Das Poco F2 Pro steigt in die gewaltigen Fußstapfen des erfolgreichen „Flaggschiff-Killers“ Pocophone F1, das 2018 mit flotter Hardware zum günstigen Preis punkten konnte. Ob Xiaomi erneut der große Wurf gelingt, erfahrt ihr in diesem Test.

Übersicht

In der Vorgeschichte des Poco F2 Pro gab es ein Paar Turbulenzen, die den Start des Smartphones aus Fernost ein wenig überschatten. Der Vorgänger Pocophone F1 (zum Test) galt 2018 als absoluter Geheimtipp und Flaggschiff-Killer. Zum Kampfpreis von 360 Euro bot es einen damals topaktuellen Snapdragon 845, eine Dual-Kamera und Quick Charge 3.0.

Mit der Ankündigung des Nachfolgers Poco F2 Pro weckte Xiaomi, zu dem die Sub-Marke Poco gehört, also Hoffnungen auf einen Flaggschiffkiller 2.0. Im Grunde handelt es sich um ein Rebrand des Redmi K30 Pro, die Spezifikationen lesen sich nahezu identisch. Mitte Mai wurde das Gerät dann offiziell vorgestellt und sollte mit 499 Euro UVP (6 + 128 GB) bzw. 599 Euro UVP (8 + 256 GB) deutlich günstiger sein, als zuvor angenommen. Beim deutschen Marktstart gab es die nächste Überraschung: Hierzulande sollte bereits die schwächere Variante ohne Vorankündigung bei 599,90 Euro starten, inzwischen ist der Preis jedoch wieder dauerhaft auf 499,90 Euro gesenkt worden. Aktuell gibt es das Xiaomi Poco F2 Pro ab 444,- Euro im Internet erhältlich.

Lieferumfang

  • Poco F2 Pro
  • 33W-Schnelladenetzteil
  • USB-Kabel (A-zu-C)
  • Silikon-Smartphonehülle
  • Bedienungsanleitung
  • SIM-Tool

Design & Verarbeitung

Das erste Pocophone F1 erreichte sein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis nicht zuletzt durch ein schlichtes Design, das mit knalligen Farben, einem dicken Displayrand und der Kunststoffrückseite eher der mittleren Preisklasse entsprungen schien. Beim Nachfolger schlägt Xiaomi offensichtlich einen anderen Weg ein und hüllt das Poco F2 Pro in ein edles Gehäuse mit einer mattierten Glasrückseite.

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Unser Testmodell kommt in „Cyber Grey“ daher, welches im Xiaomi Online-Store als Schwarz gelistet wird. Weitere Farboptionen sind „Electric Purple“, „Phantom White“ und „Neon Blue“, die allesamt auf hellere Farbnuancen und eine matte Oberfläche setzen. Auch die Symmetrie der vier kreisförmig in der Mitte angeordneten Kameralinsen trägt zum aufgeräumten Look bei.

Während die Ränder der Glasrückseite leicht abgerundet sind, bleibt das 6,67 Zoll Display völlig flach, beide Seiten sind jedoch durch Gorilla Glass 5 geschützt. Die dicken schwarzen Ränder des Vorgängers sind passé und auch von einer Notch-, Dewdrop- oder Punchhole-Kameralösung fehlt jede Spur. Die Frontkamera fährt stattdessen als trendige Pop-Up-Kamera aus dem Gehäuse heraus.

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Die Tasten sind an der rechten Seite angeordnet, der Powerbutton hebt sich mit einem roten Anstrich optisch vom restlichen Gehäuse ab. An der Unterseite finden wir neben Lautsprecher und UBS-C-Anschluss auch einen SIM-Karten-Einschub vor, der zwei Nano-SIM-Steckplätze beherbergt. Gegenüberliegend gibt es einen Klinkenanschluss für Kopfhörer, die zuvor genannte Pop-Up-Kamera und einen Infrarotsender als nette Dreingabe.

Das Poco F2 Pro kommt Xiaomi-typisch aus Kostengründen ohne IP-Zertifizierung aus. So ist das Gorilla-Glass-geschützte Smartphone zwar gegen Kratzer, nicht aber gegen versehentliches Fallenlassen ins Spülbecken gefeit. Trotz des hohen Glasanteils liegt das Gerät jedoch auch nicht allzu rutschig in der Hand. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, greift zur rutschfesten und transparenten Kunststoffhülle im Lieferumfang.

