Mit dem Dark Power Pro bietet be quiet eine Netzteilserie an, die sich besonders an sehr leistungsstarke Systeme richtet und dementsprechend eine hohe Ausgangsleistung bietet. Nach gut vier Jahren bringt das deutsche Unternehmen nun mit dem Dark Power Pro 12 die neuste Generation auf den Markt, die neben einem neuen Aluminium-Chassis auch ein volldigitales Design im Inneren erhält. Was das im Detail bedeutet und wie sich das in der Praxis äußert, erfahrt ihr in diesem Testbericht.

Übersicht

be quiet bringt das Dark Power zum Start in zwei Varianten auf den Markt. Neben einem Modell mit 1.200 Watt wird es auch eine Variante mit satten 1.500 Watt geben. Die beiden Netzteile sind ab sofort im Handel erhältlich und liegen preislich (UVP) bei 398 Euro bzw. 439 Euro. Im ersten Jahr nach dem Kauf gibt es einen Express-Austausch-Service, zudem erhält das Netzteil eine 10-jährige Herstellergarantie.

Lieferumfang

  • Dark Power Pro 12 – Netzteil
  • modulare Kabel + Kabelkämme
  • Kabelbinder und Klettbänder
  • Befestigungsschrauben
  • C19-Netzkabel
  • Overclocking-Key und OC-Jumper
  • Bedienungsanleitung

Design & Eigenschaften

Das Netzteil erhält ein komplett neues Design, was sich auf den ersten Blick besonders durch das rundum aus gebürstetem Aluminium gefertigte Gehäuse bemerkbar macht. Damit hinterlässt das Dark Power Pro 12 nicht nur einen sehr hochwertigen Eindruck, es wirkt auch so, als wäre es aus einem Guss gefertigt. Dazu kommt dann noch das relativ hohe Gewicht von rund 2,41 Kilogramm und Abmessungen von 200 x 150 x 86 mm – ein echter Brocken also.

Das Gehäuse des Dark Power Pro 12 ist komplett aus Aluminium gefertigt.

Das Gehäuse des Dark Power Pro 12 ist komplett aus Aluminium gefertigt.

Ein weiteres Highlight ist der 135 mm Lüfter, der durch ein rahmenloses Design unter dem feinmaschigen Gitter zu schweben scheint. Be quiet setzt hierbei auf eine Silent Wings 3 Basis mit 6-poligem Antrieb und fluiddynamischen Lager (FDB). Der Lüfter wird volldigital gesteuert und ist mit maximal 2.600 Umdrehungen pro Minute spezifiziert. Laut Hersteller dreht der Lüfter aber selbst bei 100% Last nur mit 1.220 rpm. Durch die relativ niedrige Drehzahl soll auch ein vergleichsweise geringer Lautstärkepegel erreicht werden, weswegen sich be quiet gegen ein semi-passives Format entschieden hat. Frische Luft erhält der Lüfter übrigens über einen trichterförmigen Einlass, die erwärmte Luft wird dann über Lüftungsschlitze wieder nach hinten abgeführt.

Vollmodulares Design und praktische Kabelkämme

Gegenüber dem Vorgänger hat sich be quiet beim Dark Power Pro 12 für ein vollmodulares Format entschieden. Dadurch gibt es keine fest-fixierten Kabel, was wiederum für mehr Ordnung und Platz im Gehäuse sorgt. Die modularen Kabelstränge sind durchgehend schwarz und einzeln ummantelt. Im Lieferumfang sind einige Kabelkämme aus Kunststoff dabei, mit ihnen können die einzelnen Stränge für ein sauberes Design sortiert und akkurat geführt werden. Jedes Kabel ist mindestens 600 mm lang und kann so auch in größeren Gehäusen gut verlegt werden.

Im Inneren setzt be quiet auf eine volldigitale Steuerung für PFC (Leistungsfaktorkorrekturfilter), die Full Bridge LLC sowie die SR/12V-Schaltkreise (Synchronous Rectifier). Das soll für einen höheren Wirkungsgrad und eine bessere Spannungsstabilität sowie Regelung sorgen, zudem soll die Restwelligkeit verringert werden. Dafür sorgen zwei UCD3138A-MCUs (Mikrocontrollereinheiten) auf einer Tochterplatine. Das be quiet Dark Power Pro 12 erreicht so einen Wirkungsgrad von bis zu 94,7 Prozent (bei 50 % Last) und ist nach 80 PLUS Titanium zertifiziert. Darüber hinaus ist das komplette Innenleben auf AC- und DC-Seite frei von Kabeln (bis auf die Erdungsleitung). Zudem verwendet be quiet hochwertige japanische 105 °C Kondensatoren.

Overclocking-Key schaltet zwischen Multi- und Single-Rail

Eine weitere Besonderheit des Dark Power Pro 12 ist der Overclocking Key, der im Lieferumfang enthalten ist und vom Multi-Rail- zum Single-Rail-Betrieb schalten kann. Die Erweiterung wird, ebenfalls wie die anderen modularen Kabel, mit dem Netzteil verbunden und kann dann in einem Gehäuse-Erweiterungsslot installiert werden. Während im klassischen Betrieb eher die Multi-Rail mit insgesamt sechs Schienen (Standard-Einstellung) zu empfehlen ist, so gibt es zum Übertakten die Hochleistungs-Single-Rail. Mit an Bord sind übrigens alle wichtigen Schutzschaltungen und Sicherheitsfeatures, so beispielsweise ein Überstromschutz, Überspannungsschutz sowie Überhitzungsschutz. Mehr Spezifikationen gibt es bei be quiet auf der Produktseite.

