Valco VMK20 im Test: Der etwas andere ANC-Kopfhörer

Bluetooth-Kopfhörer mit finnischem Humor
 / Tim Metzger

Mit dem Valco VMK20 bietet ein kleines Unternehmen aus Finnland den angeblich „besten ANC-Kopfhörer, den man sich leisten kann“ an. Durch humorvolles Marketing, herausragenden Klang und ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis soll der VMK20 überzeugen. Doch was steckt wirklich dahinter? Das haben wir für euch getestet.

Übersicht

Der VMK20 ist das Hauptprodukt von Valco, einem in 2018 gegründeten Unternehmen, das man wohl als Scherz-Firma zusammenfassen könnte. Die Produktseite und Geschichte von Valco strotzt nur von finnischem Humor. Beispielsweise zeigt das vollständige Logo zwei Strichfiguren beim Sex, der CEO ist frei erfunden und die Bedienungsanleitung steckt voller Witze, inklusive eines Kapitels auf Klingonisch. Abseits des Kopfhörers bietet das Unternehmen noch ein Paar True-Wireless-Kopfhörer und einen Bluetooth-Lautsprecher an. Seit 2021 ist der VMK20 über die offizielle Webseite für 169 Euro erhältlich, wahlweise in Schwarz oder Grau.

Valco betont, dass er nur etwa halb so viel im Vergleich zu Konkurrenzprodukten kostet. Ein Preisvergleich zeigt schnell auf, dass dies höchstens auf die Apple AirPods Max zutrifft, denn die aktuellen Top-Modelle von Sony und Bose liegen bei rund 250 Euro. Der Valco-Kopfhörer liegt in der Preisklasse des Sony WH-1000XM3 und Sennheiser PXC 550-II. Wer es auf die Preis-Leistungs-Krone abgesehen hat, muss außerdem an dem Soundcore Life Q30 (Test) für 80 Euro vorbei.

Bei den Finnen gibt es immerhin eine Prise Greenwashing für das gute Gewissen: Für jeden verkauften VMK20 pflanzt das Unternehmen einen Baum. Übrigens ist VMK die Kurzform von Vastamelukuuloke, das finnische Wort für ANC-Kopfhörer.

Lieferumfang

  • Valco VMK20
  • Reiseetui
  • USB-C-Kabel
  • 3,5-Millimeter-Klinkenkabel
  • Flugzeugadapter
  • Bedienungsanleitung (witzig)

Design und Tragekomfort

Das Herstellerlogo prangt zwar groß auf beiden stoffbezogenen Ohrhörern, doch ansonsten hat der VMK20 ein unauffälliges Design. Die Memory-Ohrenpolster sind wie der Kopfbügel mit veganem Kunstleder überzogen, der Rest besteht überwiegend aus Kunststoff. Der Valco-Kopfhörer wirkt insgesamt gut verarbeitet und stabil, allerdings lässt sich der Kopfbügel im Vergleich zur Konkurrenz nur schwergängig verstellen.

Luxus-Feeling wie etwa bei den Shure Aonic 50 (Test) kommt nicht so recht auf, dafür punktet der VMK20 beim Tragekomfort und der Reisetauglichkeit. Die Ohrhörer lassen sich für den Transport im hochwertigen Hardshell-Case drehen sowie einklappen – in eine große Jackentasche passte der Kopfhörer somit ebenfalls.

Mit seinem Gewicht von rund 250 Gramm und den weichen Polsterungen sitzt der finnische Newcomer sehr angenehm auf Kopf und Ohren. Der Anpressdruck ist nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ausgewogen und durch die straffen Scharniere behält der Bügel selbst bei ruckartigen Bewegungen seine eingestellte Größe bei.

Bedienung und Akkulaufzeit

Zur Bedienung gibt es vier Tasten an den Ohrhörern. Rechtsseitig sind zwei Lautstärketasten vorhanden, dazwischen sitzt die sogenannte Madafakin-Taste. Durch Gedrückthalten dieser Taste wird der VMK20 eingeschaltet; eine finnische Männerstimme haucht einem die Worte „Power on“ ins Ohr. Wer die Madafakin-Taste noch länger drückt, landet im Pairing-Modus. Dann lassen sich auch zwei Geräte gleichzeitig mit dem Kopfhörer verbinden. Kurzes Klicken der Taste startet oder pausiert die Wiedergabe, durch längeres Drücken der Lautstärketasten wechselt man die Audiotitel. Des Weiteren ruft ein Doppelklick der Madafakin-Taste Siri oder Google Assistant über das verbundene Gerät auf.

Zum Einschalten oder Abschalten der aktiven Geräuschunterdrückung befindet sich am linken Ohrhörer noch eine weitere Taste. Sie funktioniert unabhängig vom Bluetooth-Status der Kopfhörer. Man kann die ANC-Funktion also auch ohne verbundenes Gerät oder im kabelgebundenen Betrieb nutzen. Einen Transparenzmodus, um Umgebungsgeräusche beim Tragen über die Mikrofone durchzulassen, und eine Trageerkennung bietet der Valco VMK20 leider nicht. Außerdem ist keine zugehörige App oder eine Möglichkeit der Klanganpassung vorhanden. In diesem Aspekt verschenken die Finnen viel Potenzial, denn in dieser Preisklasse gehören solche Eigenschaften inzwischen zum guten Ton.