Technik & Features

Das hochwertige Äußere ließe sich bereits als Rechtfertigung für den im Vergleich zum Vorgänger enorm gestiegenen Preis sehen. Doch auch unter der Haube wurde nicht gespart. Technisch steht das Poco F2 Pro seinem Flaggschiff-Kollegen aus eigenem Hause, dem Xiaomi Mi 10 (Test), in nichts nach. Ein Qualcomm Snapdragon 865 treibt das Gerät als aktuell schnellster Android-SoC an, hinzu kommen je nach Konfiguration 6 Gigabyte LPDDR4X oder 8 GB LPDDR5 Speicher. Der Gerätespeicher beträgt 128 oder 256 GB, zudem handelt es sich um schnellen UFS 3.1-Speicher. Ein weiterer Vorteil ist das verbaute 5G-Modem, mit dem ihr Zugang zum neuen Mobilfunkstandard erhaltet.

Geekbench 5 (Single-Core)917 Punkte
Geekbench 5 (Multi-Core)3403 Punkte
AnTuTu (8.3.7)565.937 Punkte
3DMark Sling Shot Extreme
(OpenGL ES 3.1)
7228 Punkte

Auch in Sachen Akkukapazität ähnelt das Poco F2 Pro mit 4.700 mAh dem Mi 10. Der Akku lässt sich über das beiliegende 33-Watt-Netzteil mit maximal 30 Watt schnell wieder aufladen, Wireless-Charging ist hingegen nicht mit an Bord. Mit einer Akkuladung hält das Poco F2 Pro so problemlos mindestens einen Tag durch.

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Der Bildschirm konnte bereits im vorausgehenden Abschnitt mit seinem randlos-sauberen Design Punkte sammeln, weiß jedoch auch von technischer Seite zu überzeugen. Inhalte werden auf einem farbstarken 6,67 Zoll AMOLED-Panel im 20:9-Format dargestellt und gleiten mit 60 Hertz nicht überragend, aber ausreichend flüssig über den Bildschirm. Samsungs AMOLED-Technologie sorgt für tolle Kontraste und ein akkuschonendes Always-On-Display. Icons und andere Bildinhalte werden scharf in Full HD+ Auflösung (2.400 x 1.080 Pixel) dargestellt.

Wir konnten mit dem X-rite i1 Pro Display-Profiler eine maximale Display-Helligkeit von 662 cd/m² bei 100 Prozent APL und 893 cd/m² bei 20 Prozent APL messen, was sich im Alltagsgebrauch durch gut ablesbare Bildinhalte, selbst bei hellem Umgebungslicht äußert. Auch unterstützt das Poco F2 Pro die Wiedergabe von HDR10-Inhalten.

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Der Fingerabdruckleser sitzt, wie bei den meisten aktuellen Flaggschiffen, unter dem Display und funktioniert in der Regel sehr schnell und präzise. Gelegentlich waren jedoch auch mit sauberen und trockenen Fingern mehrere Anläufe nötig, ehe das Gerät entsperrt war. Alternativ unterstützt das Poco F2 Pro auch Gesichtsentsperrung über die ausfahrbare Popup-Kamera. Diese arbeitet sehr zuverlässig und schnell, nach kürzester Zeit etablierte sie sich für unseren Test als bevorzugte Entsperrmethode. Das Aus- und Einfahren der Frontkamera kann auf Wunsch durch einen optischen LED-Effekt und einen Soundeffekt begleitet werden. Die LED-Farben sowie Soundoptionen können in den Einstellungen angepasst oder gänzlich deaktiviert werden.

„Dateimanager öffnen? Lade dir doch erstmal TikTok herunter!“

Xiaomis eigene Benutzeroberfläche MIUI, aktuell in der Version 11, bietet viele vorteilhafte Features. Darunter den Dark Mode, von dem das Poco F2 Pro mit seinem AMOLED-Panel besonders profitiert. Weitere Vorteile sowie Tipps und Tricks im Umgang mit der Xiaomi-UI haben wir euch in diesem Beitrag zusammengefasst. Einen Vorgeschmack auf die kommende MIUI 12 gibt es dagegen hier. Praktische Funktionen hin oder her, einen schwer zu ignorierenden Wermutstropfen gibt es dennoch.

Xiaomi schaltet Werbung bei Systemapps, so wird beispielweise ein großflächiges Werbebanner für andere Apps beim Öffnen des Dateimanagers angezeigt. Diese penetranten Einblendungen erinnern an kostenlose Apps, die auf diese Weise ihr Geld verdienen, bis der Nutzer sich entnervt zum Kauf der werbefreien Pro-Variante entscheidet. Bei Xiaomi könnten diese „Vorschläge“ wohl ebenfalls Teil der Marketingstrategie sein, durch die der chinesische Hersteller seine Produkte günstiger verkaufen kann. Doch das Poco F2 Pro, dessen Preis in Deutschland zusätzlich angehoben wird, kommt mit dieser Entschuldigung weniger leicht davon. Die Werbung lässt sich zwar abschalten, dies muss der Nutzer jedoch manuell bei jeder betroffenen App selbst tun.

