Moderne Highend-SSDs auf PCIe-Basis entwickeln unter Last eine nicht zu vernachlässigende Abwärme. RaidSonic will diesem Problem mit dem neuen ICY BOX IB-M2HSF-702 M.2-Kühler begegnen. Wir machen den Test für euch.

Überblick: SSDs kühlen?

Wer eine schnelle NVMe-SSD mit PCIe 3.0- oder gar PCIe 4.0-Anbindung sein Eigen nennt oder eine solche Anschaffung plant, muss sich für konstante Höchstleistung des Laufwerkes auch Gedanken über eine entsprechende Kühlung des Solid State Speichers machen.

Unter Auslastung, das heißt, wenn große Mengen an Daten von dem Laufwerk gelesen und vor allem auf das Laufwerk geschrieben werden, erwärmen sich die Komponenten der SSD recht stark.

ICY BOX IB-M2HSF-702 M.2-Kühler Front

Der M.2-Kühler erinnert an einen kleinen CPU-Tower-Cooler.

Die größte Wärmequelle ist in der Regel der SSD-Controller, der die Kommunikation zwischen Host-Controller und dem NAND-Speicher koordiniert. Temperaturen von 90 °C und mehr sind somit unter länger anhaltenden Lastperioden keine Seltenheit.

Damit die SSD dabei keinen Schaden durch zu hohe Temperaturen nimmt, haben alle modernen M.2-SSDs ein Temperaturmanagement an Bord. Oft wird diese Technologie auch als „Throttling“ bezeichnet. Im Grunde passiert hier nichts anderes, als dass der Controller die Leistung der SSD drosselt, um eine kritische Temperaturschwelle nicht zu überschreiten.

Für den Benutzer bedeutet das: Die SSD wird zwar nicht zu heiß, um einen Defekt zu erleiden, dafür sinkt die Transferleistung bei hohen Temperaturwerten aber teilweise deutlich ab.

Um genau das zu verhindern, gibt es spezielle Kühler für M.2-Module. Mit dem ICY BOX IB-M2HSF-702 M.2-Küher hat RaidSonic ein besonders potentes Modell im Angebot, das sogar über einen Lüfter verfügt.

Wir haben den IB-M2HSF-702 Kühler* in diesem Artikel für euch getestet.

Design und Montage

Auf den ersten Blick sieht der M.2-Kühler für SSD-Laufwerke von RaidSonic aus wie ein geschrumpfter CPU-Kühler.

Der Wärmetauscher der Kühlkonstruktion besteht aus neun Aluminium-Fins mit einer Stärke von 0,5 mm, die im Abstand von 2 mm zueinander platziert sind.

ICY BOX IB-M2HSF-702 M.2-Kühler Heatpipes
ICY BOX IB-M2HSF-702 M.2-Kühler Bodenplatte
ICY BOX IB-M2HSF-702 M.2-Kühler 4 Pin Stecker

Durchzogen werden diese Kühlrippen von zwei 4-mm-Heatpipes, die durch den Sockel des Kühlers verlaufen. So soll die Wärme von dem SSD-Modul möglichst effektiv abgeführt werden. Dafür sorgt unter anderem der integrierte 30-mm-Lüfter, der via 4-PIN-Stecker an die Lüftersteuerung des Mainboards angeschlossen wird.

Der Sockel selbst besteht ebenfalls aus einem weiteren massiven Aluminium-Kühlkörper, der über eigene vertikale Kühlrippen verfügt.

Die M.2-SSD darf für die Montage in dem ICY BOX IB-M2HSF-702 maximal 80 mm lang sein, was dem Standardmaß für Consumer-SSDs entspricht.

Zur Montage des M.2-Moduls werden vier Schrauben an der Kühlerbasis gelöst. Danach lässt sich die Bodenplatte abnehmen. Die M.2-SSD wird nun beidseitig mit den mitgelieferten Wärmeleitpads beklebt und anschließend als „Sandwich“ zwischen Sockel und Bodenplatte eingeschlossen.

So sollen beide Seiten des Laufwerks gekühlt werden. Das ist vor allem wichtig für SSDs, die beidseitig mit Speicherchips bestückt sind.

Insgesamt ist der RaidSonic Kühler gut verarbeitet. Die Kühllamellen sind nicht auffällig scharfkantig und auch die Heatpipes hinterlassen einen hochwertigen Eindruck. Die Montage geht in wenigen Minuten von der Hand.

Übrigens: Um den Kühler auf eurem Mainboard montieren zu können, müssen mindestens 5,5 cm über dem M.2-Slot frei sein. Gegebenenfalls vorhandene, passive M.2-Kühler des Mainboards müssen  zuvor entfernt werden.

M.2-Kühler im Leistungstest

Wirklich interessant ist bei einem Kühler natürlich die verfügbare Kühlleistung. Hier gibt RaidSonic eine maximale TDP von 25 Watt für seinen M.2-Kühler an.

Ein Wert, der auch für die hitzigsten NVMe-SSDs am Markt ausreichen dürfte. Als Anhaltspunkt: Moderne Highend-SSDs auf PCI 4.0-Basis weisen meist eine maximale Leistungsaufnahme von circa 8 Watt auf. Der Kühler hat also das Potenzial auch zukünftige Generationen an Solid State Modulen noch ohne Probleme kühlen zu können.

