden. Anschließend erfolgt die Abfrage von Vor- und Nachname sowie der Berichtigungen für Telefonkontakte, Kalender und Ortungsdienste. Danach gilt es, die 17-stellige Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) einzugeben – sie befindet sich beispielsweise im Fahrzeugbrief.

Im nächsten Schritt muss die Identität über das Geburtsdatum und die Adresse betätigt werden. Nach Festlegung einer Nutzer-PIN folgt eine TAN-Bestätigung, etwa per Mail oder SMS. Zu guter Letzt gib man am MMI-Display den zehnstelligen Fahrzeugcode ein und legt sich als Hauptnutzer im Fahrzeug fest. Im Anschluss stehen alle myAudi-Funktionen auf dem Smartphone zur Verfügung:

    • Tankfüllstand und Restreichweite
    • Fahrzeugmeldungen: verriegelt/entriegelt, geöffnete/geschlossene Fenster/Türen
    • Fahrtenbuch, Kostenbuch
    • Fahrzeug verriegeln oder entriegeln
    • Audi connect Schlüssel (Smartphone als Schlüssel), Händlerbesuch erforderlich
    • Nutzermanagement
    • Serviceinformationen, Fahrzeuginformationen (Ausstattung)
    • Functions on Demand (Online-Fahrtenbuch, Ampelinformation)
    • Fahrzeugstandort
    • Fernsteuerung der Standheizung (sofern ausgestattet)

Unser Ersteindruck: moderne Technik unter schickem Kleid

Bei unserem Testwagen handelte es sich um den Audi A3 Sportback advanced 35 TDI (S tronic) mit 150 PS beziehungsweise 110 kW, also die mittlere Selbstzünder-Motorisierung samt Automatikgetriebe. Serienmäßig kostet dieses Modell derzeit 36.400 Euro UVP. Dazu kommen 13.725 Euro an Sonderausstattung, was einen Gesamtwert von 50.125 Euro ergibt.

Das ist schon recht viel Geld für einen Kompaktwagen der unteren Mittelklasse, aber Audi ist bekanntlich eine Premiummarke der VW-Gruppe. Sparsam geht hingegen der Motor mit dem Treibstoff aus dem 50-Liter-Tank um, denn wir kamen auf einen Durchschnittsverbrauch von 5,5 Litern. Auf 100 Kilometer waren das in unserem Fall 7,60 Euro Treibstoffkosten bei einem Dieselpreis von ca. 1,35 Euro pro Liter.

Das MMI ist aus unserer Sicht für diese Preisklasse angemessen und gehört zu den besseren Infotainmentsystemen auf dem Markt. Besonders angenehm empfanden wir die Anpassbarkeit und Funktionen des großen Fahrerbildschirms. Grundlegend wissen auch die Assistenzsysteme zu gefallen, allerdings ist der Einparkassistent noch ausbaufähig und das Auto gibt zu wenig Feedback, wann der adaptiven Geschwindigkeitsassistent (ACC) und wann der adaptive Fahrassistent arbeitet. Generell kam beim Fahrassistenten nicht wirklich Autopilot-Feeling auf, denn die Hände wollten wir lieber nicht vom Lenkrad entfernen.

Insgesamt machte der Kompaktwagen besonders in der Sonderfarbe Pythongelb gemeinsam mit dem schwarzen Optikpaket viel her. Auch innen gab es bis auf den ausgeprägten Hartkunststoffanteil kaum etwas zu bemängeln.


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