Bei der Akkulaufzeit setzt sich der Kopfhörer hingegen positiv von der Konkurrenz ab. Den Herstellerangaben zufolge sind bis zu 40 Stunden Telefonieren oder 45 Stunden Musikhören mit ANC drin. Im Testzeitraum haben wir die Akkuladung nicht komplett verbrauchen können, jedoch wirken die Angaben ein paar Stunden zu hoch angesetzt – 30 bis 35 Stunden dürften je nach Lautstärkeniveau realistischer sein.

Fahr ruhig von Europa nach Australien. Entspanne dich mit Dingos, Todesottern und was da sonst noch kreucht, fleucht und hüpft. Dann flieg zurück zu deinem erbärmlichen Job. Merkste was? Während der ganzen Zeit musstest du deinen Kopfhörer gar nicht aufladen!

Valco

Damit überbietet der VMK20 die Dauerläufer von Soundcore, den Life Q30 und Life Q35 (Test), offenbar nur auf dem Papier, schneidet hier aber trotzdem überdurchschnittlich ab. Alternativen anderer Marken werden in der Regel eher mit 20 bis 30 Stunden pro Akkuladung beworben. Per USB-C wird der 1.050-Milliamperestunden-Akku in circa zwei bis drei Stunden wieder vollständig aufgeladen. Wenn mal keine Stromquelle in der Nähe ist, lässt sich der Kopfhörer dank des beiliegenden Klinkenkabels selbst mit leerem Akku nutzen.

Klangqualität und Noise Cancelling

Das Unternehmen verbaut zwei 40-Millimeter-Treiber und einen QCC3034-Chipsatz von Qualcomm. Letzterer sorgt für die Unterstützung von Bluetooth 5.0 mit aptX HD, SBC und AAC. Bei der Verwendung mit Apple-Produkten muss bekanntlich auf den hochauflösenden Codec aptX HD verzichtet werden. Vollmundig hebt Valco auf der Produktseite mehrfach die Klangqualität hervor, doch bei dieser Kerndisziplin kann der Kopfhörer nicht beeindrucken.

Das Klangbild ist neutral, allerdings sind die Bässe zu unpräzise und Stimmen klingen etwas hohl. Mit angepasstem Equalizer-Profil lässt sich noch einiges herausholen, ab Werk bleibt der Klang aber hinter der Konkurrenz zurück und ist als mittelmäßig einzustufen. Bei deaktivierter Geräuschunterdrückung verschwindet der hohle Klang, dafür rücken die Höhen mehr in den Vordergrund. Valco empfiehlt Musikhören mit aktivierter Geräuschunterdrückung, da der DSP dafür optimiert wurde – gravierend ist der Klangunterschied allerdings nicht.

Für ANC weist der Kopfhörer vier Mikrofone auf. Auf der Produktseite wirbt Valco mit den Worten „klassenbeste Geräuschunterdrückung“, gesteht in der Bedienungsanleitung man jedoch ein, dass sie nur für niederfrequente Hintergrundgeräusche effektiv ist und nicht bei höheren Frequenzen wie Stimmen.

Dies spiegelt sich ebenso in der Praxis wider: Ein Staubsauger im Nebenraum oder ICE-Fahrtgeräusche werden solide gefiltert, wenngleich nicht vollständig. Alle weiteren Nebengeräusche, die man gerne verschwinden lassen möchte, scheint die aktive Geräuschunterdrückung zu ignorieren, denn Tütenknistern, Tastaturtippen und Gespräche werden lediglich durch die Ohrpolster etwas gedämpft. Bei Telefonaten filtern die Mikrofone zufriedenstellend Hintergrundrauschen, die Stimme wird dabei leicht dumpf übertragen. Für Online-Meetings genügt die Sprachqualität, sofern keine hohen Ansprüche gestellt werden.

Fazit

Zusammengefasst kann der Valco VMK20 die vielversprechenden Marketing-Behauptungen nicht erfüllen. Hinsichtlich Klangqualität und ANC wird mit Superlativen geworben und in Realität nur Mittelklasse geboten. Der Sound ist zwar nicht enttäuschend, aber unbeeindruckend und nicht ohne Hilfsmittel personalisierbar. Erschwerend hinzu kommt ein Mangel an Komfortfunktionen wie eine Trageerkennung.

Pluspunkte gibt es für die lange Akkulaufzeit, den sehr guten Tragekomfort, die hohe Reisetauglichkeit. Charmant sind außerdem die Firmenphilosophie und die ausgefallene Bedienungsanleitung, doch der finnische Humor hilft dem Produkt letztendlich wenig.

Der 169-Euro-Kopfhörer kann aufgrund seiner Schwächen nicht preislich vergleichbaren ANC-Kopfhörern die Stirn bieten. Aus unserer Sicht wäre das Geld bei einem der genannten Modelle von Sony, Sennheiser oder Soundcore schlichtweg besser investiert, wenn man nach einem Allround-Kopfhörer mit effektivem ANC sucht.

Erschwerend kommt hinzu, dass die VMK20 derzeit nur bei einem Händler verfügbar sind.

Pro

  • hoher Tragekomfort
  • reisetauglich
  • überdurchschnittliche Akkulaufzeit
  • (die wohl witzigste Bedienungsanleitung der Welt)

Contra

  • kaum effektives ANC
  • keine App für EQ-Profile oder ANC-Anpassung
  • kein Transparenzmodus, keine Trageerkennung
  • mittelmäßiger Klang ab Werk


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