Kamera

Die Quad-Kamera des Poco F2 Pro setzt sich aus einem Sony IMX686 Hauptsensor mit 64 Megapixeln, einer 13MP Ultraweitwinkelkamera mit 123° Blickwinkel, einer 5MP Tele-Makrolinse samt Autofokus und einem 2MP Tiefensensor zusammen. Das Gesamtpaket kann ansehnliche Ergebnisse vorweisen, insbesondere die Makrokamera schlug sich außerordentlich gut. Beim Härtetest haben wir eine bemitleidenswerte Hummel abgelichtet, die bei Sturmböen versuchte auf einer Blüte ihrem Tagwerk nachzugehen. Mit manuellem Nachfokussieren war es keine allzu große Herausforderung, aus dieser stürmischen Szenerie einige scharfe Ergebnisse zu gewinnen.

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Die Hauptkamera des Poco F2 Pro schlägt sich bei Tageslicht außerordentlich gut, bei nachlassenden Lichtverhältnissen nimmt jedoch auch die Qualität der Ergebnisse enorm ab. Ab Dämmerlicht bleibt das Smartphone besser gleich in der Tasche, am Sonnenuntergang werdet ihr mit euren eigenen Augen in diesem Fall mehr Freude haben.

Beispielbilder Kamera

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Poco-F2-Pro-Kranhäuser
Poco-F2-Pro-Kranhäuser-Zoom

Portraitmodus-Vergleich zwischen Mi 10 (links) und Poco F2 Pro (rechts)

Die Macroaufnahmen des Poco F2 Pro (rechts) müssen sich nicht vor denen des Mi 10 (links) verstecken

Auch die ausfahrbare Frontkamera des Poco F2 Pro liefert gute Bilder, die auf Wunsch mit einem Unschärfeeffekt versehen werden können. Dieser künstliche Bokeh-Effekt funktioniert sowohl bei Front- als auch Hauptkamera mal besser und mal schlechter, hin und wieder werden Bildränder fälschlicherweise scharfgestellt.

Fazit

Xiaomi kann die Erwartungen an den Nachfolger des beliebten „Flaggschiff-Killers“ von 2018 nicht ganz erfüllen. Von rein technischer Seite ist das Poco F2 Pro nahezu auf Augenhöhe mit dem Flaggschiff Xiaomi Mi 10 (Test), kostet jedoch weitaus weniger als das 800-900 Euro teure Topmodell. Wenn die Kameraleistung zweitrangig ist, kann das Poco F2 Pro also durchaus als Xiaomi-interne Alternative zum großen Bruder gesehen werden. Zumal das Gerät optisch einen sehr hochwertigen Eindruck hinterlässt und mit starken Features aufwartet.

Der Snapdragon 865 leistet ganze Arbeit und hält das Poco F2 Pro auf einer Linie mit aktuellen Top-Smartphones, zumal er mit einem integrierten 5G-Modem daherkommt. Der Akku schlägt sich sehr gut – nicht zuletzt dank des energiesparenden und schicken AMOLED-Panels – und ist per Schnelladefunktion schnell wieder aufgeladen. Auch die Quad-Kamera hinkt bei Tageslicht nicht allzu weit hinter der Konkurrenz her.

Der deutlich angestiegene Preis lässt sich vermutlich auch zu Teilen mit besagtem 5G-Modem erklären, drückt jedoch den Gesamteindruck des Pocophone-Erben. Der Preis-Leistungs-Vorteil des Pocophone F1 ist zwar noch vorhanden, wirkt aber – unter Berücksichtigung aller Faktoren – ein wenig blasser als beim Vorgänger. Denn das rundum solide Gesamtpaket kommt mit kleinen Schwächen, die in der ehemaligen 300-400-Euro-Preisklasse problemlos verschmerzbar wären. Darunter fallen die bei Dämmerlicht schwachbrüstige Kamera, der nicht erweiterbare Speicherplatz und besonders die penetranten Werbeeinblendungen der MIUI. Bei einem 500-600 Euro teuren Smartphone darf Xiaomi für eine solche Zumutung für den zahlenden Kunden keine Toleranz mehr erwarten.

Wir haben unser Testmodell über TradingShenzhen* erhalten, alternativ steht das Poco F2 Pro allerdings auch wie gehabt bei Amazon und im erst vor wenigen Monaten eröffneten Mi-Store zur Verfügung.

Pro

  • schickes Design und saubere Verarbeitungsqualität
  • gutes AMOLED-Display
  • schneller Snapdragon 865 mit 5G
  • langlebiger Akku mit Quickcharge
  • Kameraqualität bei Tageslicht

Contra

  • Kameraqualität bei schlechten Lichtverhältnissen
  • MIUI schaltet penetrante Werbung in Systemapps

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