Leistungstest

Für unseren Leistungstest haben wir unser bisheriges Netzteil-Testsystem etwas angepasst. Da die Leistung des Dark Power Pro 12 mit rund 1.200 Watt deutlich über bisherigen, getesteten Modellen liegt, haben wir uns für eine SLI-Konfiguration entschieden. So kommen nun zwei MSI GeForce RTX 2080 Super Gaming X Trio inklusive NVLink zum Einsatz. Der Prozessor unseres Testsystems wird mit dem Tool Prime95 ausgelastet, für die Auslastung der Grafikkarte kommt der Benchmark 3DMark Fire Strike Ultra sowie Furmark zum Einsatz.

Das Auslesen der Leistungsaufnahme erfolgt mit einem Verbrauchsmessgerät der Firma Voltcraft (Plus Energy Monitor 3000). Als Gegencheck haben wir noch einen Voltcraft SEM6000 im Einsatz, der die Messwerte in einer App darstellt. Die Leistungsaufnahmen haben wir in den drei Betriebszuständen Windows-Standby, Idle und Load gemessen.

Testsystem wurde für die Messung:

  • Prozessor: Intel Core i7-7900X @ 3,3 GHz, Turbo Boost aktiv, Hyperthreading aktiviert
  • Mainboard: ASUS ROG Rampage VI Extreme Encore
  • Kühler: MSI MAG Coreliquid 360R AiO-Wasserkühlung
  • Ram: 32 GB Kingston HyperX Predator RGB DDR4-2933
  • Systemlaufwerk: 512GB ADATA XPG SX8000 PCIe 3.0 x4 M.2 SSD
  • Grafikkarte: 2x MSI GeForce RTX 2080 Super Gaming X Trio im SLI/NVLink
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64

Leistungsaufnahme und Spannungen

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen unterhalb des Diagramms ausblenden.





Für unseren Test haben wir das Dark Power Pro 12 noch mit einem Straight Power 11 Platinum 850W (Test) verglichen. Der Unterschied zwischen maximaler Leistung und Wirkungsgrad zwischen den beiden Netzteilen zeigt sich erst unter Volllast – dort verbraucht das Dark Power Pro 12 gut 15 Watt weniger. Mit einer Leistungsaufnahme von 721 Watt ist das Netzteil etwa bei 60 % Auslastung und kann dort etwa 94 % Effizienz ausspielen. Das Straight Power liegt dagegen bei etwa 87 % Auslastung und verbraucht aufgrund der geringeren Effizienz von 93 % etwas mehr Strom. Klar, der Vergleich hinkt etwas aufgrund der unterschiedlichen Maximalleistung – zeigt die unterschiedliche Effizienz aber dennoch recht gut. Im Leerlauf und auch im PC-Energiesparen ist der Stromverbrauch quasi identisch. Im kompletten Standby verbraucht das Dark Power Pro 12 die angegebenen 0,0 Watt (nach ErP-Standard) – kleiner können wir den Verbrauch mit unserem Messgerät nicht ermitteln.

Der verbaute Lüfter dreht wirklich überraschend ruhig, im Leerlauf ist er so gut wie nicht hörbar. Auch unter Last erhöht sich die Lautstärke nur geringfügig, sodass stets Komponenten wie CPU-Kühler oder Grafikkarte den Geräuschpegel des Netzteils übertönen. Laut be quiet liegt die maximale Lautstärke unter Volllast bei 25,8 dB(A) mit 1.220 rpm, bei 50% Last verringert sich die Lautstärke auf lediglich 11,7 dB(A) bei 657 rpm.

Fazit

Mit dem Dark Power Pro 12 möchte be quiet noch die letzten ein oder zwei Prozentpunkte an Effizienz herauskitzeln und präsentiert nicht nur ein sehr leistungsfähiges, sondern auch unfassbar schönes Netzteil. Das Chassis aus gebürstetem Aluminium ist erstklassig verarbeitet und eigentlich viel zu schade, um es unter einer Abdeckung im Gehäuse zu verstecken. Im Inneren setzt be quiet auf hochwertige Komponenten und ein volldigitales Design, um die Effizienz auf bis zu 94,7 % zu bringen. Auch der Lüfter, der förmlich unter dem Metallgitter schwebt, wird digital gesteuert und läuft selbst unter Last angenehm ruhig.

Darüber hinaus gibt es Pluspunkte für das vollmodulare Design, das in Kombination mit den einzeln ummantelten Kabeln und den mitgelieferten Kabelkämmen ein sauberes Kabelmanagement ermöglicht. Abgerundet wird das Paket noch von einer 10-jährigen Herstellergarantie. Overclocker dürften sich über den entsprechenden Key zum Schalten der 12V-Schienen freuen.

Insgesamt kann das be quiet Dark Power Pro 12 mit einem großartigen Gesamtpaket überzeugen, lässt sich die leicht höher Effizienz und das Premium-Design zu einem Preis von ca. 398 Euro aber auch kräftig entlohnen. Das Netzteil ist also für die Ultra-High-End-Systeme und Gaming-Enthusiasten, die nur das Beste vom Besten verbauen wollen. Eine ähnlich gute Performance liefert auch das be quiet Straight Power 11 Platinum (Test) ab, welches ebenfalls mit bis zu 1.200 Watt erhältlich ist – und dazu preislich etwas attraktiver.

Netzteile
Allround-PC.com
09/2020
be quiet! Dark Power Pro 12
Empfehlung

Pro

  • erstklassige Verarbeitungsqualität
  • einzigartiges Aluminiumgehäuse
  • hochwertige Komponenten im Inneren
  • sehr leiser Betrieb
  • sauberes Kabelmanagement möglich
  • 10 Jahre Herstellergarantie

Contra

  • hochpreisig

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