Bei Geschwindigkeiten von über 7.000 Megabyte pro Sekunde erreichen besonders PCIe Gen4 SSDs gern mal Temperaturen von über 90 Grad Celsius – die Leistung geht dann schnell in den Keller. Damit so eine M.2-SSD die maximale Leistung möglichst lange halten kann, sind geringe Temperaturen wichtig. Einige Mainboards besitzen daher Kühler-Aufsätze für die kompakten Flash-Laufwerke, einige Hersteller statten ihre SSDs sogar schon ab Werk mit einem Passivkühler aus. Sollte dies jedoch nicht der Fall sein, lässt sich die SSD auch im Nachhinein noch mit einem Kühler ausrüsten – beispielsweise mit dem neuen MC1 aus dem Hause be quiet. Doch wie effektiv ist so ein Kühler wirklich?

Be quiet hat den MC1 sowie die separate Pro-Variante im März vorgestellt. Für das deutsche Unternehmen ist der SSD-Kühler ein Novum, denn bisher umfasste das Portfolio nur CPU-Kühler (Luft und Wasser). Preislich liegt der MC1 Kühler bei 12,90 Euro UVP, der MC1 Pro kostet 16,90 Euro UVP. Der Unterschied: beim Pro-Modell ist eine zusätzliche Heatpipe integriert, welche die Wärme noch effektiver auf den Kühlkörper verteilen soll.

Im Lieferumfang des be quiet MC1 ist neben dem Kühler selbst noch ein kleiner Schraubendreher sowie vier kleine Kreuzschlitzschrauben zur Montage dabei. Die beiden Kühlelemente sind bereits ab Werk mit einem langen Wärmeleitpad ausgestattet (geschützt durch eine blaue Folie). Weitere Details zum be quiet MC1 gibt es hier.

Design & Montage

Der be quiet MC1 SSD-Kühler ist sehr simpel aufgebaut und besteht aus zwei Elementen, die miteinander verschraubt werden. Damit sowohl „Single-Sided“ als auch „Double-Sided“ SSDs genutzt werden können, gibt es zwei unterschiedliche Montagepunkte für die vier kleinen Schrauben. Welcher Punkt für den jeweiligen Typ gedacht ist, wird durch die Beschriftung recht schnell ersichtlich. Insgesamt ist die Montage nicht nur sehr einfach, sondern auch nach wenigen Handgriffen erledigt. Achtet darauf, dass ihr die SSD auf der linken Seite (dort, wo die halbrunde Einkerbung ist) bündig zum Kühler einsetzt. Das SSD-Kühler-Duo wird dann ganz klassisch mit der kleinen M.2-Schraube auf dem Mainboard installiert.

Das Kühler-Sandwich sorgt sowohl auf der Ober- als auch Unterseite der SSD für eine Ableitung der Wärme. Bereits ab Werk sind Wärmeleitpads auf den beiden Hälften aufgebracht, lediglich die blaue Schutzfolie muss vor der Montage abgezogen werden. Während das untere Element als äußeres Gehäuse dient, so wird die SSD von oben durch das eigentliche Kühlelement zugedeckt. Ein Tipp: die Pads haften gut an der SSD, seid daher vorsichtig bei der Demontage.

Kühler-Sandwich mit doppelten Wärmeleitpads

Für unseren Test haben wir eine WD Black SN850 (Test) in den Kühler gepackt, mit dieser Single-Sided-SSD hat das Gesamtpaket dann eine Dicke von 9,98 mm. Mit einer doppelt bestückten SSD (also Chips auf Ober- und Unterseite) werden es dann ein paar Millimeter mehr sein. Das aus einem Aluminiumblock gefräste Kühlelement besitzt eine Dicke von knapp 5 Millimeter. Be quiet hat sich für fünf größere „Kühlfinnen“ und drei diagonale Einschnitte entschieden. Der im Gehäuse (hoffentlich) vorhandene Luftzug soll die Abwärme dann möglichst effektiv abführen.