Für unseren Leistungstest haben wir eine Kombination aus Crystal Disk Mark 7 und einem Dauerschreibtest (800 GB am Stück) gewählt, um das Testlaufwerk auf Temperatur zu bringen.

Testsystem

  • Prozessor: AMD Ryzen 7 3800X 4,5 GHz, Turbo Boost aktiv, SMT aktiviert
  • Mainboard: MSI MEG X570 Godlike
  • Kühler: Arctic Freezer 33 eSports One
  • RAM: 32 GB Corsair Vengeance LPX DDR4 4.000 MHz
  • Systemlaufwerk: Samsung SSD 960 Pro (500 GB)
  • Grafikkarte: XFX 5600XT
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: Corsair RM 650 Watt

Als SSD kam die Seagate FireCuda 520 1 TB mit PCIe 4.0-Support zum Einsatz, da diese keinen eigenen Kühler besitzt, generell aber zu den „wärmeren Laufwerken“ gezählt werden kann. Ohne Kühler haben wir am Controller der SSD unter Volllast maximal  95° C gemessen.

Der Leerlaufwert wurde 15 Minuten nach dem Start des Computers ermittelt. Während dieser Zeit wurde das Testlaufwerk nicht angesprochen und war frisch formatiert.

Der integrierte Lüfter wurde durch die Regelung des Mainboards gesteuert. Dabei erreicht der Lüfter eine maximale Drehzahl von 5200 U/min (ungeregelt liegt die Nenndrehzahl bei 8500 U/Min).

M.2-Kühler Thermal 1
M.2-Kühler Thermal 2

Als Referenztemperatur für die Regelung wurde der Mainboardsensor für den M.2-Slot verwendet. Im Gegensatz zum integrierten Temperatursensor der SSD (siehe Diagramm), wird hier aber nur die Umgebungstemperatur des Slots gemessen. Eine Standardregelkurve des MSI MEG X570 Godlike Mainboards sorgte für die Anpassung der Lüfterdrehzahl.

Im folgenden Diagramm sind die Ergebnisse des Tests dargestellt.



Bewertung der Ergebnisse

Es ist klar und eindrucksvoll zu erkennen, welche Temperaturunterschiede der RaidSonic IB-M2HSF-702 Kühler mit unserem Testlaufwerk erreichen konnte.

Differenzen von 9°C im Leerlauf und noch erstaunlichere 38°C unter Last sprechen eine deutliche Sprache: Das Kühlen von NVMe-SSDs macht Sinn.

In puncto Leistung hat sich der Kühler im Übrigen ebenfalls sehr positiv ausgewirkt. Während die FireCuda 520 SSD ohne Kühler nach wenigen Minuten ihre Throttling-Temperatur erreichte und begann die Leistung herunterzufahren, war dieses Verhalten mit dem IB-M2HSF-702 M.2-Kühler über die gesamte Dauer des 800-GB-Schreibtests nicht festzustellen.

In Sachen Geräuschentwicklung können wir dem Kühler ebenfalls ein positives Zeugnis ausstellen. Auch bei über 5000 Touren ist der 30-mm-Fan kaum wahrnehmbar, selbst bei geringer Distanz zum Ohr. Ungeregelt ist der kleine Lüfter aber definitiv hörbar. Da die Kühlleistung schon bei unter 4000 U/min mehr als ausreichend ist, sollte also irgendeine Form der Regelung genutzt werden.

Fazit

Mit dem ICY BOX IB-M2HSF-702 M.2-Kühler hat RaidSonic ein interessantes Produkt für eine noch wenig besetzte Nische im Kühlerbereich im Angebot.

Der Kühler ist hochwertig verarbeitet und überzeugt durch eine einfache Montage. In Verbindung mit einer Lüftersteuerung, z.B. über das UEFI eines aktuellen Mainboards, arbeitet der M.2-Kühler außerdem extrem leise.

Die ermittelten Kühlergebnisse sprechen aus unserer Sicht für sich. Die Temperaturdifferenzen im Vergleich zu ungekühlten Laufwerken sind eindeutig.

Wer auf dauerhafte Höchstleistung seiner SSD angewiesen ist und häufig mehrere 100 GB am Stück auf das Laufwerk schreiben oder damit arbeiten muss (z.B. Videoschnitt), der kann von dem knapp 25 Euro* teuren RaidSonic ICY BOX IB-M2HSF-702 Kühler profitieren. Für alle anderen kann eine aktive Kühlung eine Erhöhung der SSD-Lebensdauer bedeuten, wenn die Komponenten allgemein weniger extremen Temperaturen ausgesetzt werden.

M.2 Kühler
Allround-PC.com
11/2020
ICY BOX IB-M2HSF-702
Empfehlung

Pro

  • gute Verarbeitung
  • sehr gute Kühlleistung
  • einfache Montage
  • leiser Betrieb in Kombination mit optionaler Lüftersteuerung
  • fairer Preis

Contra


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