Test: Kingston IronKey Keypad 200 – Der Fort Knox USB-Stick

Alles "safe" dank PIN-Tastatur?
Kingston

Wenn ein unverschlüsselter USB-Stick im betrieblichen Umfeld den falschen Personen in die Hände fällt, kann das zu erheblichen Schäden führen. Kingston will mit dem neuen IronKey Keypad 200 Speicher genau das verhindern. Wir haben den neuen Hochsicherheits-USB-Stick für euch getestet.

Überblick

Kingston ist als Spezialist im Speichersegment breit aufgestellt und bedient neben Endanwender*innen auch spezielle Marktsegmente, die besondere Sicherheitsanforderungen haben. Dafür wurde bereits vor geraumer Zeit die IronKey-Produktfamilie ins Leben gerufen, die nicht ausschließlich auf maximale Geschwindigkeit gepolt ist, sondern maximale Datensicherheit verspricht.

Auch bei Offline-Speichern – also USB-Sticks und anderen externen Laufwerken – ist die Gefahr real, dass die Daten auf dem Speichergerät in die Hände von Unbefugten gelangen können und somit Schaden entsteht. Damit das nicht passiert, sollten mobile Speichersticks vor allem im geschäftlichen und behördlichen Umfeld stets verschlüsselt sein. Eine Forderung, die in der Praxis auf Basis von Softwareverschlüsselung aber immer mit Zusatzaufwand verbunden ist und damit noch lange nicht in der Breite angewandt wird.

Mit dem neuen IronKey Keypad 200 USB-Stick hat Kingston ein interessantes Produkt für all diejenigen im Angebot, die sich nicht mit Verschlüsselungssoftware herumschlagen wollen und trotzdem höchste Ansprüche an Datensicherheit haben. Der kleine, blaue USB-Stick setzt hierzu vollständig auf Hardwareverschlüsselung mit PIN-Freigabe. Erhältlich ist der USB-Stick mit Kapazitäten von 8 GB, 16 GB, 32 GB, 64 GB und 128 GB. Wir haben für unseren Test das Modell mit 128 GB verwendet.

IronKey Keypad 200: Better safe than sorry?

Geliefert wird der neue IronKey-USB-Stick in einem zweiteiligen, blauen Gehäuse aus Aluminium. Um den Speicher zu verwenden, wird die Außenhülle abgezogen und legt damit den eigentlichen USB-Stick samt Keypad frei. 

Eine kleine Gummidichtung sorgt dafür, dass der USB-Stick im verschlossenen Zustand so der IP57 Schutzart entspricht. Das bedeutet, der Stick vollständig gegen das Eindringen von Staub und sogar gegen zeitweiliges Untertauchen geschützt. Verwendet werden darf der Stick aber nur im trockenen Zustand.

Sobald die äußere Hülle angezogen ist, offenbart sich die direkt in das Hauptgehäuse eingelassene PIN-Tastatur mit insgesamt 11 Tasten. Außerdem zeigen drei LEDs den Betriebsstatus des Flash-Speichers und der Verschlüsslung an.

Das ganze Konzept ist dabei so aufgebaut, dass der IronKey Keypad 200 die auf ihm abgelegten Daten vollständig unabhängig vom Betriebssystem absichert. Dazu ist ein eigener Verschlüsselungschip integriert. Alle Daten, die auf den USB-Stick kopiert werden, werden so mit XTS-AES 256-Bit verschlüsselt.

Erst wenn die richtige PIN eingegeben wird, lässt sich der Speicher mit einem Computer verbinden und als Massenspeichergerät auslesen. Die Verschlüsselung passiert dabei auf Hardware-Ebene, sodass das verwendete Dateisystem unerheblich ist. Das macht den IronKey Keypad 200 sowohl unter Windows, Linux und macOS in verschiedensten Szenarien einsetzbar.

Die allgemeine Verarbeitungsqualität des Sticks ist sehr gut und auch die Tasten der PIN-Tastatur weisen einen erfreulicherweise guten Druckpunkt auf.

Einfache Einrichtung ohne Software

Anwender*Innen, die bereits ihre Erfahrungen mit softwarebasierten Verschlüsselungen für USB-Speichergeräte gemacht haben, dürften über die tatsächlich simplen Einrichtung und Bedienung des IronKey Keypad 200 erfreut sein.