Das Design des SSD-Kühlers ist, wie für be quiet Produkte üblich, eher schlicht gehalten und ohne großes „Bling-Bling“. Durch den durchweg schwarzen Look werden sich besonders Nutzer mit einem schwarzen oder weißen Mainboard freuen, dort lässt sich der Kühler eher unauffällig einbinden. Unten rechts ist der Produktname aufgebracht, oben Links – etwas größer – das Herstellerlogo. Dort verliert der MC1 leider etwas an Kühloberfläche, das sollte sich jedoch nur bedingt bemerkbar machen. Die Verarbeitung ist erstklassig, wir konnten keine Mängel feststellen.

Kühlleistung

Jetzt stellt sich natürlich die alles entscheidende Frage: wie effektiv ist so ein SSD-Kühler wirklich? Und kann er die maximale Leistung der M.2-SSD länger aufrechterhalten? Für unseren Praxistest haben wir das Paket aus SSD und Kühler auf ein Testsystem geschnallt und einige Benchmarks durchgeführt. Hierzu haben wir Crystal Disk Mark (mehrere Läufe) genutzt, zudem wurde die SSD durch das Schreiben von großen Dummy-Dateien unter Last gesetzt.

Testsystem:

  • Prozessor: AMD Ryzen 5 3600, 6 Kerne (12 Threads), bis zu 4,2 GHz (Turbo), Turbo Boost & Hyperthreading aktiviert
  • Mainboard: MSI B550 Tomahawk
  • Arbeitsspeicher: 16 GB Thermaltake Toughram RGB White DDR4-4400
  • Systemlaufwerk: 512 GB Samsung 960 Pro PCIe 3.0 x4 M.2 SSD
  • Grafikkarte: KFA GeForce RTX 3070 SG
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64



Mit unserem Testsystem kann der be quiet MC1 die WD Black SN850 besonders unter Last um einige Grad Celsius kühler halten. Ohne Kühler war die SSD bei uns knapp 33 °C wärmer und drosselte die Leistung im Crystal Disk Mark schon nach kurzer Zeit. Mit montiertem Kühler konnte die SSD die maximale Leistung im Benchmark deutlich länger aufrechterhalten.

Wirklich wichtig ist jedoch, dass euer Gehäuse einen guten Airflow besitzt. Da der MC1 keinen aktiven Lüfter besitzt, so wie beispielsweise der RaidSonic ICY BOX IB-M2HSF-702 (Test), kann die Wärme nur durch den Luftzug der im System installierten Lüfter abgeführt werden. Im rein passiven Betrieb erreichte das Paket aus Kühler + SSD eine maximale Temperatur von knapp 82 °C – vergleichsweise hoch, aber ein Stück besser als ohne Kühler. Natürlich sind die Temperaturen auch von der gewählten M.2-SSD abhängig, behaltet das im Hinterkopf.

Besonders die Wärmebildaufnahmen zeigen, wo der „Hotspot“ bei einer SSD liegt. Zwar nutzen Hersteller vermehrt Aufkleber mit Kupferanteilen auf der Oberseite, um die Hitze besser zu verteilen, der MC1 kann die Wärme jedoch deutlich besser aufnehmen und an die Luft abgeben.

Preisvergleich

Fazit

Nicht nur Prozessor, Grafikkarte und Stromversorgung müssen einen kühlen Kopf bewahren, auch leistungsstarke Speicherlaufwerke wie M.2-SSDs benötigen mittlerweile eine Kühlung. Besonders moderne PCIe Gen4 SSDs mit 7.000 Megabyte pro Sekunde werden schnell zum Hitzkopf. Nur mit einem Kühler lässt sich die maximale Leistung länger aufrechterhalten, auch die Langlebigkeit eures Systems profitiert davon – denn je kühler die Hardware, desto länger bleibt sie euch erhalten. Sollte euer Mainboard also kein SSD-Kühlelement besitzen, sind die 11 bis 12 Euro sicherlich eine sinnvolle Investition. Für ein paar Euros mehr gibt es noch die Pro-Variante mit Heatpipe, die wohl noch ein paar Grad Celsius herausholen kann.

SSD-Kühler
Allround-PC.com
04/2021
be quiet! MC1
Empfehlung

Pro

  • gute Kühlleistung
  • schnelle, unkomplizierte Montage
  • hochwertige Verarbeitung
  • kompatibel zu Single- und Double-Sided-SSDs
  • sehr fairer Preis

Contra


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