Razers Kishi-Controller soll aus eurem Smartphone eine vollwertige Handheld-Konsole machen. Wir haben uns mit hohen Erwartungen an das Android-Gamepad gesetzt und verraten euch im Kurztest, ob der kostspielige Controller sein Geld wert ist.

Design & Verarbeitung

Der Razer Kishi wirkt bereits auf den ersten Blick wie zwei etwas größere und zusammengesteckte Nintendo Switch Joy-Con. Die beiden Controllerhälften sind jedoch nicht vollständig voneinander trennbar, sondern werden durch Gummibänder zusammengehalten. Auf der Rückseite gibt es zwei kleine Scharniere, die sich auseinanderziehen lassen, um den Controller zu öffnen. Andersherum kann der Kishi ebenso unkompliziert wieder zusammengefaltet, geschlossen und verstaut werden, was spontane Runden zwischendurch ermöglicht.

Das elastische Gummiband lässt sich ein wenig auseinanderziehen, sodass auch Smartphones verschiedener Größen einsetzbar sind. Wir haben den Razer Kishi sogar mit dem neuen Poco F2 Pro (hier zum Test) ausprobiert, das mit 6,67 Zoll recht groß ausfällt.

Zwar passte das Gerät noch in die Halterung, jedoch wurde uns der große, randlose Bildschirm ein wenig zum Verhängnis. In Spielen wie Black Desert Online, die den Bildschirm mit Informationen und Schaltflächen vollpacken, verdeckt die Halterung einige Elemente.

Das Controller-Layout orientiert sich sehr am Xbox-Controller, insbesondere was die Anordnung der Haupttasten XYBA (von links im Uhrzeigersinn) und die versetzte Position der Analog-Sticks angeht. Die Beschriftung der Schultertasten dagegen ist an die R1, R2, L1 und L2-Tasten der Playstation-Controller angelehnt. Wer mit einem der beiden Controller bereits Erfahrungen gesammelt hat, findet sich am Kishi also sofort zurecht.

Die Verarbeitungsqualität ist sehr hochwertig und steht den genannten Vorbildern in nichts nach. Von den Hochglanz-Tasten über die gefederten Trigger bis hin zu den reibungslos rollenden Analog-Sticks werden sich Konsolenspieler ab der ersten Sekunde wie zu Hause fühlen.

Eigenschaften

Nicht nur optisch, sondern auch technisch weiß der Razer Kishi zu überzeugen. Da der Controller nicht erst via Bluetooth, sondern direkt über den USB-C-Ladeanschluss des Smartphones verbunden wird, geschehen Eingaben ohne Verzögerung.

Das Smartphone muss früher oder später ans Ladekabel, da Mobile Games auf Dauer sehr am Akku zehren. Dafür ist es jedoch nicht nötig, es vom Controller zu trennen: über einen zusätzlichen USB-C-Anschluss am Controller lässt sich das Smartphone noch während des Spielens aufladen.

Letzten Endes hängt der Nutzen eines Smartphone-Controllers natürlich nicht von der Qualität der Tasten, sondern von der Spiele-Kompatibilität ab. Und hier liegt der Scheideweg, an dem die Entscheidung über einen Kauf gefällt werden sollte. Längst nicht alle Spiele funktionieren einwandfrei mit dem Controller. Bei einigen Spiele-Apps basiert die Steuerung zudem so sehr auf Touch-Funktionen, dass wir regelmäßig zwischen Bildschirm-Tipperei und Joystick-Bedienung hin- und herwechseln mussten.

Kompatible Spiele zeigt praktischerweise die kostenlose Razer Kishi App als Vorschläge an, doch die Mehrzahl der empfohlenen Titel ist aufgrund ihres Minispiel-Charakters wenig ansprechend. Mit Prügelspielen wie Street Fighter IV oder Shadow Fight 3 kommt kurzweiliger Spielspaß auf, der einem 90-Euro-Controller jedoch nicht ganz gerecht wird. Hinzu kommt, dass eine Unterstützung für große Mobile-Titel wie PUBG und Call of Duty: Mobile gänzlich fehlt. Deutlich reizvoller sind da kostenpflichtige Spiele, darunter GTA III, GTA: San Andreas und GTA: Chinatown Wars. Als begeisterter Fan des Mobile-Ports von Star Wars: Knights of the Old Republik sind Smartphone-Versionen von älteren PC- oder Konsolen-Titeln ohnehin meine bevorzugte Art des Mobile Gaming.

Emulatoren und Cloud Gaming schöpfen das Potenzial aus

Besonders reibungslos funktioniert der Razer Kishi dagegen mit den meisten Emulatoren: Wir haben diverse alte Gameboy-Spiele ausprobiert, die ohnehin auf die Steuerkreuz-AB-Tastensteuerung ausgelegt sind. Alte Klassiker wie die Pokémon-Reihe lassen sich so wesentlich angenehmer am Smartphone wiederbeleben, als wenn wir an digitalen „Knöpfen“ direkt auf dem Display herumdrücken.

Interessant wird auch die Kombination aus Razer Kishi, Smartphone und einem Cloud Gaming Dienst wie Google Stadia oder GeForce Now. So könnt ihr das Nintendo-Switch-Konzept, AAA-Titel einfach im Handheld-Modus auf der Couch zu genießen, auf unterstützte PC-Spiele anwenden.

Fazit

Der Razer Kishi darf sich ohne Zweifel zu den besten derzeit auf dem Markt erhältlichen Gaming-Controllern für Smartphones zählen. Sofern das gewünschte Spiel die Controller-Eingaben unterstützt, lässt es sich mit dem Kishi so bequem und intuitiv bedienen, wie jedes Playstation-, Xbox- oder Switch-Spiel mit dem jeweiligen Controller.

Selbst größere Smartphones passen in die Halterung und rutschen dank mehrerer Gummiflächen nicht heraus. Besonders lobenswert ist auch der zusätzliche USB-C-Passthrough zum Laden während des Spiels.

Eine Kaufempfehlung hängt gänzlich davon ab, wie ihr den Kishi nutzen wollt. Einige der beliebtesten Mobile Games, darunter CoD: Mobile und PUBG lassen sich nicht mit dem Controller bedienen und die Übersicht der unterstützten Spiele wird anspruchsvollere PC- und Konsolenspieler eher abschrecken. Für wirklich lohnenswerte Spiele müsst ihr oft zusätzlich zahlen, Emulatoren-Gamer dagegen lassen mit dem Kishi ihre alten Lieblinge in vollem Glanz aufleben.

Preislich liegt der Razer Kishi bei recht teuren 89,99 Euro UVP,* was für den reinen Genuss von kurzweiligen Mobile Games ein ziemliches Sümmchen ist. Lohnen könnte sich die Investition vielmehr für jene, die das meiste aus ihrem Cloud-Gaming-Abonnement herausholen möchten. So sind AAA-Titel auch direkt auf das Smartphone streambar, ohne auf die gewohnt hochwertige Steuerung eurer Lieblings-Konsolen zu verzichten.

Gadgets
Allround-PC.com
07/2020
Razer Kishi
Innovation

Pro

  • sehr hochwertige Verarbeitungsqualität
  • vollwertiges Controller-Layout
  • Zahl der kompatiblen Smartphones
  • USB-C-Ladeport für das Smartphone
  • lässt sich kompakt verstauen

Contra

  • Preis
  • viele Spiele werden nicht oder nur teilweise unterstützt

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