Dank des integrierten Akkus, kann der Stick mithilfe der richtigen PIN ganz einfach in der Hand entsperrt und erst danach in den Computer gesteckt werden. Dafür habt ihr dann 30 Sekunden Zeit, danach sperrt sich der Stick wieder selbst, um unbefugten Zugriff vorzubeugen.

Tipp: Kingston empfiehlt, den Akku des Sticks vor der ersten Verwendung eine halbe Stunde an einem USB-Port aufzuladen.

Auch die Einrichtung ist denkbar einfach: In Kombination mit der „Schlüssel-Taste“ am unteren Rand der Tastatur kann mit verschiedenen, Tastenfolgen ganz einfach eine neue PIN hinterlegt werden. Insgesamt lassen sich eine Admin-PIN und bis zu 10 Benutzer-PINs einspeichern.

Dieses Setting ist gerade für Betriebe und Behörden interessant, in denen viele Personen arbeiten. So kann die zentrale IT-Abteilung mit der Admin-PIN nämlich dafür sorgen, dass vergessene Benutzer-PINs wieder zurückgesetzt werden können und nicht sofort ein Datenverlust droht.

Mehrere Benutzer-PINs ermöglichen es hingegen, dass der Stick zwischen verschiedenen Personen geteilt werden kann, ohne dass jede einzelne Person die eigene PIN preisgeben muss.

Generell gilt aber: Gibt es nur eine Benutzer-PIN und geht dieser verloren, so gibt es keine Möglichkeit, an die Daten zu kommen. Gleiches gilt, wenn ihr (sofern vorhanden) der Admin-PIN verloren geht.

Da uns die Zahlen 0 bis 9 für die Erstellung von Passwörtern zur Verfügung stehen, dürfen diese zwischen 8 und 15 Stellen lang sein. Außerdem prüft der Chip im Inneren, dass es sich nicht um einfach zu erratene Zahlenfolgen handelt und lässt solche Pins gar nicht erst zu.

Erweiterte Sicherheitsfunktionen: Polymere gegen Fingerabdrücke

Kingston meint es bei seinem neuen IronKey-Laufwerk ernst, wenn es um die Sicherheit der Kundendaten geht. Das Unternehmen geht sogar so weit und hat den USB-Stick nach FIPS 140-3 Level 3 zertifizieren lassen. Einem Standard, der das Laufwerk auch für Aufgaben im US-Militär verwendbar macht.

Damit einhergehen einige Features, die sich beinahe wie aus dem Drehbuch eines James Bond Films lesen. Die Tasten der PIN-Tastatur sind beispielsweise mit einem speziellen Polymer überzogen, das kein Fett von den Fingern annimmt und somit das Erraten der Ziffernfolge durch Rückstände auf den Tasten verhindern soll.

Zudem ist die gesamte Platine im Inneren des Sticks mit einem speziellen Epoxidharz eingegossen, sodass ein zerstörungsfreier Zugriff auf die elektronischen Bauteile unmöglich gemacht wird. 

Über einen speziellen Read-Only-Modus (reinen Lesemodus) kann der USB-Stick außerdem verhindern, dass die abgespeicherten Daten durch eventuell vorhandene Malware auf dem verbundene Host-Rechner verändert oder zerstört werden. Damit wird beispielsweise ein wirksamer Schutz gegen Ransomware geschaffen. 

Weiterhin haben die Entwickler bei Kingston auch einen Schutz gegen BadUSB-Angriffe integriert. Bei diesem Angriffsszenario kann eine Manipulation der Firmware eines herkömmlichen USB-Speichergeräts so verändert werden, dass sich dieses beispielsweise als Tastatur an einem Computer ausgibt, um so Eingaben abzufangen. Dagegen schützt Kingston den IronKey KP200 aktiv mit digital signierter Firmware.

Zu guter Letzt gibt es noch einen automatischen Schutz gegen Brute-Force-Angriffe, also das Ausprobieren bestimmter PINs, um die Verschlüsselung zu umgehen. Wird eine Benutzer-PIN 10 Mal falsch eingegeben, wird der Zugang gesperrt. Wird eine Admin-PIN falsch eingegeben, wird der gesamte Inhalt des IronKey Keypad 200 sofort sicher gelöscht.

IronKey Keypad 200: Nur sicher oder auch schnell?

Abschließend werfen wir noch einen Blick auf die Transferleistung des neuen Hochsicherheits-USB-Sticks von Kingston. Dabei ist direkt festzuhalten, dass die der Stick weiterhin auf die allgegenwärtige USB-A-Schnittstelle setzt und somit universell einsetzbar ist. Das macht aus unserer Sicht auch Sinn, da sich USB-C-Geräte im behördlichen und betrieblichen Kontext derzeit noch eher wenig verbreitet sind.

Es handelt sich aber selbstverständlich um einen USB-Stick mit Unterstützung für das USB-3.0-Protokoll. Um es ganz genau zu sagen, setzt der IronKey DT200 auf USB 3.2 Gen 1 x 1 mit einer maximalen Bandbreite von 5 Gbit/s. Diese nutzt der Stick aber gar nicht ganz aus: Die maximalen Transferraten betragen laut Hersteller 145 MB/s beim Lesen und bis zu 115 MB/s beim Lesen.

Wir haben den Kingston IronKey Keypad 200 natürlich auch einem kleinen Leistungstest unterzogen. Als Vergleich haben wir eine schnelle SD-Speicherkarte (Lexar Professional 1667x) mit 256 GB herangezogen, die mit einem Kingston SD-Kartenleser betrieben wurde.







Wie unsere Messungen zeigen, erreicht der Keypad 200 Stick bei sequenziellen Lese- und Schreibtransfers ohne Probleme die vom Hersteller beworbenen Werte. Auch die praktischen Kopiertests unter Windows 11 bringen dasselbe Eregbnis. Das Laufwerk ist selbst bei gleichzeitigen Lese- und Schreiboperationen noch erfreulich schnell unterwegs.

Das Gleiche gilt im Übrigen auch für die wahlfreien Zugriffe auf unterschiedlich große Blöcke. Hier ist der Stick am im Bereich 4K-Blöcke und kleiner zügig unterwegs, sodass das Laufwerk sich potenziell auch zum Ausführen von Anwendungen eignet, die direkt auf dem USB-Speicher installiert wurden.

Alles in allem macht der IronKey Keypad 200 also auch in Sachen Transferleistung eine gute Figur, vor allem unter Beachtung der Tatsache, dass die Daten in Echtzeit verschlüsselt werden.

Fazit

Der Kingston IronKey Keypad 200 ist ganz sicher kein USB-Stick von der Stange. Das beginnt bereits bei dem zweiteiligen Gehäuse und der IP57-Zertifizierung und geht hin bis zu Spezialpolymeren gegen menschliche Fingerabdrücke auf dem Keypad.

Die Handhabung, also das Setzen, Sperren und Entsperren des Speichersticks geht dabei erstaunlich einfach von der Hand. Ein kurzer Blick in die Anleitung bleibt einem aber aufgrund der Abwesenheit jeglicher Softwarekomponenten nicht erspart, um die verschiedenen Blinkmuster der LEDs zu entschlüsseln.

Die Transferleistung des IronKey Keypad 200 geht für ein voll verschlüsseltes Laufwerk ebenfalls in Ordnung, liegt aber natürlich weit abseits des heute Möglichen, wenn wir über externe USB-Speicher sprechen. Für Interessent*innen, die nach einem solchen USB-Stick suchen, dürfte da aber wohl zweitrangig sein.

Preislich müssen derzeit knapp circa 170 Euro für die von uns getestete Version mit 128 GB eingeplant werden. Oftmals reicht für den Transport kritischer Daten aber wohl auch eine kleine Speicherkapazität aus. Die 8-GB-Variante des Kingston Daten-Safes gibt es beispielsweise aktuell bereits ab 70 Euro zu kaufen.

Speicher
Allround-PC.com Award
12/2022
Kingston IronKey Keypad 200
Empfehlung

Pro

  • gute Verarbeitung
  • gute PIN-Tastatur
  • einfache Einrichtung
  • schnelles Sperren und Entsperren
  • unabhängig von Dateisystem und Betriebssystem
  • hoher Verschlüsselungsstandard für Daten

Contra

  • hoher Preis

Nils Waldmann Nils Waldmann

...ist seit über 16 Jahren bei Allround-PC.com und als Redakteur und technischer Leiter tätig. In seiner Freizeit bastelt und konstruiert Nils gerne flugfähige Modelle und ist mit der Drohne unterwegs.

^